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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 218 Seiten

Reihe: Der Magie verfallen

Rast Stollenblut

Der Magie verfallen VI
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7394-1418-8
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Der Magie verfallen VI

E-Book, Deutsch, Band 6, 218 Seiten

Reihe: Der Magie verfallen

ISBN: 978-3-7394-1418-8
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Der Magie verfallen - das ist eine Gay-Fantasy-Reihe um Krieger und Magier, Priester und Diebe. Jeder Roman erzählt die Romanze zweier gegensätzlicher junger Männer - zwischen Gefahren, Abenteuern und großen Gefühlen. Die winterliche Ungastlichkeit der Minenkolonie ist ein Schock für den schüchternen Enris. Doch hier, wo das wertvolle Stollenblut abgebaut wird, treibt ein Mörder sein Unwesen. Im Kielwasser von Magister Fennlen taucht der kleine Schreiber in eine fremdartige Welt ein. Während Fennlen Verhöre vornimmt, macht Enris sich mit seiner neuen Umgebung vertraut und trifft auf den charismatischen Hünen Arev, mit dem er rasch im Bett landet. Doch weitere Morde geschehen, Arev gerät unter Verdacht, und schließlich muss selbst Enris einsehen, dass der Geliebte ganz eigene Gründe hat, in den Stollen alten und neuen Geheimnissen nachzuspüren ...

Geboren 1968 als echte Kieler Sprotte im nördlichsten Bundesland, wohne ich mit vielen Tieren auf dem Land. Nun habe ich neben meinen bisherigen und zukünftigen Verlagsveröffentlichungen das Abenteuer Selfpublishing für mich entdeckt. Ich schreibe Fantasy in allen möglichen Richtungen: Urban, Geistergeschichten, Gay Romance und Heroic Romance ('Schmachten & Schlachten', wie ich dieses Subgenre mit einem Augenzwinkern nenne) und noch viel mehr.
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1.


Frostiger Empfang


Wenn im wichtigsten Bergwerk des Königreichs ein Vorarbeiter verschwand und drei Tage später in einem Abwassergraben von Geiern entdeckt und begeistert als Frühstück begrüßt wurde, konnte das eigentlich nur einen der Magister auf den Plan rufen. Dieser hatte dann sich selbst und umfangreiches Gepäck in eine Kutsche zu verfrachten, um sich auf die beschwerliche Reise zu machen. Das Unglück wollte es leider, dass dieser Magister beim Kofferpacken auf die Idee gekommen war, seinen jungen Schreiber ebenfalls den Strapazen einer solchen Fahrt zu unterwerfen, damit unterwegs alle noch vorliegende Arbeit erledigt werden konnte.

Und so saß Enris über Pergamentrollen gebeugt und im flackernden Licht einer schaukelnden Laterne in der Kutsche. Er fror sich die Zehen ab und schrieb mühsam eine sich in juristischen Spitzfindigkeiten ergehende Antwort, die der Magister ihm diktierte. Die Feder kratzte über das Pergament. Enris‘ Atem blieb als weißes Wölkchen zwischen seinem Gesicht und der Schreibunterlage hängen. Die kalten Finger schmerzten von der Feder. An diesem Abend hätte Enris mit Freunden seinen Geburtstag feiern wollen. Natürlich war die Untersuchung des Vorfalls in der Mine wichtig, das sah er ja ein, doch wäre er jetzt gerne überall außer auf dem Weg in verschneite Ödnis. Er tauchte die Feder in das Tintenfass und schrieb hastig weiter. Aber musste der Magister unbedingt nach dem Sprichwort verfahren, dass geteiltes Leid halbes Leid wäre?

Enris zog die Nase hoch und ließ die Feder hastig weiter über das Pergament fliegen. Das Schönste an diesem Brief war ja, dass er ihn später in einem Herbergszimmer oder nach Ankunft in der Minenkolonie noch einmal in Schönschrift abschreiben durfte. So er denn sein eigenes Gekritzel dann noch entziffern konnte.

Ein Kutschenrad fand ein Schlagloch. Tinte spritzte aus dem Fässchen und machte das bislang Verfasste noch ein klein wenig unleserlicher. Dann endlich erklang der Ruf, auf den Enris seit Stunden wartete. Der Kutscher ließ die stämmigen Pferde in Schritt fallen und sprach besänftigend auf sie ein. So freundliche Worte hätte Enris auch gerne einmal in Bezug auf die eigene Person gehört. Stattdessen rümpfte der Magister die gebogene Nase und murmelte etwas von faulen Pferdeknechten, die die erstbeste Möglichkeit für eine Übernachtung ansteuerten.

