E-Book, Deutsch, Band 175, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Kneifel Mythor 175: Im Verbotenen Land
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9927-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 175, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9927-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, ist er gehandikapt. Und erst das Duell mit seinem anderen Ich sorgt dafür, dass unser Held in seiner Ganzheit wieder ersteht. Damit beginnt Mythor in bekannter Manier zu handeln. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen, ist sein Ziel. Und dieses Ziel erreicht er im Drachenland. Der weitere Weg unseres Helden ist verschlungen. Da geht es um die Spur der Albträume, um die Gründung weiterer Oasen des Lichts, um Coerl O'Marn, den Albtraumritter, der über das DRAGOMAE, das Werk der Weißen Magie, verfügt. Es geht auch um die anbrechende Auseinandersetzung zwischen Gorgan, dem Krieger, und Vanga, der Hexe, und um die Waffen des Lichtboten. Und es geht schließlich um das BUCH DER ALBTRÄUME, dessen einzelne Kapitel in Verstecken ruhen, die vor dem Zugriff der Finstermächte sicher zu sein scheinen. Dass diese Sicherheit trügerisch war, bewies Trillums Attacke. Wie es nun mit dem zweiten Kapitel des BUCHS DER ALBTRÄUME bestellt ist, will Mythor herausfinden. Aber nicht nur er hat das im Sinn, sondern auch Xatan. Beide sind mit ihren Gefährten auf dem Weg zum Aufbewahrungsort. Dieser Ort liegt IM VERBOTENEN LAND ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Kalt war der Wind, zugleich feucht und wild. Er brachte den Geruch erloschener Brände und kalten Rauches mit sich und heulte in abreißenden Stößen durch die bröckeligen Menhire. Sie umstanden den finsteren Ort wie die Reste einer Mauer aus ferner Vergangenheit.
»Wo sind wir?«, fragte der jüngere Mann. Er richtete seinen Blick auf die Felsen, dann auf den schwarzen Sand zu seinen Füßen. Das grelle Licht in seinem Rücken zitterte noch einige Herzschläge lang nach. Dann breitete sich wieder Dunkelheit aus.
»In Sworgedas Nähe«, lautete die Antwort des älteren Mannes. Leder und Eisen von Rüstungen und Waffen knirschten.
»Ich kenne diesen Ort nicht.«
»Sworgeda ist das Verbotene Land.«
»Die Umgebung ist wenig einladend, wie ich sehe«, sagte der andere.
Er machte mit der Hand am Griff des Schwertes ein Dutzend Schritte. An einen der Felsen, die wie zerbrochene Drachenzähne aufragten, lehnte er sich mit der Schulter an. Er hob den Kopf und sah, erstaunt aufstöhnend, den Mond und eine Handvoll Sterne.
»Ein seltener Anblick, nicht wahr?«, meinte der Ältere, der breit und wuchtig, nicht weniger düster als die Umgebung, mitten im Kreis der Steine stand. »Für mich, zum ersten Mal im Neuen Zeitalter, ebenso wie für dich.«
Der Mond war voll und starrte mit seinem zernarbten Antlitz herunter. Er war von einigen Dutzend kalt leuchtender Sterne umgeben. Ihr Strahlen war um so erschreckender, als keiner der Männer es in den letzten Monden je gesehen hatte. Ein Loch zwischen den aufgerissenen Wolken, in der Nebelschicht, von der die Welt umgeben war, zeigte dieses seltsame Bild.
»Ja. Ich kann mich nicht mehr erinnern.«
Von den Wolken strahlten fingerartige Fortsätze aus. Sie schoben sich vor die Sterne und griffen nach der weißen Scheibe des nächtlichen Begleiters. Wieder heulte und winselte der nächtliche Sturm und wehte kalte, stinkende Asche heran.
»Warum sind wir hier, nahe dem Verbotenen Land?«, wollte der Jüngere wissen. In großer Ferne, wie es schien, sah er den Widerschein von kleinen Lampen oder Lagerfeuern.
»Nicht nur, um deine Freunde zu treffen.«
»Nicht nur ... das hat etwas zu bedeuten.«
»Daran ist etwas Wahres. Bei Gorgan. Es ist wirklich ein wüstes Stück Welt, auf dem wir stehen.«
Die Wolken hatten die Sterne wieder verdeckt. Die Schwärze berührte auch den Rand des bleichen Gestirns.
