Ivy Sehnsucht der Dämmerung
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-13109-8
Verlag: Diana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Guardians of Eternity 11 - Roman
E-Book, Deutsch, Band 11, 480 Seiten
Reihe: Guardians of Eternity-Serie
ISBN: 978-3-641-13109-8
Verlag: Diana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die schöne Halbdämonin Sally und der mächtige Vampir Roke sind gegen ihren Willen durch ein magisches Band miteinander verbunden. Es ist ein mächtiger Zauber, der sie aneinanderkettet und der ihre Leidenschaft immer stärker werden lässt. Doch er birgt auch eine große Gefahr für Sally und Roke – und für den Rest der Welt …
Unter dem Pseudonym Alexandra Ivy veröffentlicht die bekannte Regency-Liebesroman-Autorin Deborah Raleigh ihre Vampirromane. Ihre international erfolgreiche Guardians-of-Eternity-Reihe umfasst bereits elf Bände und steht regelmäßig auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Alexandra Ivy lebt mit ihrer Familie in Missouri.
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KAPITEL 1
Nordkanada
Roke hatte dem überwältigenden Wunsch, einen Gargylenmord zu begehen, noch nicht nachgegeben.
Aber immerhin stand er kurz davor.
Roke war von Natur aus ungesellig, und dass er während der letzten drei Wochen das endlose Geschnatter eines verkümmerten Gargylen hatte ertragen müssen, stellte geradezu Folter für ihn dar.
Lediglich der Umstand, dass Levet imstande war, Yannah wahrzunehmen, die Dämonin, die Sally bei der Flucht aus Chicago geholfen hatte, hielt Roke davon ab, den lästigen Trottel zu Styx zurückzuschicken.
Das Band seiner Verbindung zu Sally ermöglichte es ihm, sie zu spüren, aber Yannahs Fähigkeit, blitzschnell von einem Ort zum anderen zu teleportieren, bedeutete, dass sie bereits verschwunden war, sobald er imstande war, sie aufzuspüren.
Levet schien zu Yannah eine direktere Verbindung zu besitzen, obwohl sie noch immer ihre Nächte damit verbrachten, von einem Ort zum anderen zu eilen, ihr stets einen Schritt hinterher.
Bis heute Nacht.
Lächelnd hielt er an und ließ seine Sinne ausströmen.
Die stabile Hütte, die versteckt an der Ostküste von British Columbia lag, thronte über dem Nordpazifik und bot einen Ausblick auf die aufgewühlten Wogen. Sie war aus jenen grauen Steinen erbaut, welche die felsigen Klippen säumten, und verfügte über ein steiles Blechdach, um die heftigen Schneefälle abzuwehren, sowie über Fenster, deren Läden zum Schutz gegen den spätherbstlichen Wind bereits geschlossen waren. Zwar umgaben einige Nebengebäude das karge Grundstück, doch lag es weit genug von der Zivilisation entfernt, um vor neugierigen Blicken geschützt zu sein.
Obwohl neugierige Blicke den Vampir gar nicht hätten entdecken können.
Roke ließ sein Motorrad, eine Spezialanfertigung mit Turbinenantrieb, zwischen den Bäumen zurück, wo er es versteckt hatte. Er trug eine schwarze Jeanshose, ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze Lederjacke sowie kniehohe Mokassins, in denen er sich mit tödlicher Lautlosigkeit bewegen konnte.
Mit seiner bronzefarbenen Haut und dem dunklen Haar, das ihm bis zu den breiten Schultern reichte, verschmolz er mühelos mit der Dunkelheit. Nur seine Augen leuchteten. Obgleich sie silberfarbig waren, wirkten sie im Mondlicht weiß und waren von einem Rand aus reinem Schwarz umgeben.
Im Lauf der Jahrhunderte hatte allein der Anblick dieser Augen ausgereicht, um selbst die brutalsten Dämonen die Nerven verlieren zu lassen. Niemand mochte das Gefühl, dass die eigene Seele bloßgelegt wurde.
