E-Book, Deutsch, Band 221, 100 Seiten
Reihe: Der kleine Fürst
Maybach Ein Mann spielt falsch
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7409-3996-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der kleine Fürst 221 - Adelsroman
E-Book, Deutsch, Band 221, 100 Seiten
Reihe: Der kleine Fürst
ISBN: 978-3-7409-3996-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
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»Sag das noch einmal!«, bat Tanja Karolus. »Ich glaube, ich habe neuerdings Probleme mit den Ohren.«
»Hast du nicht«, versicherte Sabrina von Havenbeeck. »Benjamin von Schönhausen hat Schloss Sternberg in der Nacht heimlich verlassen, und heute Morgen wurde sein Aktenkoffer im Vorratskeller gefunden, mit mehr als einer Million Euro darin. Was sagst du nun?«
»Gar nichts mehr«, sagte Tanja.
Sie hätte selbst ein paar unerhörte Neuigkeiten erzählen können, aber unter diesen Umständen verzichtete sie lieber darauf. Wenn sie von Harry Vollmer berichtete, sollte Sabrina ihr auch richtig zuhören und nicht wie jetzt vor allem mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt sein.
»Weißt du«, fuhr Sabrina zögernd fort, »ich… ich mochte ihn.« Sie verbesserte sich eilig. »Ich mag ihn, wollte ich sagen.«
»Du magst ihn«, wiederholte Tanja ein wenig begriffsstutzig, bevor ihr dämmerte, was Sabrina eigentlich hatte sagen wollen. »Du meinst, du hast dich in ihn verliebt?«
»Ich weiß es nicht, Tanja, aber ich glaube schon. Da war von Anfang an etwas zwischen uns. Ich wollte das nur nicht wahrhaben, wegen Albrecht und weil ich im Augenblick schon genug Probleme habe, da brauche ich nicht noch ein weiteres. Aber etwas war da…«
»Das wird ja immer schöner. Und dieser Mann verschwindet also in aller Stille, ohne sich von seinen Gastgebern zu verabschieden und hinterlässt ihnen ohne ihr Wissen über eine Million Euro.«
»Ja.« Das klang kleinlaut.
»Ich muss dir doch wohl nicht sagen, dass ein solches Verhalten nicht für den Grafen spricht, oder?«
»Nein«, erwiderte Sabrina niedergeschlagen. »Es wirkt nicht besonders vertrauenswürdig.«
»So kann man es auch ausdrücken«, bemerkte Tanja trocken.
»Er war auch sonst … seltsam«, berichtete Sabrina. »Ich habe Sofia und Fritz einmal zufällig über ihn reden hören. Sie fanden ihn offenbar gegenüber früher sehr verändert und machten sich Sorgen um ihn, mehr konnte ich nicht hören.«
»Mir gefällt das nicht«, sagte Tanja gerade heraus. »Halte dich zurück, Sabrina. Du bist durcheinander, weil du eine schwere Entscheidung treffen musst, konzentriere dich lieber darauf, statt dir noch ein weiteres Problem aufzuladen.«
Es blieb einen Moment lang still in der Leitung, bevor Sabrina mit unglücklicher Stimme fragte: »Meinst du, er ist … in etwas Kriminelles verwickelt?«
»Das lässt sich zumindest nicht ausschließen. Einen Grund muss er ja haben, eine Million in einem Aktenkoffer bei seinen Freunden zu deponieren, ohne sie zu informieren. Fair ist es jedenfalls nicht, finde ich.« Tanja schwieg einen Moment, bevor sie hinzusetzte: »Du hast aber auch ein Talent, dich in Schwierigkeiten zu bringen! Das Beste wäre, du kämst so schnell wie möglich nach Hamburg zurück.«
»Vielleicht tue ich das, aber ich muss wenigstens noch eine Nacht darüber schlafen. Abgesehen davon, dass ich ja morgen eigentlich in aller Ruhe mit Sofia über Albrecht sprechen wollte, wenn wir allein sind. In meinem Kopf herrscht ziemliches Chaos, ich kann nicht mehr klar denken.«
