E-Book, Deutsch, Band 383, 100 Seiten
Reihe: Der kleine Fürst
Maybach Wenn das Herz spricht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98936-852-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der kleine Fürst 383 - Adelsroman
E-Book, Deutsch, Band 383, 100 Seiten
Reihe: Der kleine Fürst
ISBN: 978-3-98936-852-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
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»Wisst ihr, wer die Frau da drüben ist?«, erkundigte sich Jakob von Meulen bei Baronin Sofia und Baron Friedrich von Kant.
Die Baronin spähte in die angegebene Richtung. »Dies ist ein Maskenball, Jakob«, bemerkte sie mit einem Lächeln. »Es ist nicht so einfach, die Leute zu erkennen. Welche Frau meinst du? Die in der Empire-Robe?«
»Ja«, antwortete Jakob. »Die mit der silbernen Maske über den Augen.«
Baron Friedrich lachte. »Du hast Glück, dass wir dir die Frage beantworten können«, sagte er. »Das ist Amelie zu Ottersbach, sie ist mit uns gemeinsam hierhergefahren und kehrt auch mit uns nach Sternberg zurück. Sie ist für einige Tage bei uns zu Gast.«
»Möchtest du sie kennenlernen, Jakob?«, erkundigte sich Baronin Sofia.
»Ja, sehr gern, aber erst später. Lieber beobachte ich sie noch eine Zeit lang. Ist sie …, ich meine, hat sie …«
»Einen Mann, meinst du?«
Jakob nickte.
»Nein, nicht mehr. Vor einiger Zeit dachten wir, sie hätte den Richtigen gefunden, doch die Sache ist offenbar zu Ende.«
»Und wer war der Dumme, der diese Frau hat gehen lassen?«
»Keine Ahnung«, antwortete die Baronin. »Wir kennen nicht einmal seinen Namen, und wir fragen Amelie nicht danach, so lange sie nicht von selbst darüber redet.«
»Schade, dass ich ihre Augen nicht sehen kann«, murmelte Jakob. »Das ist das Dumme an solchen Maskenbällen – und deshalb lehne ich diese Einladungen normalerweise ab. Hättet ihr mir nicht gesagt, dass ihr hier sein werdet, wäre ich mit Sicherheit zu Hause geblieben.«
»Und hättest Amelie vielleicht niemals kennengelernt«, stellte Baron Friedrich schmunzelnd fest.
Jakob riss seinen Blick endlich von der eleganten jungen Frau los und ließ die Augen durch den Saal schweifen. »Wo sind eigentlich eure Kinder? Die habe ich noch gar nicht begrüßen können.«
»Lass sie nicht hören, dass du sie ›Kinder‹ nennst«, warnte die Baronin. »Vor allem unser Konny reagiert äußerst gereizt, wenn er das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden.«
»Ich war mit sechzehn auch so«, gestand Jakob. »Also, wo sind eure jugendlichen Nachkommen? Wobei das ja auch nicht ganz korrekt ausgedrückt ist, aber ich sehe Christian mittlerweile ebenfalls als euer Kind an.« Er sah den Schatten, der über Sofias Gesicht glitt und legte ihr rasch eine Hand auf den Arm. »Entschuldige bitte, Sofia, ich wollte keine alten Wunden aufreißen.«
Er spielte auf den tödlichen Unfall an, dem Sofias Schwester und ihr Mann etliche Monate zuvor zum Opfer gefallen waren. Elisabeth und Leopold waren das Fürstenpaar von Sternberg gewesen, ihr Sohn Prinz Christian von Sternberg, Sofias Neffe, war seitdem Waise und lebte in der Familie seiner Tante.
Zum Glück für alle wohnten Sofia und Friedrich mit ihren beiden Kindern Anna und Konrad bereits seit vielen Jahren ebenfalls auf Schloss Sternberg, sodass Christian sein Zuhause erhalten geblieben war. Er war nur von einem Flügel des Schlosses in einen anderen gezogen.