»Ich bringe dich zum Treffpunkt.«
»Sage mir mehr, Coerl O'Marn!«
»Sadagar, der Traumbewahrer Azor, Mu und deine Freundin warten, Mythor.«
»Auf mich, hoffe ich.«
»So ist es«, entgegnete der Albtraumritter. »Dich erwartet ein Land in Schnee und Kälte.«
»Was soll ich hier?«
»Du sollst für den Ewigen Krieger Gorgan kämpfen. Er befahl mir, dich hierher zu bringen.«
»Durch den Mund des Eremiten Sestral?«
»Sestral war sein willenloses Werkzeug«, meinte Coerl mit grollender Stimme, »fast schon ein Toter, wie du weißt. Gorgan, unser Kriegsherr, befahl mir, dich freizugeben. Er befahl sogar, dir den Helm der Gerechten zu lassen.«
»Ich verstehe. Er wurde mir gelassen, weil Gorgan damit rechnete, ich würde ihn brauchen.«
»Ja.«
Coerl bückte sich und schlug seinen Mantel um sich. Im Kauern hantierte er mit der Feuerbüchse. Als er wieder aufstand, wuchs knisternd die Flamme einer schenkeldicken Fackel. Die Funken knisterten wild, die flackernden Flammen wurden größer.
»Komm mit. Ich führe dich zum Treffpunkt. Dort sollten sie warten, deine Freunde. Ich habe Sorge dafür getragen, dass ihr euch heute begegnet.«
Coerl winkte seinem Freund. Ihre Schritte knirschten auf dem rußbedeckten Sand zwischen den Felsen. Der Wind erzeugte zwischen den Menhiren kleine Wirbel. Die schneidende Kälte fuhr den beiden Gerüsteten in die Haut und zwang die Männer, sich in die Mäntel zu hüllen. Als sie den schwachen Schutz der hochragenden Steine verließen, sahen sie vor sich einen weich geschwungenen Abhang. Eine dünne Schneedecke war zu erkennen, mehr nicht.
»Ich sehe keinen Treffpunkt. Wovon hast du gesprochen?«, fragte Mythor nach einigen Dutzend Schritten durch dünnen, verharschten Schnee.
»Wir sind im Land der Hirdanai. Die Bewohner, sie nennen sich Hirden, halten das Verbotene Land für das Reich ihrer Götter. Sie werden euch abholen und nach Sworgeda bringen. Der Treffpunkt ist bald erreicht; dort vorn steht die Ruine eines Turmes.«
»Sie warten dort?«, wollte Mythor wissen. Er unterdrückte seine freudige Erregung.
»Sie haben es versprochen. Ich muss dich allein zurücklassen – es gibt andere Aufgaben für mich.«
»Mit Hilfe des DRAGOMAE, nicht wahr?«
»Du hast recht.«
Der Wind löschte die großen Flammen der Fackel nicht aus; im Gegenteil. Sie wurden angefacht.
Die Schatten der Freunde tanzten schräg über die unregelmäßige Schneedecke. Mythor hatte sich nicht getäuscht: weit voraus gab es kleine Lichter, die darauf hindeuteten, dass sich dort Bewohner dieses unwirtlichen Landes versammelt hatten. Mythor und Coerl gingen schneller, um sich warmzuhalten. Der hörnerverzierte Helm der Gerechten schlug gegen Mythors Schulter. Coerl O'Marn schien genau zu wissen, wohin er seine Schritte zu lenken hatte.
»Es gibt keine Spuren, Coerl«, sagte Mythor nach einer Weile. Aus der Ferne drang das klagende Heulen eines Hundes oder eines Wolfes an die Ohren der Freunde.
»Keine außer unseren Fußabdrücken«, bestätigte der Albtraumritter.
Mythor war nicht beunruhigt durch den schnellen und radikalen Wechsel des Ortes. Er war diese Art des Wanderns zwischen weit voneinander entfernten Landschaften gewohnt. Seine Erinnerung an die Länder der Prä-ALLUMEDDON-Zeit taugten nichts mehr. Die Welt zeigte ein völlig verändertes Gesicht. Der drohende Kampf zwischen der Hexe Vanga und dem Krieger Gorgan drohte; wenn nicht jetzt, so doch in einiger Zeit. Die Macht der Dunkelmächte schien nicht abzunehmen, die Kräfte des Lichts bildeten keine geschlossene Front. Einzelne Kämpfer, die sich der dunklen Flut entgegenstemmten, vermochten viel auszurichten, aber dies war nicht genug.