»Das kann ich mir gut vorstellen, es würde niemandem anders gehen. Vergiss, was ich gesagt habe, es wäre nicht gut, wenn du jetzt zurückkämst, weil du nämlich in Gedanken in Sternberg bleiben und dich die ganze Zeit fragen würdest, was hinter dieser Sache steckt.«
»Das fürchte ich auch.«
»Also nimmst du noch ein paar Tage Urlaube, bleibst, wo du bist, und versuchst, gemeinsam mit deinen Freunden, Licht in die Angelegenheit zu bringen.«
»Aber Albrecht…«
Tanja unterbrach sie. »Wenn du dich in den erstbesten Mann verliebst, der dir, sobald du einmal allein bist, über den Weg läuft, musst du meiner Meinung nach nicht länger darüber nachdenken, ob Albrecht der Richtige für dich ist. Die Antwort liegt doch auf der Hand. Du musst dir nur klar darüber werden, welches die beste Art und Weise ist, die Verlobung zu lösen. Du willst ihn ja weder verletzen, noch jede Menge Staub aufwirbeln, nehme ich an.«
»Nein, bloß das nicht!«, rief Sabrina erschrocken.
»Dann denk jetzt nicht länger darüber nach, das hat Zeit, bis du zurückkommst. Steh deinen Freunden bei, überleg dir, was das mit dir und dem Grafen ist – und mach dich mit dem Gedanken vertraut, dass du dich wieder in den Falschen verliebt hast.«
»Ach, Tanja! Ich weiß einfach nicht weiter.«
»Im Augenblick nicht, aber morgen wirst du schon klarer sehen, glaub mir. Ich nehme mal an, deine Gastgeber werden froh sein, dass du da bist. Für sie dürfte die Enttäuschung oder Fassungslosigkeit über ihren Freund noch viel größer sein als bei dir. Du kanntest ihn kaum, aber sie sind ja offenbar schon lange mit ihm befreundet. Wenn man dann feststellen muss, dass man einen Menschen möglicherweise völlig falsch eingeschätzt hat, ist das bitter. Wissen sie von deinen Gefühlen für ihn?«
»Nein, natürlich nicht, was denkst du denn? Ich… ich weiß es ja selbst kaum.«
»Und er?«
Zögernd rückte Sabrina mit einem Geständnis heraus: »Wir haben uns geküsst, draußen am Felsplateau. Das ist einfach so passiert, es waren sehr leidenschaftliche Küsse. Dann hat er sich losgerissen, sich auf sein Pferd geschwungen und ist zurück zum Schloss geritten. Danach hat er es vermieden, mit mir allein zu sein. Ich war abends an seiner Suite, um noch einmal mit ihm zu reden, aber er hat nicht geöffnet. In der Nacht ist er dann abgereist.«
»Das hört sich ja jetzt eher so an, als könnte er deinetwegen heimlich verschwunden sein. Als du das mit dem Koffer voller Geld erzählt hast, habe ich automatisch angenommen, dass er in eine krumme Geschichte verwickelt ist und deshalb die Flucht ergriffen hat.«
»Vielleicht stimmt beides.«
»Ja, vielleicht. Pass bloß auf dich auf, Sabrina. Das hört sich alles nicht gut an, finde ich.«
Als sie sich voneinander verabschiedet hatten, ging Tanja zum Fenster und sah hinaus in den trüben Morgen. Sie hatte noch etwas Zeit, bevor sie in die Praxis fahren musste. Ihre Gedanken wanderten zu Harry Vollmer und seiner Stute. Sie hätte Sabrina gern von ihm erzählt, aber das musste warten, bis ihre jüngere Kollegin den Kopf wieder frei hatte.
Sie setzte Kaffee auf und holte Brot aus dem Brotkasten, dann setzte sie sich an den Tisch, um zu frühstücken. Mit den Gedanken war sie weit fort.
