E-Book, Deutsch, Band 66, 100 Seiten
Reihe: Die neue Praxis Dr. Norden
Lindenau Das verlorene Kind
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69049-202-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die neue Praxis Dr. Norden 66 - Arztserie
E-Book, Deutsch, Band 66, 100 Seiten
Reihe: Die neue Praxis Dr. Norden
ISBN: 978-3-69049-202-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die neue Praxis Dr. Norden - So war es nicht geplant, doch Dr. Danny Norden betrachtet es als Chance. Äußere Umstände zwingen ihn zu einem Neustart. Und diesen nimmt Danny tatkräftig in Angriff, auch, wenn er mit Abschied, Trennung, Wehmut verbunden ist. Dr. Danny Norden praktiziert jetzt in seiner neuen, modernen, bestens ausgestatteten Praxis. Mit Kompetenz, Feingefühl und Empathie geht er auf seine Patienten zu und schafft ein Klima, das die Genesung fördert: eben Dr. Danny Norden, wie er leibt und lebt, und er wird immer besser! Ottilie und Hannes waren an diesem Nachmittag mit den Zwillingen zur Isar gegangen, einem der bevorzugten Orte der Kinder. Sie liebten es so sehr, den Schwänen und Enten zuzusehen, die auf dem Fluss zu Hause waren. Einige Enten lagen auf der weißen Sandbank in der Mitte des Flusses und ließen sich von der Sonne wärmen. Andere glitten über das türkis glitzernde Wasser und suchten nach Nahrung. »Ente, Schwänzchen in die Höhe!«, rief Vincent kichernd, als einige Enten ihre Köpfchen ins Wasser tauchten und ihre Hinterteile in die Höhe streckten, ihre bevorzugte Position, um Pflanzen, Würmer und Schnecken einzufangen. »Ja, alle meine Entchen, Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höhe, singe, Oma, bitte!«, bat Oda und drehte sich zu Ottilie um. »Hannes auch singe«, schloss sich Vincent an. »Nur Mut«, raunte Ottilie Hannes lächelnd zu. »Gut, dann eine Gesangseinlage, aber bitte mit direktem Blick auf den Fluss«, bat Hannes. »Das lässt sich einrichten«, entgegnete Ottilie. Sie steuerten den Buggy näher an das Ufer heran, gingen beide neben den Kindern in die Hocke, Ottilie auf Odas Seite, Hannes auf der von Vincent, und sangen gemeinsam mit den Zwillingen das Kinderlied. »Ente freue«, erklärte Oda, nachdem sie das Lied beendet hatten, und zupfte an der blauen Schleife, mit der ihr rotes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden war. »Ja, Ente ganz viel freue«
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Ottilie und Hannes waren an diesem Nachmittag mit den Zwillingen zur Isar gegangen, einem der bevorzugten Orte der Kinder. Sie liebten es so sehr, den Schwänen und Enten zuzusehen, die auf dem Fluss zu Hause waren. Einige Enten lagen auf der weißen Sandbank in der Mitte des Flusses und ließen sich von der Sonne wärmen. Andere glitten über das türkis glitzernde Wasser und suchten nach Nahrung.
»Ente, Schwänzchen in die Höhe!«, rief Vincent kichernd, als einige Enten ihre Köpfchen ins Wasser tauchten und ihre Hinterteile in die Höhe streckten, ihre bevorzugte Position, um Pflanzen, Würmer und Schnecken einzufangen.
»Ja, alle meine Entchen, Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höhe, singe, Oma, bitte!«, bat Oda und drehte sich zu Ottilie um.
»Hannes auch singe«, schloss sich Vincent an.
»Nur Mut«, raunte Ottilie Hannes lächelnd zu.
»Gut, dann eine Gesangseinlage, aber bitte mit direktem Blick auf den Fluss«, bat Hannes.
»Das lässt sich einrichten«, entgegnete Ottilie.
Sie steuerten den Buggy näher an das Ufer heran, gingen beide neben den Kindern in die Hocke, Ottilie auf Odas Seite, Hannes auf der von Vincent, und sangen gemeinsam mit den Zwillingen das Kinderlied.
»Ente freue«, erklärte Oda, nachdem sie das Lied beendet hatten, und zupfte an der blauen Schleife, mit der ihr rotes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden war.
»Ja, Ente ganz viel freue«, stimmte Vincent seiner Schwester zu.
»Ihr seid zwei ganz niedliche«, stellte eine ältere Frau im hellen Trachtenkostüm fest, die am Arm eines Mannes in heller Hose und dunkelblauer Trachtenjacke, ein paar Meter entfernt von ihnen am Ufer stand und ihrem Gesang zugehört hatte. Mit einem freundlichen Lächeln betrachtete sie die Kinder, die beide moosgrüne Latzhosen, rote Pullover und rote Gummistiefel trugen.
