E-Book, Deutsch
Reihe: Julia
Rawlins Prickelndes Abenteuer in Manhattan
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2920-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2920-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spontan macht Emily eine Woche Urlaub in Manhattan. Shoppen, Sightseeing - und vielleicht sogar heißer Sex? Ihr pikanter Wunsch scheint sich zu erfüllen, als sie mit einem breitschultrigen Fremden das Taxi teilt. Direkt zu seinem Penthouse ...
Endlich daheim - so fühlt Debbi Rawlins sich, seit sie mit ihrem Mann in Las Vegas, Nevada, lebt. Nach viel zu vielen Umzügen beabsichtigt sie nicht, noch ein einziges Mal den Wohnort zu wechseln. Debbie Rawlins stammt ursprünglich aus Hawaii, heiratete in Maui und lebte danach u.a. in Cincinnati, Chicago, Tulsa, Houston, Detroit und Durham, North Carolina. Selbst wenn sie aus Las Vegas wegziehen wollte, wäre es unmöglich: Ihre vielen Freunde würden es nicht zulassen! Das Gästezimmer steht selten leer, denn ihre Freundinnen - darunter viele Autorinnen - sind äußerst gesellig und lieben Las Vegas. Eine sehr gute Freundin kam vor einem Jahr mit ihren drei Katzen zu Besuch und wohnt noch immer bei Debbi Rawlins!
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1. KAPITEL
„Oh, du bist blond.“ Emily öffnete die Haustür ganz und nahm ihrer Schwester dann zwei ihrer Einkaufstaschen ab.
„Seit gestern. Wie findest du es?“
„Sehr schön. Total natürlich.“
„Nicht wahr?“ Pam fegte an ihr vorbei und neigte den Kopf, damit sie ihr Spiegelbild in der Standuhr erhaschen konnte, die die Diele der Carters seit drei Generationen zierte.
Ein frischer Herbstwind wehte zwei gelbe Blätter herein. Emily warf einen Blick nach draußen, um sich zu vergewissern, dass nicht noch eine ihrer Nichten hinterherkam, dann schloss sie die Tür. Ihre Schwester gehörte zu jenen Menschen, die einen Raum auszufüllen, den ganzen Sauerstoff zu absorbieren und alle anderen zu verdrängen schienen. Manchmal schloss das auch ihre Kinder ein. Es war keine Absicht und sie meinte es nie böse, aber so war sie nun einmal.
„Obwohl mir deine Haare auch in Rot gefallen haben“, ergänzte Emily, während sie ihrer älteren Schwester ins Wohnzimmer folgte und sie darum beneidete, wie der kurze graue Bleistiftrock ihre langen Beine zur Geltung brachte. Pam war groß und elegant, ihre jüngere Schwester Denise hingegen zierlich und wahnsinnig liebenswert. Emily lag genau in der Mitte, durchschnittlich in jeder Hinsicht. Was keine große Sache war. Als Teenager, klar. Aber jetzt nicht mehr, mit achtundzwanzig.
Pam schnaubte. „Goldbraun, nicht Rot. Wo ist Mom?“
„Sie ist draußen und holt die letzten Rosen aus dem Gewächshaus. Was ist in den Tüten?“
„Weihnachtsgeschenke.“
„Und statt sie mit nach Hause zu nehmen, hast du sie hierhergebracht, weil …?“ Emily glaubte, die Antwort zu kennen.
