E-Book, Deutsch, Band 183, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Kneifel Mythor 183: Die Schlacht um Skarpalien
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9935-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 183, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9935-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, dauert es geraume Zeit, bis unser Held in gewohnter Manier zu handeln vermag. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen, ist sein Ziel. Und dieses Ziel erreicht er im Drachenland. Der weitere Weg unseres Helden ist verschlungen. Da geht es um die Spur der Albträume und um Coerl O'Marn, der über das DRAGOMAE, das Werk der Weißen Magie, verfügt. Es geht auch um die anbrechende Auseinandersetzung zwischen Gorgan, dem Krieger, und Vanga, der Hexe, und um die Waffen des Lichtboten. Und es geht schließlich um das BUCH DER ALBTRÄUME, dessen einzelne Kapitel in Verstecken ruhen. Diese Verstecke waren nicht sicher genug. Jedenfalls gelang es Trillum, dem Dämon, und Xatan, je ein Kapitel des BUCHS DER ALBTRÄUME an sich zu bringen. Dann aber nimmt Gorgan, der Ewige Krieger, den Kampf mit dem Wolfling auf und bringt ihm dank Mythors Hilfe eine schwere Schlappe bei. Doch Xatan, der Heerführer der Finstermächte, bleibt nicht tatenlos - das zeigt DIE SCHLACHT UM SKARPALIEN ...
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2.
Necron schüttelte sich voller Unbehagen.
Er hatte sich noch immer nicht an den ätzenden Gestank seiner fliegenden Freunde gewöhnen können. Er hoffte, dass sie während der Kämpfe alle den Tod finden würden. Aber noch brauchte er sie, um alle seine Pläne verwirklichen zu können. Zumindest viele von ihnen.
Was er sah, war höchst undeutlich, aber er konnte die Grenzen erahnen und mit Hilfe seiner Phantasie ergänzen und ausfüllen. In unbekannter Höhe kreiste er in den Fängen eines riesigen Noxopters über dem Tal und der Stadt.
Nirgendwo brannte das geringste Licht. Es gab kaum ein Geräusch, und die wenigen Laute, die durch das Rauschen der Schwingenhäute drangen, waren für ihn unerklärlich.
Die Höhle Xatans musste schon jetzt leer sein.
Alle Blutflatterer, etwa zwölf Dutzend insgesamt, hatten ihre Nester verlassen und hatten vom Wölfischen den Befehl bekommen, alles zu beobachten und dort, wo es geboten schien, sich selbstmörderisch in den Kampf zu stürzen. Necron rechnete damit, dass die Bogenschützen ihre Waffen bereit und die Pfeilspitzen ebenso vergiftet hatten wie die Noxopter ihre langen, stahlharten Krallen.
Er wandte halb den Kopf und sagte halblaut:
»Bringe mich dorthin, wo Xatans Schlange das Heer ausspeit.«
Der Noxopter stieß einen leisen, bejahenden Pfiff aus.
Der Alleshändler kannte Xatans Vorgehen in groben Zügen. Es war eigentlich kein Schlachtplan, sondern der Versuch, mit stärksten Streitkräften gegen die Stadt anzurennen, ohne Rücksicht auf das Leben der versklavten Krieger. Aber dahinter stand noch mehr. Xatan hatte immer wieder von der Herrschaft der Albträume gesprochen. Sie würden den Kampf entscheiden. Necron glaubte Xatan.
Mit weit ausgebreiteten Schwingen und flatterndem Haar, die stinkende Wolke seiner Körpergerüche hinter sich lassend, ging der Noxopter in einen schwankenden Gleitflug über. Schweigend starrte Necron nach unten. Auch in dem langen Aufflackern des Mondlichts konnte er nichts entdecken, das sich von den Bildern im letzten Licht des späten Abends unterschieden hätte.
Wieder pfiff der Blutflatterer. Ein oder zwei Bogenschuss hoch über dem Boden, zwischen dem Anfang des Tales und den Stadtmauern, sah Necron die dünne Spur der Schlange. Sie wand sich durch Gras und Rankenwerk, Sand und frische Äcker, auf denen Tau lag. Wieder bedeckte sich der Mond mit Wolken, und nichts mehr war zu sehen.
