Oke / Oke Logan | Wenn der Hoffnung Flügel wachsen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Oke / Oke Logan Wenn der Hoffnung Flügel wachsen

Roman.
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-149-3
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96122-149-3
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach einem aufregenden Jahr im kanadischen Westen kehrt Beth Thatcher zu ihrer wohlhabenden Familie zurück. Kaum ist sie angekommen, brechen sie gemeinsam zu einer luxuriösen Dampfschiff-Kreuzfahrt entlang der Ostküste auf. Schnell wird Beth klar, dass sie sich stärker verändert hat, als sie dachte - aber auch, dass der Lebensstil ihrer Familie durchaus seine Reize hat. Auch die Trennung von Jarrick, dem Mountie, dem sie ihr Herz geschenkt hat, fällt ihr schwer. Doch ist sie wirklich bereit, mit ihm in den Westen zu ziehen und damit ihre Familie und allen Komfort für immer hinter sich zu lassen? Während Beth noch mit der Entscheidung ringt, passiert etwas, das alles infrage stellt ... Die Fortführung der Serie, die mit 'Aufbruch ins Ungewisse' ihren Anfang nahm.

Die Bestseller-Autorin Janette Oke wurde 1935 in Alberta, Kanada geboren. Heute lebt die Mutter von 4 erwachsenen Kindern nahe der elterlichen Farm, die sie zu einem Heimatmuseum umgebaut hat, und genießt neben der Tätigkeit als beliebte Autorin ihr Dasein als vielfache Großmutter. Ihr außergewöhnliches Können wurde bereits mit vielen Preisen wie dem Gold Medallion Award, The Christy Award of Excellence und President's Award der Evangelical Christian Publishers Association ausgezeichnet.
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Kapitel 2

„Mutter, hast du einen Moment Zeit?“

Beth hatte ihren ganzen Mut zusammengenommen und war in den Wintergarten gegangen, wo ihre Mutter am Schreibtisch saß. Sie nimmt wahrscheinlich an, dass ich wegen der Kreuzfahrt zu ihr komme. Himmlischer Vater, hilf mir, die richtigen Worte zu finden. Und hilf Mutter, mich zu verstehen. Beths stummes Gebet machte sie ruhiger. „Können wir uns aufs Sofa setzen?“

Seufzend stand ihre Mutter auf und ließ sich auf dem bequemen Sofa vor der großen Fensterfront nieder, die den Blick auf den hinteren Garten freigab. Beth setzte sich neben sie und verschränkte ihre Hände nervös im Schoß. Dann sagte sie das Erste, was ihr in den Sinn kam: „Ich erwarte heute Abend einen Anruf.“

„Von wem denn, Liebling?“ Die Augen ihrer Mutter, von winzigen Fältchen umgeben, sahen sie voll Überraschung und Freude an. Offenbar ging Mrs Thatcher davon aus, dass es sich um eine von Beths Bekanntschaften aus Toronto handelte … womöglich sogar um einen geeigneten jungen Mann aus einer wohlsituierten Familie.

„Es ist jemand, den ich in Coal Valley kennengelernt habe“, fuhr Beth hastig fort.

Ihre Mutter zog die Augenbrauen hoch. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

„Also … ähm … es ist ein Mann.“

Mrs Thatcher räusperte sich. „Tatsächlich?“

„Er heißt Jarrick Thornton, aber die meisten Leute nennen ihn einfach nur ‚Jack‘. Ich selbst habe ihn von Anfang an mit seinem richtigen Vornamen angesprochen. Zuerst wollte ich ihn damit wohl ein wenig aufziehen, aber irgendwann ist mir klar geworden, dass ‚Jack‘ viel zu gewöhnlich klingt und einfach nicht zu ihm passt.“

Mutter schien nicht beeindruckt zu sein.

„Er ist ein Beamter der Royal Canadian Mounted Police.“

„Hast du ihn durch Edward kennengelernt?“, erkundigte sich Mrs Thatcher in etwas spitzem Ton.

„Nein.“ Beth hielt kurz inne, um sich noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, wann genau sie Jarrick zum ersten Mal gesehen hatte. „Der Pastor von Coal Valley hat uns einander vorgestellt. Ich habe sonntags den Gottesdienst besucht, und meine Pensionswirtin, Miss Molly, hat die beiden Männer zum Mittagessen in ihr Haus eingeladen. Dort sind wir uns dann begegnet.“

Beth hoffte, dass ihre Mutter an der Art und Weise dieses Kennenlernens nicht zu beanstanden haben würde.