»Lisa fehlt mir noch immer sehr«, erwiderte die Baronin jetzt auf Jakobs Worte. »Wir waren nicht nur Schwestern, das weißt du ja, sondern auch sehr gute Freundinnen. Wir sind schon als Kinder unzertrennlich gewesen.«
»Gibt es nicht noch eine Schwester?«, fragte Jakob.
»Ja, aber Angelika hat uns beiden nie so nahe gestanden – außerdem ist sie ständig unterwegs auf ihren Forschungsreisen. Schon weil sie nie da war, konnte ich mich mit ihr nie so austauschen wie mit Lisa.«
»Und Christian? Wie trägt er sein Schicksal?«
»Besser als erwartet, muss man sagen. Er ist natürlich zu ernst für sein Alter – und er wirkt auch reifer als andere Fünfzehnjährige. Aber die Lebensfreude hat er nicht verloren. Er besucht seine Eltern jeden Tag auf unserem Familienfriedhof, dort spricht er mit ihnen und hält so seine Erinnerungen lebendig. Das hilft ihm sehr.«
»Der kleine Fürst«, sagte Jakob versonnen. »Wird er immer noch so genannt?«
»O ja, natürlich. Der Name wird ihm wohl auch bleiben, bis zu seiner Volljährigkeit. Dann ist er der nächste Fürst von Sternberg – und sein Kosename wird hinfällig.«
»Mag er den Namen?«
Sofia und ihr Mann nickten. »Er ist liebevoll gemeint«, sagte die Baronin. »Und das weiß Chris natürlich.«
»Jedenfalls, um deine indirekte Frage zu beantworten, Jakob«, mischte sich an dieser Stelle Baron Friedrich ein, »auch wir sehen Christian mittlerweile als unser drittes Kind an. Mit Anna hat er sich ja schon immer gut verstanden, und ihre Beziehung ist seit dem Tod seiner Eltern noch besser geworden. Unser Konny geht seiner eigenen Wege, er schielt mehr nach den Älteren, weil er es überhaupt nicht erwarten kann, endlich erwachsen zu werden. Und zwar unzweifelhaft erwachsen – nicht so wie jetzt, wo er zwar immer behauptet, es zu sein, aber niemand ihm das so recht abnehmen will.«
»Ich kann die drei nirgends sehen«, stellte die Baronin fest. »Hast du sie denn wenigstens schon gesehen, Jakob?«
»Nein, leider noch nicht, aber der Abend ist ja noch jung, ich werde sie schon irgendwann ausfindig machen.«
»Übrigens sind es gar nicht drei, sondern sechs«, setzte Sofia hinzu, »Anna hat nicht nur ihren Freund, sondern auch ihre Freundin dabei, und Konny ist ebenfalls mit seiner Freundin hier. Nur Christian ist solo.«
»Aus Kindern werden offenbar Leute. Haben wir nicht erst gestern zusammen eine Waldhütte gebaut, in der wir dann auch übernachten mussten?«
Sie lachten alle drei bei der Erinnerung. Ein langer Blonder stürzte wenig später auf Jakob zu und begrüßte ihn überschwänglich. Mit einem entschuldigenden Blick zu Sofia und Friedrich ließ sich der attraktive junge Mann mitziehen zu einer Gruppe von Leuten, die ihn mit lautem Hallo begrüßten.
»Was meinst du, Sofia«, fragte der Baron, »ob er Amelie gefällt?«
Die Baronin lachte. »Kennst du eine junge Frau, der Jakob nicht gefällt? Er sieht nicht nur gut aus, er ist auch umwerfend charmant, klug und sympathisch. Aber bisher hat es ja keine verstanden, ihn auf Dauer zu fesseln.«
»Er soll es ja nicht wagen, Amelie unglücklich zu machen!«
»Ach, sie kann ganz gut auf sich selbst aufpassen, Fritz. Oh, sie spielen einen Wiener Walzer. Wollen wir?«
»Mit dem größten Vergnügen, Liebste!«
Gleich darauf glitten sie elegant über das Tanzparkett – ein schönes Paar von Anfang Vierzig, dem viele bewundernde Blicke folgten.
