E-Book, Deutsch, Band 22, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Haensel Mythor 22: Das Nest der Nadelschlange
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9774-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 22, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9774-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Nachdem der Lichtbote nach seinem Sieg über die Finsternis die Welt sich selbst überlassen hatte, begannen die Kräfte des Bösen, die sich in die Dunkelzone geflüchtet hatten, wieder zu erstarken. Inzwischen greifen sie aus der Dunkelzone, einem Ring kosmischer Trümmer, der die Welt umgibt und in eine Nord- und eine Südhälfte teilt, an und beeinflussen bereits weite Teile der nördlichen Länder und deren Bewohner. Das gilt besonders für die Caer, ein Kriegsvolk, das, von Dämonenpriestern angeführt, einen Eroberungsfeldzug beginnt und seine Nachbarn mit Feuer und Schwert heimsucht. Im Verhältnis zu den Horden der Caer ist die Zahl derer, die auf Seiten der Lichtwelt gegen die Mächte des Dunkels kämpfen, erschreckend gering. Eigentlich ist es nur eine kleine Gruppe von Menschen, die angeführt wird von Mythor, den man den Sohn des Kometen nennt. Mythor, inzwischen stolzer Besitzer von Einhorn, Bitterwolf und Schneefalke, den legendären Tieren, die ursprünglich für ihn bestimmt waren, hat jedoch seine Kampfgefährten verloren. Um sie wiederzufinden und zu befreien, zieht der junge Held der Lichtwelt auf den Spuren der Entführer südwärts. Dabei gelangt Mythor in DAS NEST DER NADELSCHLANGE ...
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2.
Syrina!
Alles in Mythor war gespannte Erwartung. Mit jeder Faser seines Körpers fieberte er dem Augenblick entgegen, in dem er dieser unbeschreiblich schönen Frau endlich gegenüberstand. Seine Vorstellungskraft reichte nicht aus, um sich das Zusammensein mit ihr so auszumalen, wie es vielleicht sein würde.
»Syrina!« Leise murmelte er den Namen vor sich hin.
Mythor glaubte, alles vergessen zu können, was er jemals mit einer Frau erlebt hatte. Was war schon sein Zusammensein mit Taka gewesen, in all den langen, gemeinsamen Jahren in Churkuuhl – damals, als er noch geglaubt hatte, Liebe erschöpfe sich allein in der Erfüllung körperlichen Zusammenseins.
Inzwischen wusste er, dass Liebe auch etwas ganz anderes sein konnte, etwas, das seine Seele berührte und entflammen ließ. Er begehrte Syrina, deren Bildnis er nahe dem Herzen ständig bei sich trug, nicht nur mit seinem Körper. Worte allein waren nicht in der Lage, dieses Gefühl zu beschreiben.
Eine bisher ungekannte Erregung hatte sich seiner bemächtigt und entließ ihn nun nicht mehr aus ihrem Bann.
Der Schrei des Bitterwolfs ... Der Junge, der vor ihm floh, tiefer in das uralte Gemäuer hinein ... Syrina ...
Das alles passte zusammen. Lag vor ihm ein weiterer Stützpunkt des Lichtboten?
Mythor drängte alle Gedanken beiseite. Immer stärker wurde die Empfindung von Ruhe und Frieden, die diesem Ort anhaftete wie eine Prophezeiung des Guten.
Ein leises Flüstern ging von dem Helm der Gerechten aus, doch Mythor achtete nicht darauf.
Einst mochte der Tempel, in dem er sich befand, ein gigantisches Bauwerk gewesen sein, Althars Wolkenhort durchaus vergleichbar. Selbst jetzt noch zeugten die unzähligen marmornen Säulen von Prunk und rauschenden Festen. Was von weitem wie eine halb verfallene Ruine aussah, zeigte in seinem Innern nur wenige Spuren des Verfalls.
Mehrfach mannshoch war die Decke, von wahrhaft epischen Gemälden geziert und Skulpturen eingerahmt, an denen jedoch der Zahn der Zeit sichtbar genagt hatte. Und jede der Säulen konnte ein einzelner Mann kaum umfassen.
Aber Mythor hatte nur flüchtige Blicke für all dies. Er folgte der lautlosen Stimme, die ihn rief. Den Jungen hatte er aus den Augen verloren, allerdings war er überzeugt davon, ihn in Syrinas Nähe wohlbehalten wiederzufinden.
