E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Palmer Liebe im Visier
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-154-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-95446-154-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Sie riskieren Ihren Job!' - Rick Marquez ist fassungslos. Warum ist Gwen ausgerechnet seinem Polizeirevier zugeteilt worden? Die junge Ermittlerin ruiniert Beweismittel, verschüttet Kaffee und steht irgendwie immer im Weg. Und dass seine Mutter meint, die Blondine wäre eine nette Freundin für ihn, macht es nicht besser. Doch schon bald verblüfft ihn die unbedarfte Gwen. Nicht nur, dass sie Antiterror-Expertin beim FBI war; in einer Schießübung bricht sie den Revierrekord! Spätestens jetzt ist allen außer Rick selber klar: Auch ihn hat Gwen getroffen. Mitten ins Herz.
Die US-amerikanische Schriftstellerin Diana Palmer ist für ihre zahlreichen romantischen Liebes- und Familienromane bekannt, die seit 1979 veröffentlicht werden. Über 150 Bücher wurden von der erfolgreichen Autorin bisher verfasst, die weltweit gern gelesen werden. Der Roman 'Diamond Girl' wurde 1998 für das US-amerikanische Fernsehen verfilmt. Für ihr Werk erhielt sie bisher zahlreiche Auszeichnungen, ihre Romane stehen regelmäßig auf den US-amerikanischen Bestsellerlisten.
Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin war sie 16 Jahre lang als Reporterin tätig. Ihr Interesse gilt den amerikanischen Ureinwohnern, derzeit studiert sie nebenbei Geschichte, sie strebt ein weiteres Universitätsdiplom an, und zwar möchte sie sich auf die Historie der amerikanischen Ureinwohner spezialisieren. Aktiv setzt sie sich für die Rechte der Ureinwohner ein, sie unterstützt Museen und historische Gesellschaften. Zu ihren vielen Hobbys zählen unter anderem die Archäologie, die Anthropologie, die Musik sowie die Astronomie.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
„Sie gefährden die Ermittlung!“, sagte Detective Sergeant Rick Marquez aufgebracht zu der neuen Mitarbeiterin in seinem Revier in San Antonio.
Gwendolyn Cassaway zuckte zusammen. „Tut mir leid. Ich bin gestolpert. Es war ein Versehen.“
Er sah sie aus verengten dunklen Augen an, die sinnlich geschwungenen Lippen fest zusammengepresst. „Sie sind nur deshalb gestolpert, weil Sie kurzsichtig sind und sich weigern, eine Brille zu tragen.“ Seiner Meinung nach konnte sie sich die Mühe sowieso sparen. Sie war nämlich alles andere als eine Schönheit, auch wenn sie eine tolle Haut hatte. Am auffallendsten war noch ihr langes platinblondes Haar, das sie jedoch immer hochgesteckt trug.
„Die Brille stört mich einfach bei der Arbeit. Ständig sind die Gläser verschmiert“, verteidigte sie sich. „Irgendwie taugen die ganzen Reinigungsmittel nichts.“
Marquez seufzte genervt auf und ließ sich auf die Schreibtischkante in seinem Büro sinken, eine Position, die nicht nur seinen Colt und sein Dienstgradabzeichen zum Vorschein brachte, sondern auch seine langen muskulösen Beine – und zwar sehr vorteilhaft. Rick war groß und kräftig gebaut, dabei jedoch schlank. Er hatte die olivbraune Haut der Hispano-Amerikaner und trug das lange schwarze Haar in einem Pferdeschwanz.
Obwohl er sehr attraktiv war, hatte er bisher noch keine feste Freundin. Die meisten Frauen weinten sich nämlich nur wegen anderer Typen an seiner Schulter aus. Wenn sie doch mal Interesse an ihm hatten, brachen sie spätestens dann den Kontakt zu ihm ab, sobald sie feststellten, dass er seine Dienstwaffe auch außerhalb der Arbeitszeit trug.
Also ging er nach wie vor allein in die Oper und in Konzerte. Im Grunde genommen ging er überall allein hin. Er war jetzt fast einunddreißig und einsamer als je zuvor. Was ihn ziemlich reizbar machte.
