Gist | Die eigensinnige Ärztin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Gist Die eigensinnige Ärztin

Roman.
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-060-1
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

ISBN: 978-3-96122-060-1
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Chicago, 1893: Billy Jack Tate hat nicht nur einen Männernamen, sondern auch einen Männerberuf ergriffen: Sie ist Ärztin aus Leidenschaft. Gerade als sie sich am Ziel ihrer Träume wähnt, lernt sie Hunter Scott kennen, einen Texas Ranger, der wenig übrig hat für die Großstadt und für Frauen, die davon überzeugt sind, dass es mehr gibt als Heiraten und Kinderkriegen. Ist Billy bereit, ihren Traum von einer eigenen Praxis in der Stadt aufzugeben und Hausfrau und Mutter zu werden? Oder wird Hunter bereit sein, die weiten Ebenen des Südens gegen die graue Großstadt und eine unabhängige Ehefrau einzutauschen?

Immer wieder schafft es Deeanne Gist, mit ihren Büchern die Bestsellerlisten zu erklimmen. Ihr Erfolgsrezept: gründlich recherchierte historische Romane in Verbindung mit viel Humor und Liebe. Bislang wurde sie für vier RITA-Awards nominiert - eine renommierte Auszeichnung für Liebesromane - und gewann zwei Christy-Awards. Sie hat vier mittlerweile erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann in Houston, Texas.
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1

Öffnen Sie die Türen!“ Eine Frau in einem modernen Hosenrock-Kostüm drohte dem Wachmann der Chicagoer Weltausstellung mit ihrem Schirm. Durch diese Bewegung rutschte der Aufsehen erregend kurze Saum ihres Rockes weiter nach oben und über den blauen Gamaschen kamen ihre Strümpfe zum Vorschein.

Der Wachmann, der den Eingang zum Internationalen Kongress für Frauenrechte blockierte, baute sich breitbeinig vor der Menge auf. Eine Welle der Empörung breitete sich über die erregten Frauen aus, die bis zur Straße standen.

Nicht nur Eva hat einen Kain großgezogen, dachte Billy, während sie sich mühsam einen Weg durch das Meer aus Sommerhüten bahnte.

Sie musste so schnell wie möglich in dieses Gebäude gelangen. Der Wachmann verweigerte zwar vielleicht der Trägerin eines skandalös modernen Hosenrocks den Zutritt, aber sie würde er bestimmt durchlassen. Schließlich war sie Doktor Billy Jack Tate. Sie stand als Rednerin auf dem Programm und hatte unzählige Stunden damit verbracht, die Rede, die sie auf diesem Frauenkongress vortragen würde, zu schreiben, umzuschreiben und einzuüben.

„Entschuldigen Sie, Sir!“ Sie wedelte mit einem Taschentuch. „Ich bin Doktor Billy Jack Tate. Ich bin eine der Rednerinnen auf der Veranstaltung im Kolumbus-Saal. Sie müssen mich sofort durchlassen!“

Doch der Mann warf nur einen kurzen Blick in ihre Richtung und konzentrierte seine Aufmerksamkeit dann wieder auf die empörte Menge.

Sie kniff die Augen zusammen. Er konnte sie doch unmöglich übersehen haben. Nicht in diesem Kleid! Denn obwohl der strahlende Frühlingstag Wärme und einen herrlichen Sommer ankündigte, war die vorherrschende Kleiderfarbe auf dem Kongress ein langweiliges Braun. Mit Ausnahme ihres Kleides! Sie hatte sich von der Schneiderin zu einem hinreißenden Grün mit leuchtend rosa Punkten überreden lassen, auch wenn sie diese Entscheidung seither tausendmal infrage gestellt hatte.

Sie zwängte sich zwischen den gedrängt stehenden Frauen hindurch nach vorne durch. „Sir, ich habe gesagt, ich muss –“

In diesem Moment wurde über dem Wachmann ein Fenster schwungvoll aufgerissen und ein Kopf lugte heraus. Auf dem Kopf saßen zerzauste, schwarz-graue Haare, der Gesichtsausdruck war genervt und der restliche Körper vor den Blicken der Frauen verborgen.

„Der Saal platzt aus allen Nähten“, rief ein Mann. Nach einem schnellen Blick hinter sich in den Saal wandte er sich noch einmal an die wartenden Frauen. „Niemand wird mehr ins Gebäude gelassen! Ich rate Ihnen, nach Hause zu gehen.“

Protestrufe übertönten Billys Versuche, die Aufmerksamkeit des Mannes zu erregen.

