E-Book, Deutsch, 188 Seiten
Eckmann Fähre ins Jenseits
5. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-0829-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Niederelbe-Krimi
E-Book, Deutsch, 188 Seiten
ISBN: 978-3-7448-0829-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
PETER ECKMANN, geboren 1947, lebt im Niederelbe-Dreieck in der Nähe von Cuxhaven, Ingenieur der Verfahrenstechnik, schreibt unter dem Pseudonym Allan Greyfox Wildwest- und Detektivromane. Seit Ende 2015 gibt es den ersten Thriller. Er spielt in Manhattan, wenige Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Der Held ist Michael Callaghan, der Enkel des Revolverhelden der Wildwest-Serie. Dieses Buch ist der zweite Thriller, der in der Heimat des Autors spielt. Es blickt zurück in die Abgründe des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.
Autoren/Hrsg.
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Die Kommissare
Ihr Schatz hat in zwei Wochen Geburtstag. Gabriele Husemann ist zum wiederholten Mal zu dem Jagdgeschäft in der Stockhausstraße unterwegs. Der Verkäufer hatte ihr versprochen, ihr preiswert eine kleine Taschenpistole zu beschaffen.
Sie hatte viel Zeit und Geduld gebraucht, um ihrem Freund Werner Hansen, ohne dass er hellhörig wurde, abzuluchsen, worüber er sich zu seinem Geburtstag freuen würde. Sie hatte nach gelegentlichen Fragen, verteilt zwischen mehreren Küssen, herausgefunden, dass er historische Waffen sammelt. Zwei hat er bisher erst, eine Parabellum von Luger, und einen Peacemaker von Colt. Weil sie sich das nicht merken kann, hat sie sich die Bezeichnungen aufgeschrieben. Der nette Verkäufer bei Waffen-Schmidt hat ihr versprochen, ihr für wenig Geld eine winzige Pistole, einen Deringer, zu besorgen. Zweimal war sie schon umsonst in dem kleinen Laden in dem Eckhaus Am Backeltrog gewesen, heute sollte es wohl klappen.
Vor ihr ist ein Kunde im Laden. Er scheint ein Jäger zu sein, er lässt sich gerade von Herrn Schmidt zwei Flinten zeigen. Wohlwollend fallen die Blicke vom Kunden und vom Verkäufer auf die attraktive junge Frau mit der roten Mähne.
Herr Schmidt sieht sie an. „Ich habe etwas für Sie“, und blickt dann zu seinem Kunden. „Macht es Ihnen etwas aus, einen Moment zu warten? Ich hole nur eine Waffe aus dem Schrank in meinem Lager.“
„Kein Problem, ich werde ein wenig mit der Flinte spielen.“ Er nimmt die Waffe, hält sie in Augenhöhe und visiert über das Korn. Nebenher versucht er unauffällig, einen Blick auf die hübsche junge Frau neben sich zu werfen.
Der Waffenhändler erscheint mit einer kleinen Schachtel und stellt sie vor Gabi auf den Ladentisch. „Wenn Sie mal schauen möchten, ich werde derweil meinen anderen Kunden weiter bedienen.“
Gabriele Husemann öffnet den Behälter, der vielleicht halb so groß wie ein Schuhkarton ist. Das erste, was sie sieht, ist ein Tuch. Darin ist eine kleine Waffe eingewickelt, die höchstens zehn Zentimeter lang ist. Sie ist jetzt doch überrascht, so klein hatte sie die Waffe nicht erwartet. Aber sie ist hübsch, aus vernickeltem Stahl, mit einer kleinen Ziselierung, die wird ihrem Freund bestimmt gefallen. „Was soll sie denn kosten?“
Der Waffenhändler räuspert sich. „Ich dachte an einhundertzwanzig Mark.“
„Oh“, sie schluckt, „das ist mehr, als ich erwartet hatte. Haben Sie nicht etwas von unter einhundert Mark gesagt?“
„Ja, das ist richtig. Dafür ist diese hier ein besonders schönes Stück.“
Die junge Frau sieht sich wieder die Waffe an, nimmt sie dann in die Hand.