Und Gwen Cassaway mit ihrer Ungeschicklichkeit machte alles nur noch schlimmer. Sie ermittelten gerade in einem Mordfall – eine hübsche blonde Studienanfängerin war in ihrer Wohnung brutal überfallen und getötet worden. Bisher hatten sie keine Verdächtigen, und die Spuren am Tatort waren auch ohne Gwens Patzer schon unzureichend genug. Sie wäre eben fast in eine Blutlache getreten.
Marquez hatte entsprechend schlechte Laune. Außerdem hatte er Hunger, und es nervte ihn, dass er einen Teil seiner Mittagspause darauf verschwenden musste, ihr den Marsch zu blasen. Aber wenn er das nicht übernahm, würde der Lieutenant es tun, und Cal Hollister hatte ein noch hitzigeres Temperament als Marquez.
„Außerdem setzen Sie damit Ihren Job aufs Spiel“, fügte er hinzu. „Schließlich sind Sie noch neu im Dezernat.“
Gwen verzog das Gesicht. „Ich weiß.“ Sie zuckte die Achseln. „Na ja, wenn es hart auf hart kommt, gehe ich eben wieder zur Polizei nach Atlanta zurück“, sagte sie.
Marquez fiel auf, dass ihre Augen blassgrün waren – fast durchscheinend. Eine solche Farbe hatte er noch nie gesehen. „Sie müssen in Zukunft besser aufpassen, Miss Cassaway“, ermahnte er sie.
„Ja, Sir. Ich werde mein Bestes tun.“
Er versuchte, den Blick von ihrem lächerlichen T-Shirt abzuwenden. Es war mit kleinen grünen Marsmenschen bedruckt, unter denen ‚Haben Sie zufällig irgendwo mein Raumschiff gesehen?‘ stand. Er unterdrückte ein Grinsen.
Gwen zog ihre Jeansjacke enger um sich, als habe sie seine Gedanken erraten. „Sorry. Gibt es hier irgendwelche Vorschriften gegen T-Shirts?“
„Das werden Sie schon herausfinden, sobald der Lieutenant Sie sieht.“
Sie seufzte. „Ich werde mir Mühe geben, in Zukunft weniger aufzufallen. Aber ich komme eben aus einer sehr schrägen Familie. Meine Mutter arbeitete für das FBI, mein Vater ist beim Militär, und mein Bruder …“ Sie schluckte. „Mein Bruder war beim Heeresnachrichtendienst.“
Marquez runzelte die Stirn. „Ist er tot?“
Gwen nickte. Sie konnte noch nicht darüber reden. Der Schmerz über Larrys Verlust war zu frisch.
„Tut mir leid“, sagte er unbeholfen.
Sie blickte zu Boden. „Larry starb während eines verdeckten Einsatzes im Mittleren Osten. Er war mein einziger Bruder. Es fällt mir sehr schwer, darüber zu reden.“
„Kann ich verstehen.“ Rick stand auf und warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Zeit zum Mittagessen.“
„Also, ich habe schon etwas anderes vor …“, begann sie hastig.
Er sah sie irritiert an. „Das war nur eine Bemerkung, keine Einladung. Ich gehe grundsätzlich nicht mit Kolleginnen aus.“
Gwen lief hochrot an. „Sorry. Ich war nur … ich meine …“
Er machte eine ungeduldige Geste. „Schon gut. Kümmern Sie sich bitte um eine vernünftige Sehhilfe. Sie können unmöglich einen Tatort untersuchen, wenn Sie nichts erkennen!“
Sie nickte. „Ja, Sir. Selbstverständlich.“
Er öffnete die Tür und ließ ihr den Vortritt. Dabei fiel ihm auf, dass sie gut roch. Sie duftete wie die Rosen im Garten seiner Adoptivmutter in Jacobsville, aber sehr dezent. Manche ihrer Kolleginnen überschütteten sich förmlich mir Parfum und wunderten sich dann über Kopfschmerzen und Allergien.
Vor der Tür blieb Gwendolyn so abrupt stehen, dass Rick sie von hinten anrempelte. Unwillkürlich legte er ihr die Hände auf die Schultern, damit sie nicht umkippte.
„Tut mir leid!“, rief sie erschrocken. Schade, dass er seine Hände gleich wieder wegnahm. Sie hatten sich so gut auf ihren Schultern angefühlt.
„Was ist los?“, fragte er ungeduldig.
