Kleinknecht | Verhängnisvoll | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 520 Seiten

Kleinknecht Verhängnisvoll

Ein Jan Fischer und Charlotte Sander Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7407-7521-6
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Jan Fischer und Charlotte Sander Roman

E-Book, Deutsch, 520 Seiten

ISBN: 978-3-7407-7521-6
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine ganze Familie verschwindet spurlos aus einem Haus am Hamburger Stadtrand. Als der Vater tot in der Elbe treibt, geht die Polizei davon aus, dass er erst seine Familie und dann sich selbst getötet hat. Doch war es wirklich ein erweiterter Selbstmord? Was bewegt einen Menschen zu solch einer Tat? Während Hamburg einen ungewöhnlichen Kälteeinbruch erlebt und zu erstarren scheint, bleiben die Frau und beide Kinder verschwunden. Liegen sie auf dem Grund eines Sees, oder wurden sie vor dem Dauerfrost im Wald begraben? Bald sehen sich der Journalist Jan Fischer und die Fotografin Charlotte Sander durch ihre Recherchen mit einem abgrundtief bösen Gegner konfrontiert. Kleinknecht ist seit fast 20 Jahren als TV-Journalist für verschiedene Sender und Agenturen tätig. Polizeigeschichten und die Berichterstattung aus den Gerichten gehören zu seiner täglichen Arbeit. So finden reale Kriminalfälle immer wieder Eingang in seine Romane.

Markus Kleinknecht schreibt von Orten und Menschen, mit denen er sich auskennt. Er arbeitet in Hamburg seit fast 20 Jahren als TV-Journalist für verschiedene Sender und Agenturen. Polizeigeschichten und die Berichterstattung aus den Gerichten gehören zu seiner täglichen Arbeit. So finden reale Kriminalfälle immer wieder Eingang in seine Romane.