*
Christian von Sternberg, der kleine Fürst, tanzte mit der besten Freundin seiner Cousine Anna von Kant. Dass Sabrina von Erbach zugleich seine erste große Liebe war, wusste außer Anna niemand – aus gutem Grund. Sabrinas Eltern waren übermäßig ängstlich und besorgt um ihre Tochter und ließen sie daher nur selten auf Partys oder Bälle gehen, denn dort hätte ihr ja etwas passieren können. Bei diesem Maskenball hatten sie eine Ausnahme gemacht, da Baronin Sofia und Baron Friedrich ebenfalls anwesend waren und mit »den Kindern« gemeinsam nach Hause fahren würden. Sabrina durfte sogar auf Sternberg übernachten.
Hätten ihre Eltern freilich etwas von den zarten Banden ihrer Tochter zum kleinen Fürsten geahnt, hätte sie Sternberg vermutlich nie wieder betreten dürfen. So war es also verständlich, dass das junge Liebespaar seine Gefühle vor der Öffentlichkeit geheimhielt.
»Ich bin so froh, dass du mitkommen durftest, Sabrina«, sagte Christian leise.
»Ich auch. In den letzten Monaten war es besonders schlimm mit meinen Eltern, weil meine Mutter irgendeine Horrorgeschichte ge-hört hatte von einem Mädchen in meinem Alter, das auf die schiefe Bahn geraten war – ständig haben sie mir vor Augen gehalten, was mir alles passieren könnte, wenn sie mir so viel Freiheit ließen wie andere Eltern ihren Kindern.«
Sabrina war eine sehr hübsche Blondine mit seidigen langen Haaren und schönen grau-grünen Augen. »Wenn ich sie frage, wie ich jemals selbstständig werden soll, wenn sie mich nirgends hingehen lassen, antworten sie immer nur, dass ich das schnell lerne, wenn ich erst einmal alt genug bin. Manchmal ist es echt die Hölle, Chris. Ich beneide euch so um eure Freiheit – dabei ist es doch so, dass deine Tante und dein Onkel euch auch nicht alles machen lassen. Aber trotzdem werdet ihr nicht eingesperrt wie ich.«
»Immerhin bist du hier«, erwiderte er. »Und wir sehen uns jeden Tag in der Schule.«
»Das stimmt.« Sie lächelte ihn an, sein Herz klopfte schneller. Schon oft hatte er sich gefragt, warum dieses schöne Mädchen, das von vielen Jungen seiner Schule angehimmelt wurde, sich ausgerechnet für ihn entschieden hatte. Christian hielt sich für nichts Besonderes, und die Tatsache, dass er der nächste Fürst von Sternberg war, hatte sich für Beziehungen zu anderen Menschen in der Vergangenheit schon häufiger als eher hinderlich erwiesen. Viele seiner Klassenkameraden konnten damit nicht umgehen. Sie behandelten ihn anders als andere, und das mochte er nicht.
Langsam tanzte Anna mit ihrem Freund Theodor zu Ellern an ihnen vorüber. Anna war erst dreizehn, Theo war ihr erster Freund. Sie konnten sich nicht häufig sehen, da er in einem Nachbarort wohnte, aber sie telefonierten miteinander und schickten sich SMS. Anna strahlte Christian an, dann verschwand sie aus seinem Blickfeld. Konrad und seine Freundin Laura von Wredeburg dagegen waren schon seit Längerem verschwunden.
Christian zog Sabrina näher zu sich heran. Ein ganzer Abend an ihrer Seite lag vor ihm. Er war wunschlos glücklich.
*
»Was ist los mit dir, Amelie?«, erkundigte sich Bernhard zu Ottersbach bei seiner jüngeren Schwester, die er eher zufällig auf diesem...