Der andere Kunde sieht ihr über die Schulter und blickt dann den Händler an. „Ich habe zuhause noch eine ähnliche Pistole, die kann ich Ihnen für sechzig Mark lassen.“ Sie spürt seinen warmen Atem an ihrem Hals und dreht sich zu dem Kunden um. „Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Ich müsste mir die Waffe in den nächsten Tagen ansehen können.“
Der Händler Schmidt blickt etwas verärgert seinen Kunden an. „Sie wollen mich wohl als Händler verlieren, was?“
„Nun stellen Sie sich nicht so an, Sie verdienen an mir doch genug.“ Er wendet sich an Gabi. „Ich kann Sie jetzt gleich zu mir mitnehmen, ich wohne in der Goebenstraße, das ist nur einen Katzensprung von hier entfernt.“
Huch! Das geht der jungen Frau jetzt doch ein wenig zu schnell, außerdem ist ihr der Kunde irgendwie unangenehm. Sie hat während ihrer Zeit als erzwungener Prostituierte auf dem Strich an der Reeperbahn einen siebten Sinn für Männer erworben. Und dieser siebte Sinn meldet sich jetzt. Auf der anderen Seite sind sechzig Mark nicht viel Geld.
„Ich könnte Sie anschließend nach Hause bringen“, ergänzt der Kunde, als er ihr Zögern bemerkt.
„Gut, ich sehe mir die Waffe mal an.“ Sie blickt Herrn Schmidt an. „Wir sehen uns bestimmt noch mal, Sie verlieren mich nicht als Kunde.“
Der Händler nickt. „Das ist schon in Ordnung. Wenn Ihnen die Waffe von Herrn Seling nicht gefällt – mein Angebot kennen Sie.“
Der eben erwähnte Herr Seling zeigt auf eine der beiden Flinten. „Ich werde diese hier nehmen, ich komme in den nächsten Tagen wieder vorbei und hole sie ab. Außerdem benötige ich noch Munition, wenn Sie mir fünfhundert Schuss Kaliber 12 besorgen mögen?“
Der Waffenhändler nickt. „Natürlich, Sie können sich auf mich verlassen.“
Der Kunde geht hinaus und hält Gabrielle galant die Ladentür auf. „Mein Wagen ist der weiße Kadett auf der anderen Straßenseite, wenn Sie schon vorgehen mögen?“
Das kleine Auto hat in wenigen Minuten die Goebenstraße erreicht. Etwas besorgt mustert Gabriele Husemann den Fahrer. Er ist etwa fünfzig Jahre alt, hat einen kleinen Bauch und eine beginnende Glatze am Hinterkopf. Der typische Freier, stellt sie erschrocken fest, mahnt sich aber zur Ruhe und schilt sich für das Vorurteil.
Herr Seling plaudert mit ihr und sieht bei jeder Gelegenheit zu ihr hinüber. „Die Waffe habe ich mal vor zehn Jahren aus Amerika mitgebracht, seitdem liegt sie bei mir herum. Ein Deringer ist außer zum Ansehen kaum zu gebrauchen, für die Jagd eignet sich besser ein kurzläufiger Revolver.“
„Aha.“ Seine junge Mitfahrerin kennt sich damit nicht aus. „Ich möchte nur meinem Freund eine Freude bereiten.“ Der Fahrer mustert sie wieder sehr eindringlich und lässt einen Blick über ihre gute Figur gleiten. „Sie haben doch ganz andere Möglichkeiten, ihm Freude zu bereiten.“
Die Anspielung war offensichtlich. Noch so einen Ausrutscher, und sie würde auf der Stelle aussteigen. Doch jetzt haben sie seine Wohnung erreicht, es ist ein kleines Häuschen in der Nähe der Umgehungsstraße. Die ist nicht zu sehen, etwas Verkehrslärm dringt jedoch herüber. Herr Seling öffnet die Tür an ihrer Seite und schließt dann den Wagen ab.
