Graf Star Trek - Classic: Die Eisfalle
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11722-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11722-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Planet Nordstral ist eine von Eis bedeckte Welt. Das Plankton der Meere stellt einen wichtigen medizinischen Rohstoff dar, der von Nordstral Pharmaceuticals abgebaut wird. Als ein Forschungsteam dieser Firma spurlos verschwindet, erhalten Captain Kirk und die Enterprise den Auftrag, bei der Suche zu helfen. Auch mehrere seltsame Fälle von Wahnsinn sollen mir Dr. McCoys Hilfe aufgeklärt werden. Auf einem Plankton-Sammlerschiff kommt es zur Havarie. Während Kirk versucht, die eindringenden Wassermassen aufzuhalten, muss Pille gegen den wahnsinnigen Schiffsarzt um sein Leben kämpfen ...
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Kapitel 2
»Chief? Ich glaube, wir bekommen Gesellschaft.« Pavel Chekov blickte von seinem Arbeitsplatz hoch und unterdrückte eine heftige Reaktion darauf, dass seine dringenden Vorbereitungen für ein Landeunternehmen nun schon zum ungefähr hundertsten Mal unterbrochen wurden. Fähnrich Michael Howard, jung und bärtig, hing in der Türöffnung des Büros, stützte sich mit den Händen gegen die Türpfosten. Seine Miene drückte schuldbewusste Hilflosigkeit aus, da er hereingeplatzt war, obgleich der Chief ausdrücklich angeordnet hatte, man möge ihn in Ruhe lassen. »Ich kann sie bitten, draußen zu warten, Sir, wenn Sie nicht wollen, dass sie in Ihr Büro gebracht wird.«
Chekov lehnte sich in seinem Sessel zurück, ohne seinen Schreibstift beiseite zu legen. Auch eine solche kurze Unterbrechung seiner Arbeit störte ihn, und er war entschlossen, diese Angelegenheiten noch vor Tagesanbruch zu erledigen, obgleich er so kurzfristig hatte planen müssen. »Sagen Sie der betreffenden Dame, wer immer sie ist, sie solle sich an Fähnrich Lemieux wenden.« Er ließ seinen Blick zu dem Chronometer auf seinem Schreibtisch huschen, obgleich er genau wusste, wie spät es war. Dann ertappte er sich dabei, wie er sich den Nacken massierte – und zwar eher aus Ruhelosigkeit und Überdruss als deshalb, weil es auf irgendeine Art und Weise half. »Ich habe keine Zeit, jemanden persönlich zu empfangen, ehe wir morgen auf den Planeten runtergehen, und Lemieux hat die Verantwortung, während ich weg bin.«
»Hm …« Howard warf einen unschlüssigen Blick über eine Schulter, und Chekov hörte, wie sich Stimmen dem Vorraum näherten. »Ich glaube, dass jetzt sofort etwas geschehen muss«, sagte Howard. »Ich glaube nicht, dass sie mit Lemieux reden will.«
»Wenn Sie weiterhin versuchen, mich von Ihren Leuten abwimmeln zu lassen, Lieutenant Chekov, dann berufe ich mich auf meinen Dienstrang und zwinge sie, mich durchzulassen.«
Chekov lächelte Lieutenant Commander Uhura müde an, während sie sich unter Howards Arm durch die Türöffnung schob. Ihre schwarzen Augen, so hell wie die Silbermünzen an ihren Ohrringen und ihrer Halskette, passten perfekt zu ihrem strahlenden Lächeln und ihrem spielerischen Umgangston.
»Sie können es versuchen«, erwiderte der Sicherheitschef großzügig, »aber es würde Ihnen nichts nützen. Ich habe eine loyale Mannschaft – sie missachten meine Befehle niemals.« Er warf einen gespielt drohenden Blick auf Howard und Publicker, der nun hinter Howard in der Türöffnung auftauchte. »Oder etwa doch?«
Beide Wächter wurden sichtlich nervös, strafften sich noch mehr und pressten die Hände an die Oberschenkel. »O nein, Sir.« – »Natürlich nicht, Sir.« Die rote Farbe von Howards Wangen leuchtete recht hell über seinem dunkelbraunen Bart.