„Sir!“, rief sie wieder. „Ich bin Doktor Billy Jack –“

Der Mann zog wie eine verängstigte Schildkröte den Kopf zurück und knallte das Fenster zu. Der Wachmann baute sich noch breiter vor der Menge auf.

Lautstarke Proteste ertönten aus den Reihen der wartenden Frauen. Einige erhoben nur ihre Stimmen, andere hoben auch die Fäuste.

Völlig erbost wollte die Kleiderrevolutionärin in ihrem Hosenrock über das Absperrseil klettern. „Machen Sie Platz!“

Der Wachmann zog einen kurzen Säbel aus der Scheide an seiner Seite und hielt ihn drohend vor seine Brust.

Die Frau blieb mit dem rechten Fuß auf der einen und dem linken auf der anderen Stufe stehen. Billy hielt die Luft an. Die Stimmen um sie herum wurden leiser.

Der Säbel sollte hauptsächlich als Dekoration dienen, aber er war auf Hochglanz poliert und höchstwahrscheinlich frisch geschliffen.

„Gleich hinter den Bäumen steht ein Gefangenenwagen, der alle ins Gefängnis bringt, die gegen die Anweisungen der Kolumbus-Garde verstoßen.“ Seine Stimme war tief, selbstsicher und unerbittlich. „Ein Signal von mir genügt und ein Trupp Wachleute rückt an. Mit diesen kampferprobten, kräftigen Männern wollen Sie sich bestimmt nicht anlegen. Ich rate Ihnen deshalb dringend, sofort zurückzutreten.“

Ein Spatz ließ sich, von der sich aufschaukelnden Spannung völlig unbeeindruckt, flatternd auf dem Fensterbrett nieder und zwitscherte vergnügt.

Billy schob sich weiter nach vorne. Es würde sicher nicht zu einem Blutvergießen kommen, aber sie wollte vorsichtshalber bereit sein.

„Komm, Martha“, sagte eine Frau in ihrer Nähe beschwichtigend zu ihrer Nachbarin. „Versuchen wir es bei einem anderen Eingang.“

Der Wachmann wandte die Augen keine Sekunde von den Frauen ab. Billy vermutete, dass ihm keine Bewegung entging. Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken. Sie duckte sich und schlüpfte unter dem Seil hindurch.

Der Mann beugte sich vor, nahm den Säbel in seine andere Hand und hob abwehrend die Arme. Sein Blick glitt zwischen ihr und der Frau im Hosenrock hin und her.

„Mein Name ist Doktor Billy Jack Tate.“ Ihre Stimme war in der plötzlichen Stille laut und deutlich zu hören. Sie bemühte sich um einen ruhigen, sachlichen Tonfall. „Ich bin Chirurgin und Rednerin hier auf dem Kongress. Wir wollen doch keine Scherereien.“ Sie richtete den Blick auf die Frau. „Ich denke, es ist wahrscheinlich am besten, wenn wir tun, was er sagt. Er hat sich verpflichtet, Befehle zu befolgen, und seine Befehle lauten, dass niemand mehr das Gebäude betreten darf. Wir sind schließlich keine barbarischen Männer, sondern zivilisierte Frauen. Und Frauen sind viel zu vernünftig und erfinderisch, um zu brutaler Gewalt zu greifen.“

Ein langer, spannungsreicher Moment verging. Schließlich hob die Frau angriffslustig das Kinn, drehte sich auf dem Absatz um und stieg erneut über das Seil.

Die drohende Pose des Wachmanns blieb unverändert. Er steckte den Säbel nicht wieder ein und schaute sie weiterhin drohend an. „Treten Sie zurück!“

Billy bedachte ihn mit einem ruhigen Lächeln. „Ich stelle keine Bedrohung dar. Ich bin wirklich Rednerin auf dem Kongress und muss in den Saal. Meine Rede beginnt in …“ Sie warf einen Blick auf ihre Ansteckuhr. „… achtunddreißig Minuten.“

„Sie sind genauso wenig ein Doktor, wie ich eine Hausfrau bin! Und jetzt treten Sie zurück!“

