E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Porter Einfach tierisch!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2988-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
ISBN: 978-3-7515-2988-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was für ein Glück: David hat von einer Unbekannten mehrere Millionen Dollar geerbt! Dafür muss er sich um den Hund der Verstorbenen kümmern. Ausgerechnet er, der mit Tieren nichts anfangen kann! Doch dann trifft er Emily, Besitzerin einer Tierpension. Um sie zu erobern, ist er zu allem bereit ...
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1. KAPITEL
„Das ist doch wohl ein Scherz, Mr. Trenton. Ihr gesamtes Vermögen hat sie mir hinterlassen?“ David umklammerte den Telefonhörer. Der Anwalt am anderen Ende der Leitung musste sich irren. „Aber ich kenne diese Amelia Stanford ja gar nicht. Wieso sollte sie mir Millionen von Dollars vererben? Sind Sie sicher, dass Sie mit dem Richtigen sprechen? David Andrew Sullivan, Steuerberater in Washington, D. C.?“
Als Antwort las der Anwalt David fast seinen kompletten Lebenslauf vor, sodass David schließlich eingestehen musste: „Ja, das bin ich. Aber verstehen kann ich es immer noch nicht. Das ergibt … Gut, ich will das auch aufklären, aber ich kann nicht nach Virginia fahren. Wie bitte? Nein, das geht wirklich nicht. Ich habe sehr viel zu tun. Und heute Abend fliege ich nach Colorado. Wie bitte? Lebendig? Was ist lebendig?“ Ungläubig verzog er das Gesicht und richtete sich auf. „Bitte, Mr. Trenton, erklären Sie mir doch mal, was genau verstehen Sie unter ‚lebendig‘?“
Doch das wollte Mr. Trenton nicht. Stattdessen verlegte er sich auf Ausreden und sagte, das gehe nicht am Telefon. Das Testament sei in diesem Punkt ganz eindeutig und so weiter. David hörte nicht mehr genau zu und wartete auf eine Gelegenheit, den Redeschwall zu unterbrechen, um noch einmal zu betonen, dass er sich heute auf keinen Fall mit ihm treffen könne. Flüchtig sah er auf seinen Tischkalender. Freitag, 27. Oktober, 13 Uhr 30. Für den Nachmittag hatte er noch drei Termine. Nichts Aufregendes, aber es würde spät werden.
Während er dem Anwalt nichtssagende Antworten gab, blätterte er in seinen Notizen nach dem Flugtermin. Er wollte nach Denver zu seiner jüngeren Schwester Alicia, die nächsten Donnerstag heiratete. Nicht ohne dich, hatte sie ihm gesagt, und David schüttelte lächelnd den Kopf. In den Augen seiner Schwester war er ein langweiliger Workaholic. Und genau deswegen hatte sie ihm gedroht, dass er entweder sein Büro eine Woche lang schloss und an den gesamten Feiern vor der Hochzeit teilnahm, oder sie würde die gesamte Festgesellschaft mitsamt der verrückten Familie zu ihm bringen. Es sei seine Wahl, und David hatte sich klugerweise dafür entschieden, eine Woche freizunehmen. Heute sollte es losgehen.
In gewisser Weise hatte Alicia recht. Seit über einem Jahr war er nicht mehr in Denver gewesen, und es war wirklich an der Zeit für einen Besuch. Ein bisschen Entspannung konnte ihm nur gut tun. Die Koffer lagen bereits gepackt im Auto. David brauchte nur noch mit drei Klienten zu sprechen und dafür zu sorgen, dass alle Angelegenheiten im Büro geklärt waren, dann konnte er zum Flugplatz fahren. Sonst würde es nicht lange dauern, und seine gesamte Familie stand bei ihm vor der Tür. Das war das Letzte, was er wollte. Und deswegen würde Mr. Trenton ihn durch nichts umstimmen.