Chekov zuckte die Achseln. »Sehen Sie? Sie würden für mich sterben.«
Uhuras klingendes Lachen hellte seine Laune noch genauso auf wie in dem Augenblick, als er sie kennengelernt hatte. Chekov glaubte nicht, jemals einen Menschen gekannt zu haben, der so angenehm war. Plötzlich war er durchaus bereit, sich zumindest kurzfristig ablenken zu lassen. Er warf den Stift auf den Schreibtisch und schob seinen Sessel zurück. »Nun – was führt Sie denn runter in die Sicherheitsabteilung? Ich hätte gedacht, dass Sie uns morgen noch lange genug ertragen müssen.«
»Das kann schon sein.« Die Hände auf dem Rücken verschränkend, schlüpfte Uhura mit jener eleganten Grazie an Howard vorbei, zu der nur kleine Menschen fähig sind. »Aber hier ist jemand, den ich in letzter Zeit nicht oft genug gesehen habe.« Sie holte die Hände hinter dem Rücken hervor und präsentierte nun ein kleines Tablett, das beladen war mit Eis und einer dunklen Substanz, die Chekov wie rohes Katzenfutter vorkam. »Sie waren heute nicht beim Abendessen in Speisesaal.«
Chekov beugte sich über seinen Tisch und betrachtete skeptisch die Häufchen grauer Masse. Er rümpfte die Nase, als er den strengen Geruch roher Meeresfrüchte wahrnahm. »Wenn sie das da heute Abend serviert haben, bin ich froh, dass ich nicht dort war.«
Uhura versetzte ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf. »Sie haben es ja noch nicht einmal probiert.«
»Das ist ganz in Ordnung – ich habe auch nicht die Absicht, es zu tun.«
»Pavel!« Sie stellte das Tablett auf seinen Tisch und schob an Papieren und Disketten auf die Seite, was er nicht schnell aus dem Weg räumte. »Sie sollten wissen, dass dies authentische eingeborene Küche ist. Die Eingeborenen von Nordstral ernähren sich fast ausschließlich von Meeresfrüchten, und ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, um diese Spezialitäten aufzutreiben.« Sie pflückte eine kleine Kostprobe vom Eisbett und reichte sie ihm zwischen zwei schlanken Fingern. »Kosten Sie mal.«
Chekov betrachtete zuerst das Häppchen, dann sie und schüttelte schließlich den Kopf. »Es ist roh.«
Uhura seufzte dramatisch – es war das gleiche Seufzen, das sie immer von sich gab, wenn Chekov die verschiedenen regionalen Speisen ablehnte, mit denen sie ihn unbedingt vertraut machen wollte – und schnippte sich ein Stück in den Mund, als wollte sie ihm demonstrieren, dass es essbar war. Chekov hoffte, dass sie ihm eines Tages glauben würde, wenn er ihr erklärte, er sei nicht daran interessiert, hinsichtlich seiner Ernährung Experimente zu machen. Nun spielte er dieses Spiel schon acht Jahre, und ein Ende war nicht abzusehen. »Seien Sie tapfer«, beharrte sie, nachdem sie ihren Happen zu Ende gekaut und hinuntergeschluckt hatte. »Hier verfügt man über keine raffinierten Kochmöglichkeiten – die Kitka leben in einer eher arktischen Umgebung.«
Chekov drehte sich auf seinem Sessel wieder zu seinem Terminal um und suchte tastend nach seinem Stift. »Das tun die Sibierer auch, aber wir essen keinen rohen Fisch.«
»Nein«, schnaubte Uhura verächtlich. »Dafür habt ihr vierzig verschiedene Rezepte für gebratenen oder gekochten Kohl.«
»Was ist falsch an Kohl?« Er notierte sich, zusätzliche Lebensmittelrationen für sich und seine Leute mitzunehmen. Sollte Uhura sich von einheimischem Fisch ernähren, wenn er ihr so gut schmeckte.
