E-Book, Deutsch, Band 87, 100 Seiten
Reihe: Der neue Dr. Laurin
Maybach Nie mehr glücklich?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98757-079-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der neue Dr. Laurin 87 - Arztroman
E-Book, Deutsch, Band 87, 100 Seiten
Reihe: Der neue Dr. Laurin
ISBN: 978-3-98757-079-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
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Mattis Bürger kam nicht selbst auf die Idee, sondern es war sein bester Freund Ansgar Bredemeier. Dieser war vor zwei Jahren mit seinen Eltern aus dem Emsland nach München gezogen und in Mattis‘ Klasse gekommen. Sie hatten sich nur einmal ansehen müssen und sofort gewusst, dass sie Freunde sein würden. Beide waren neun Jahre alt. Der rothaarige, sommersprossige Ansgar hatte himmelblaue Augen und war ein richtig guter Sportler, weshalb er sich schnell Respekt verschafft hatte. Mattis war blond und blauäugig wie seine Mutter, und auch sein Lieblingsfach war Sport. Sie hatten sich, kurz gesagt, gesucht und gefunden.
„Wie wäre es mit Silvester?“, fragte also Ansgar in jenem Gespräch, das sich erst viel später als schicksalhaft erweisen sollte. „Er sieht gut aus, die meisten Leute mögen ihn, weil er außerdem nett ist. Also gefällt er ihr bestimmt auch. Er ist manchmal brummig, aber nie lange, er gibt uns immer Cola, und wir stören ihn nie, nicht einmal, wenn er Kundschaft hat. Er kann lustig sein, aber er merkt auch, wenn wir Kummer haben, dann fragt er, was los ist und hört zu, wenn wir es ihm erzählen. Und er verdient mit seinem Laden richtig viel Geld. Sonst könnte er sich so ein Motorrad gar nicht leisten.“
„Das Geld ist nicht so wichtig“, meinte Mattis. „Meine Mama hat ja einen guten Job.“
„Aber es schadet nicht, wenn der Mann auch ordentlich verdient“, bemerkte Ansgar weise. „Viele streiten sich übers Geld und lassen sich dann scheiden. Wenn es darüber von vornherein keinen Streit geben kann, sind die Chancen, dass es gut läuft, gleich viel besser.“
Mattis nickte. „Das andere ist aber wichtiger: dass er nett ist und merkt, wenn es uns nicht gut geht. Und dass er zuhören kann. Es stimmt, man kann mit ihm viel Spaß haben, aber er lässt einen auch in Ruhe, wenn er merkt, dass man nicht rumalbern will.“ Auf seiner glatten Stirn hatte sich eine tiefe Falte gebildet. „Ich weiß trotzdem nicht, ob er in Frage käme.“
„Wieso denn nicht?“ Ansgars Tonfall drückte tiefes Unverständnis für die Zweifel seines Freundes aus.
Mattis stieß einen tiefen Seufzer aus, ohne zu antworten.
„Sag schon!“, drängte Ansgar. „Deine Mama braucht doch jemanden, der sie auch mal zum Lachen bringt, das hast du selbst gesagt, und das kann Silvester. Wir lachen dauernd mit ihm.“
Mattis war noch immer nicht überzeugt. „Aber wir sind Kinder, wir lachen gern“, erwiderte er zweifelnd. „Meine Mama bringst du aber nicht so leicht zum Lachen, seit mein Papa weg ist. Früher war das anders, aber seitdem …“ Er verstummte.
Ansgar legte ihm mitfühlend einen Arm um die Schulter, nur ganz kurz. Mattis‘ Mama hatte sich von ihrem ständig untreuen Ehemann zu der Zeit getrennt, als Ansgar mit seinen Eltern nach München gezogen war, Ansgar hatte das Drama also aus nächster Nähe mitbekommen, denn Mattis hatte ihm oft das Herz ausgeschüttet. Es war wohl auch diese Krise – und ihre Bewältigung – gewesen, die die Freundschaft der beiden Jungen so stark gefestigt hatte.