Andererseits lockten seine schmalen, schönen Gesichtszüge, die eindeutig verrieten, dass er von den amerikanischen Ureinwohnern abstammte, Frauen schon in sein Bett, seit er als Vampir erwacht war.
Hingerissen seufzten sie unter der Berührung seiner vollen, sinnlichen Lippen und pressten sich begierig an seinen schlanken, fein gemeißelten, perfekten Körper. Ihre Finger zeichneten die stolzen Konturen seiner Nase nach, die breite Stirn und seine hohen Wangenknochen.
Dabei spielte es keine Rolle, dass die meisten ihn für so kalt und gefühllos wie eine Klapperschlange hielten. Oder dass er bereit war, alles und jeden zu opfern, um seinen Clan zu beschützen.
Sie fanden seine unbarmherzige Überlegenheit … erregend.
Alle Frauen empfanden das so, alle – bis auf eine besondere Ausnahme.
Es war eine verdammte Schande, dass es sich bei dieser Ausnahme zufällig um seine Gefährtin handelte.
Roke verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
Nein. Nicht seine Gefährtin.
Oder zumindest nicht im traditionellen Sinn.
Vor drei Wochen hatte er sich in Chicago aufgehalten, als die Dämonenwelt gegen den Fürsten der Finsternis gekämpft hatte. Es war ihr gelungen, die höllischen Heerscharen zur Rückkehr zu veranlassen. Doch anstatt es ihm zu gestatten, zu seinem Clan in Nevada zurückzukehren, hatte Styx, der Anasso, darauf bestanden, dass er blieb, um auf Sally Grace aufzupassen, eine Hexe, die an der Seite des Fürsten der Finsternis gekämpft hatte.
Roke war zornig gewesen.
Er hatte sich nicht nur verzweifelt gewünscht, zu seinem Volk zurückkehren zu können, sondern hasste darüber hinaus Hexen.
Wie alle Vampire.
Magie war nämlich die einzige Waffe, gegen die sie sich nicht zur Wehr setzen konnten.
Bedauerlicherweise beeilte sich ein kluger Vampir zu gehorchen, wenn Styx ihm einen Befehl erteilte.
Die Alternative war alles andere als schön.
Allerdings hatte zu dieser Zeit niemand gewusst, dass Sally zur Hälfte Dämonin war. Oder dass sie in Panik geraten würde, wenn man sie in die Kerker unter Styx’ elegantem Versteck steckte.
Geistesabwesend rieb er sich die Innenseite seines Unterarms an der Stelle, an der das Mal der Verbindung in seine Haut einprägt war.
Die Hexe hatte behauptet, sie habe einfach versucht, ihn so lange zu verhexen, bis er ihr dabei behilflich war zu entkommen. Nach der anfänglichen Wut über die Erkenntnis, dass sie über dämonische Zauberkräfte verfügte, die auf irgendeine Weise das Band der Verbindung erschaffen hatten, hatte Roke diesen Umstand, wenn auch widerstrebend, als eine Art Unfall akzeptiert.
Was er jedoch nicht akzeptiert hatte, war die Tatsache, dass sie davongelaufen war, um die Wahrheit über ihren Vater herauszufinden.
Verdammt.
Immerhin war es doch ihre Schuld, dass sie aneinandergefesselt waren.
Sie hatte nicht das Recht, sich davonzuschleichen wie eine Diebin in der Nacht.
»Kannst du etwas erkennen?«
Die Frage wurde von einer leisen Stimme mit französischem Akzent gestellt, was Roke aus seinen düsteren Grübeleien riss. Er blickte nach unten und erwiderte trübselig den neugierigen Blick seines Begleiters.
Was zum Teufel war mit seinem Leben geschehen?
Eine Gefährtin, die keine Gefährtin war. Ein neunzig Zentimeter großer Gargylen-Helfer. Und ein Clan, der bereits viel zu lange ohne seinen Clanchef auskommen musste.