»Ja, Oda, Vince niedlich sind«, antwortete Oda und nickte.
»Das bedeutet, sie bedanken sich für das Kompliment«, sagte Ottilie.
»Oh, es war auch eine gelungene Gesangsvorführung.«
»Vielen Dank, wir haben uns Mühe gegeben«, antwortete Ottilie lächelnd.
»Die Kleinen können mit ihren Großeltern sehr zufrieden sein, dann noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich das Paar und setzte seinen Spaziergang auf dem Uferweg fort.
»Wir haben offensichtlich einen positiven Eindruck hinterlassen«, stellte Hannes schmunzelnd fest.
»Ich hoffe, wir tun das immer«, entgegnete Ottilie.
»Davon gehe ich auch aus, aber letztendlich ist doch nur wichtig, dass die Kinder sich bei uns wohlfühlen, was andere Leute denken, ist zweitrangig.«
»Damit hast du absolut recht, mein Schatz«, sagte Ottilie und hauchte Hannes einen Kuss auf die Wange.
»Oma Hannes super lieb habe«, stellte Oda fest.
»Ja, so viel lieb habe«, schloss sich Vincent seiner Schwester an, der genau wie sie Ottilie und Hannes beobachtet hatte.
»Oma, Hannes, großes Floß!«, rief Oda und deutete auf das mit gut gelaunten Touristen besetzte Floß, das vor ihnen über den Fluss glitt.
»Ja, mein Schatz, das ist wirklich ein großes Floß«, stimmte Ottilie ihrer Enkelin zu.
»Viele Mensche«, sagte Vincent.
»Und Kinde«, stellte Oda fest.
»Menschen und Kinder?«, wunderte sich Hannes über Odas Unterteilung.
»Ja, große Mensche und kleine Kinde«, erklärte ihm Oda.
»Verstehe«, sagte Hannes.
»Erwachsene sind Menschen, Kinder sind Kinder, lassen wir ihnen diese Einteilung noch, sie werden schnell genug in unserer erwachsenen Welt ankommen«, raunte Ottilie Hannes zu.
»Viel zu schnell«, seufzte Hannes. In diesem Moment wurde ihm wieder bewusst, wie lange die Kindheit seiner Tochter bereits zurücklag und wie wenig er von der Kindheit seiner Enkel, die inzwischen schon Teenager waren, mitbekommen hatte, da seine Tochter mit Familie in Australien lebte.
»Wir sollten mal wieder einen Flug an das andere Ende der Welt buchen«, sagte Ottilie, die ahnte, an was er gerade dachte.
»Ja, das ist eine gute Idee«, stimmte er ihr lächelnd zu.
»Oh, oh, Kind Wasser falle!«, riefen die Zwillinge, die noch immer das Floß beobachteten.
»Um Himmelswillen«, flüsterte Hannes, der genau wie Ottilie dem Blick der Kinder folgte.
»Offensichtlich hat niemand den Sturz bemerkt«, stellte Ottilie fest, als sie das Kind sah, das dicht hinter dem Floß im Wasser lag und mit seinen Armen wild um sich schlug.
»Deshalb zählt jetzt jede Minute«, sagte Hannes, während er seine Jacke und danach seine Schuhe auszog.
»Hannes Kind hole!«, riefen die Zwillinge, als Hannes gleich darauf ins Wasser sprang. Sie beugten sich in ihrem Kinderwagen nach vorn, wackelten aufgeregt mit den Beinchen und verfolgten Hannes´ Rettungsaktion.
Das sieht nicht gut aus, dachte Hannes, als er sich dem Kind näherte, das verzweifelt versuchte, sich über Wasser zu halten. Die rote Schwimmweste, die es trug, war offensichtlich defekt und hielt es nicht sicher über Wasser.
»Pass auf dich auf«, flüsterte Ottilie, die hinter dem Wagen der Zwillinge stand und die beiden Griffe umfasste.
Inzwischen waren auch einige Spaziergänger stehen geblieben und sahen zu, wie Hannes sich dem Kind mit schnellen Schwimmbewegungen näherte. Das Floß, von dem das Kind gefallen war, entfernte sich weiter, niemand dort schenkte dem Drama auf dem Wasser Beachtung. Auf der Brücke, die das Floß bereits unterquert hatte, versammelten sich immer mehr Neugierige, die die Rettungsaktion verfolgten.
»Keine Angst, ich bin gleich bei dir!«, rief Hannes dem Kind zu, das mit weit aufgerissenen Augen um sich schlug und in dem aufspritzenden Wasser unterzugehen drohte. Nein, bitte nicht, dachte er, als das Kind plötzlich vor ihm verschwand, gleich darauf noch einmal kurz auftauchte, dann erneut unter Wasser gezogen wurde.