Genau das sollte er ihm jetzt sagen. „Mr. Trenton, es tut mir leid, Sie zu unterbrechen, aber ich darf heute Abend meinen Flug nicht verpassen, und ich komme erst am Dritten wieder. Wie wäre es am Montag, dem sechsten November? Ich kann gern … Wie? Ob ich dranbleiben kann?“ Anscheinend setzte der Anwalt das voraus, denn David hörte auf einmal Geigenmusik vom Band.
Er biss die Zähne zusammen. Maximal zwei Minuten würde er dem Mann geben. Er blickte auf seine Uhr und sah aus dem Fenster. Es stürmte, und der Regen peitschte gegen die Scheibe. Bei diesem Wetter sollte er nach Virginia fahren? Nie im Leben. Auch nicht für eine Million Dollar.
Dann wurde David bewusst, dass es hier tatsächlich um eine Million ging. Genauer gesagt um mehrere Millionen. Sein Magen krampfte sich zusammen. Und da ließ er sich von etwas Regen abhalten? War er eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Eigentlich sollte er längst im Auto sitzen und sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen übertreten. Mit gezücktem Stift in der Hand, um möglichst schnell zu unterschreiben. Worüber regte er sich denn auf? Was machte es schon, wenn er sich an die alte Dame nicht mehr erinnerte, die ihm ihr ganzes Geld vermacht hatte? Und etwas Lebendiges, nicht zu vergessen. Also schön, dann lebte es eben. Mit mehreren Millionen ließ sich da sicher eine Lösung finden. Vorausgesetzt, er bekam den Hintern hoch und vergaß für heute Nachmittag die Arbeit. Ab heute würde er dann ohnehin nicht mehr arbeiten müssen. Er würde nur noch sein Vermögen verwalten, sonst nichts.
Mittlerweile war er wirklich aufgeregt und konnte kaum noch erwarten, dass Mr. Trenton wieder an den Apparat kam. In Gedanken bedankte er sich bei Amelia Stanford, der lieben Frau, wer immer sie auch gewesen war. Hatte er ihr irgendwann einmal geholfen? War sie eine Klientin von ihm gewesen? Oder war sie einfach nur etwas verrückt gewesen und hatte mit geschlossenen Augen ins Telefonbuch getippt? Das hatte es alles schon gegeben.
David dachte immer eingehender über seine unbekannte Wohltäterin nach. Zur Familie gehörte sie sicher nicht, denn seine Großmutter hatte den gesamten Stammbaum erforscht und erzählte oft und gern von jedem Einzelnen, egal, ob angeheiratet oder nicht. Sie wusste alle Einzelheiten und verkündete sie hemmungslos bei Familienfeiern. Bei solchen Anlässen konnte man sicher sein, irgendwann vor Verlegenheit einen roten Kopf zu bekommen.
Davids Mom und Dad passierte das auch regelmäßig, und bei dem Gedanken musste er lachen. Er liebte seine Eltern, aber es hatte seinen Grund, dass er sich aus der Ferne um alle finanziellen und rechtlichen Dinge der Familie kümmerte. Abgesehen von Alicia und ihm waren alle Familienangehörigen total verrückt. Seine Eltern waren in die Jahre gekommene Hippies, die gerade in England waren, um dort die kosmische Strahlung von Stonehenge aufzunehmen. David schüttelte den Kopf, als er daran dachte, wie er die beiden deswegen vor ihrer Abreise aufgezogen hatte. „Ihr seid wirklich seltsame Leute“, hatte er ihnen gesagt, „wollt ihr nicht wenigstens eine Landkarte mitnehmen?“ Das hatte ihm nur empörte Blicke eingebracht, und sofort hatten seine Eltern lautstark überlegt, wie es bloß geschehen war, dass sie ein so vernunftorientiertes Kind in die Welt gesetzt hatten.
