E-Book, Deutsch, Band 1, 328 Seiten
Reihe: Eden
Jones DIE RUINEN VON EDEN (Eden 1)
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-600-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller, Abenteuer
E-Book, Deutsch, Band 1, 328 Seiten
Reihe: Eden
ISBN: 978-3-95835-600-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rick Jones lebt derzeit in Las Vegas und ist der Autor der Bestseller-Serie DIE RITTER DES VATIKAN, welche von Amber Entertainment unter der Regie von Ileen Maisel (Der goldene Kompass) verfilmt wird.
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Prolog
Der alte Mann war euphorisch, als er den verborgenen Tempel von entdeckte.
Drei Tage später rannte er um sein Leben.
Eine Hand aufs Herz gepresst, das in seiner Brust zu versagen drohte, bewegte sich Professor Jonathan Moore mit unsicheren Schritten vorwärts, während er und sein studentischer Mitarbeiter, Montario, vor innerhalb der Tunnel flohen.
Was immer es war, es hatte sich die ganze Zeit außerhalb des Lichtrands gehalten, den Professor gequält, indem es ihm nur kurze Blicke gewährte, sich aber nie vollständig gezeigt. Es war schnell, still und in seiner Vorgehensweise erfahren, schnappte sich die Teammitglieder einzeln und zog sie dann in die Dunkelheit, bis ihre Schreie erstarben.
Der Professor fiel zurück und die Lücke zwischen ihm und Montario wurde größer. »Montario, du bist zu schnell!«
Montario blieb stehen und drehte sich um. Er leuchtete mit der Lampe in den Schleier aus Dunkelheit hinter dem Professor.
Da, noch ein kurzer Blick, ein Aufblitzen der Kreatur mit ihrem transparenten Kragen, der um ihren Kopf herum aufgefächert war wie ein elisabethanischer, blitzschnell. Und dann war sie fort, flüchtig wie eine unterschwellige Botschaft. Ihr Schwanz peitschte durch den Lichtstrahl, bis dort nur noch eine Wand aus Dunkelheit zurückblieb.
»Es ist hinter Ihnen, Professor!«
»Ich weiß«, rief er. Sein Atem ging schwer. »Ich konnte spüren, wie es näher kam, während ich zurückfiel!«
Montario schwenkte die Lampe in Richtung ihres Fluchtwegs. Nirgends gab es eine Form von Licht, nicht einmal einen winzigen, stecknadelkopfgroßen Schimmer, der ihnen die Hoffnung geschenkt hätte, dass sich irgendwo entlang des Korridors eine Öffnung befand.
»Geh weiter«, sagte der Professor. »Auf diesem Weg sind wir reingekommen.«
Montario sah sich mithilfe des Lampenlichts um: Die Wände, die Decke, die Böden – alle waren gleich, alle aus schwarzem Silikatgestein geschaffen, so glatt wie die Oberfläche von Glas.
»Geh weiter.« Der alte Mann stieß Montario sanft vorwärts.
Die Gänge glichen einem Labyrinth: Alle liefen T-förmig zusammen oder bildeten Kreuzungen.
Doch der Professor zögerte nicht; sein Erinnerungsvermögen und seinen Verstand wie einen Kompass nutzend, folgte er einer gewundenen Biegung nach der anderen, bis ein Funken von Licht am anderen Ende des Gangs aufflackerte.
»Da«, sagte Professor Moore. »Da ist der Weg nach draußen!«
Der Professor verzog das Gesicht und sank auf ein Knie, eine Hand an die Brust gepresst.
Montario griff nach ihm und versuchte, den alten Mann auf die Beine zu ziehen, doch er schaffte es nicht. »Wir sind fast da«, sagte er ruhig.
Etwas zischte aus dem Mantel der Dunkelheit heraus.
Montario schwenkte die Lampe.
Und sah nichts.
Doch sie wussten beide, dass es da war, wartete.
»Es wird uns nicht gehen lassen, oder? Wir werden hier unten sterben.«
Der alte Mann biss die Zähne zusammen und wartete darauf, dass das Gefühl der zunehmenden Enge in seiner Brust vorüberging. »Wie alt bist du, Montario? Vierundzwanzig? Fünfundzwanzig?«
Sein Mitarbeiter sah ihn fragend an. »Ich bin achtundzwanzig.«
Der alte Mann nickte. »Ich will dir mal was sagen.« Er quälte sich hoch. »Du hast noch jede Menge Zeit vor dir, also red nicht so.« Im schwachen Licht konnte Montario sehen, dass das Hemd des Professors auf der Brust, dem Rücken und unter den Armen verschwitzte Rorschachkleckse bildete. Sein Gesicht wurde immer glänzender und grauer, wie die Unterseite eines Fischs.
»Alles wird gut«, sagte Montario leise zu ihm. »Sie werden schon wieder.«
Der Professor lächelte gezwungen. Er wusste es besser. »Wie weit müssen wir noch gehen?«
Montario schwenkte die Lampe in Richtung des Lichts. »Nicht allzu weit«, antwortete er.
Der Professor schätzte die Entfernung ein, dann sagte er: »Für mich, Montario, ist es das vielleicht. Aber für alle Fälle.« Mit einer klauenartigen Hand griff er in seine Hemdtasche, holte ein kleines, schwarzes Buch heraus, und hielt es in den Schein des Lampenlichts. »Ich will, dass du das hier an dich nimmst«, sagte er zu Montario, »und es Alyssa gibst.«
»Professor, bitte …«
»Montario, ich halte dich nur auf!«
Montario sah an dem alten Mann vorbei in die Dunkelheit hinter ihm.