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PROLOG
Er betrat das Haus kurz nach zwei Uhr morgens. Den Schlüssel steckte er zurück in die Jacke. Alles war ruhig, als Oleg Komarow den Flur entlang zu den Schlafzimmern ging. Das Licht ließ er ausgeschaltet, begnügte sich mit dem, was von den Straßenlaternen durch die Fenster fiel. Da lagen sie und schliefen. Der Junge und das Mädchen. Alexander war sechs und Katja schon zwölf. Nächstes Jahr hätten beide ihr eigenes Zimmer bekommen sollen. Noch teilten sie sich einen Raum und ein Stockbett. Am einfachsten wäre es, ein Kissen erst auf das Gesicht des Jungen, er war noch so klein, dass er sich kaum wehren würde, und dann auf das des Mädchens zu drücken. Schon wäre alles erledigt und vorbei. Für die beiden jedenfalls. Dann noch Christina, die Frau mit der er verheiratet war und die im Zimmer nebenan schlief. Sie würde sich vermutlich auch nicht wehren. Oleg hatte sie schon lange so weit. Falten gruben sich in seine Wangen, als er die Zähne aufeinander biss. Wie lange er so verharrte, wusste er nicht. Nun saß er am Küchentisch, hatte die Ellenbogen auf die Tischplatte und das Gesicht in die Hände gelegt. Das war es also – sein Leben. Sechsunddreißig Jahre hatte es gedauert, um in diese Situation zu kommen. Bisher hatte er sich aus allem wieder herauswinden können, aber nun ... Oleg Komarow hatte seine Jugend in Woronesch verbracht, einer russischen Millionenstadt unweit der ukrainischen Grenze. Bis dorthin waren es keine drei Autostunden, bis Moskau immerhin sechs. Woronesch galt für die Wirtschaft als ein Drehpunkt, der den europäischen Teil Russlands mit dem jenseits des Urals verband. Doch Oleg hatte in seiner Jugend nicht viel davon mitbekommen. Er schlug sich mit den Erträgen aus Kleinkriminalität durch und behauptete sich bei den Banden, die die heruntergekommenen Siedlungen, in denen sich sein Leben abspielte, beherrschten. Oleg war nicht kräftig gebaut, dafür schnell und zäh. Seines Nachnamens wegen nannte man ihn »Stechmücke«. Ein Spitzname, der ihm gefiel, denn Stechmücken sind zwar klein, können einem aber ziemlich den Tag und noch mehr die Nacht vermiesen. So war es auch fast nur dieser Name, den er aus der Stadt am gleichnamigen Fluss, der Woronesch, mit an die Elbe brachte. Sein älterer Bruder war durch einen tschetschenischen Bombenanschlag ums Leben gekommen. Und so hatte Oleg nicht lange überlegt, als Dmitrij ihm anbot, mit nach Deutschland zu kommen. Dmitrij war kein echter Freund, aber sie kamen aus demselben Viertel. Ein besseres Leben sollte in Deutschland warten, behauptete Dmitrij. Arbeit, Geld und Frauen. Es war alles eingetroffen, was Dmitrij gesagt hatte. Zwar anders als geplant, aber es war passiert. Oleg hatte sich angepasst, wo er sich anpassen musste. Und er hatte den Stachel der Stechmücke gezeigt, wo es nötig war. Seit zwei Jahren lebte er jetzt mit Christina und den Kindern in diesem Haus. Sie waren nicht glücklich miteinander, nein, das wäre das absolut falsche Wort. Aber es ließ sich aushalten. Besonders für ihn. Christina tat, was er ihr sagte. Die Kinder gehorchten auch und verhielten sich in der Schule unauffällig. Nach außen hin schien somit alles gut zu laufen. Doch das tat es nicht. Niemand ahnte, was in Oleg vorging. Der Zwiespalt in ihm wurde immer größer. Er begann ihn von innen zu zerreißen. Die Nachbarn hatten längst aufgehört, die Familie Komarow zum Grillen oder zur Silvesterparty einzuladen. Sie wären sowieso nicht gekommen. Doch was in diesem Haus in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft vor sich ging, ahnte keiner von ihnen. Sie waren alle viel zu sehr mit sich beschäftigt. So waren sie, die Deutschen. Nach außen freundlich, aber grundsätzlich alle nur mit sich beschäftigt. Was würde man über ihn und Christina und die Kinder erzählen, wenn er das getan hatte, was er sich vor dem Nachhausekommen vorgenommen hatte? Was konnten die Nachbarn überhaupt sagen? Sie wussten doch nichts über die Komarows. Gar nichts. Olegs Kiefer begann zu schmerzen. Wieder hatte er die Zähne aufeinander gebissen; viel zu stark und viel zu lange. Er hätte die Kinder gleich töten sollen und dann Christina. Jetzt hörte er bereits Geräusche aus dem Schlafzimmer. Christina musste wach sein. Auch auf der Straße rührte sich schon was. Ein Auto fuhr am Haus vorbei. Der erste Nachbar auf dem Weg zur Arbeit. Oleg hatte zu lange gewartet. Es war nicht mehr nur das Laternenlicht, das durch die Fenster fiel. Es dämmerte bereits da draußen. Die Siedlung