Allmählich rief der Helm der Gerechten Schmerzen hervor. Mythor verharrte, wandte sich um. Sofort fühlte er sich besser. Aber er dachte nicht daran, umzukehren. Eher würde er den Helm abnehmen.
Der Säulengang endete vor einer Wand. Auch hier wieder die gleichen Gemälde, die überwiegend Kampfgetümmel zeigten. Als Mythor die dargestellten Szenen näher betrachtete, stellte er fest, dass die Bilder aus unzähligen winzigen Steinchen zusammengefügt waren, angefangen von weißem Marmor über blauen Feuerstein bis hin zum schwarzem Basalt.
»Komm!«, lockte die Stimme.
Mythor ging nach rechts. Und wirklich, schon nach wenig mehr als zwei Dutzend Schritten stieß er auf eine Tür. Sie war nur halb geschlossen, also musste der Junge vor ihm ebenfalls diesen Weg gewählt haben.
Der Boden war glatt und ließ keine Fußspuren erkennen. Nirgendwo lag Staub.
Der Krieger gelangte in einen kleinen, stickigen Raum, den wohl nie das Licht der Sonne erleuchtete. Er tastete sich an der Wand entlang, bis er eine zweite Tür fand, die er aufstieß. Laut quietschend floh ein kleines Tier vor ihm.
Er kam in eine domförmige Halle. Helligkeit fiel aus etlichen Öffnungen in der Decke, und ein Altar an der Stirnseite ließ darauf schließen, dass hier vormals religiöse Versammlungen stattgefunden hatten. Wenn die verschiedenen in Stein gehauenen Tierfiguren – ein Löwe mit Flügeln, ein echsenähnliches Geschöpf mit zwei Köpfen und fünf Beinpaaren und eine zusammengerollte, mindestens zwei Ellen starke Schlange – Götter darstellten, so kannte Mythor sie nicht.
Hinter dem Altar befand sich ein weit geöffnetes Portal. Die Teile, die einmal aus Holz gefertigt wurden, waren längst zerfallen und vermodert. Nur noch ein metallenes Gerippe war übrig.
Dahinter lag ein langer, ebenfalls erleuchteter Gang. Nach allem, was der Recke bis jetzt gesehen hatte, erstreckte sich der ehemalige Tempel über eine Grundfläche von mehr als vier- bis fünfhundert Manneslängen. Ein beachtliches Bauwerk. Ob es aber in allen Teilen noch so gut erhalten war, wagte Mythor zu bezweifeln.
Als er den Gang betrat, glaubte er eine sanfte Berührung zu spüren. Nicht körperlich – vielmehr schien es ihm, als streife etwas seine Seele. Ein Gefühl des Glücks erfasste ihn.
So nahe wie nie zuvor war er der Erfüllung seiner Träume. Seine Rechte tastete nach dem Pergament, das er auf der Haut trug. An einem halben Dutzend gewölbeähnlicher Räume eilte er vorbei, bevor er unter einem reich verzierten Torbogen hindurch ein prunkvoll ausgestattetes Gemach betrat.
Zum zweiten Mal seit dem Schrei des Bitterwolfs glaubte Mythor, in eine andere Welt zu kommen. Sofort wusste er, dass zwischen diesen Wänden jemand lebte. Ein Hauch von Unvergänglichkeit lag in der Luft und ein Duft, verführerischer als das beste aller Rosenwasser.
Ein wenig kam sich der Krieger fremd und verlassen vor inmitten dieser Pracht. Er, der die Einfachheit Churkuuhls gewohnt war, roh zugehauene Balken und Bretter als Dach über dem Kopf, sah sich staunend um.
Wie ein Traum kam es über ihn.
Ein Vorhang ... Als er ihn zurückzog, stand er vor einem breiten Bett, über dem sich ein weiter, goldfarbener Baldachin spannte. Ein Liebeslager mit Kissen und einer Vielzahl weicher Felle. Daneben, in den Boden eingelassen, ein Becken, angefüllt mit kristallklarem, kühlem Wasser. Mythor tauchte die Hand hinein. Es roch verlockend nach feinem Öl.
Er sah sich weiter um. An einer Wand hingen Waffen – alte, schartige Schwerter, Schilde, Pfeil und Bogen. Sie alle schienen von besonderem Wert zu sein. Eine Ausstrahlung haftete ihnen an, als hätten sie vor undenklichen Zeiten für den Lichtboten gekämpft.