Seufzend dachte David daran, dass er eigentlich Human Delight und seine Schwester Daisy Freedom hatte heißen sollen. Lediglich seinen Großeltern hatte er seinen schlichten Namen zu verdanken. Alle vier Großeltern hatten Herzinfarkte und Schlaganfälle angedroht, falls ihre Enkelkinder keine normalen Namen bekamen. David dachte an seine beiden Großeltern, die auch nach Denver flogen. Sogar seine Eltern würden morgen Abend aus London abfliegen. Er stellte sich vor, wie er seinen Verwandten während der Hochzeitsfeier von dieser seltsamen Erbschaft erzählte, die ausgerechnet an ihn fiel, obwohl er von allen nur als Mr. Vernünftig bezeichnet wurde.
Sicher würden alle ausflippen. Genau wie er selbst, falls dieses Lebewesen ihn irgendwie davon abhielt, zu der Feier zu kommen. Nein, so etwas passierte sicher nicht. Kein Gesetz konnte ihm vorschreiben, dass er dieses Wesen heute noch abholen musste, oder doch? Er würde die mysteriöse Kreatur bei seiner Rückkehr mitnehmen. Schließlich war er von nun an reich, vorausgesetzt, Mr. Trenton kehrte irgendwann wieder ans Telefon zurück, damit David ihm mitteilen konnte, dass er bald kam. Aber wieso wollte Mr. Trenton ihm nicht verraten, um was für ein Lebewesen es sich handelte? Das machte David ein bisschen Angst.
Was mochte es sein? Ein kleines Kind? Niemals. Oder eine exotische Echse? Ein seltener Vogel? Ein Pilz oder ein gefährlicher Virus, der den ganzen Planeten entvölkern konnte? Nachdenklich wiegte David den Kopf. Nie im Leben würden die Behörden einfach so zusehen, wie irgendeine alte Frau so einen Organismus einfach vererbte. Meine Fantasie geht mir durch, sagte er sich. Ich bin nur neugierig, und das ist bei meinem sonst so nüchternen Leben auch kein Wunder.
Unwillkürlich richtete er sich auf. Jetzt klang er schon wie seine eigenen Eltern. Andererseits saß er hier im Anzug im Herzen von Washington, D. C., und führte ein langweiliges Leben. Was soll’s? fragte er sich. Hol dir das Geld, und lass alles Weitere einfach auf dich zukommen. Was soll schon passieren?
Andererseits waren seine letzten Abenteuer als Katastrophe geendet. Zum Beispiel die Wildwasserfahrt im letzten Sommer mit seiner damaligen Freundin Philippa. Aber woher hätte er auch wissen sollen, dass sie nicht schwimmen konnte? Und schließlich war sie ja nicht ertrunken. Wie kam eine Frau überhaupt zu so einem Namen? Vergiss sie, sagte er sich. David, du bist jetzt dreißig und wirst anscheinend langsam alt und sentimental.
Endlich kam Mr. Trenton wieder ans Telefon und entschuldigte sich. „Schon gut“, fiel David ihm ins Wort. „Ich habe es mir anders überlegt. Ich komme sofort und muss nur vorher noch meine Termine verschieben. Weinen Sie, Sir? Nein? Es klang so. Nein, natürlich ist es mir Ernst. Wenn ich sage, ich komme, dann komme ich auch. Aber dieses Lebewesen kann ich nicht sofort mitnehmen. Wie bitte? Ich soll mir keine Sorgen machen, weil es in einem sicheren Behälter steckt?“
In einem sicheren Behälter? War es denn radioaktiv? David rieb sich das Gesicht. Dann versprach er dem Anwalt: „Ich schwöre Ihnen, Mr. Trenton, dass ich mich gleich auf den Weg mache. Ja, ich weiß. Tysons Corner. Gut, dann schreibe ich mir die Adresse noch einmal auf. Wie bitte? Oh, danke. Bestimmt sind Sie auch ein guter Mensch. Ja. Bis dann.“
Stirnrunzelnd legte David auf und sah das Telefon an. Dann blickte er auf die geschlossene Bürotür. Sein Magen verkrampfte sich. Jetzt blieb ihm noch die Auseinandersetzung mit Mrs. Hopemore. Seine eigenwillige Sekretärin war eine Freundin seiner...