Dark John Sinclair - Folge 1591
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-4362-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Beschützer aus dem Jenseits
E-Book, Deutsch, Band 1591, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-4362-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Alma Davies war eine junge Frau, die das Schicksal schwer gezeichnet hatte. Sie war dazu verdammt, in einem Rollstuhl zu sitzen. Niemand, nicht mal ihre Eltern ahnten, dass sie trotzdem Helfer besaß. Es waren die Beschützer aus dem Jenseits:
Sie gaben ihr Mut, sie gaben ihr Kraft, und sie waren bereit, für sie alles zu tun; auch zu morden ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Beschützer aus dem Jenseits
»Danke, Rudy, du musst mich nicht begleiten. Ich komme wirklich allein zu recht.«
»Aber es ist Nacht und …«
Alma Davies lachte. »Ich habe nachts keine Angst, ich nicht.«
Sie nickte Rudy zu und legte einen Hebel um, damit sich der Rollstuhl in Bewegung setzte.
Dann fuhr sie hinein in den Dunst und die Finsternis der Nacht …
»Also, wir gehen noch ins Limelight. Was ist mit dir?«
Johnny Conolly runzelte die Stirn. Den Hörsaal und das Uni-Gebäude der Wirtschaftsfakultät hatte er bereits mit einigen seiner Studienkollegen verlassen. Sie hatten den Vortrag eines Fachmanns für Finanzwesen gehört, was gerade in den letzten Wochen sehr aktuell war, denn die Finanzwelt spielte verrückt. Regeln gab es kaum noch. Es hatte die Gier geherrscht, die jetzt in blankes Entsetzen umgekippt war.
Johnny kaute auf seiner Unterlippe. Er kannte das Limelight. Es war so etwas wie eine angesagte Disco, in der es einen Hinterraum gab, in dem Kleinigkeiten als schnelles Essen serviert wurden.
So richtig Lust hatte er nicht.
»Du hast keinen Bock, oder?«
»Richtig.«
»Bist nicht cool drauf?«
Johnny grinste. »Nicht mehr.« Er schielte auf sein Bike. »Aber ihr könnt euch ja noch ein paar heiße Stunden machen. Ich sehe zu, dass ich nach Hause komme.«
»Mit dem Rad?« Der Sprecher und die anderen beiden Kumpel lachten.
»Klar«, sagte Johnny. »Warum nicht?«
»Dann bist du ja super fit.«
»Ich brauche kein Auto. Das hätte ich mitnehmen können, aber ich wusste nicht, wie der Abend endet. Klar, ich habe nichts getrunken, aber es hätte ja sein können.«
»Okay, dann mach’s gut. Wir ziehen ab.«
»Viel Spaß.«
Die Gesichter grinsten Johnny an, bevor er allein vor der Treppe zurückblieb. Er war tatsächlich müde.
Niemand sah mehr, wie er gähnte und dann zu seinem Fahrrad ging, das an einer dunklen Stelle stand und nicht so leicht entdeckt werden konnte.
Er öffnete das Schloss und saß wenig später im Sattel. Den Kragen seiner Jacke hatte er hochgestellt.
Der Tag war herrlich gewesen, die Nacht war es auch. Nur eben recht kühl. Hinzu kam der schwache Wind, der hin und wieder Dunstwolken vor sich hertrieb, die sich an besonders feuchten Stellen gebildet hatten.
Die Strecke, die Johnny zu fahren hatte, war nicht eben kurz. Da sie ihm allerdings bekannt war, wusste er die entsprechenden Nebenstrecken, die man durchaus als Abkürzungen bezeichnen konnte.
Er trat in die Pedale und hoffte, noch vor Mitternacht zu Hause zu sein.
Dass eine Hoffnung auch trügerisch sein kann, das sollte er in dieser Nacht noch erleben …
*
Den Wind empfand Alma Davies als unangenehm kalt. Der Gehsteig glänzte feucht und war beklebt mit nassen Blättern, die noch vor kurzer Zeit an den Bäumen gehangen hatten.