„Damit du sie einpacken kannst. Eilt nicht.“
„Äh, ja, Thanksgiving ist ja auch erst in drei Wochen.“
Pam ignorierte Emilys Sarkasmus, kippte die Tüten auf der hellbraunen Ledercouch aus und blickte dann stirnrunzelnd auf ihre Armbanduhr. „Ich hoffe, Denise kommt nicht zu spät. Mark und ich haben heute zum Abendessen einen Tisch im Club reserviert.“
„Denise kommt auch?“
„Oh, hat dir denn niemand gesagt, dass wir uns heute treffen?“
Seufzend schüttelte Emily den Kopf. Wieso auch? Sie war doch immer hier. Sie arbeitete zu Hause, verbrachte ihre Freizeit mit Lesen oder Kochen und ging an einem Samstagabend höchstens aus, wenn sie als Last-Minute-Babysitterin für ihre Nichten gebraucht wurde. „Was gibt’s denn?“
„Wir besprechen das Thanksgiving-Dinner.“ Pam ging hinüber zu der kleinen Bar und mischte sich einen Martini. Sie stellte die Flasche Gin ab und beäugte kritisch Emilys ausgebeulte Lieblingshose. „Ich kann nicht glauben, dass du die immer noch hast.“ Ihr Blick wanderte zu den flauschigen rosa Hausschuhen. „Oh mein Gott.“
„Was?“ Emily sah nach unten. Okay, nach all den Jahren sahen sie ziemlich schäbig aus. „Ich gehe damit ja nicht vor die Tür.“
„Aber was ist, wenn jemand klingelt?“
„Wer denn zum Beispiel?“
„Na, dieser süße UPS-Typ, der deine Manuskripte liefert.“
Emily seufzte. Traurig, dass er mal das Highlight ihrer Woche gewesen war. Zum Teufel, ihres Lebens. Es war sogar so weit gegangen, dass sie sich Wimperntusche aufgetragen hatte, wenn sie wusste, dass er kommen würde. „Sie haben seine Route geändert.“
„Hm. Und wer kommt stattdessen?“
„Eine Frau.“
„Schade. Dein einziger Lichtblick ist weg.“ Pam trank einen Schluck ihres Martinis. „Du musst wirklich mehr rauskommen.“
„Vielen Dank, aber mein Leben gefällt mir. Allein wie viel Geld ich für Klamotten spare, wenn ich von zu Hause aus arbeite.“
„Offensichtlich.“
Emily rollte mit den Augen. Sie liebte ihre Schwester, wirklich. Aber manchmal konnte Pam echt nervig sein. „Ich glaube, ich habe eine Autotür gehört“, murmelte sie und ging zum Fenster. Sie entdeckte ihre jüngere Schwester, die in einem sehr schicken lilafarbenen Hosenanzug aus Seide und unmöglich hohen Absätzen ihren roten Schopf gegen den Wind neigte, während sie den Gehweg hinaufeilte.
„Denise?“
„Ja.“
„Gut. Dann geh Mom holen, ja? Ich muss kurz Mark anrufen.“
Mit Vergnügen. Dann hätte sie wieder ihre Ruhe. Sie hörte die Haustür, während sie zur Küche auf der anderen Seite des Hauses stapfte. Das war doch wirklich ein Witz. Das Thanksgiving-Dinner besprechen? Sie wusste, wie das laufen würde. Und zwar so, wie es immer lief. Mit ihr als Köchin.
Bevor Emily die Tür erreichte, betrat Laura Carter, die Matriarchin des Carter-Clans, die Küche mit lauter duftenden rosa und gelben Rosen in den Handschuhen.
„Sind die Mädels da?“, fragte sie und schob sich mit dem Handrücken den blonden Bob aus dem Gesicht.
„Ja.“ Emily stellte sich auf die Zehenspitzen, um an die Kristallvase zu kommen, die auf dem fünf Generationen alten Eichenschrank stand. „Du hast gar nicht erwähnt, dass sie kommen würden.“
„Habe ich nicht?“ Sie lächelte. „Tut mir leid, mein Schatz. Bitte nur halb voll, ja?“
Pflichtbewusst füllte Emily die Vase. „Pam und Mark haben einen Tisch reserviert, deshalb ist sie etwas in Eile.“
„Nun ja, sie wird noch ein paar Minuten warten können.“ Sie beschnitt die Stiele und arrangierte die Rosen dann sorgfältig zu ihrer Zufriedenheit.
Emily lehnte sich gegen die Arbeitsplatte und betrachtete ihre Mutter liebevoll bei der Arbeit. In gewisser Weise war sie ihr sehr ähnlich. Definitiv viel entspannter als Pam oder Denise, und mit einer großen Vorliebe für lange, sentimentale Filme und herzergreifende Bücher, die sie bis drei Uhr morgens fesselten.
Umgekehrt waren Pam und Denise geselliger und ehrgeiziger, wie ihr Vater. Zumindest hatte Emily das im Laufe der Jahre in Erfahrung bringen können. Bei seinem Tod war sie acht Jahre alt gewesen, und obwohl sie ihn, zumindest mit Kinderaugen, recht lebhaft im Gedächtnis behalten hatte, verließ sie sich bei den Nuancen seiner Persönlichkeit auf die Erinnerung ihrer Mutter.
