Mitterer Stigma
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7099-7596-1
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 62 Seiten
ISBN: 978-3-7099-7596-1
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
Autoren/Hrsg.
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1. STATION
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RUEPP: Und es dengelt der Bauer und es dengelt der Schmied und es dengelt die Stalldirn, lei mei Madel dengelt nit. A richtige Sensen braucht alle Tag Wix, muaßt sie dengeln und wetzen, sinst is sie für nix.
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RUEPP: Habts den ganzen Fleck aufgheut?
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BAST: Ja, hamma.
RUEPP: Morgen is obere Eck dran!
BAST: Is recht.
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RUEPP: I moan, daß a Jahrl no leicht ummageht, bis mei liabs, kloans Madel des Dengeln versteht.
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RUEPP: Aber kimmt sie aufs Dengeln, nacha mahn ma die Wies und haben wia die Engeln a feins Paradies.
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BAST: Moid!
MOID: Na! Na! I will nit mit die schwarzen Mander gehn! Na! Na!
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BAST: Moid!
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BAST: Gehts wieder?
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RUEPP: Hast du sowas öfter?
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STIMME DER BÄUERIN: Essen gehn!
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2. STATION
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BAUER: Herr, wir bitten dich, segne diese Speise. Im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.
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MOID: Herr, wir bitten ums Essen, dei bitters Leiden und Sterben woll ma nit vergessen, das heilige Kreuz is unser Tisch, die heiligen drei Nägel sein unser Fisch, dein heiliger Leib is unser Speis, dein rosenfarbenes Bluat is unser Trank, Himmelvater, wir sagen Lob und Dank für Speis und Trank und für alls, was du uns zuaschickst und für ails, was uns nutz und guat is zu Seel und Leib, Amen.
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BAUER: Des Tischgebet is eigentlich no immer dem Bauer sei Sach! Oder der Großknecht machts. Aber nia die Dirn! Woaßt du des nit? ’s nächste Mal kriagst oane übers Maul!
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BAUER: Morgen wird des untere Eck gmacht!
RUEPP: I hab gmeint, das obere.
BAUER: Des untere wird gmacht.
BÄUERIN: Hast schon ghört? Dem Gafleiner sei Dirn hat was Kloans kriagt.
BAUER: Ahso?
RUEPP: Und wer is der Kindsvater?
BAUERIN: Oana von die Knecht. Der Fack ham s’ es zum Fressen geben, des Kind. Damits nit aufkimmt. Die Bäuerin hats aber dergneißt.
BAUER: Da siegt mas wieder!
RUEPP: Und nacha?
BÄUERIN: Sein schon arretiert.
BAUER: Mit die Dienstboten is es a Kreuz!
BAUERIN: Der Gafleiner laßt fragen, ob wir ihm beim Heuen helfen könnten, wenns amal pressant is. Bis er neue Dienstleut hat.
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BAUER: Ja, ja, wir stehn ihm schon bei. Hen; wir danken dir für diese Speise, die du uns beschert hast. Im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.
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BAST: Vergelts Gott, Bauer!
SEPPELE: Vergelts Gott a!
3. STATION
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MOID: I leg mi nieder in Christus Kreuz, i leg mi nieder in Christus Fleisch, i leg mi nieder in Christus Angst und Bluat, is für alle Gespenster und böse Geister guat.
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BAST: Moid!
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MOID: Bast?
BAST: Ja, i bins.
MOID: Was willst denn?
BAST: A Weib will i. Und Bluat von mein Bluat. Und Rauch, der aufsteigt vom eigenen Herd. Nit Knecht sein möcht i, mei Leben lang.
MOID: Dann muaßt a Bauerntochter heiraten. Von an Hof ohne Sohn.
BAST: Di möcht i zum Weib.
MOID: Bast! Woaßt doch, daß Dienstboten nit heiraten dürfen!
BAST: I hab fast 300 Gulden gspart in die letzten zwanzig Jahr. Und seit einem Jahr geh i jede dritte Nacht auf die Jagd. Für an Bock zahlen sie mir im Tal draußen vier Gulden. Wenn fünf Jahr um sein, hab i soviel beisammen, daß i uns a Stückl Grund kauf und a Häusl bau. Dann sein ma Besitzer und dürfen heiraten.
MOID: Wenn fünf Jahr um sein, ham di scho lang die Jager erschossen. Schlags dir aus dem Kopf, Bast.
BAST: Am Ballen von meiner rechten Hand is a Narben, Moid .. .
MOID: Ja, i kenn sie.
BAST: Woaßt, woher die stammt?
MOID: Wirst di wohl gschnitten haben.
BAST: Ja, gschnitten hab i mi. Mit an Messer hab i mir den Handballen aufgschnitten und einiglegt hab i eine heilige Hostie unseres himmlischen Herrn. Hörst mi, Moid?
MOID: Ja, i hör di.
BAST: Jetzt gibts koa Zittern mehr....