Die Natur starb. Sie würde erst wieder im Frühling erwachen, und darauf freute sich die junge Frau im Rollstuhl.
Die kalte Jahreszeit mochte sie nicht, und wenn sie daran dachte, fröstelte sie noch stärker und zog das weiche Tuch enger um ihre Schultern.
Bis zu ihrem Haus hatte sie es nicht weit. Einige Straßen nur bis in ihre recht ruhige Wohngegend mit alten Häusern.
Der Rollstuhl war für sie das ideale Fahrzeug. Niemand brauchte ihn zu schieben. Eine Batterie sorgte für den nötigen Antrieb.
Die Räder summten auf dem Asphalt, und manchmal knirschte es, wenn sie über frische Blätter fuhr.
Das Schicksal hatte Alma einen Streich gespielt. Aber sie war ihm nicht böse deshalb. Was ihr auf der einen Seite genommen worden war, das wurde ihr auf der anderen gegeben. Sie hatte sich auch so gut im Leben zurecht gefunden.
Alma fühlte sich auch nicht als Ausgestoßene. Sie war nur anders, und trotzdem hatte man sie akzeptiert. Eben wie Rudy, der sie nach Hause hatte bringen wollen.
Das war nicht nötig. Alma kam gut allein zurecht. Sie fürchtete sich auch nicht in der Dunkelheit, denn sie hatte es gelernt, sich durchzusetzen. Bei ihrem Schicksal gab es eigentlich nichts mehr, was sie noch erschüttern konnte.
Alma rollte durch eine einsame Gegend. Die normale Straße lag links von ihr. Eine feuchte Gerade, auf der ebenfalls buntes Laub klebte, das von den Bäumen gefallen war, die sich an ihrer rechten Seite in die Höhe reckten. Zumeist standen sie hinter einem Gitter oder einer Mauer in Gärten und schützten die zumeist alten Häuser.
Ab und zu rauschte ein Fahrzeug vorbei oder kam ihr entgegen. Aber das hielt sich in Grenzen und es störte Alma auch nicht.
Bis zum Haus ihrer Eltern musste sie nur noch bis zu einer Kreuzung fahren und dann nach rechts einbiegen, wo die Straße so etwas wie eine Zone der Ruhe darstellte, denn sie endete an einem Wendehammer.
Den gab es erst seit drei Jahren. Man hatte ihn angelegt, weil auf dem Gelände dahinter Häuser gebaut werden sollten. Alle Proteste der alten Bewohner waren vergebens gewesen.
Trotzdem waren die Investoren noch nicht angefangen. Die Bankenkrise hatte sie vorsichtig werden lassen. So war das Vorhaben zunächst auf Eis gelegt worden, was allen Bewohnern nur recht war. Die Ruhe blieb erst mal.
Hin und wieder hob Alma ihre Hand und wischte über ihr Gesicht mit der kalt gewordenen Haut. Man konnte die Temperatur doch nicht mit der am Tage vergleichen. Da hatte die Sonne geschienen und für einen Goldenen Oktober gesorgt.
Alma wollte so schnell wie möglich nach Hause. Sie erhöhte die Geschwindigkeit ihres Rollstuhls.
Eigentlich fürchtete sie sich nicht davor, durch die Dunkelheit mit dem leicht zäh wirkenden Dunst zu fahren, doch in dieser Nacht war ein ungutes Gefühl in ihr hochgestiegen.
Sie konnte es sich selbst nicht erklären.
Aber es war vorhanden.
Bedrückend, vergleichbar mit einer dumpfen Vorahnung.
Es schien ihr, als würde ihr etwas das Herz zusammenpressen, und auch das Atmen fiel ihr plötzlich schwerer.
Irgendwelche Verfolger waren nicht zu sehen, und doch hatte sie den Eindruck, nicht mehr allein zu sein.
So gut es ging, drehte sie den Kopf.
Da war niemand, der auf sie gewartet hätte. Auch über der Mauer sah sie keinen Umriss eines Menschen, der in der nächsten Sekunde über sie hinweg gesprungen wäre, um sich auf sie zu stürzen.