„Und seither habt ihr euch regelmäßig getroffen?“

Rasch schüttelte Beth den Kopf. „Oh, nein. Wir sind uns nur hin und wieder über den Weg gelaufen. Ich habe ihn bei Veranstaltungen in Coal Valley gesehen, und gelegentlich haben wir zusammengearbeitet, um den Kindern an meiner Schule zu helfen. Julie hat ihn ebenfalls kennengelernt, als sie mich besucht hat.“

Beth war bewusst, dass sie hektisch und nervös klang. Sie holte tief Luft und dachte an den Tag zurück, an dem sie zu dritt die Gegend rund um Coal Valley erkundet hatten – sie selbst, Julie und Jarrick. Er ist so aufmerksam und charmant gewesen, erinnerte sie sich. Doch solche Gedanken konnte sie ihrer Mutter gegenüber nicht äußern. Stattdessen sagte sie etwas verlegen: „Ich habe ihn doch sicherlich in meinen Briefen erwähnt.“

„Nein, tut mir leid, ich kann mich nicht an diesen Namen erinnern.“

Da hat sie wohl recht, dachte Beth beschämt. In ihrem Bemühen, ihre Mutter nicht allzu sehr zu beunruhigen, hatte sie ihr absichtlich das eine oder andere verschwiegen, was sie in Coal Valley erlebt hatte. Und ihre Bekanntschaft mit Jarrick hatte sie vermutlich höchstens am Rande erwähnt.

„Nun, er ist ein netter Mann, Mutter, ein bisschen älter als ich – beinahe dreißig, glaube ich. Wann er Geburtstag hat, weiß ich nicht.“ Was um alles in der Welt konnte sie noch über ihn berichten?

Er stammt aus einer sehr angesehenen Familie in Manitoba, sein Vater ist dort Pastor. Soviel ich weiß, hat er eine Schwester und mehrere Brüder.“ Beth merkte selbst, dass diese äußerst knappe Personenbeschreibung kaum ausreichen würde, um Mutters verständliche Neugier zu stillen.

„Seit wann ist er bei der berittenen Polizei?“

„Ich weiß es nicht. Darüber haben wir nicht gesprochen.“

„Wird er in jener Gegend bleiben, oder wird er immer wieder an einen anderen Posten versetzt werden – wie Wynn und deine Tante Elizabeth? Edith Mountclair hat gesagt, dass Edward sich in Calgary niederlassen wird und gerade seine Verlobung mit einer Kate Duncan bekannt gegeben hat. Sie wollen schon bald heiraten.“

Mrs Thatchers Stimme war lauter und schärfer geworden. Es schien beinahe so, als würden ihre Worte von den bemalten Bodenfliesen zurückprallen und aus jeder Ecke des hohen Zimmers widerhallen.

Doch Beth blieb ganz ruhig. „Ich freue mich für Edward. Und ich weiß nicht, wohin Jarricks Arbeit ihn führen wird. Darüber haben wir noch nicht gesprochen.“

„Hmmm. Ich verstehe.“

Beth musste an seine Abschiedsworte denken, die er erst eine Woche zuvor geäußert hatte: Dass sie genau die Eigenschaften besäße, die er sich für seine zukünftige Frau wünsche. Und dass er sie – sollte Gott sie zurück nach Coal Valley führen – gerne um Erlaubnis bitten würde, ihr den Hof machen zu dürfen. „Er hat … Wir haben darüber gesprochen … dass wir einander näher kennenlernen möchten. Und wir haben vereinbart, den Sommer über Kontakt zu halten.“

Zwar entsprach dies durchaus den Tatsachen, aber Beth war bewusst, dass das Band zwischen ihr und Jarrick viel stärker war, als sie durchblicken ließ.

Sie beobachtete, wie ihre Mutter versuchte, diese Informationen zu verarbeiten. „Deshalb also möchtest du nicht verreisen. Du möchtest zu Hause sein, um seine Anrufe entgegenzunehmen?“

„Ja, schon, aber das ist nicht der einzige Grund. Ich bin gerade erst heimgekommen, Mutter, und ich …“ Da Beth in diesem Moment bewusst wurde, dass es vielleicht besser war, beim Thema zu bleiben, brach sie ab.