»Dann packe ich zusammen, Herr?«

»Tu das. Das ist wirklich Zeitverschwendung. Die Pferde sind doch noch frisch. Wir hätten gut und gerne noch fünf oder sechs Meilen schaffen können. So weit entfernt kann die Mine gar nicht mehr sein.«

Enris nickte nur, schraubte das Tintenfässchen zu und verstaute seine Feder, rollte das Pergament auf und packte es mit der hölzernen Unterlage in seine Mappe. Er freute sich auf einen Teller voll warmer Suppe, auf ein Kaminfeuer, vor dem er seine armen Füße und Hände auftauen konnte, auf ein Zimmer, das nicht schaukelte und in Schlaglöcher rumpelte.

Licht fiel von draußen in die Kutsche, und Enris beugte sich ein wenig vor, um den Gasthof in Augenschein zu nehmen. Wechselstationen gab es alle paar Meilen am königlichen Hochweg, doch dieses Mal schien der Kutscher eine kleine Ortschaft angesteuert zu haben. Wann der Wagen wohl den Hochweg verlassen hatte? Enris hatte das gar nicht bemerkt.

Nun sah er flache Gebäude, Fackelschein und schließlich einen größeren Platz, auf den die Kutsche rumpelte. Bewegung aus einer Toreinfahrt, da Stallknechte zu den Pferden eilten.

Der Schlag der Kutsche wurde geöffnet. Enris drückte seine Mappe vor die Brust und kletterte über die ausklappbaren Stufen hinaus, atmete leise auf, als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürte. Gefühlte Ewigkeiten lang war er schon in diesem eisigen Kasten eingesperrt. Es laugte ihn aus. Doch gehorsam, wie es einem kleinen Schreiber des Magistrats zukam, wandte er sich sofort um und reichte seinem Herrn die Hand, um diesem den Ausstieg zu erleichtern.

»Mir scheint, wir sind angekommen«, sagte der Magister.

»Angekommen?«, fragte Enris überrascht nach, bevor er den Kopf hob und sich umsah. Eine Siedlung, Fackeln, Rauch … und hinter dem Licht als gezackte schwarze Form erkennbar ein Gebirgszug, dessen Konturen vom sternenübersäten Himmel hervorgehoben wurden. Wirklich schon da? Kein Wunder, dass Enris sich wie zerschlagen fühlte, da die weite Reise vom Königshof bis zu dieser von allen Göttlichen verlassenen Minenkolonie in tiefster Einöde binnen vier Tagen gemeistert worden war.

Eine Gruppe dick vermummter Gestalten stand im Leuchtkreis der Kutschlaternen und beobachtete schweigend Fennlens Ausstieg aus dem Wagen. Ein Willkommen der unterkühlten Art, wie Enris fand, den dies ebenso einschüchterte wie die unwirtliche Umgebung.

»Du bist vom König gesandt worden?«, fragte ein überaus großer Mann mit wildem Bart und lederner Kleidung gerade den Magister. Der Bärtige war nahezu so breit wie hoch, und am Ende der muskelbepackten Arme baumelten zwei schaufelgroße Hände.

Enris unterdrückte tapfer den Wunsch, dichter an seinen Herrn zu rücken und dessen hagere Gestalt als Bollwerk gegen den Hünen zu nutzen.

»Allerdings. Ich bin Magister Fennlen und beauftragt, den Todesfall zu untersuchen.«

»Welchen?«

»Guter Mann«, antwortete Fennlen spröde, »diese Antwort zeugt von mangelnder Bereitschaft, mit mir als Vertreter der königlichen Verwaltung zusammenzuarbeiten.«

»Gar nicht, Herr. Ich meinte die Frage ernst. Drei Tote, und als Minenfürst würde ich es sehr begrüßen, wenn du dich um alle Fälle kümmerst. Morgen. Nach dem Frühstück. Ich zeige dir deine Unterkunft.«

Enris starrte fassungslos, wartete darauf, dass Fennlen Fragen stellte, Aufklärung verlangte, während er selbst sich durchaus ängstlich fühlte, was denn in der Kolonie los wäre, welche Gefahren dort lauern konnten. Doch Fennlen presste die ohnehin schmalen Lippen fest aufeinander und gab seinem Schreiber durch einen knappen Wink zu verstehen, dass hier und jetzt weder der richtige Ort noch der geeignete Augenblick für ausführliche Befragungen wäre.

