Koppelin | Public Health | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Koppelin Public Health

Ansätze, Theorien und Strukturen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8463-5119-2
Verlag: UTB
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ansätze, Theorien und Strukturen

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

ISBN: 978-3-8463-5119-2
Verlag: UTB
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Gesundheit der Bevölkerung im Fokus Public Health ist spannend, denn es nimmt die Gesundheit der Bevölkerung genau unter die Lupe. Diese ist von zahlreichen Faktoren abhängig - einerseits von gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen und anderseits von Strukturen und Prozessen, die die Politik schafft. Das Buch gibt einen Überblick über die wichtigsten Ansätze, Theorien und Strukturen. Es bietet so einen kompakten und zugleich fundierten Einstieg in das Thema. Das Buch richtet sich an Studierende und Studieninteressierte der Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie angrenzender Studiengänge. Aus dem Inhalt: 1. Public Health - Entwicklung, Prinzipien, Strukturen 2. Gesundheit und Krankheit 3. Prävention und Gesundheitsförderung 4. Gesellschaft und Gesundheit - gesellschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit 5. Individuum und Gesundheit - psychologische und verhaltensbedingte Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit 6. Politik und Gesundheit - Strukturen, Prozesse, Akteure

Dr. Frauke Koppelin ist Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Jade Hochschule in Oldenburg.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vorwort
Danksagung
Hinweise zum Buch
1 Public Health – Entwicklung, Prinzipien, Strukturen
1.1 Public Health – ein Blick auf die historische Entwicklung
1.1.1 Bedeutsame Strategien
1.1.2 Wichtige Vertreter:innen
1.2 Old and New Public Health
1.2.1 Grundprinzipien und Fragestellungen
1.2.2 Multidisziplinarität – miteinander für die Gesundheit der Bevölkerung
1.2.3 Stellenwert für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung von heute
1.2.4 Global Public Health
1.3 Public Health – Organisationen und Strukturen
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
2 Gesundheit und Krankheit
2.1 Krankheit und Gesundheit – viele Definitionen
2.2 Biomedizinische Modelle – Krankheit im Fokus
2.2.1 Risikofaktorenmodell
2.2.2 Biopsychosoziales Modell
2.3 Sozialwissenschaftliche Modelle – Gesundheit im Mittelpunkt
2.4 Resilienz
2.5 Subjektive Gesundheitskonzepte
2.6 Weitere Modelle
2.7 Welche Rolle spielen Normen?
2.7.1 Normierung, Pathologisierung und Medikalisierung
2.7.2 Krankheitsklassifikationen
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
3 Prävention und Gesundheitsförderung
3.1 Prävention
3.2 Gesundheitsförderung
3.3 Wichtige Strategien und Anwendungsfelder
3.3.1 Verhaltensprävention
3.3.2 Verhältnisprävention
3.3.3 Setting
3.3.4 Politisches Handeln und Zielgruppenspezifität
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
4 Gesellschaft und Gesundheit – Gesellschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit
4.1 Wofür brauchen wir eine Betrachtung der Sozialstruktur der Gesellschaft?
4.2 Ansätze sozialer Ungleichheit
4.2.1 Messung der sozialen Schicht
4.2.2 Lebenslagen
4.2.3 Weitere Dimensionen: Milieus und Lebensstile
4.3 Soziale Ressourcen und Risiken
4.4 Gesundheitliche Ungleichheit
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
5 Individuum und Gesundheit – Psychologische und verhaltensbedingte Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit
5.1 Persönlichkeit und Gesundheit
5.1.1 Persönlichkeitstypen
5.1.2 Emotionen und Emotionsregulation als Risikofaktoren
5.1.3 Überzeugungen und Erwartungen als Schutzfaktoren
5.1.4 Resilienz als Schutzfaktor
5.2 Stress und Gesundheit und Krankheit
5.2.1 Stresstheorien
5.2.2 Stressbewältigung
5.2.3 Wie beeinflusst Stress die Gesundheit?
5.3 Gesundheits- und Risikoverhalten
5.3.1 Modelle des Gesundheitsverhaltens
5.3.2 Gesundheitskompetenz
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
6 Politik und Gesundheit – Strukturen, Prozesse, Akteure
6.1 Grundstrukturen
6.1.1 Gesundheitssysteme im Vergleich
6.1.2 Charakteristische Merkmale des deutschen Gesundheitssystems – Bismarcks Erbe
6.2 Akteure im deutschen Gesundheitssystem
6.2.1 Staatliche Stellen – die erste Ebene
6.2.2 Körperschaften und Verbände – die zweite Ebene
6.2.3 Individualakteure – die dritte Ebene
6.3 Gesetzliche versus private Krankenversicherung
6.4 Die Pflegeversicherung
6.5 Die Versorgungssysteme
6.5.1 Die ambulante Versorgung
6.5.2 Die stationäre Versorgung
6.5.3 Rehabilitation
Zusammenfassung
Aufgaben zur Selbstüberprüfung
Glossar
Literatur- und Quellenverzeichnis
Register
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis


1.1 Public Health – ein Blick auf die historische Entwicklung


Werfen wir einen Blick zurück und versetzen uns in das Leben im 19. und 20. Jahrhundert in Europa. Es ist der Beginn der Industrialisierung und somit auch der Verstädterung. Die damit einhergehenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bürger:innen, der aufkommenden Arbeiterschaft, bergen neue, zu diesem Zeitpunkt unbekannte Gesundheitsgefahren. Fehlender Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Fabriken, überlange Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden am Tag, Kinderarbeit, fehlende Entwässerung und mangelnde Abfallentsorgung in den Städten sowie beengte Wohnverhältnisse der nicht privilegierten Stadtbewohner:innen befördern Arbeitsunfälle, die Ausbreitung von Seuchen und Infektionskrankheiten. Was schätzen Sie, wie hoch war die ? Lebenserwartung kurz vor der Jahrhundertwende in den Jahren 1870–1900?

Wenn Sie einen Blick auf die Website des Statistischen Bundesamts (www.destatis.de) werfen und nach der Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland suchen, werden Sie schnell fündig. Allein in den letzten 140 Jahren hat sich unsere Lebenserwartung in Deutschland verdoppelt. Lag sie 1871 bei unter 40 Jahren bei der Geburt, liegt sie 2018 bei um die 80 Jahre, wobei es für Männer und Frauen bis heute relevante Unterschiede gibt, worauf wir in Abschnitt 3.1 noch einmal genauer eingehen.

Lebenserwartung von Männern und Frauen bei der Geburt in Deutschland im Zeitraum der Jahre 1871 bis 2020 (in Jahren) (Quelle: Statistisches Bundesamt 2022a)

Sie fragen sich zu Recht, was die Gründe für die ? Frühsterblichkeit waren. Oder anders ausgedrückt: Was hat zu dem enormen Anstieg der ? Lebenserwartung geführt? Ist es ein räumlich begrenztes Phänomen? Gibt es weltweit Unterschiede? Schon sind Sie mitten in einer für Public Health zentralen Diskussion.

Kurz gefasst | Populationsbezug von Public Health

Public Health betrachtet immer eine bestimmte Bevölkerungspopulation (Populationsbezug), wie z. B. die Bürger:innen in Deutschland. Hierin lassen sich Risiken für die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen (Subgruppen) ermitteln und beschreiben, mit dem Ziel, mögliche Gesundheitsgefahren abzuwenden bzw. zu minimieren.

Bei der Ermittlung der Risiken bedienen sich die Public-Health-Expert:innen methodisch der ? Epidemiologie, die ihre Geburtsstunde mit dem ersten Epidemiologen John Snow im Jahre 1854 in London hatte.

Webtipp [1] | Was hat John Snow entdeckt? Erkennen Sie den Public-Health-Ansatz? Informationen finden Sie z. B. auf YouTube unter:

So wie John Snow als Public-Health-Pionier den Krankheitserregern der Cholera auf der Spur war, um der betroffenen Bevölkerungsgruppe zu helfen, finden wir in den folgenden Jahrzehnten weitere umweltbezogene (ökologische) Ansätze. Diese Ansätze, die einer Detektivarbeit gleichen, nahmen in den folgenden Jahrzehnten unterschiedliche Perspektiven mit auf (z. B. eine soziale), die wir bis heute unter dem Ansatz des ? Old Public Health zusammenfassen (? Kapitel 1.2).