„Er ist NETT!“, wiederholte Ansgar. „Ich weiß jedenfalls keinen Besseren. Du etwa?“
Mattis schüttelte stumm den Kopf.
„Also! Und du magst ihn gern, das zählt ja auch. Stell dir vor, eines Tages kommt deine Mama mit einem neuen Freund an, den du nicht leiden kannst. Wie wäre das? Ziemlich schlimm, oder? Da ist es doch besser, du suchst einen Mann aus, den du kennst und von dem du weißt, dass er gut für euch beide wäre.“
„Aber das weiß ich ja eben nicht“, wandte Mattis ein. „Für mich wäre Silvester gut, aber wie soll ich wissen, ob er auch gut für meine Mama wäre? Findest du nicht, dass sie das besser selbst entscheiden sollte?“
„Das tut sie doch sowieso. Wenn sie Silvester nicht leiden kann, wird nichts aus der Sache. Aber sie kann ihn garantiert leiden. Außerdem: Sie hat sich schon mal geirrt, schon vergessen? Die Sache mit deinem Papa ist schiefgegangen, da hat sie sich den Falschen ausgesucht. Jedenfalls war er für sie der Falsche, für dich ja nicht unbedingt.“
„Das stimmt“, gab Mattis zu.
„Also wäre es für sie nur gut, wenn ihr dieses Mal jemand beim Aussuchen hilft. Und wir sind zwei, zwei sehen mehr als einer. Wir sind auch nicht blöd, und wir wollen für deine Mama nur das Beste. Klar können wir uns trotzdem irren, aber einen Versuch ist es wert. Silvester ist ein toller Typ!“
Mattis fiel kein Gegenargument mehr ein. Über seinen Vater sprach er nicht gern. Der war nämlich, freilich anders als Silvester, auch ein toller Typ: immer gut gelaunt, immer lustig, dazu gutaussehend und charmant, so dass ihn alle Leute gernhatten. Vor allem die Frauen. Mattis hatte lange gebraucht, um zu verstehen, dass diese einnehmenden Eigenschaften seines Vaters eine Kehrseite hatten, die der Ehe seiner Eltern letztlich zum Verhängnis geworden war: Frederik Bürger hatte den Frauen nicht widerstehen können, er war leichtsinnig mit seinem Geld umgegangen und wenn er als Vater und Ehemann hätte zur Stelle sein müssen, war er es nicht gewesen. Traurig, aber wahr. Zuerst hatte er das nicht sehen wollen, aber seine Mama hatte ihm die Sache so lange erklärt, bis er sie verstanden hatte. Dabei hatte sie Mattis‘ Vater nicht schlechtgemacht, so war sie nicht, aber ihm war doch deutlich geworden, dass sie einiges hatte ausstehen müssen mit ihrem so charmanten und allseits beliebten Ehemann.
Zum Beispiel war er wieder einmal nicht auffindbar gewesen, als der kleine Mattis plötzlich lebensgefährlich hohes Fieber bekommen und ärztliche Behandlung gebraucht hatte. Daran erinnerte sich Mattis natürlich nicht mehr, er war erst zwei Jahre alt gewesen, aber die Geschichte, wie seine Mama schließlich einen Rettungswagen gerufen hatte, weil sie ihren Mann nicht erreichen konnte, der mit dem Auto unterwegs gewesen war, und sie irgendwann nicht mehr aus noch ein gewusst hatte, kannte er in- und auswendig. Und auch die andere, als seine Mama von einem Motoradfahrer angefahren worden war und immer wieder von der Kayser-Klinik aus versucht hatte, ihren Mann zu erreichen, damit er den fünfjährigen Mattis aus der Kita abholte … Es gab noch etliche solcher Geschichten. Immer war es offenbar um Frauengeschichten gegangen, die seinen Papa daran gehindert hatten, zur Stelle zu sein, wenn er gebraucht wurde. Sofern Mattis sich selbst an solche Situationen erinnerte, dachte er nicht mehr gern daran.
