E-Book, Deutsch, Band 56, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Haensel Mythor 56: Die Amazonen von Vanga
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9808-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 56, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9808-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Logghard, siebter Fixpunkt des Lichtboten und Ewige Stadt, hat auch am 250. Jahrestag der Belagerung allem standgehalten, was die Kräfte der Finsternis in einem wahren Massenangriff gegen die Bastion der Lichtwelt ins Feld führten. Somit haben die Streiter des Lichtes auf Gorgan, der nördlichen Hälfte der Welt, trotz des Debakels von Dhuannin und anderer Niederlagen gegen die vordringenden Heere der Caer eine gute Chance, sich auch weiterhin zu behaupten. Mythor, der Sohn des Kometen, hat in der relativ kurzen Zeit, da er für die Sache der Lichtwelt kämpfte, bereits Großes vollbracht. Nun aber hat der junge Held nach seinem Vorstoß in die Schattenzone Gorgan, die nördliche Hälfte der Welt, durch das Tor zum Anderswo verlassen. Zahda, die Zaubermutter, nimmt sich Mythors an, der durch das unheimliche Tor in den Ozean der Dämmerzone gespült wurde, die bereits zu Vanga gehört, der vom weiblichen Geschlecht beherrschten Südhälfte der Welt. Doch kaum hat Zahda den Gorganer aus ihrer Obhut entlassen, muss dieser bereits wieder um sein Leben kämpfen. Dabei bekommt Mythor es auch bald mit den typischen Vertreterinnen der Südwelt zu tun, wie Burra eine ist. Wir meinen DIE AMAZONEN VON VANGA ...
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1.
Das Schwert in deiner Hand ist Leben, ist Leib und Seele zugleich – hüte es wie deinen Augapfel und verbanne, während du es führst, jeden Gedanken an den Tod.
Nur dann vermag die Klinge des Gegners dein Denken nicht zu lähmen, entgehst du ihrem tödlichen Hieb. Nur wenn deine Gedanken wie die Wogen des Ozeans sind, stürmisch und unaufhaltsam, wird dein Schwert offenbaren, was es vermag, wird es dir den Sieg bringen ...
(Aus der Lehre der Vervollkommnung)
*
Die Bewegung war so schnell, dass keines Menschen Auge ihr zu folgen vermochte. Ein Ausfall, ein Wechseln der blitzenden Klinge von der Rechten in die linke Hand, gleichzeitig ein Hieb, der es weder an Geschmeidigkeit noch Härte fehlen ließ.
Shantiga – der Drachenschlag. Von unten herauf geführt, konnte selbst ein gerüsteter Krieger ihm nichts entgegensetzen.
Das Mädchen, dem dieser tödliche Streich galt, parierte mit letzter Kraft, vermochte aber nicht zu verhindern, dass ihm das Schwert aus der Hand geprellt wurde. Sich mehrfach überschlagend, wirbelte die Klinge zur Decke des kuppelförmig gewölbten Raumes empor und stürzte dann zurück. Zitternd bohrte sie sich in den Boden.
»Ich hätte dich töten können!«
»Ja, Mashagima, ich erkenne meinen Fehler.«
»Dann nimm dein Schwert und kämpfe wie eine Frau!«
Das Mädchen musste mit beiden Händen zupacken, um die Klinge aus den hölzernen Intarsien zu ziehen, so tief war diese eingedrungen. Mit beinahe andächtiger Bewegung führte sie das kalte Metall an ihre Stirn und verharrte für eine Weile.
»Bist du bereit, Burra?«
Sie musterte ihr Gegenüber. Mashagimas Gesichtsmaske ließ keine Regung erkennen. Nur hinter den schmalen Augenschlitzen zeichnete sich ein jähes Aufleuchten ab.
Im selben Moment sauste die Klinge heran.
Mit der geschmeidigen Bewegung einer Wildkatze duckte Burra sich und fuhr herum. Ihr Schwert beschrieb dicht über dem Boden einen Halbkreis, aber Mashagima, die Frau, die man nie ohne Maske sah, entging dem tabigata mit einem einzigen Sprung.
»Deine Art zu kämpfen ist mehr als nur plump«, höhnte sie.
Noch immer schwieg Burra, presste krampfhaft die Lippen aufeinander, bis diese einen blutleeren Strich bildeten. Ihr Gesicht war bleich, vom Schweiß glänzend. Die Haare hingen ihr in wirren Strähnen in die Stirn – noch besaß sie nicht das Recht, sie zu einem Knoten zusammenzustecken.
