Kneifel | Mythor 140: Am Anfang war das Chaos | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 140, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Kneifel Mythor 140: Am Anfang war das Chaos


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9892-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 140, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9892-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



ALLUMEDDON, die Entscheidungsschlacht zwischen den Heeren des Lichts und der Finsternis, wurde abgebrochen. Der Lichtbote griff ein und verhinderte den Sieg der Dunkelmächte, indem er durch sein Erscheinen Vangor ins absolute Chaos stürzte und die Kräfte beider Seiten zersplitterte. Viele starben bei den Katastrophen, die das Gesicht der Welt veränderten. Doch Mythor, der Sohn des Kometen, überlebte das Ende des alten Vangor und rettet sich hinüber in den Morgen einer neuen Zeit. Mythor hat einen Auftrag zu erfüllen. Denn bevor der Lichtbote Vangor verließ und zu anderen Welten weiterzog, forderte er den Sohn des Kometen auf, Ordnung in das herrschende Chaos zu bringen, Inseln des Lichts zu gründen und den Kampf gegen das Böse wieder aufzunehmen. Aber als Mythor in der veränderten Welt erwacht, ist er ganz auf sich allein gestellt, ohne Waffen und Hilfsmittel, ohne Freunde und Gefährten. Noch schlimmer: Er ist seiner Erinnerungen beraubt und hilfloser Gefangener einer Hexe. Damit sieht für ihn der 'Morgen einer neuen Zeit' sehr trübe aus. Nur eines steht fest, wenn man sein gegenwärtiges Schicksal und das anderer Überlebender bedenkt: AM ANFANG WAR DAS CHAOS ...

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1.


Sie lebten im Chaos, denn sie wussten es nicht besser. Sie litten darunter, und in den Nächten träumten sie wirre, unerklärliche Träume von vergangenen oder zukünftigen Zeiten oder von wunderbaren Gegenden.

Aber – sie lebten.

Caronj schüttelte sich. Über sein Fell, das mit Schmutz und Spuren beißend riechenden Schweißes bedeckt war, lief ein Schauer. Ilfa stieß die Fersen in seine Seiten und schlug ihm auf die Schulter.

»Müde?«, fragte er. »Oder hast du Angst?«

»Keine Angst«, antwortete Caronj und drehte den Kopf über die Schulter zurück. »Es ist sinnlos. Wir kommen hier nicht durch.«

»Dann dorthin!«, rief Ilfa und deutete mit dem Ende des schlanken Bogens nach links.

»Meinetwegen. Das ist ein Land für Sgnore!«, brummte er, peitschte mit seinem langen Schweif die Luft und galoppierte nach links, auf einen riesigen, bleichrindigen Baum ohne Blätter zu. Seine scharfkantigen Hufe erzeugten auf dem Boden einen schnellen, harten Wirbel. Unter dem Horn der Hufe lag festgebackener Sand, in Schollen zerfallen.

»Nichts gefunden«, murmelte Ilfa, beugte sich vor und legte einen Arm um die Schulter Caronjs. In beiden Händen trug er ein langschäftiges Kampfbeil mit doppelter Schneide. Ein kurzer Galopp brachte ihn entlang der bekannten Markierung von Schattenparadies bis zu dem phantastisch aussehenden Baum. Die Wurzeln ragten wie die Gebeine von Verscharrten aus dem Boden, die sich aus ihren Gräbern erheben wollten.

»Wir werden vielleicht etwas finden. Was es ist, weiß nicht einmal dein Vater!«

»Trotzdem! Wir müssen es wissen!«, rief Ilfa.

Der Junge sprach Schattenwelsch besser als die Sprache, die sie als Gorgan kannten. Seit einigen Handvoll von Tagen versuchten sie herauszufinden, was mit Schattenparadies wirklich geschehen war.

Die Vergangenheit lag in der Düsternis einer schauerlichen Erinnerung. Die Welt bebte, der Himmel war von Blitzen erhellt und gleichzeitig gespalten, die jagenden Wolken hatten alle Farben gehabt, die je ein Auge gesehen hatte. Stürme und Wasserfluten, Spalten in der Rinde dieser Welt und Dutzende von völlig unbekannten, unverständlichen Schrecknissen waren über die Wegelagerer der Schattenzone hereingebrochen.