Laura trat einen Schritt zurück, um ihr Arrangement zu bewundern. „Ich hätte etwas Grün mitbringen sollen.“
„Du weißt schon, dass die beiden jeden Augenblick nach uns rufen werden?“
„Ehrlich gesagt, bin ich überrascht, dass sie das nicht schon getan haben“, antwortete sie unbekümmert und schob eine rosa Blüte auf die andere Seite der Vase.
Emily kicherte. Ihre Mutter hatte Mut, das musste sie zugeben. Hinter ihrem zierlichen, vornehmen Äußeren war sie ziemlich taff und wusste für gewöhnlich, was sie wollte. Außer, wenn es um Männer ging. Da geriet sie ins Stocken. Es war wirklich traurig – als würde sie immer noch einer so großen Liebe hinterherjagen wie einst mit Emilys Vater.
In dieser Hinsicht war Emily ganz und gar nicht wie ihre Mutter. Männer und Dates waren überhaupt kein Thema. Hauptsächlich weil es an Gelegenheiten mangelte, doch trotzdem lag sie nicht nachts wach und sehnte sich nach jemand ganz Besonderem, nicht einmal nach dem UPS-Typen, so süß er auch war. In der Highschool war sie immer ein Bücherwurm gewesen und konnte die Dates, die sie gehabt hatte, an einer Hand abzählen. Auf dem College hatte es kein nennenswertes oder langfristiges romantisches Intermezzo gegeben. Sie hatte ein paar gute männliche Freunde gefunden, aber das war es auch schon. Egal, in erster Linie war sie mit ihrem Leben zufrieden. Wirklich. Sie hatte ihre Arbeit und ihre Bücher … obwohl sie den Sex manchmal vermisste. Die zweijährige Durststrecke machte ihr allmählich zu schaffen.
Kurz dachte sie über Marnies E-Mail nach. Vielleicht würde sie nächstes Jahr etwas wagen. Wie wär’s mit einer Kreuzfahrt oder einer geführten Tour durch Frankreich und Italien? Genug Geld hatte sie gespart. Sich das Elternhaus mit ihrer Mutter zu teilen, hatte seine finanziellen Vorteile. Laura Carter kam nicht gut mit sich alleine zurecht, und nach der dritten Scheidung hatte Emily sich bereit erklärt, wieder in das große Backsteinhaus zu ziehen, um sich an der Hypothek und den Unkosten zu beteiligen.
Nach zwei Jahren kamen sie noch immer gut miteinander aus und traten sich selten auf den Schlips. In erster Linie, so vermutete sie, weil sie selbst so viel Zeit in ihrem Arbeitszimmer verbrachte und ihre Mutter meist den Tag über unterwegs war. Ironischerweise – eher tragischerweise – hatte Laura mit ihren vierundfünfzig Jahren ein aktiveres Sozialleben als Emily.
„Ich habe nicht den ganzen Abend, ihr beiden!“, rief Pam aus dem Wohnzimmer. „Können wir mal anfangen?“
Emily seufzte. „Ich sage es nur ungern, aber sie hat recht. Bringen wir es hinter uns.“
„Einverstanden.“ Sie warf einen Blick auf die Uhr. „Vielleicht schaffe ich es noch zum Bridge bei Sheila.“
„Ich wüsste nicht, was dagegen spricht“, murmelte Emily. „Sollte nicht lange dauern.“ Ihre Laune war plötzlich im Keller, und sie wusste nicht warum. Es scherte sie einen feuchten Kehricht, dass alle außer ihr heute Abend irgendwo hinmussten. Es war ihr wirklich egal. Ihre Gereiztheit rührte vielmehr daher, dass sie wusste, wie dieses sogenannte Familiengespräch unweigerlich ablaufen würde.
Ohne etwas von Emilys Unmut zu ahnen, ging ihre Mutter voraus ins Wohnzimmer und steuerte direkt auf die Bar zu. Pam und Denise saßen auf dem Ledersofa und nippten an ihren Cocktails. Emily setzte sich auf den zugehörigen Sessel und beobachtete, wie ihre Mutter sich ein Glas Weißwein einschenkte.
„Ich nehme...