Er schwamm noch ein paar Meter weiter, bevor er in das Wasser eintauchte, um nach dem Kind zu suchen. Da der Fluss an dieser Stelle nur wenige Meter tief war, hatte er es schnell gefunden. Du wirst wieder, dachte er, als er den kleinen Jungen packte, ihn an die Wasseroberfläche brachte und mit ihm im Arm ans Ufer schwamm. Dabei fiel ihm auf, dass die Rettungsweste, die der Junge trug, nicht mit Luft gefüllt war, sie war ganz offensichtlich defekt.
Ottilie und die Zwillinge, die die Rettung verfolgt hatten, erwarteten ihn bereits. Ottilie kam ihm entgegengelaufen, übernahm den Jungen und legte ihn behutsam auf den Rasen. Als sie sich über ihn beugte, stellte sie fest, dass er kaum noch atmete. Begleitet von dem erschrockenen Geraune der Neugierigen, die um sie herumstanden, zog sie ihm die Schwimmweste aus und massierte seinen Brustkorb. Hannes schlüpfte währenddessen in seine Schuhe und behielt die Zwillinge im Auge, die ihre Oma erschrocken über das, was da gerade passierte, beobachteten.
»Alles wird gut, mein Kleiner«, beruhigte Ottilie den Jungen, der wieder zu sich kam. Sie drehte ihn zur Seite, damit er das Wasser ausspucken konnte, das er geschluckt hatte. »Was ist?«, fragte sie ihn besorgt, als er plötzlich nach Luft rang und nur schwer atmen konnte.
»Ich bringe ihn zu Daniel«, sagte Hannes.
»Ja, bitte, mach das«, stimmte Ottilie ihm sofort zu, als er den Jungen hochhob. »Ich rufe Daniel an, damit sie vorbereitet sind«, sagte sie, während Hannes mit dem Kind davoneilte.
»Oma, Junge hat?«, fragte Oda.
»Junge krank ist, Papa helfe Junge«, sagte Vincent, der genau wie seine Schwester Hannes nachschaute.
»So ist es, mein Schatz«, stimmte Ottilie ihrem Enkel zu.
»Wieso haben Sie keinen Notarzt gerufen?«, wollte ein junger Mann in Sporthose und verschwitztem T-Shirt wissen, der zum Joggen am Isarufer unterwegs war und seinen Lauf unterbrochen hatte, um der Rettungsaktion zuzusehen.
»Keine Sorge, junger Mann, das Kind ist in den besten Händen, ein Arzt wird sich gleich um den Kleinen kümmern«, beantwortete eine ältere Frau im grünen Dirndl die Frage des Joggers.
»Ach ja? Sie wissen aber schon, dass der Transport eines Verletzten großen Schaden anrichten kann, bereits erlittene Verletzungen sich verschlimmern könnten«, entgegnete der junge Mann.
»Das Kind bekommt keine Luft mehr, da zählt jede Sekunde«, erklärte Ottilie dem Jogger, während sie Hannes` Jacke über die Rückenlehne des Buggys hängte und die Schwimmweste des Jungen in das Netz unterhalb der Sitze legte.
»Wenn Sie das meinen«, murmelte er, drehte sich um und setzte seinen Lauf fort.
»Schleich dich, Besserwisser!«, rief die Frau im grünen Dirndl ihm nach.
»Nicht aufregen, Frau Meier, der junge Mann hat die Lage falsch eingeschätzt«, wandte sich Ottilie Gusti Meier, der Frau im grünen Dirndl, zu.
»Oh, wenn es um unseren Herrn Doktor und seine Familie geht, da reagier ich halt gleich ein bissel emotional«, entgegnete Gusti, eine treue Patientin der Praxis Norden, mit einem tiefen Seufzer.
»Wir alle wissen Ihr Vertrauen zu schätzen, Frau Meier.«
»Immer gern«, entgegnete Gusti mit einem Lächeln, das zeigte, wie sehr sie sich über diese anerkennenden Worte freute.
»Grüßen Sie Ihre Familie«, verabschiedete sich Ottilie von Gusti, als sie den Buggy mit den Zwillingen wendete, um sich auf den Heimweg zu machen.
»Der Junge wird doch wieder oder?«, wollte eine Frau in grauem Rock und weißer Strickjacke wissen, die in der Gruppe der Neugierigen stand, die mit ihren Telefonen die Rettungsaktion fotografiert und gefilmt hatten, sich jetzt aber allmählich wieder voneinander trennten, da es nichts mehr zu sehen gab.
»Wie gesagt, bei unserem Herrn Doktor ist der Kleine...