Hatten sie bisher die Trecks der Pfader überfallen und ihnen den nackten Schrecken beigebracht, so litten sie nun selbst unter Angst und Panik. Das Heulen seltsamer, aufflammender Himmelssteine hoch über ihren Köpfen – noch heute entsannen sie sich dieser schauerlichen Laute!

Was war geschehen?

Sie wussten nur, dass sich ihre bisherige Heimat aufgelöst hatte in einer Folge von schweren Beben. Die Landinsel, die sie Schattenparadies nannten, war davongeschleudert worden; in ein Land, von dem Helmond sagte, es sei Gorgan. Ringsherum lagen unbekannte Wälder, Moore, Dschungel und Felsen. Sie kannten nur winzige Ausschnitte davon.

Ihr Versteck indessen war dem Erdboden gleichgemacht worden. Alle Vorräte – oder fast alle –, die Beute, alle die geraubten Schätze und Seltsamkeiten, alle ihre Habe war unter den Quadern der niedergebrochenen Bauten begraben.

»Caronj! Meinst du, dass es hier auch Pfader gibt?«

Seit dem Zusammenbruch des gewohnten Weltbilds war nicht ein einziges Mal ein Lichtstrahl oder gar das Licht der Sonne durch die Düsternis des Himmels gedrungen. Undurchdringlicher Nebel hing über dem Land. Nur in den Nächten wurde es ganz schwarz, finster wie in einer Gruft.

»Möglich. Ich glaube es nicht.«

»Wovon werden wir dann leben?«

»Das weiß nicht einmal dein Vater Helmond.«

»Ich habe seit dem Zusammenbruch keinen Wanderer gesehen!«

»Nicht einmal die Haryie sah jemanden«, lautete die mürrische Antwort. Auf dem Rücken Caronjs ritt Ilfa unter den tiefhängenden Ästen des abgestorbenen Baumes hindurch. Stinkende Schwämme wuchsen am Stamm und in den Astgabelungen. Ilfa kannte den schmalen Pfad nicht, der sich undeutlich im Gewirr des Dschungels abzeichnete. Als Caronj seinen Vorderfuß über einen glitschigen Stein hob, ertönte aus dem Bauch der Welt ein dumpfer, polternder Laut. Der Boden schüttelte sich, der Körper des Zentauren wurde hin und her geschleudert. Ilfa klammerte sich mit beiden Armen an seine Schultern.

»Schon wieder!«, keuchte er. »Hört es denn nie auf?«

Am Tag, als sich die Schattenzone auflöste, begannen die Beben. Die Zone des Schreckens schien unendlich groß zu sein. Das Rütteln des Bodens hörte plötzlich auf, aber aus der Höhe drang das Rumpeln und Krachen von Donnerschlägen an die Ohren Ilfas und Caronjs.

Unsichtbare kleine Tiere flüchteten vor dem Beben und vor den beiden Fremdlingen. Seit Tagen war Ilfa unterwegs, und obwohl er Pfeil und Bogen meisterhaft zu handhaben wusste, hatte er nicht den kleinsten Braten geschossen.

»Die Welt ist aus den Fugen!«, meinte Caronj.

Ilfa zählte erst zwanzig Lenze; so hatte es Helmond bezeichnet. An seiner Seite hatte er unendlich viel gelernt. Ilfa führte das Schwert mit fast derselben Geschicklichkeit wie der Vater. Aber auch er, der Listenreiche, konnte nicht genau sagen, was wirklich vor etlichen Monden geschehen war.

Noch ein Stoß, noch ein Donnerschlag aus der Höhe, dann beruhigte sich der lehmige Boden wieder.

Durch das Geäst fuhr ein hohles, fauchendes Brausen. Es fing zu regnen an, zum zweiten Mal an diesem Tag. Schwere Tropfen prasselten herunter wie geschleuderte Steine. Caronj knurrte:

»Auch das noch! Hunger und Nässe.«

»Wir sind in einem seltsamen und gefährlichen Land, Freund«, klagte Ilfa und duckte sich unter einem zurückschnellenden Ast. Das Rauschen und Prasseln wurde lauter.