Schwer beladen mit Schreibmappen und weiterem Gepäck folgte Enris also seinem Herrn, erhaschte links und rechts einen Blick auf kräftige Männer, drahtige Frauen, rustikale Häuser und neugierige Kinder. Er betete stumm zu einer gnädigen Göttlichen, dass der Kutscher oder einige der Stallburschen mit dem Rest des Gepäcks nachkamen. Die eigenen Habseligkeiten stellten dabei nicht das Problem dar, aber der Magister reiste offenkundig mit seinem halben Hausstand.

Ein wenig außer Atem erreichte Enris schließlich das Gebäude, über dessen Schwelle Fennlen soeben auf seinen langen Storchenbeinen trat. Enris fühlte sich wie ein nicht beachteter Packesel, während dem Magister offenbar ein Zimmer oder mehr zugewiesen wurde und sein Schreiber immer noch draußen stand.

Wehe, es wurde von Enris erwartet, dass er in einer Ecke der Kammer auf dem Fußboden schlief. In einem Gasthof war das tatsächlich einmal so gewesen, und am nächsten Tag hatte Enris sich mindestens zweihundert Jahre alt gefühlt. Wie gut, dass Fennlens Strohsack blutsaugende Mitbewohner aufgewiesen hatte, denn deswegen war der Magister für das Leid anderer empfänglich gewesen und hatte dem Gastwirt am nächsten Morgen eine lange, eiskalte Rede gehalten.

Der Mann schien keine Müdigkeit zu kennen, und sollte Enris im gleichen Zimmer wie der Magister landen, stand das nächtliche Programm schon fest: den verflixten Brief abschreiben, vielleicht noch drei weitere diktiert bekommen. Dabei schlief er doch fast schon im Stehen ein! Und ihm war immer noch kalt, die Riemen des Gepäcks schnitten in Schultern und Finger.

Endlich ein Wink, der Enris gestattete, in das Haus zu treten und sich dann dem Minenfürsten anzuschließen, der ihn eine enge Stiege hinauf in den ersten Stock führte. Dort fielen die Abstände zwischen den Türen deutlich geringer aus, was auf winzige Schlafkammern schließen ließ. Gleichgültig, so lange nur eine kleine Feuerstelle vorhanden war.

»Ich schicke dir jemanden mit Suppe und Kohlen«, versprach der Gastgeber und entschwand, nachdem er eine Tür geöffnet und eine … eine Abstellkammer offenbart hatte.

Enris war kärgliche Unterkünfte aus der Schule gewohnt. Im Haus des Magistrats, wo Heerscharen von unbedeutenden Schreibern wohnten, konnte niemand behaupten, dass die Schlafräume großzügig bemessen waren. Doch dies hier … Ein schmales Bett, daneben gerade genug Platz, um sich zwischen Wand und Schlaflager hindurchzuzwängen. Ein winziger Ofen von der Größe eines kleinen Kochtopfs, drei Haken an der Wand und ein Fensterchen, aus dem Enris mit viel Glück eine Hand strecken konnte. Falls er das wollte, denn draußen war es bitterkalt.

Er lud sein Gepäck auf der welligen Matratze ab, schloss den Fensterladen und ließ sich dann auf seinem Lager nieder, schlang die Arme um den Oberkörper und fror noch mehr, weil das hier alles so erbärmlich aussah. Wenigstens saß er nun im Dunklen. Vielleicht wäre es weise gewesen, erst nach einer Kerze und einer Feuerbüchse zu suchen, bevor er den Fensterladen schloss? Enris klapperte mit den Zähnen und hoffte, dass zusammen mit Essen und Kohlen auch Licht in die Enge der Kammer gelangen würde. Er versuchte, sich ein wenig Mut zuzureden, dass es in der Kammer bestimmt schnell wärmer werden konnte, weil sie so winzig war. Das war ein nicht zu verachtender Vorteil.

Vielleicht sollte er die Tür einen Spalt öffnen, damit derjenige, der ihm Essen und Kohlen bringen sollte, den Weg leichter fand. Enris stand also auf, zwängte sich am Bett...



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