Cholera ist bis heute, neben vielen anderen, eine gefürchtete Infektionserkrankung in den Schwellenländern und Ländern mit niedrigem Entwicklungsgrad. Überall dort, wo es an sauberem Wasser, Kanalisation und Hygienemaßnahmen fehlt, kann sich Cholera ungehindert ausbreiten und führt von Jahr zu Jahr zu ? vermeidbaren Krankheits- und Todesfällen. Reisen wir in die betroffenen Länder, lassen wir uns impfen, um uns vor der Erkrankung zu schützen. Übertragbare Erkrankungen sind ein Grund für die große Spanne der ? Lebenserwartung weltweit. Sie werden heute noch Länder finden, deren Bevölkerung aktuell eine ebenso geringe Lebenserwartung hat, wie die deutsche Bevölkerung in unserem Ausgangsjahr 1871. Diese Länder haben eines gemeinsam: Ihre Bevölkerung ist neben den oben genannten Faktoren in der Regel durch eine hohe Armutsquote geprägt und hat keinen oder nur einen sehr schlechten Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem. Zudem stellen übertragbare Erkrankungen eine ernste Bedrohung dar – häufig sind es sexuell übertragbare Erkrankungen wie z. B. HIV, aber eben auch die ? Foodborne Diseases (Lebensmittelinfektion) und vom Tier zum Menschen übertragene Krankheiten (? Zoonosen).

Gut zu wissen | Foodborne Diseases

“ (WHO 2022a)

Webtipp [2] | Weitere Informationen zu John Snow liefert die Website:

Webtipp [3] | Zusätzliche Informationen zum Thema Lebensmittelsicherheit aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) finden Sie unter:

Webtipp [4] | In welchen Ländern Cholera 2015 aufgetreten ist, lässt sich anhand der folgenden WHO-Grafik nachvollziehen:

1.1.1 Bedeutsame Strategien


Mit der Entwicklung von Public Health ganz eng verbunden ist die Herausbildung der wissenschaftlichen Medizin des 19. Jahrhunderts. Die Suche nach Krankheitserregern einerseits und die Entwicklung von Impfstoffen andererseits hatten einen maßgeblichen Einfluss auf die Eindämmung von ? Krankheitsepidemien wie z. B. Pocken, Tetanus, Tuberkulose, Kinderlähmung oder Masern.

Sind Sie noch gegen Pocken geimpft? Nicht? Dann gehören Sie schon zu der Generation, die in eine Welt geboren wurde, die frei vom Pockenvirus war (ab 1980). Eine unglaublich aufwendige, weltweit angelegte Impfstrategie, die sich über Jahrzehnte hinzog und seit 1967 durch die WHO vorgeschrieben wurde (Impfpflicht endet in Westdeutschland 1976), war hierfür notwendig. Impfungen verfolgen den Zweck, die Erkrankung zu verhindern. Sie stellen eine wichtige Public-Health-Maßnahme dar, die wir in ? Kapitel 3.1 zur Prävention wieder aufgreifen werden.

Weitere Aspekte, neben den genannten, leisten einen Beitrag zur Steigerung unserer durchschnittlichen ? Lebenserwartung in Deutschland. Wir haben eine gute, flächendeckende Gesundheitsversorgung und eine gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung, Zugang zu sauberem Wasser, Kanalisationssysteme, Lebensmittelüberwachung, ein sicheres, gewaltfreies Leben außerhalb von gewalttätigen Auseinandersetzungen, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Invaliditäts- und Altersabsicherung, einen umfangreichen Arbeitsschutz und vieles mehr, was diese positive Entwicklung unterstützt hat. Schlussendlich profitieren wir in den entwickelten Ländern und...


Koppelin, Frauke
Dr. Frauke Koppelin ist Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Jade Hochschule in Oldenburg.



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