Gwen konnte sich nur mühsam auf das Gespräch konzentrieren. Detective Sergeant Marquez war wirklich unglaublich sexy. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen, seit sie vor ein paar Wochen zu seinem Team gestoßen war. „Ich wollte Sie nur fragen, ob ich Alice Fowler im kriminaltechnischen Labor auf die Untersuchungsergebnisse der Digitalkamera ansprechen soll, die wir in der Wohnung der Ermordeten gefunden haben. Inzwischen hat sie vielleicht ein paar Hinweise gefunden.“
„Gute Idee. Machen Sie das.“
„Okay, dann schaue ich dort gleich nach der Mittagspause auf dem Rückweg vorbei“, sagte Gwen, froh über Marquez’ Reaktion. „Danke.“
Rick nickte jedoch nur geistesabwesend. In Gedanken war er bereits bei dem leckeren Boeuf Stroganoff, das er sich gleich bestellen wollte. Er freute sich schon die ganze Woche darauf. Da heute Freitag war, konnte er mal ein bisschen über die Stränge schlagen.
Am nächsten Tag hatte er frei. Er hatte seiner Adoptivmutter Barbara versprochen, ihr beim Einwecken der Tomaten zu helfen, die ihr ein befreundeter Biogärtner geschenkt hatte. Sie bereitete die Gerichte in ihrem Café in Jacobsville nämlich gern mit Biozutaten zu.
Er hatte Barbara viel zu verdanken. Sie hatte ihn nach dem Tod ihres Mannes und dem seiner Mutter und seines Stiefvaters adoptiert, was er ihr gar nicht hoch genug anrechnen konnte. Damals hatte er nämlich als extrem gefährdeter Jugendlicher gegolten. Auf der Highschool war er ständig in Prügeleien geraten und hatte auch sonst allerlei angestellt. Barbara hatte ihn trotzdem bei sich aufgenommen.
Inzwischen liebte er sie genauso wie seine echte Mutter und empfand ihr gegenüber einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Nur an seinen Stiefvater dachte er nicht gern zurück.
Eins allerdings störte ihn an ihr: Dass sie ihm ständig in den Ohren lag, endlich zu heiraten und eine Familie zu gründen. Immer wieder versuchte sie ihn zu verkuppeln, aber irgendwie schien er auf dem Heiratsmarkt der ewige Ladenhüter zu sein.
Gwen sah Rick hinterher, als er hinausging. Das Missverständnis wegen der Mittagspause eben war ihr total peinlich. Marquez hatte ganz offensichtlich kein Interesse an ihr, auch wenn sie von ihren Kollegen wusste, dass er keine Freundin hatte. Schade, aber leider nichts Neues.
Gwen war sich bewusst, dass sie nicht besonders hübsch war. Sie kleidete sich auch nicht gerade aufreizend, und sie hatte ziemlich altmodische Moralvorstellungen. Die meisten Männer standen nun einmal nicht auf Frauen, die Sex vor der Ehe für eine Sünde hielten.
Sie war mal mit einem Mann ausgegangen, der fast vor Lachen zusammengebrochen war, als sie ihm das erzählt hatte. Doch dann war er wütend geworden und hatte ihr Vorhaltungen gemacht, sich von ihm ins Theater und zum Essen einladen zu lassen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bringen. Die Erfahrung war ihr eine Lehre gewesen. „Ich bin wie Don Quijote“, murmelte sie vor sich hin.
„Dafür hast du aber das falsche Geschlecht“, bemerkte Detective Sergeant Gail Rogers belustigt, die ihre Bemerkung aufgeschnappt hatte. Sie und Gwen hatten sich in den letzten Wochen angefreundet, und Gwen bewunderte die ältere Frau sehr. „Warum vergleichst du dich mit Don Quijote?“
Gwen blickte sich verstohlen um. Gott sei Dank war gerade niemand in Hörweite. „Sex vor der Ehe ist für mich tabu“, flüsterte sie. „Die Männer halten mich deshalb für verrückt.“ Sie zuckte die Achseln. „Ich bin wie Don Quijote, der in einer dekadenten Welt für Moral und Anstand kämpft.“
Gail Rogers lächelte. „Auf seine Art war er sehr nobel. Ein Idealist und ein Träumer.“
„Leider war er auch total durchgeknallt“, sagte Gwen seufzend.
„Stimmt, aber er gab den Menschen um sich herum das Gefühl, wertvoll zu sein. Zum Beispiel der Prostituierten, die er zu einer großen Lady idealisierte. Er hat den Menschen...




