E-Book, Deutsch, Band 17, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Mythor 17: Die Ebene der Krieger
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9769-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 17, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9769-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Nachdem der Lichtbote nach seinem Sieg über die Finsternis die Welt sich selbst überlassen hatte, begannen die Kräfte des Bösen, die sich in die Dunkelzone geflüchtet hatten, wieder zu erstarken. Inzwischen greifen sie aus der Dunkelzone, einem Ring kosmischer Trümmer, der die Welt umgibt und in eine Nord- und eine Südhälfte teilt, an und beeinflussen bereits weite Teile der nördlichen Länder und deren Bewohner. Das gilt besonders für die Caer, ein Kriegsvolk, das, von Dämonenpriestern angeführt, einen Eroberungsfeldzug beginnt und seine Nachbarn mit Feuer und Schwert heimsucht. Im Verhältnis zu den Horden der Caer ist die Zahl derer, die auf Seiten der Lichtwelt gegen die Mächte des Dunkels kämpfen, erschreckend gering. Eigentlich ist es nur eine kleine Gruppe von Menschen, die angeführt wird von Mythor, den man den Sohn des Kometen nennt. Doch Mythor ist unverzagt. Er ist nicht gewillt, seinen Kampf gegen die finsteren Mächte aufzugeben - er tut es auch nicht in dem Moment, als Coerl O'Marn, ein abtrünniger Caer-Ritter, ihm die geballte Macht der Caer vor Augen führt, wie sie sich darbietet auf der EBENE DER KRIEGER ...
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3.
»Dieser Idiot«, murmelte der Henker von Caer. Seine dunklen und scharfen Augen musterten den Riesen Kwinn, der sich breitbeinig vor einem anderen Krieger aufgestellt hatte und sich seiner Taten rühmte.
Rhubo, der Henker von Caer, saß in der Öffnung seines Zeltes und betrachtete das Geschehen um ihn her. Er hielt sich zurück, nur selten verließ er das Zelt und mischte sich unter die anderen. Sein Tagesablauf unterlag einem strengen Ritus. Er trainierte für die Kämpfe, hielt sich vom Alkohol fern und nahm kräftigende Mahlzeiten zu sich. Rhubo wusste genau, worauf es bei den Kämpfen ankam. Schon mehrmals hatte er an Turnieren teilgenommen. Wie Kent war er auch schon einmal Sieger gewesen. Außerdem hatte er bereits wertvolle Erfahrungen sammeln können und konnte sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Anders als der Riese Kwinn, ein Hüne von Gestalt, der den lieben langen Tag damit verbrachte, mit seiner Kraft zu protzen. Er hielt sich für den Stärksten, Tapfersten und Klügsten im ganzen Lager. Was die Stärke anging, konnte ihm so schnell niemand widersprechen, aber ansonsten ... Rhubo lächelte zurückhaltend. Immerhin galt Kwinn als einer der Favoriten in diesem Turnier.
Aber er machte Fehler. Nicht nur Rhubo hielt Kwinns Vorgehen für falsch. Dadurch, dass der Riese protzend und prahlend durch das Lager marschierte und seine Stärken pries, machte er seine Konkurrenten ungewollt auf seine Schwächen aufmerksam. So entnahm Rhubo den Reden des Riesen zum Beispiel, dass dieser ausgezeichnet mit dem Schwert umgehen konnte, aber mit dem Morgenstern nichts anzufangen wusste, denn er erwähnte diese Waffe bei seinen Prahlereien nicht ein einziges Mal. Und Rhubo wusste aus früheren Turnieren, dass diese heimtückische, an der Kette kreisende Stachelkugel mit absoluter Sicherheit zu den Waffen gehörte, die im Drudin-Turnier zur Anwendung kamen.
Also ein Punkt, in dem der Riese Kwinn zu schlagen war.
Rhubo beobachtete schweigend.
Kwinn prahlte weiter. Der andere Krieger, den Rhubo nicht kannte, wandte sich still ab und wollte seines Weges gehen. Doch Kwinn war anderer Meinung.