»Sie ist dort«, murmelte er und ließ den Blick über das hässliche Gesicht der Kreatur wandern. Levet verfügte über alle charakteristischen Gargylenmerkmale. Er besaß eine graue Haut, Hörner, eine kleine Schnauze und einen Schwanz, den er liebevoll auf Hochglanz poliert hielt. Nur seine zarten Flügel und seine Winzigkeit kennzeichneten ihn als andersartig. Oh, und sein erschreckender Mangel an Kontrolle über seine Zauberkräfte. Roke wandte sich wieder zu der Hütte um, aus der ihn ein unverwechselbarer Pfirsichduft anwehte. Eine primitive Erregung überlief ihn heiß und zog ihn vorwärts. »Habe ich dich, kleine Hexe.«
Levet hastete hinterher, um mit Rokes langen, lautlosen Schritten mithalten zu können und zog am Saum von dessen Jacke.
»Äh … Roke?«
»Nicht jetzt, Gargyle.« Roke hielt nicht an und machte sich auf den Weg zur Rückseite der Hütte. »Ich habe die vergangenen drei Wochen damit verbracht, mich wie einen verdammten Jagdhund an der Leine herumführen zu lassen. Nun beabsichtige ich, den Augenblick zu genießen.«
»Ich hoffe, dass du, während du mit deinem Genuss beschäftigt bist, nicht vergisst, dass Sally einen guten Grund dafür haben muss …«
»Ihr Grund ist der, dass sie mich in den Wahnsinn treiben will«, unterbrach Roke Levet und blieb neben der Hütte stehen. »Ich habe ihr versprochen, dass wir uns auf die Suche nach ihrem Vater machen würden. Und zwar gemeinsam.«
»Oui. Aber wann?«
Roke biss die Zähne zusammen. »Für den Fall, dass du es vergessen haben solltest – sie wäre beinahe gestorben, als der …«
»Vampirgott.«
Roke schnitt eine Grimasse. Die Kreatur, die sie vor so kurzer Zeit bekämpft hatten, mochte ja vielleicht behauptet haben, der erste Vampir zu sein, doch das machte sie nicht zu einem Gott. Dieser Mistkerl hatte Sally bei dem Versuch, den Zauber zu brechen, der ihn gefangen hielt, beinahe getötet.
»Als der uralte Geist sie angriff«, fauchte Roke. »Sie sollte dankbar dafür sein, dass ich zu warten gewillt war, bis sie wieder bei Kräften war.«
Levet räusperte sich. »Und das ist der einzige Grund, weshalb du versucht hast, sie gefangen zu halten?«
»Sie wurde nicht gefangen gehalten«, widersprach Roke ihm, während er sich dagegen sträubte, an die Panik zu denken, die ihn übermannt hatte, als Sally stundenlang ohnmächtig gewesen war.
Oder an sein heftiges Widerstreben, Sally zu gestatten, Styx’ Versteck zu verlassen.
»Non?« Levet schnalzte mit der Zunge, offenbar ohne zu bemerken, wie kurz Roke davor war, ihm genau diese Zunge aus dem Mund zu reißen. »Ich hätte schwören können, dass man sie in den Kerker gesperrt hatte.«
»Nicht, nachdem Gaius vernichtet war.«
»Du meinst, nachdem sie die Welt vor dem Vampirgott gerettet hatte?«, fragte der Gargyle spöttisch. »Wie großzügig von dir.«
O ja. Diese Zunge würde verschwinden müssen.
»Treibe es nicht zu weit, Gargyle«, meinte Roke warnend und ließ seine Sinne ausströmen.
Mit dem lästigen Gargylen würde er sich später befassen.
Roke witterte und erhaschte den Geruch salziger Gischt, als die Wellen gegen den Felsen unter ihm schlugen, das intensive Aroma des Rauches aus dem Schornstein und den Duft eines Wassergeistes in der Ferne, der inmitten der Wale spielte.
Aber stärker als all das war dieses verlockende Aroma warmer Pfirsiche.
Es war ein starkes Aphrodisiakum,...