erwachte zum Leben. Als Oleg dies bemerkte, wurde der Schmerz in ihm nur noch stärker, denn er wusste, dass das Leben für ihn und die seinen zu Ende war. Oleg Komarow hatte sich getäuscht, als er glaubte, Christina habe geschlafen. Sie hatte den Schlüssel in der Tür gehört und seine Schritte auf dem Flur. Ihr Schlaf war leicht, wenn sie überhaupt geschlafen hatte. Sofort hatte sich ihr Pulsschlag erhöht, wusste sie doch, was gleich passieren würde. Es passierte fast immer, wenn er so spät nach Hause kam. Er wollte Sex. Und er bekam Sex. Erst wenn er seinen dürren Körper von ihr herunter gerollt hatte und kurz darauf zu schnarchen begann, konnte auch sie beruhigt einschlafen. Dann war normalerweise alles vorüber. Niemandem im Haus würde dann noch etwas passieren. Doch das war in dieser Nacht anders. Sie hörte ihn auf dem Flur. Dann nichts mehr. Keine Dusche und keine Toilettenspülung. Er saß allein im Dunkeln. Vielleicht im Wohnzimmer, vielleicht in der Küche. Sie hätte zu ihm gehen können, um es hinter sich zu bringen, doch dazu fehlte ihr die Kraft. Unbeweglich blieb sie im Bett liegen und lauschte in die Nacht. Schließlich kroch der Morgen heran, und sie stand doch auf. Oleg saß am Küchentisch. Den Kopf hatte er auf eine Hand gestützt. Christina sah zuerst nur seinen dunkelblonden Hinterkopf. Was für ein struppiger Mistkerl. Alles an ihm schien drahtig und widerspenstig. Da gab es so gut wie nichts Weiches. Nur ganz selten hatte Christina ein Lächeln bei ihm gesehen. Bis vor einem Jahr war es, soweit sie sich erinnerte, nie vorgekommen. Erst in letzter Zeit bemerkte sie gelegentlich, dass er die Kinder freundlicher ansah und selbst ihr ab und zu freundlich gesonnen schien. Was diese langsame Veränderung bewirkt hatte, wusste sie nicht. War es doch möglich, dass dieser Mann so etwas wie Gefühle hatte? Christina ging zur Küchenzeile, wollte einen Kaffee kochen, auch, um Oleg bei Laune zu halten. Sie sagte nicht »Guten Morgen.« - »Kaffee?«, war das einzige Wort, das sie aussprach. Als er nicht antwortete und sie sich nun doch zu ihm umdrehte, erschrak sie über seinen Gesichtsausdruck. Der übliche Zorn in seinen Augen war verschwunden. Sie sah nur Verzweiflung. Der Anblick erschütterte sie. Alles in diesem Haus schien allmählich aus den Fugen zu geraten. Auf nichts konnte sie sich verlassen. Dass Oleg sich in letzter Zeit fast schon nett verhielt, war überraschend genug. Aber jetzt diese Zerbrechlichkeit und offensichtliche Müdigkeit bei ihm. Wo kamen die her? Was passierte hier? Er schien der zäheste und äußerlich am wenigsten zu beeindruckende Mensch, den sie kannte. Was konnte diesen Mann so verändern, dass sie, ohne es zu wollen, plötzlich Mitleid für ihn empfand? »Möchtest du einen Kaffee?«, fragte sie ihn freundlicher, so, wie es vermutlich die anderen Frauen in den Nachbarhäusern bei ihren Männern taten. Als er den Blick hob und sie eine Weile damit zu durchbohren schien, bekam Christina Angst. Etwas Schreckliches würde passieren. Sie spürte es ganz genau. Als er sich bewegte und der Stuhl ein Stück über den Steinboden kreischte, zuckte sie zurück. Schnell machte sie ein paar Schritte nach hinten, brachte den Küchentresen zwischen sich und diesen Mann. Sofort dachte sie an das Brotmesser in der Schublade vor sich. Doch Oleg hatte nicht vor, sich zu erheben. Er wollte ihr auch nichts tun. Er sagte nur: »Ja.« Und es brauchte eine Weile, bis Christina begriff, dass er damit ihre Frage nach dem Kaffee beantwortete. Schweigend saßen sie sich gegenüber. Er hielt den Kaffeebecher in beiden Händen, obwohl dieser schon lange leer war. Sie wagte nicht zu fragen, was los war. Zum einen, weil Oleg bei solchen Fragen sehr unangenehm werden konnte, zum anderen aber, weil Christina die Antwort fürchtete. Es war etwas geschehen, das Oleg Komarow in seinen Grundfesten erschüttert hatte. Was immer das war, es konnte nichts Gutes bedeuten. Als Christina die Stille nicht länger ertrug, sagte sie, dass sie die Kinder wecken und für die Schule fertig machen müsse. »Sie gehen heute nicht in die Schule«, sagte Oleg mit leiser Stimme, sprach mehr zum Kaffeebecher als zu ihr. Christina hielt in der Bewegung inne. Eine Hand hatte sie auf den Küchenstuhl gelegt, um ihn wieder an den Tisch zu rücken. Ordnung war wichtig in diesem Haus. Oleg hatte ihr beigebracht, wie alles ordentlich zu sein hatte. »Wir machen einen Ausflug«, sprach Oleg weiter und beantwortete damit die Frage, die unausgesprochen im Raum...



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