Doch der Professor lenkte Montarios Aufmerksamkeit auf sich zurück, indem er ihm mit dem Zeigefinger gegen die Brust tippte. »Ich will, dass du das hier Alyssa gibst«, wiederholte er und schwenkte das Buch. »Und ich will, dass du ihr sagst, dass existiert.« Er drückte das Buch in Montarios Handfläche und schloss dann Montarios Finger darum, bis es vollständig im Griff seines Mitarbeiters war.
»Professor, Sie können es ihr selbst geben.« Er versuchte, ihm das Buch zurückzugeben, doch der Professor lehnte es ab.
»Schau, Montario, ich bin ein alter Mann und ich hatte ein erfülltes Leben. Aber falls ich es nicht hier rausschaffe, dann will ich, dass du ihr die Wahrheit über erzählst, hast du verstanden? Ich will, dass du Alyssa sagst, dass das, wir hier entdeckt haben, kein biblisches Paradies ist, wie immer behauptet wird. Sag ihr, dass es ein kalter, dunkler Ort ist, der ein furchtbares Geheimnis hütet.«
»Bitte, Professor …«
»Und erzähle ihr von den Krypten. Sag ihr, dass sie den verschlüsselten Passagen in diesem Tagebuch wie einer Karte folgen soll. Sie werden sie zu den Krypten unter der Kuppel des Tempels führen. Und sag ihr, sie soll vorbereitet sein. Die wahren Bewohner darin zu enthüllen, könnte dazu führen, dass sie ihren Glauben infrage stellt.«
»Professor, bitte! Wir müssen weitergehen!«
Der Professor blickte über seine Schulter und sah nichts außer einem Schleier aus Dunkelheit, der vollkommen und absolut war. »Ich bin direkt hinter dir«, sagte er. Und dann packte er seinen Mitarbeiter am Ellbogen und zog ihn näher. »Aber wenn ich dich aufhalte, Montario, dann lässt du mich zurück, hörst du? Du lässt mich … zurück.«
Montario nickte.
»Ich meine es ernst, Montario. Sorge einfach dafür, dass Alyssa dieses Buch bekommt.«
Montario steckte das Buch widerwillig in seine Hemdtasche.
Hinter ihnen entstand ein Geräusch, ein Klicken von Krallen auf dem schwarzen Silikatboden.
Was immer es war, es näherte sich dem Rand des Lichtscheins: Etwas, das noch schwärzer war als Schwarz.
Zusammenzuckend, während er sich an die Brust fasste, zwang Professor Moore Montario, auf das Licht am Ende des Ganges zuzugehen. »Los jetzt, und schau nicht zurück!«
Die Öffnung wurde breiter, größer, während der Professor sie aus der Dunkelheit ins Licht der Hoffnung führte.
Die schwarzen Silikatwände schimmerten wie poliert, und ebenso der Boden und die Decke, ein Wunder architektonischen Fortschritts, gemessen an heutigen Standards, ganz zu schweigen von den Werten einer Kultur, die für vierzehntausend Jahre alt gehalten wurde.
existierte. Und nachdem er die Keilschriften übersetzt hatte, die im Tempel von Göbekli Tepe gefunden worden waren – welcher derzeit der ältesten bekannten Zivilisation zugerechnet wurde, von der man annahm, sie sei zwölftausend Jahre alt – war es ihm möglich gewesen, die Bezüge auf eine zu entziffern, die weitere zweitausend Jahre älter war. Indem er den in der Keilschrift, den religiösen Texten und den antiken heiligen Schriften zitierten Spuren nachgegangen war – nach Jahren, in denen er unter dem Spott von Gelehrten gelitten hatte, die für ebenso mythisch hielten wie die Stadt Atlantis –, hatte er endlich seinen Heiligen Gral gefunden. Seine früheren Entdeckungen waren nicht mehr wichtig. Nicht die Schätze, nicht die Antiquitäten – absolut gar nichts konnte es mit den Krypten aufnehmen, die in diesem Tempel lagen.
Der alte Mann riss sich aus seinen Gedanken und bemerkte, dass er wieder zurückfiel.
Montario wartete, doch der Professor winkte ihn weiter. »Was hab ich dir gesagt? Ich hab gesagt, du sollst weitergehen!«
Der Professor trottete mit ungleichmäßigen Schritten weiter. Seine Brust wurde enger. Und dann gaben seine Beine nach, knickten unter ihm ein und ließen ihn auf die Knie fallen. Mit einer Hand an der Wand versuchte er, sich langsam wieder aufzurichten, doch er schaffte es nicht.
Montario kam entgegen den Wünschen des Professors zurück. Der alte Mann winkte ihn fort, während sich sein Gesicht vor Qualen verzerrte. »Kümmer dich nicht um mich!«, sagte er. »Bring das Buch …« Der alte Mann packte sich wieder an die Brust und biss die Zähne zusammen; sein gesamter Körper war mittlerweile ein Gefäß des Schmerzes. »Bring einfach das Buch zu Alyssa.«
Montario hielt die Lampe vor sich, während er auf den Professor zu und damit vom Licht wegrannte.
Während er sich dem Professor näherte, sah er den alten Mann eine Schulter gegen die Wand pressen, als dieser sich...