Uhura verzog ärgerlich das Gesicht und bot Howard den Happen an. »Na los, Fähnrich Howard.«
Der Wächter blickte aufmerksam von dem dünnen Leseschirm hoch, den er beobachtet hatte. »Sir?«
»Beweisen Sie, dass Sie mehr drauf haben als Ihr Boss.«
Der Fähnrich zog die Augenbrauen hoch und verstaute das Lesegerät in einer Tasche seiner Kombination. »Das ist ganz in Ordnung, Sir. Es ist sein Job, mehr drauf zu haben.«
Chekov schaute auf seine Notizen und versuchte sich wieder auf die naheliegenden Probleme zu konzentrieren, während er die Vorräte berechnete und sich das arktische Gelände vorstellte, in dem sie nach Dr. Stehle und der vermissten Shuttle-Mannschaft suchen würden. »Kosten Sie ruhig, Mr. Howard. Sie und Mr. Publicker haben mir versichert, dass Sie bereit seien, für mich zu sterben.« Er bedachte die beiden Fähnriche mit einem falschen Grinsen. »Jetzt haben Sie die Chance dazu.«
Uhura musterte den Lieutenant mit übertrieben finsterer Miene, während sie Howard und Publicker eine kleine Kostprobe reichte. »Sie haben sicherlich schlechte Laune, weil Sie noch nichts gegessen haben.«
Der Computer fügte eine Markierung in Chekovs Liste ein: Wahrscheinlich würden zusätzliche Energiereserven für die Heizvorrichtungen ihre volle Leistungsfähigkeit wegen der starken Magnetfelder von Nordstral nicht allzu lange erhalten; abgeschirmte Energiequellen wären sicherlich von Vorteil. »Ich habe keine schlechte Laune.« Nachdem er die Batterien gestrichen hatte, überprüfte er noch einmal das Gesamtgewicht der Ausrüstung, um festzustellen, was sie zugunsten zusätzlicher Heizeinheiten zurücklassen könnten. Das einzige, was sich anbot, waren die kleineren Kommunikationsgeräte und Lampen.
»Sie sind überarbeitet und übermüdet.« Uhura trat hinter ihn und legte die Hände auf seine Schultern. Er spürte, wie sie aufmerksam den Computerschirm betrachtete und seine Listen und Notizen überflog. »Andere Offiziere schlafen sich vor Einsätzen aus, wissen Sie. Ich denke, Sie wissen, dass wachsames Sicherheitspersonal besonders wichtig ist.«
»Das weiß ich.« Die Rüge war deutlich genug, um ihn vor Scham erröten zu lassen. Er war lediglich bereit, die Anzahl der mitzunehmenden Lampen um ein Drittel zu kürzen, doch das genügte nicht, um weitere Heizelemente in ausreichender Zahl hinzuzufügen. »Andere Offiziere haben auch mehr als nur zwölf Stunden Zeit, eine solche Mission vorzubereiten. Wenn Mr. Spock mir eher mitgeteilt hätte, dass der Captain mich mit dieser Rettungsaktion betraut, wären meine Vorbereitungen längst abgeschlossen.«
Ihre Hände drückten kurz seine Schultern. »Er hatte keine große Wahl. Deshalb läuft das Ganze unter der Bezeichnung Höchste Priorität.«
Chekov seufzte. »Ich weiß.« Als würde das Wissen über Nordstrals verzweifelte Lage es ihm leichter machen, ein Landeunternehmen in vorletzter Minute auszurüsten. Er hasste es, planetare Rettungstrupps auszurüsten, vor allem wenn er jeden Grund hatte anzunehmen, dass die zu Rettenden längst tot waren. Er konnte sich nur wenige Dinge vorstellen, die schlimmer waren, als auf die traurigen Überreste von Menschen zu stoßen, die in dem Glauben gestorben waren, dass irgendwer kommen und sie retten würde. »Meinen Sie, der Shuttlepilot von Nordstral hätte etwas dagegen, wenn ich ihn bäte, die Inneneinrichtung seiner Fähre teilweise auszubauen?«
»Ich denke schon. Zumindest könnte ich es mir gut vorstellen.« Uhura...