„So, meine Liebe, wir sind da. Einen kleinen Moment noch, ich muss die Waffe vom Dachboden holen.“ Keuchend steigt der etwas dickliche Mann die steile Holztreppe nach oben. Gabriele Husemann sieht sich um. Unten ist eine kleine Wohnung, viele kleine Teppiche liegen auf einem Boden aus hellen Dielen. Auf den Fensterbänken stehen mehrere Topfblumen in gutem Zustand.
Herr Seling kommt mit einem hellen Leinenbeutel von oben. „Kommen Sie doch bitte in die Stube, dort ist mehr Licht.“
Sie setzen sich beide an einen kleinen Tisch am Fenster, dann holt er aus dem Beutel die Waffe heraus, sie ist in braunes Ölpapier eingewickelt. Dabei sitzt er dicht neben ihr und versucht möglichst unauffällig, ihren Busen mit dem Ellenbogen zu berühren. Gabriele Husemann rückt genauso unauffällig ein paar Zentimeter zur Seite.
Die Waffe liegt jetzt frei, stolz präsentiert er sie seinem Gast. „Na, wie gefällt sie Ihnen?“
Der kleine Deringer glänzt matt von Öl, er ist ebenfalls vernickelt und ist der Waffe in dem Laden von Herrn Schmidt sehr ähnlich.
„Was für ein Kaliber ist es denn?“ Fräulein Husemann hat gehört, dass diese Angabe wichtig ist.
„Aha, das klingt ja sehr fachkundig.“ Herr Seling lacht leise. „Das Kaliber ist .41 Zoll Randfeuer, das war zu der Zeit üblich.“ Gut, wenn er das sagt, die junge Frau kann nichts damit anfangen. „Ich möchte jetzt bezahlen, wenn Sie nichts dagegen haben.“ Ihr wird die Nähe des Mannes zunehmend unangenehm. „Sind Sie verheiratet?“ diese Frage soll ihn ein wenig zurückhalten.
„Ja, warum fragen Sie?“
„Ach, nur so. Wo ist ihre Frau denn?“
„Sie arbeitet in Hamburg und kommt immer spät nach Hause.“
„Aha. Wie viel wollen Sie für den Deringer haben? Bleibt es bei den sechzig Mark?“
„Ja, ich denke, das war so vereinbart.“ Er sieht ihr in die grünen Augen. „Für einen Kuss würde ich noch zwanzig Mark ablassen.“ Sein Blick sagt ihr genug, er möchte sicher noch mehr als nur einen Kuss von ihr.
„Nein, nein! Sechzig Mark ist gut.“ Nervös fummelt sie ihr Portemonnaie aus der Umhängetasche und blättert ihm sechzig Mark hin. „So, bitte. Jetzt möchte ich gerne die Waffe mitnehmen.“
Herr Seling nimmt das Geld an sich, sichtlich enttäuscht. „Ich würde noch mehr nachlassen, das hängt ganz von Ihrem Entgegenkommen ab.“
Soweit kommt es noch! Kann man ihr ihre frühere Beschäftigung etwa ansehen? Das wäre schlimm. Wahrscheinlich ist sie aber nur an einen alten Lüstling geraten, der sich an jede hübsche Frau heranmacht.
„Soll ich Sie noch ein Stück mit dem Auto bringen?“
„Nein, nein, ich gehe zu Fuß.“ Sie will nur fort von diesem Mann, bevor sie ihm nicht mehr ausweichen kann. Sie hat auf der Reeperbahn so manchen Kniff gelernt, um sich gegen allzu aufdringliche Männer zur Wehr zu setzen, sie ist auch nicht schwächlich, aber wenn ein Mann wirklich etwas...