Burra trug keine Rüstung, und das ließ sie zögern. Schon eine flüchtige Berührung von Mashagimas Schwert konnte tiefe Wunden reißen. Nicht, dass sie den Schmerz gescheut hätte oder den Tod; allein der Gedanke an eine mögliche Verletzung, die sie fürderhin von jedem Turnier ausschließen mochte, war bedrückend.
Die beiden Kämpferinnen umkreisten sich lauernd.
»Du wirst sterben, Burra!«
Das Mädchen, das erst zwölf Lenze zählte, schnellte vor. Aber ihre schwungvoll geführte Klinge schnitt nur singend durch die Luft, denn Mashagima stand längst nicht mehr da, wo sie eben gewesen.
Hinter der schwarzen Maske erscholl lautes Gelächter.
»Ich hasse dich!«, brüllte Burra. Mit beiden Händen hielt sie ihr Schwert, schwang es nach rechts und links und ließ es kreisen, wobei sie den Schwung ihres Körpers für jeden dieser Schläge nutzte. Mehrere Male war Mashagima gezwungen, zu parieren.
»Du lässt dich von Gefühlen leiten«, rief die Amazone. Ihre Stimme war bar jeder erkennbaren Spur von Erschöpfung. »Die Kunst der Schwertführung liegt einzig und allein darin, dass du dich niemals ablenken lässt. Nur dann macht sich der Feind selbst zum Opfer, wirst du ihm zu jeder Stunde überlegen sein.
Gib dich völlig hin, verschmelze mit deiner Waffe zu einer Einheit, die jenseits von Tod und Leben steht. Ahne die Schläge deines Gegners, ehe er selbst weiß, welche er ausführen wird.«
Eine Welle der Schwäche durchflutete Burra. Gleichzeitig stieg Verzweiflung in ihr auf.
Seit Tagen hatte sie gefastet, hatte sich nur auf die Stunden des Kampfes vorbereitet, die darüber entschieden, ob sie bleiben durfte oder die Burg verlassen musste. Unermesslich die Schmach, wenn sie unterlag. Würde sie dann je wieder ihrer Mutter, Gaida von Anakrom, unter die Augen treten können? Selbst vor Jodrel, ihrem Vater, mochte sie Scham empfinden.
Burras Gesicht verzerrte sich zur Grimasse. Aus ihrer Kehle drang das Knurren eines gereizten Raubtiers.
Sie hatte nichts zu verlieren. Lieber würde sie sterben, als mit der Schande zu leben.
In einem letzten ungestümen Aufbäumen schwang sie ihr Schwert, zeichnete die funkelnden Linien des Drachen in die Luft, beschrieb mit der haarfeinen Klinge die verwobene Art zu fechten und wehrte zwischendurch immer wieder die Schläge Mashagimas ab.
Ohne dass sie sich dessen bewusst wurde, war sie selbst zum Angriff übergegangen. Ihr Schwert hinterließ Kerben im Panzerrock der Gegnerin. Für eine Weile übertönte ihr Keuchen sogar das Klingen der aufeinanderprallenden Waffen.
Aber allmählich erlahmten ihre Bewegungen, und Burra musste es geschehen lassen, dass Mashagima sie in die Enge trieb.
»Gib dich geschlagen!«
»Niemals!«
Ein Aufgeben wäre gleichbedeutend gewesen mit dem Ende aller Träume und Hoffnungen. Wofür sieben Jahre voll Entbehrungen und manchmal schier unmenschlicher Anstrengungen, wenn nicht für das Ziel, eines Tages selbst zu den Amazonen zu gehören?
Mashagimas Klinge schlitzte das Wams, das Burra trug. Abermals klirrten die Waffen aufeinander. Das Mädchen parierte den von oben herab geführten Schlag, was ihre Meisterin zu überraschen schien.
Zweimal traf Burra den Brustpanzer der Frau, dann wurde ihr das Schwert erneut aus der Hand gewirbelt, und sie verspürte einen glühenden Schmerz quer über die linke Wange.
Mashagima deutete eine Verbeugung an, bevor sie ihre Waffe in die Scheide zurück stieß.