»Bei Gorgans ... Ende«, stöhnte er. »Was soll das werden?«
Am Ende der Schlangenspur sah er zum ersten Mal die Schlange Yhr. Ein Teil ihres Körpers war riesenhaft angeschwollen. Die Farben an ihren Flanken waren bis fast zur Unsichtbarkeit verdünnt. Sie leuchteten nicht einmal. Der Rachen war aufgerissen und wirkte wie ein gigantisches Tor aus Zähnen, Klüften und undeutlichen Bändern und Simsen. Aus dem Rachen wälzte sich in drohender Lautlosigkeit ein Strom schwarzer Gestalten. Zwischen ihnen ragten die Waffen nach allen Seiten. Der Anblick jagte Necron Schauder über den Rücken. In Reihen von einem Dutzend Männern schritten die schweigenden Krieger hinaus in die unbekannte Dunkelheit des Schlachtfelds. Dutzende, mehr Reihen, Hunderte ... die Gestalten in den schwarzen, lichtaufsaugenden Rüstungen bewegten sich wie lautlose, tödliche Ameisen und ballten sich, kaum dass sie den Boden des Tales betreten hatten, zu dunklen Klumpen zusammen.
Der schweigende schwarze Zug riss ab. Die Schlange schloss ihren grässlichen Rachen und wurde kleiner, schlanker und bewegte sich wieder. Sie folgte Xatans unhörbaren Befehlen und glitt weiter. Ihre Spur beschrieb mittlerweile einen Teil des Kreises, der um Skattom gelegt werden sollte.
Der Noxopter fing seinen Gleitflug ab und schwang sich mit wenigen Bewegungen der weit ausgebreiteten Schwingen wieder in die Höhe. Necron hing wie ein willenloses Bündel in den Fängen einer Bestie, mit der er sich nur schwer verständigen konnte.
»Weiter auf der Spur Yhrs«, sagte er.
Diesen Teil des Planes verstand er. Xatan setzte Teile seines Heeres ab. Er versuchte, mit den Kriegern in den Albtraumrüstungen einen Kreis um Skattom zu bilden. Die Stadt sollte eingeschlossen werden. Dies alles geschah im Schutz der nächtlichen Finsternis.
Wo war Xatan in diesen Stunden?
Konnten die Krieger, die Gorgan aus dem Land der Heroen mitgebracht hatte, diesen nächtlichen Aufmarsch sehen? Ein halbes Tausend dieser Recken befand sich in der Nähe Gorgans und Coerls. Jeden menschlichen Gegner konnten sie besiegen – vermochten sie auch die Albtraumkrieger abzuwehren?
Das Vorhaben des Steinmanns und Alleshändlers, des Albtraumritters Necron war schon im gedanklichen Ansatz – scheinbar – zum Scheitern verdammt. Er musste einerseits seine Aufgabe als Unterführer von Xatan wahrnehmen und die Truppen der Finsternis zum Sieg führen.
Andererseits musste er die Heerteile in ihren Untergang locken. Xatan wusste nicht, dass sein Angriff erwartet wurde. Das war sicher.
Der Wolfling war trunken vor Siegeswillen.
Und natürlich ahnte er nicht, dass sein menschlicher Unterführer in Wirklichkeit auf der Seite der Feinde stand.
Necron versuchte, für die Zukunft zu denken. Er stellte sich die Zeit nach der Schlacht vor. Er würde hierbleiben, in der Nähe seiner Freunde, selbst wenn Mythor sein Vorhaben wahrmachte und in den Süden ging. Aber Logghard, ob Unterwelt oder Neu-Logghard ... das waren echte Herausforderungen für den Alleshändler. Er rechnete tatsächlich damit, dass er und seine Freunde siegten.
Woher er diese Gewissheit nahm – er vermochte es nicht zu sagen.
Vielleicht hing es damit zusammen, dass er über sein eigenes Überleben zu lange nachgedacht hatte. Er und seine lautlose Waffe; jene Weißblütenbäume, die Bollwerke und Mauern gegen die Mächte der Finsternis bildeten.
Sein flatternder, stinkender Träger hielt in der Luft an, stieß langsam abwärts und schraubte sich mit fauchenden Schwingenschlägen wieder aufwärts.
Die Schlange Yhr hatte zum zweiten oder dritten Male angehalten.