»He, was ist?«, brüllte er. »Hast du Angst vor mir bekommen, dass du dich zurückziehst?«
Der Krieger wandte den Kopf. »Mitnichten, Kwinn, aber dein Geschwätz ödet mich an!«
»Was?«, brüllte Kwinn. »Halt still, damit ich dir eins über den Schädel ziehen kann!«
Er verausgabt sich bereits jetzt mit seinen Herausforderungen, dachte Rhubo. Er war einer derjenigen, die ein Einzelzelt beanspruchen durften. Die meisten Krieger im Lager mussten zu dritt oder zu viert in einem gemeinsamen Zelt hausen. Aufgrund seiner kämpferischen Leistungen und seiner gesellschaftlichen Stellung genoss Rhubo das Privileg eines Einzelzelts, einmal ganz abgesehen davon, dass sich die meisten Caer geweigert hätten, mit diesem unheimlichen Mann das Zelt zu teilen. Immerhin war Rhubo einer der gefürchtetsten Männer des Herzogtums. Zwar bestimmte er nicht über Tod oder Leben, aber er war das ausführende Organ.
Der andere Krieger schien klüger zu sein als der Polterer Kwinn. Er schüttelte den Kopf. »Du kannst mir beweisen, wie stark du bist, wenn wir uns im Turnier gegenüberstehen. Ich halte es für sinnlos, uns jetzt schon zu verprügeln.« Sprach's und ging davon.
Verblüfft blieb Kwinn stehen, die Fäuste in die Hüften gestemmt. »Ja gibt's denn so etwas?«, röhrte er. »Der Bursche kneift!«
»Er ist nur ein wenig klüger als du«, sagte Rhubo halblaut. Kwinn hörte es, obwohl er rund zwanzig Schritte entfernt stand, und fuhr herum.
»Ach du, Rhubo«, entfuhr es ihm.
Der Henker lächelte. »Willst du dich nicht auch mit mir anlegen?«, fragte er spöttisch. Der Riese Kwinn winkte heftig ab. »Ach, du ... du hast gegen mich ohnehin keine Chance!«
Rhubo lächelte wissend. »Was hältst du von einem Kampf mit dem Morgenstern?«
»Pah!«, stieß Kwinn hervor und stampfte davon. Rhubo schmunzelte. Vielleicht hatte Kwinn endlich etwas begriffen. Aber er glaubte nicht daran. Dafür war Kwinns Intelligenz doch ein wenig zu beschränkt.
Rhubo sah dem Riesen nach, bis er zwischen den Zelten verschwand. Dann entspannte er sich und begann zu meditieren. Konzentrationsübungen, die zu seinem täglichen Training gehörten.
Rhubo war sicher, in der Spitzengruppe zu landen. Wer der Sieger sein würde, vermochte er nicht zu sagen. Einer aus der Favoritengruppe, das war sicher. O'Karwain, Kent, Coorn, von Corvanth oder er, Rhubo; und wenn das Glück dem Riesen hold war, mochte auch vielleicht Kwinn den Sieger stellen. Aber daran mochte Rhubo am wenigsten glauben.
*
»Heee – hooo!«, brüllte der Rottenführer. Muskeln spannten sich, harte Fäuste packten kraftvoll zu. Prinz Adin von Corvanth verfolgte mit einiger Spannung die Arbeit. Die halbnackten, muskulösen Gestalten der Arbeiter waren in ständiger Bewegung.
Es war das erste Turnier, an dem der Prinz teilnahm, und allein die Vorbereitungen waren für ihn ein beeindruckendes Schauspiel. Aufmerksam verfolgte er, wo die Männer der Rotte damit beschäftigt waren, eine hohe Tribüne zu errichten, auf denen später die Ersten des Herzogtums, die Priester, die Adeligen und ihre Ladies, den Turnierspielen beiwohnen würden. Die Höhe der zu errichtenden Tribüne deutete darauf hin, dass hier nur die Höhergestellten Platz finden würden. Doch bis jetzt standen erst das rohe Gerüst, die Stützpfeiler und die Verstrebungen. Für Adin, der zum ersten Mal am Turnier teilnehmen würde, waren allein schon die Vorbereitungen ein erregendes Schauspiel.
Das Pferd tänzelte unruhig. Der Prinz parierte es. Überall im weiten Rund waren Männer an der Arbeit. Eine der Tribünen war bereits fertig. Sie war niedriger, als jene sein würde, der die momentane Aufmerksamkeit des Prinzen galt. Wahrscheinlich würden hier die Krieger und niederen Offiziere ihre Zuschauerplätze finden.