»Bereite dich auf die Schwertlanze vor, Burra«, sagte sie. »Nutze die Zeit, die dir verbleibt. Wenn der Sand einmal durch das Glas geronnen ist, werden Gorma und Tertish gegen dich antreten.«
Die beiden besten Kämpferinnen meines Jahres, durchzuckte es das Mädchen. Und laut kam ihre Frage:
»Habe ich die Prüfung bestanden?«
»Wappne dich in Geduld«, war Mashagimas Antwort, bevor sie eilenden Schrittes den Raum verließ.
Erst jetzt spürte Burra, dass es ihr warm über die Wange lief. Sie empfand keine Schmerzen, dennoch waren ihre Finger rot vom Blut, als sie sich mit der Hand übers Gesicht wischte.
Befürchtete Burra eben noch, versagt zu haben, so pochte plötzlich ein Gefühl wilden Stolzes in ihrer Brust.
Sie hatte ihre erste Narbe empfangen.
*
Sie wartete. Die Fähigkeit, den Belangen des eigenen Körpers zu trotzen, Hunger, Durst und Ungeduld tief in sein Inneres zu verdrängen, war das erste gewesen, was man ihr und den anderen beigebracht hatte.
Burra schreckte aus ihren Gedanken auf, als sie irgendwann spürte, nicht mehr allein zu sein. Übergangslos fand sie in die Wirklichkeit zurück. Sie kam auf die Beine, noch bevor die erste Lanze dort auf den Boden schmetterte, wo sie eben gesessen.
Fünf Schritte trennten sie von ihrer eigenen Waffe – eine unüberwindbare Entfernung, falls Gorma und Tertish mit dem Kreuzhieb angriffen. Burra war nicht darauf vorbereitet gewesen, derart unverhofft überfallen zu werden. Dieses Vorgehen musste von Mashagima befohlen worden sein, denn die Amazone pflegte ihren Schülerinnen jede nur erdenkbare Härte angedeihen zu lassen.
Das Mädchen konnte nicht erkennen, wer den ersten Schlag geführt hatte und wer ihr nun die Lanze zwischen die Füße stieß. Sie stürzte, streckte im Fallen die Arme aus und packte zu, während sie sich abrollte.
Tatsächlich bekam sie den hölzernen Schaft zu fassen. Die Angreiferin war zu überrascht, um ihr großen Widerstand entgegenzusetzen. Noch in der Hocke wirbelte Burra auf einem Fuß herum, den anderen von sich gestreckt, um das Gleichgewicht zu halten.
Ein heftiger Ruck, gefolgt von einem unterdrückten Aufschrei – Gorma ließ die Lanze fahren.
Burra kam vollends auf die Beine, warf die Waffe, die sie unmittelbar unterhalb der Klinge gepackt hatte, hoch und fing sie mit einer Hand wieder auf. Tertishs stürmisch vorgetragenen Hieb wehrte sie mit dem Schaftende ab.
Zwei blitzschnelle Sprünge brachten Gorma näher an die Wand, wo Burras Lanze hing. Gleichzeitig griff Tertish abermals an. Sie schwang die Waffe wie der Schnitter die Sense. Zweifellos hätte die blitzende Schneide Burra beide Beine dicht unterhalb der Knie abgetrennt, wäre das Mädchen der Klinge nicht mit einem verzweifelten Sprung entgangen. Für einen Augenblick schien sie flach in der Luft zu liegen, kam dann wieder auf und hastete, den vorhandenen Schwung ausnutzend, etliche Schritte vorwärts. Wie einen Spieß schleuderte sie ihre Lanze und nagelte Gormas Ärmel damit an die Wand. Nur eine Handbreit tiefer, und die Gegnerin hätte nie wieder eine Waffe tragen können.
Noch vor einem Tag hatten sie Seite an Seite gestanden und den Belehrungen Mashagimas gelauscht – ehrfürchtig und ergriffen, als hinge ihr weiteres Leben davon ab. Und in gewisser Weise war dem auch so. Nur wer seinen Körper wirklich bis ins tiefste Innerste beherrschte, der war würdig, eine Amazone geheißen zu werden. Es gehörte mehr dazu als allein die Kraft, ein Schwert zu schwingen. Erst der absolute Einklang zwischen dem Fleisch und jener unfassbaren, nach dem leiblichen Tod in einer anderen Welt weiterlebenden unsichtbaren Aura, die den...