Die Kreuzung tauchte vor ihr auf. Sie war nicht besonders gut zu sehen, denn ausgerechnet dort hatte sich der Dunst wie ein Schleier auf der Fahrbahn niedergelassen.
Sie hielt kurz an.
Der Blick nach links. Es war okay. Dann schaute sie nach rechts. In der Nähe stand eine Laterne. Ihr Licht erreichte den Boden kaum. Dafür trieben die Schwaden durch die helle Glocke wie Dampf, der aus einem gewaltigen Kochtopf aufstieg.
Alma lenkte den Rollstuhl um die Ecke. Der Gehsteig war schmaler geworden und auch nicht mehr so glatt. An einigen Stellen wies der Untergrund Risse auf, über die die Räder mit ihren weichen Reifen rollten.
Auch das Haus ihrer Eltern stand auf der rechten Seite. Allerdings musste sie bis fast zum Ende der Straße und damit zum Wendehammer durchfahren. Das würde noch einige Minuten dauern.
Manchmal warf sie einen Blick zum Himmel hoch. Über dem Dunst breitete sich der schwarze Himmel aus. Sterne funkelten aus unendlichen Weiten. Sie sah einen Mond, der im Begriff war, kleiner zu werden. Er hatte seine Kreisform verloren und erinnerte sie an ein deformiertes Auge.
Es war noch stiller geworden. Das Abrollen der Reifen auf dem Asphalt war ihre einzige Begleitmusik. Kein Blatt wurde durch den Wind bewegt. Sie alle klebten auf der feuchten Unterlage fest.
Es war auch kein Bewohner auf der Straße oder dem Gehsteig zu sehen.
Nur das Licht hinter manchem Fenster deutete darauf hin, dass hier überhaupt noch Menschen auf waren.
Nur vereinzelt standen Fahrzeuge am Straßenrand. Ansonsten standen die Autos der Bewohner auf den Grundstücken oder waren hinter Garagentüren versteckt.
Alma Davies erlebte eine Atmosphäre wie immer, und trotzdem schien sie ihr anders. Sie konnte nicht sagen, woran es lag. Das Gefühl war einfach vorhanden, und das Kribbeln auf ihrem Rücken nahm immer mehr zu.
Für Alma war es ein Zeichen, dass es mit ihrem Selbstbewusstsein doch nicht so weit her war. Trotz der relativen Nähe des Elternhauses fühlte sie sich nicht allzu sicher.
Dann dachte sie daran, ob sie nicht über Handy Frenchy anrufen sollte. Es wäre eine Möglichkeit gewesen, aber sie ließ es bleiben. Es waren nicht mehr viele Meter, die sie hinter sich bringen musste. Sie wäre sich schon lächerlich vorgekommen.
Es geschah wie ein Blitzeinschlag.
Zu hören war nichts, aber plötzlich sah sie Gefahr.
Woher sie gekommen war, wusste sie nicht.
Vielleicht hatten die drei Typen hinter einem der Baumstämme gelauert und dort auf eine günstige Gelegenheit gewartet.
Jedenfalls waren sie keine Einbildung, und sie kamen direkt auf die Rollstuhlfahrerin zu. Sie gingen im Gleichschritt und nahmen dabei die gesamte Breite des Gehsteigs ein.
Alma fuhr langsamer. Ihr Herz klopfte schneller. Angst stieg in ihr hoch. Wenn sie jetzt hätte normal sprechen sollen, es wäre ihr kaum gelungen.
Die drei Typen trafen auch keinerlei Anstalten, den Gehsteig zu verlassen. So wie sie gingen, konnten sie nur die junge Frau im Rollstuhl als Ziel haben.
Die junge Frau musste sich blitzschnell entscheiden. Über das Handy Hilfe herbeizurufen, dazu reichte die Zeit nicht mehr, denn die Entfernung schmolz immer mehr zusammen.
Die drei Männer sagten kein Wort. Sie sah auch nicht viel von ihren...