Eine Menge von Zelten hatte abgebrochen werden müssen, um Platz für die Arena und die Tribünen zu schaffen. Da die Drudin-Turniere nur zweimal im Jahr stattfanden, gab es keinen festen Platz; nach jedem Turnier wurden die Bauten wieder abgerissen, um Platz zu schaffen. Wenn die Spiele bevorstanden, wurde eine entsprechend große Fläche geräumt; die Betroffenen hatten sich nach anderen Plätzen für ihre Zelte umzusehen. Dann begann der Aufbau der Tribünen.
Die Arbeiten machten rasche Fortschritte. Dafür sorgte allein die Anwesenheit der Caer-Priester, die die heimlichen Herrscher des Ausbildungslagers waren. Adin beobachtete, wie einer dieser geheimnisumwitterten Männer in seinem silberverzierten Mantel und dem spitzen, knochenverzierten Helm am Rand der Baustelle dahinhuschte. Er schien mehr zu schweben als zu gehen. Zu gern hätte Adin einen dieser Priester einmal ohne seinen Mantel gesehen, doch das kam nie vor. Etwas Unirdisches ging von diesen Gestalten aus, das den normalen Caer Schauer über den Rücken laufen ließ. Einige wenige hatten versucht, Caer-Priester anzugreifen, aber Prinz Adin von Corvanth kannte keinen Fall, in dem eine Klinge die silberbesetzten Mäntel hätte durchdringen können. Das Gerücht ging, dass die Priester unverwundbar waren, dass ein magischer Schirm sie umgab.
Adin verfolgte, wie die Arbeiter damit begannen, in schwindelnder Höhe auf dem Gerüst die ersten Bodenbretter zu verlegen, auf denen es später die Sitzbänke geben würde. Die Männer waren unglaublich schnell. Immer wieder erschollen die Kommandos des Rottenführers. Schließlich wandte sich Adin ab und gab seinem Pferd einen leichten Schenkeldruck zu spüren. Das Tier gehorchte sofort und setzte sich in Bewegung. Adin wollte zu seinem Einzelzelt zurückkehren.
Doch vorerst kam er nicht dazu. Ein heller Ruf ließ ihn verharren.
*
»Wir haben zwei Verrückte im Lager«, sagte Ritter Jay von Horkus ruhig und stützte sich auf sein Schwert. Er fing einen seltsamen Seitenblick des Caer-Priesters auf, den dieser ihm unter seiner Gesichtsmaske zuwarf.
»Wen?«, fragte Parthan. Er war klein, aber massig gebaut, und seine sanfte Stimme passte nicht zu seinem Aussehen. Parthan war der eigentliche Befehlshaber des Lagers. Er entstammte dem Obersten Rat unter Drudin und ließ die anderen immer wieder seine Macht fühlen. Jay von Horkus war lediglich der militärische Befehlshaber.
»Sieh sie dir an«, sagte Ritter von Horkus. »Kwinn, dieser Pulverkopf, zum Beispiel. Wenn er nur halb so gut ist, wie er erzählt, wird er in Kürze die Welt aus den Angeln heben.«
»Und der andere Verrückte?«
»Die da«, sagte der Ritter.
»Die da« war eine attraktive, zierlich wirkende Frau, die mit ihrem Gefolge langsam durch das Lager ritt. Sie saß auf einem der rassigsten Rappen, die Jay jemals gesehen hatte. Neben ihr, auf einem Pferd, das dem der kleinen Frau kaum nachstand, ritt ihre Zofe, auf der anderen Seite ein kahlköpfiger Hüne, ihr schwarzhäutiger Leibwächter.
»Wenn es bei diesem Turnier einen Preis für Auffälligkeit gäbe, könnte sie dabei sicher sein, zu gewinnen«, knurrte der Ritter.
Ihre geballte Weiblichkeit, gehüllt in kostbare Kleider und wertvollen, seltsamen Schmuck, ließ den Ritter kalt. Frauen hatten ihn noch nie interessiert. Seine Begeisterung galt Waffen, Kampftechniken und der Ausbildung von Kriegern.
»Diese Frau plant etwas«, sagte der Caer-Priester.
Jay von Horkus lachte verhalten. »Sie plant immer etwas«, erwiderte er. »Sie will Macht. Unterhalte dich eine halbe Stunde mit ihr, und du weißt, was ihre Ziele sind. Und ich bin sicher, dass sie es schaffen wird, notfalls durch Mord und Intrigen. Sie rechnet schon fest mit einem...