»Mindestens eine Stunde nach Mitternacht. Vielleicht zwei!«, brummte Necron und tastete nach den Griffen seiner Wurfmesser. Das Dutzend hatte er endlich in Ascander-Luxons »Unterwelt«-Reich voll machen können. Er fühlte sich wieder als echter Steinmann. Und als Albtraumritter, ebenso wie Luxon.
»Halt! Bleib hier!«, befahl er dem Blutflatterer, den die Erregung ebenfalls gepackt hatte. Zwar sah dieses Wesen in der Finsternis mehrfach besser als jeder Mensch, den Alleshändler mit seinen schwachen Möglichkeiten erweiterter Erkenntnis eingeschlossen, aber auch der Noxopter konnte keine Wunder wirken.
Wieder entließ die furchtbare Schlange einige hundert Schattenkrieger. Xatan saß meist im Nacken von Yhr. Aber jetzt war er nicht zu sehen. Das schwache, bleiche Mondlicht ließ erkennen, dass sein Sattelplatz leer war.
»Wo ist unser Herr?«, fragte Necron.
Der Noxopter stieß einen stinkenden Luftstrom und ein kicherndes Pfeifen aus.
Die schattenhaften Bewegungen hörten auf. Der Rachen der Schlange schrumpfte wieder zusammen, und das mythische Tier glitt lautlos weiter. Nach Norden und dann nach Osten, wo wieder eine Masse Krieger entlassen wurden. Ihre schwarzen Rüstungen verschmolzen mit der Dunkelheit des Bodens. Necron verlor sie nach einigen Herzschlägen aus den Augen, als der Noxopter weiterschwebte.
Wenn Necron Xatan gegenüber nicht seine Maskierung aufrechterhalten konnte, würde sich der enttäuschte Dunkelfürst mit all seiner Wut gegen ihn wenden. Das wäre Necrons unwiderrufliches Ende.
Er würde sich nach dieser Einsicht richten.
Ungefähr zwei Stunden lang brauchte die Schlange, um das gesamte Heer in einem Kreis um Skattom zu postieren. Dann verschwand sie plötzlich und spurlos.
»Jetzt fliege zum Treffpunkt«, sagte Necron. »Zu den Pferden und den Shrouks.«
Wortlos gehorchte der Blutflatterer. Während er Necron über das Tal hinweg schleppte, überdachte der Alleshändler immer wieder die Versuche seiner Freunde, den Kampf zu steuern, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen. Er zuckte die Schultern, als er vage die Baumwipfel vor sich sah und einen Schimmer des Mondlichts auf dem schmalen Wasserlauf, der von der Quelle kam.
Der Blutflatterer ließ seine Schienbeine los, senkte sich ins Gras und faltete, als Necron in einem Kreis schweigender Shrouks zu Boden federte, die Schwingen zusammen.
»Hole deine fliegenden Freunde«, befahl ihm Necron scharf und zeigte in die Richtung, in der er Skattoms Türme und Mauern vermutete. »Fliege nach Skattom. Versuche, schnell und lautlos, die Turmwachen zu überwältigen. Sie ahnen nichts. Fliegt einzeln, denn sonst verrät euch das Geräusch eurer Schwingen.«
Der Noxopter nickte mehrmals, kicherte bösartig und schwang sich wieder in die Höhe. Er strich mit rauschenden Flughäuten ab. Zwei Atemzüge später war er unhörbar verschwunden. Necron blickte in die aufgerissenen Augen der gehörnten Shrouks, dem letzten Rest eines großen Heerhaufens, der Xatan noch verblieben war.
»Ihr sollt mich mit eurem Leben schützen«, sagte er leise. »Noch ist es nicht soweit. Wir warten auf das Signal, das uns Xatan gibt.«
Der geheime Treffpunkt lag auf halber Strecke zwischen dem Schutzkastell und der Stadt.
Von hier aus würde Xatan seinen Angriff beginnen. Je mehr Zeit verrann, desto mehr wuchs Necrons Unruhe.
Abgesehen vom erfolgreichen Widerstand oder Sieg der Stadt bedeutete die Schlacht nichts anderes, als dass die Zukunft entschieden würde.
Gorgan oder Xatan.
Einer der beiden würde übrigbleiben und seine Herrschaft über Ameristan...