„Jedenfalls würde ich heute Abend sehr gerne mit ihm reden, wenn er anruft“, fuhr sie fort. „Ich hoffe, du hast nichts dagegen. Mit Vater hat er bereits gesprochen. Ich weiß nicht, wie und wann du ihn persönlich kennenlernen kannst, aber ich hoffe sehr, dass sich bald eine Gelegenheit dafür finden wird. Ich bin sicher, er würde dir gefallen. Er ist ein wahrer … Gentleman.“

Dieses Wort schien nicht einmal im Entferntesten auszureichen, um Jarricks Charakter zu umreißen, doch Beth hoffte, dass es ihre Mutter beeindrucken würde. Während sie nervös am Stoff des Sofas herumzupfte, stammelte sie: „Er ist freundlich, redegewandt, geschickt im Umgang mit Kindern und äußerst umsichtig. Ich habe gesehen, wie hart er arbeitet, um für die Sicherheit anderer Menschen zu sorgen – um uns alle zu schützen. Er nimmt seine Arbeit sehr ernst …“

„Ich verstehe.“

Um ein Haar wäre Beth herausgeplatzt: Warst du nie verliebt, Mutter? Doch sie hielt diese gewagte, vielleicht sogar respektlose Frage gerade noch rechtzeitig zurück. Da ihre Gedanken allerdings weiter in diese Richtung gingen, fragte sie sich unwillkürlich: Ist es das, was ich fühle? Bin ich in Jarrick verliebt? Allein die Vorstellung bewirkte, dass sie sich einerseits unbehaglich und andererseits wie beschwingt fühlte.

In diesem Moment erklang die Glocke zum Abendessen. Sie standen auf und Mutter schob ihren Arm unter den ihrer Tochter. „Ich werde mich bemühen, dieser Sache aufgeschlossen gegenüberzustehen, mein Schatz. Aber ich hoffe sehr, dass du selbst nicht zu viel in eure Bekanntschaft hineininterpretierst. Du solltest nichts überstürzen, hörst du?“

Das würdest du nicht sagen, wenn es hier um Edward ginge!, hätte Beth am liebsten erwidert. Doch stattdessen nickte sie schweigend und ließ sich zum Speisezimmer führen.

* * *

Beim Abendessen wurden die Themen, über die Beth mit ihren Eltern gesprochen hatte, nicht erwähnt. Vater war wie üblich recht schweigsam, sodass vor allem John und die Frauen am Tisch miteinander sprachen, während Emma ihre Teller füllte.

Beth nahm an, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater glücklich darüber waren, dass endlich die ganze Familie wieder vereint war. Und hätte sie selbst nicht dieses nervöse Flattern in der Magengegend verspürt, dann hätte sie das ausgezeichnete Essen und das Zusammensein mit ihren Angehören mit allen Sinnen genießen können.

Nach dem Dessert standen sie auf und gingen in den Salon. Margret nahm ein Babylätzchen zur Hand, das sie mit buntem Garn bestickte. Julie wollte an einem Porträt von Vater weiterzeichnen – die Konturen des Gesichts und der Schultern waren bereits erkennbar –, während alle Übrigen es sich mit einem Buch bequem machten. Beth starrte jedoch auf die bedruckten Seiten, ohne den Inhalt des Textes zu erfassen.

„Vater“, beklagte sich Julie, „du musst aufhören, dich in deinem Sessel zu bewegen. Ich kann dich nicht richtig zeichnen, wenn du nicht still sitzt.“

„Tut mir leid, Schatz. Ich bin wohl irgendwie zerstreut heute Abend.“

Beths Blick heftete sich unwillkürlich an die Tür zum Arbeitszimmer. Wir können jeden Moment vom Klingeln des Telefons unterbrochen werden. Alle werden damit rechnen, dass Vater wie üblich die Tür des Arbeitszimmers schließt, bevor er abnimmt. Wird er das heute Abend auch tun? Erwartet er von mir, dass...


Oke, Janette
Die Bestseller-Autorin Janette Oke wurde 1935 in Alberta, Kanada geboren. Heute lebt die Mutter von 4 erwachsenen Kindern nahe der elterlichen Farm, die sie zu einem Heimatmuseum umgebaut hat, und genießt neben der Tätigkeit als beliebte Autorin ihr Dasein als vielfache Großmutter.
Ihr außergewöhnliches Können wurde bereits mit vielen Preisen wie dem Gold Medallion Award, The Christy Award of Excellence und President's Award der Evangelical Christian Publishers Association ausgezeichnet.

Die Bestseller-Autorin Janette Oke wurde 1935 in Alberta, Kanada geboren. Heute lebt die Mutter von 4 erwachsenen Kindern nahe der elterlichen Farm, die sie zu einem Heimatmuseum umgebaut hat, und genießt neben der Tätigkeit als beliebte Autorin ihr Dasein als vielfache Großmutter.
Ihr außergewöhnliches Können wurde bereits mit vielen Preisen wie dem Gold Medallion Award, The Christy Award of Excellence und President's Award der Evangelical Christian Publishers Association ausgezeichnet.



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