Aber etwas fehlte.
Es war das zauberhafteste aller Wesen, das allem überhaupt erst einen Sinn gab.
Syrina, hallte es in Mythor nach. Sie würde kommen, das wusste er genau.
Schnell nahm er sein Gläsernes Schwert, setzte den Helm der Gerechten ab und legte beides auf ein kleines Tischchen neben dem Wasserbecken. Der Reiz des Geheimnisvollen, den er die ganze Zeit über spürte, wurde daraufhin noch um vieles stärker. Die Frau, die er begehrte wie keine andere, musste in seiner Nähe sein.
Doch weshalb kam sie nicht, ihn zu begrüßen?
Mythors Blick fiel auf einen leeren Rahmen. Ein wunderschön geschnitztes Stück. Sofort wusste er, dass es nur ein einziges Bild geben konnte, das hineinpasste. Alles andere würde nicht viel mehr als Blasphemie sein.
Unwiderstehlich wurde der Zwang, das Pergament unter dem Wams hervorzuholen. Zögernd betrachtete er dann noch einmal dieses klassisch schöne Gesicht, das die Merkmale nordischer Kühle mit denen südländischer Rasse vereinbarte. Schließlich fügte er das Bildnis in den Rahmen ein, der eigens dafür gemacht schien.
Als er einen Schritt zurücktrat, geschah das Wunder ...
Das Bild schien plötzlich zu verschwimmen, als würde die Luft von unsichtbaren Nebeln erfüllt. Mythor fühlte eine unsagbare Erregung in sich aufsteigen. Das Gesicht erwachte zum Leben, sah ihn für die Dauer eines stockenden Herzschlags an, dann schien es sich förmlich vom Pergament zu lösen; ein Körper formte sich, von edler Reife und Anmut, entstand förmlich aus dem Nichts heraus.
Ein weibliches Wesen von unbeschreiblicher Schönheit. Mythor hatte den Eindruck, diese Frau würde schweben, als sie langsam auf ihn zuschritt. Aber zweifellos war sie wirklich, nicht bloß eine Einbildung. Sie lächelte, und ihre Augen suchten die seinen.
So begnadet der Künstler auch gewesen sein musste, der ihr Abbild auf das Pergament gezaubert hatte, den ganzen exotischen Reiz ihrer Schönheit, den verführerischen Hauch, der sie umgab wie der Strahlenkranz der Sonne eine Wolke, hatte er nicht wiederzugeben vermocht. Nicht einmal Mythors Träume hatten diese Wirklichkeit je offenbart.
Sie blieb stehen. Ihre betörenden Lippen öffneten sich.
»Ich bin Syrina«, sagte sie, und der Klang ihrer Stimme ließ den Kämpfer der Lichtwelt wohlige Schauder spüren.
Mit einer flüchtigen Bewegung streifte sie ihr langes, wallendes Haar zurück, dass ihr Ohr frei wurde.
Auf diesen Augenblick hatte Mythor lange gewartet. Und nun wusste er nichts anderes zu erwidern als seinen Namen. Aber sie ging mit einem Lächeln über sein Zögern hinweg.
»Du bist erstaunt«, sagte sie, »mich hier zu finden, in der Wildnis von Dandamar. Des Schicksals Fäden sind verwoben, doch die Fügung und die Voraussehung des Lichtboten, der auf seinem Kometentier einst die Mächte der Finsternis zurückdrängte, wenden alles zum Guten.«
Wie ein Verdurstender nahm Mythor jede ihrer Bewegungen, jedes Lächeln in sich auf. Nur am Rande stellte er fest, dass ihr Bildnis verschwunden und der Rahmen wieder leer war wie zuvor.
»Wo bin ich hier?«, wollte er wissen. »In einem Stützpunkt des Lichtboten?«
Syrina antwortete nicht. Stattdessen reichte sie ihm ihre Hand, die er freudig ergriff. Die Berührung verriet ihm, dass sie nicht nur äußerlich eine Schönheit war. Ihre Seele war erfüllt von dem Wunsch, der Lichtwelt zu helfen und die Mächte der Schattenzone in die Schranken zu weisen. Sie waren einander ähnlich.
»Ich habe lange auf dein Eintreffen gewartet«, kam es von ihr. »Und in all den Sommern und Wintern, die ins Land...