Er mochte seinen Papa trotzdem noch, schließlich war er sein Papa, aber er sah ihn nun mit anderen Augen, und sie waren sich natürlich nicht mehr so nahe wie vorher, weil sie keinen gemeinsamen Alltag mehr hatten. Seine Mama liebte er sehr, und er wollte, dass sie wieder glücklich war. Dass sie lachte und endlich wieder so hübsch und strahlend aussah wie auf den Fotos, als sie und sein Papa frisch verliebt gewesen waren.
Sicher, sie war schon ziemlich alt, schon zweiunddreißig, aber wenn sie nicht gerade müde war oder viel geweint hatte, sah sie immer noch sehr hübsch aus. Er merkte ja, wie manche Männer ihr nachsahen auf der Straße, obwohl sie schon so alt war. Also nahm er an, dass sie durchaus noch Chancen hatte, einen neuen Mann zu finden.
All das hatte er wieder und wieder mit Ansgar besprochen, und nun hatte Ansgar also die Idee mit Silvester gehabt. Mattis war dankbar für das Engagement seines Freundes, aber noch immer nicht überzeugt von dessen Idee.
„Es kann doch nichts passieren“, führte Ansgar weiter aus. „Wenn sie Silvester nicht will, suchen wir einen neuen Mann für sie aus.“
„Ich glaube, ich fände es immer noch besser, wenn sie sich selbst einen aussuchen würde.“
Ansgar blieb stehen, beide Arme in die Seiten gestemmt. „Aber das ist doch gerade das Problem!“, rief er. „Sie sucht sich keinen aus, das sagst du doch selbst. Sie will von Männern nichts mehr wissen, und das heißt, sie braucht Hilfe.“
Er hatte völlig Recht, Mattis wusste das. Schließlich suchten Ansgar und er schon länger nach einer Lösung. Ja, seine Mama brauchte Hilfe. Er hörte sie oft abends im Bett weinen, wenn sie dachte, dass er schon schlief. Sie war dünner geworden, hatte oft dunkle Ringe unter den Augen, und es war schon lange her, dass er sie das letzte Mal von Herzen hatte lachen hören. Ihre schönen blauen Augen strahlten nur noch selten, meistens blickten sie traurig.
Sicher, sie rang sich ein Lächeln ab, wenn er etwas Lustiges aus der Schule erzählte, aber dieses Lächeln verschwand schnell wieder. Sie gab sich seinetwegen große Mühe, sich nicht allzu viel von ihrem Kummer anmerken zu lassen, das wusste Mattis, aber er wollte, dass sie glücklich war, ganz einfach, und nicht, dass sie ihm etwas vorspielte.
„Und wie soll das gehen?“, fragte er, nachdem er noch einmal gründlich nachgedacht hatte. „Sie kennt Silvester überhaupt nicht, und ich kann doch nicht zu ihr sagen, sie soll ihn mal ansprechen.“ Ihm fiel ein weiteres Hindernis ein. „Außerdem sucht Silvester gar keine Frau. Ich habe neulich gehört, wie jemand ihn gefragt hat, wie ihm das Leben als Single gefällt, da hat er gesagt, bestens. Erinnerst du dich?“
„Ja, aber das hat er vielleicht nicht ernstgemeint. Wir können ihn fragen“, schlug Ansgar vor. „Nicht so direkt, natürlich. Aber wir können versuchen, herauszufinden, ob er etwas gegen eine Freundin hätte.“
„Gegen eine Freundin mit Kind“, sagte Mattis düster. „Das wollen die meisten Männer nicht. Die wollen eigene Kinder, keine von anderen.“
„Silvester ist nicht wie die meisten, und er mag uns. Gegen dich hätte er bestimmt nichts. Und die meisten Leute sind vielleicht eine Zeitlang ganz gern allein, aber nicht auf Dauer. Irgendwann sucht er sich...