*
In der Großen Pause machte sich Anna auf die Suche nach Christian und Konrad und berichtete ihnen aufgeregt, was sie gerade erst über das Internet erfahren hatte. »Die Polizei sucht Ben! Er soll Millionen an Steuern unterschlagen haben, und sein Geschäftspartner wusste nichts davon. Sie haben sein Bild überall veröffentlicht.«
Zuerst wollten die beiden Jungen ihr nicht glauben, doch sie zeigte ihnen die entsprechenden Meldungen.
»Auf dem Foto sieht er aus wie ein Verbrecher«, sagte Konrad. »Er guckt richtig böse. Aber das ist doch Quatsch, Ben würde so etwas niemals machen.«
»Das hätte ich bis gestern auch gedacht, aber jetzt wissen wir, dass er bei uns einen Aktenkoffer mit viel Geld versteckt hat«, erwiderte Christian nachdenklich, »und zwar heimlich, ohne uns etwas davon zu sagen. Wie ein Freund hat er sich nicht gerade verhalten, auch wenn er sich in einem Brief dafür entschuldigt hat.«
»Das stimmt«, gab Konrad zu.
»Trotzdem glaube ich eigentlich auch nicht, dass er ein Betrüger ist.«
»Wenn Mama und Papa hören, dass er gesucht wird, werden sie den Kriminalrat anrufen und ihm sagen, dass er bei uns war, aber plötzlich verschwunden ist. Und bestimmt sagen sie ihm auch das mit dem Geld«, sagte Anna, bevor sie hinzusetzte: »Ich glaube auch nicht, dass er ein Betrüger ist.«
»Er war unglücklich, etwas hat ihn bedrückt«, sagte Konrad. »Leider hat er nicht mit uns darüber geredet.«
»Wir wissen nicht einmal, wo er ist. Wenn wir ihm helfen wollen…«, begann Christian.
»Klar wollen wir ihm helfen«, sagte Anna und sah ihren Bruder herausfordernd an. »Oder etwa nicht?«
»Doch, klar.« Konrad nickte. »Aber wo fangen wir an? Wir wissen nicht, wo er ist; wir wissen nicht, was er getan hat; wir wissen nicht, warum er Geld bei uns versteckt hat. Wir wissen ja nicht einmal, warum er mitten in der Nacht aus dem Schloss verschwunden ist. Da dürfte es schwierig werden, ihm zu helfen.«
Anna reckte angriffslustig das Kinn in die Höhe. »Na, und?«, fragte sie. »Das macht die Sache doch erst richtig interessant!«
Stephanie kam auf sie zu, Anna hatte ihr vor der ersten Stunde bereits brühwarm von den Ereignissen auf Sternberg erzählt. Christian und sie tauschten einen zärtlichen Blick, mehr nicht. Auf dem Schulhof gab es tausend Augen, die sie beobachteten, das wussten sie. Sie wollten dem ohnehin blühenden Klatsch keine neue Nahrung geben.
»Gibt es Neuigkeiten?«, fragte sie.
»Nein, wir überlegen nur, ob und wie wir Ben helfen können. Er wird ja mittlerweile von der Polizei gesucht«, antwortete Konrad.
»Wirklich?«, fragte Stephanie erschrocken. »Aber wieso denn?«
Anna zeigte ihr die entsprechenden Meldungen im Internet. Kurz darauf schellte es bereits zum Ende der Pause, so dass sie ihr Gespräch erst einmal abbrechen mussten.
Im Gedränge Richtung Schulportal griff Christian nach Stephanies Hand und hielt sie fest. Aus den Augenwinkeln sah er, dass sie lächelte.
*
Sabrina hatte mit Sofia und Friedrich den Mittagsimbiss eingenommen, den Marie-Luise Falkner für sie zubereitet hatte. Sie saßen noch zusammen und versuchten nach wie vor, zunehmend ratlos, die Ereignisse der vergangenen Nacht einzuordnen und...