Noch vor etlichen Monden fürchteten viele in der Schattenzone Helmonds Rotte. Sie hatte viele Eindringlinge, die von Pfadern angeführt worden waren, überfallen und beraubt. Schattenparadies aber, ihr Unterschlupf, davongeschleudert und im unbekannten Teil des Landes Gorgan abgesetzt worden, hatte viele ihrer Bande getötet. Zwar zerfetzten die gigantischen Gewalten die Landinsel nicht völlig, aber die Bandenmitglieder wurden von Trümmern zerschlagen, von Flutwellen davongerissen, von Blitzen getroffen und waren in Erdspalten verschwunden, die sich knirschend wieder schlossen. Viele der Rottenkrieger wurden von riesigen Tieren ergriffen, die aus dem Dschungel auftauchten, und die Übriggebliebenen wussten, dass ihre Kameraden in Stücke gerissen worden waren.

Nur noch sechs waren übriggeblieben.

»Gefährliches Land. Du sagst es.«

Durch den peitschenden Regen, der nicht sonderlich kalt war, durch einen Schauer eiskalter, fetzender Hagelschloßen tappten sie über den schmalen Pfad. Blätter zerfaserten unter den Hageleinschlägen. Ranken peitschten hin und her, und Wasser füllte die Hufeindrücke aus. Der Pfad wand sich an herausgerissenen Wurzeln vorbei, zwischen Felsen hindurch und auf eine Barriere aus schwarzen, rissigen Felsen zu. Sie sahen aus wie kantige Tafeln, die von einer riesigen Hand in eine Richtung gekippt worden waren.

Ein riesiger Baum, der sich vor ihnen im Sturm schüttelte, breitete seine Äste und Blätter über die Grabsteine oder den Ruinenrest. Der grüne Überwurf Ilfas war durch und durch nass; die Fiederung der Pfeile begann sich aufzulösen.

»Halt. Eine Spur!«, sagte Caronj. Er drängte seinen triefenden Körper an die Rinde des knorrigen Stammes. Mit der Spitze der Kampfaxt zeigte er auf den Boden.

»Tatsächlich. Wenn wir das Tier bekommen ...«, flüsterte Ilfa und sprang vom Rücken des Zentauren. Sie folgten der Spur, die aus kantigen Eindrücken bestand. Braunes Haar hing an den Dornen der Büsche, durch die das Tier geflohen war.

»Ich komme hinter dir her«, murmelte Caronj. »Sei vorsichtig.«

Die beiden Fremdlinge kannten nicht einmal die Tierwelt ihrer neuen Umgebung. Nur einige schwarze Vögel hatten sie gesehen, zudem seltsame Ratten mit grauen Schwänzen. Hin und wieder verirrten sich Tiere, die wie Hasen ohne Ohren aussahen, auf die Insel der Helmond-Rotte. Es gab nur kümmerliche, zähe Braten.

Geräuschlos, geschützt von den triefenden Zweigen und dem Geräusch des Hagelregens, pirschte sich Ilfa davon. Ilfas knabenhafte Gestalt, gekrönt von einem zerzausten, nassen dunkelbraunen Haarschopf, schlüpfte durch die Löcher in der schwarzgrünen Wand. Er sah nicht einmal dreißig Schritte weit. Die Tatsache, dass sie seit den rätselhaften Ereignissen gezwungen waren, zu überlegen, sich in den Ruinen ihres ehemaligen Besitzes wieder einzurichten, mit den schwachen Kräften von sechs Rottenüberlebenden, verbot alle Gedanken über das vergangene und zukünftige Schicksal. Sie lebten inmitten des Chaos, aber sie hatten bis zum heutigen Tag überlebt.

»Still! Ich höre ihn!«, zischte Caronj. In diesem Dschungel voller unbekannter Gefahren benutzte er seine Lanze nicht. Die Axt war die bessere Waffe.

Ilfa hob den rechten Arm und ballte die Faust.

Er rannte bedächtig weiter, wich den Hindernissen aus und verfluchte das ewige Halbdunkel. Die Spuren vor ihnen wurden deutlicher. Es musste ein großes, stattliches Tier mit vier Läufen sein, vielleicht ein Hirsch – Essen für viele Tage. Plötzlich blickten Caronj und Ilfa gleichzeitig nach oben. Sie hatten, zufällig, zwischen den Zweigen eine klare Sicht in den regnerischen Himmel. Dort schwebte, kräftig mit den Schwingen schlagend, ein großer, schneeweißer Raubvogel. Er stieß einen schrillen, herausfordernden Schrei aus und strich in irgendeine Richtung ab – irgendeine, denn niemand wusste, wo Nord oder Süd war.

Im selben Moment sah Ilfa vor sich die Beute.

Ein Tier, dessen Geweih sich in zähen Ranken und...



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