Und immer wieder türmten sich neue Hindernisse auf.
Die einzelnen Kapitel des BUCHES DER ALBTRÄUME war ein solcher kaum zu überwindender Wall.
»Dieser alte Turm ...«, begann Mythor. »Woher kennst du ihn?«
»Die Krieger, die in Zelten leben, haben ihn mir gezeigt. Ihre Weisen wollen Gorgan helfen.«
Die dünne Schneeschicht wechselte in langgezogene, aber niedrige Dünen aus hartem Schnee. Zwischen raureifbedeckten, blattlosen Bäumen glänzte vom Wind glattgefegtes Eis und warf funkelnde Blitze, als ob es aus Edelsteinen bestehen würde.
Ein Graben wurde überwunden, indem Coerl Mythor nach links und bis zu einer zerfallenen Brücke führte. Die Vertiefung am Fuß eines höchstens dreimal mannshohen Hügels war von Schnee und Eis aufgefüllt worden; der Wind hatte bizarre Formen entstehen lassen, die im Licht der Fackel noch phantastischere Schatten warfen. Auf der Spitze des Hügels waren eisbedeckte Quader zu sehen.
»Ilfa! Sadagar!«, rief Mythor gegen das Winseln und Heulen des schneidenden Windes. Niemand antwortete ihm.
»Vielleicht kommen sie später«, tröstete ihn Coerl, während sie nebeneinander eine rutschige Steintreppe aus gekippten und zerbrochenen Platten hinaufkletterten und sich gegenseitig stützten. »Sie wissen, dass du kommst.«
»Wie lange werde ich warten müssen? Auf den wirklichen Grund, aus dem du mich hierher gebracht hast?«, wollte Mythor wissen, als sie einen fensterlosen Raum erreicht hatten, eine Art Höhle, die umherstreifenden Jägern schon oft als Unterschlupf gedient hatten. Feuerkreise aus Steinen, verbranntes Holz und Asche deuteten darauf hin.
»Wie lange du auf Ilfa und die anderen warten musst, vermag ich nicht zu sagen.«
Coerl war vor dem eingestürzten Eingang stehengeblieben. Quer vor ihm lagen die Trümmer einer geborstenen Säule.
»Gorgan verlangt viel von uns!«, sagte er rau.
»Auch von mir, fürchte ich«, murmelte Mythor und begann daran zu zweifeln, dass er nur kurze Zeit zu warten hatte. Wenn Coerl etwas von ihm verlangte, würde es alles andere als einfach sein. Er stieß einen Seufzer aus, der in einen leisen Fluch ausklang.
»Auch von dir. Gorgan ließ dir den Helm, damit du ihm weiter helfen kannst. Aber sein Weg ist auch deiner, sein Kampf wird auch von uns geführt. Du sollst, mit unserer Unterstützung, das zweite Kapitel des BUCHES DER ALBTRÄUME suchen. Es heißt RADAMACCRA. Finde es; es ist ungeheuer wichtig. Ich sorge dafür, dass du zum Verbotenen Land gebracht wirst, was die geringste der Schwierigkeiten ist. Auch werden dir ständig neue Hinweise gegeben.«
»Deswegen also!«
»Deswegen haben sich auch Ilfa und die anderen auf den Weg gemacht. Du bist nicht allein.«
Coerl trat näher und steckte die Fackel in den lockeren Sand zwischen die rußgeschwärzten Steine.
»Noch bin ich allein!«, sagte Mythor.
»Nicht mehr lange. Die Hirden helfen dir weiter, selbst wenn nicht das geschieht, was errechnet wurde.«
Er streckte seinen Arm aus. Mythor hauchte in seine Hände und reichte ihm die Rechte. Die Freunde tauschten einen festen Händedruck. Daraufhin machte O'Marn einige Schritte rückwärts und hob den Arm.
Über seinem Kopf erschien wieder das gleißende Licht des DRAGOMAE. Es war weithin zu sehen, falls einer der Bewohner dieses frostigen Landes den Kopf aus dem eisverkrusteten Zelt stecken sollte.
Einige Atemzüge danach verschwand Coerl O'Marn.
*
Die Männer, die den Sterbenden umstanden,...