Allmählich verlor sie die Geduld. „Ich bin Ärztin! Ich habe an der Universität von Michigan Medizin studiert und in den vergangenen sieben Jahren in verschiedenen Krankenhäusern praktiziert. Mein Spezialgebiet ist die Chirurgie, und meine Rede befasst sich damit, wie es ist, als Frau einen Männerberuf auszuüben. Also, wenn Sie jetzt bitte zurücktreten würden! Sonst muss ich den Veranstaltern dieses Kongresses melden, wer mich daran gehindert hat, zu den Tausenden von Menschen zu sprechen, die darauf warten, meine Rede zu hören.“

Mit jeder Qualifikation, die sie aufzählte, wuchs seine Belustigung. Bei ihrer letzten Drohung stieß er sogar ein kurzes Schnauben aus. Wenigstens hatte er wieder eine normale Körperhaltung angenommen und seinen Säbel gesenkt, obwohl er ihn noch nicht weggesteckt hatte. „Eines muss man Ihnen lassen, Miss: Sie können wirklich gut reden. Aber wie Sie schon sagten: Frauen können sehr einfallsreich sein, wenn sie etwas erreichen wollen. Aber bei mir sind Sie damit an der falschen Adresse! Ich lasse mich von einem hübschen Gesicht nicht übers Ohr hauen.“

„Aber das habe ich doch gar nicht gemeint!“

Er steckte seinen Säbel wieder ein. „Ist mir egal. Und jetzt verschwinden Sie! Ich lasse niemanden mehr hinein. Auch Sie nicht.“

Ihr Blick glitt wieder zur Tür. „Ich bin aber doch Rednerin auf diesem Kongress!“

Er versuchte, sie wegzuscheuchen. „Haben Sie Tomaten auf den Ohren? Entweder Sie gehen jetzt wieder auf die andere Seite des Absperrseils oder ich lasse Sie von meinem Kollegen dort drüben in den Gefangenenwagen sperren. Der Wagen bringt Sie dann auf direktem Weg ins Gefängnis. Glauben Sie mir: Im Chicagoer Gefängnis ist es nicht sehr schön. Dort werden weibliche Gefangene nämlich nicht von den Männern getrennt. Wollen Sie das wirklich riskieren?“

Mit leichtem Unbehagen warf sie einen Blick in die Richtung, in die er mit dem Kopf deutete. Inmitten eines Meeres an Damenhüten jeder Größe und Form stand nur wenige Schritte hinter ihr ein ziemlich kräftiger Mann. Er berührte grüßend seinen Hut.

Die junge Frau kniff die Lippen zusammen und stieg resigniert die Stufen wieder hinab. Sie würde ihr Glück bei einem anderen Eingang versuchen müssen. Aber das Gebäude war riesig. Bis sie sich durch die vielen Menschen geschoben und mit jedem Wachmann diskutiert hätte, wäre zu viel Zeit vergangen und ihre Chance vertan.

Sie hätte mehr Zeit für den Weg einplanen sollen. Aber sie hatte nicht mit so vielen Frauen gerechnet, und sie hatte bestimmt nicht erwartet, dass ein so großes Gebäude wegen Überfüllung geschlossen würde.

Bevor sie unter dem Seil hindurchschlüpfte, drehte sie sich noch einmal um. „Ich brauche Ihren Namen, damit ich den Verantwortlichen des Kongresses erklären kann, wer mir den Zutritt verweigert hat.“

Er verbeugte sich. „Peter Stracke. Aber alle nennen mich nur Pete.“ Er zwinkerte ihr zu.

Sie bückte sich unter dem Seil hindurch. Die Frauen bahnten ihr sofort einen Weg. Stracke glaubte ihr vielleicht nicht, aber die Frauen zweifelten nicht an ihren Worten, und sie hatten die größte Hochachtung vor ihr.

Billy war keine zehn Meter weit gekommen, als eine alte Frau ihre Hand ergriff. Man konnte ihr ansehen, dass sie vom Land kam. „Frau Doktor?“

Billy...


Immer wieder schafft es Deeanne Gist, mit ihren Büchern die Bestsellerlisten zu erklimmen. Ihr Erfolgsrezept: gründlich recherchierte historische Romane in Verbindung mit viel Humor und Liebe. Bislang wurde sie für vier RITA-Awards nominiert - eine renommierte Auszeichnung für Liebesromane - und gewann zwei Christy-Awards. Sie hat vier mittlerweile erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann in Houston, Texas.



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