Riebe | Macho! Macho? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Reihe: Frauenromane im GMEINER-Verlag

Riebe Macho! Macho?

Frauenroman
2013
ISBN: 978-3-7349-9210-0
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Frauenroman

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Reihe: Frauenromane im GMEINER-Verlag

ISBN: 978-3-7349-9210-0
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eva Baum hat keine Lust mehr auf eine Beziehung, nachdem ihr Freund sie verlassen hat. Sie beschließt, der Männerwelt zu entsagen, bis plötzlich Amor seinen Pfeil abschießt ... und trifft!

Brigitte Riebe, geboren 1953, bekannt als Autorin historischer Romane, hat unter dem Pseudonym Nina Geiger Frauenromane mit Esprit, Witz und Tiefgang verfasst, die zeigen, dass die alte Geschichte zwischen Frauen und Männern noch lange nicht auserzählt ist ... Sie lebt mit ihrem Mann in München.
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Kapitel 2


Die Stadt empfing sie mit süßlichem Bierdunst, trübe, nasse Winterluft, ohne die geringste Verheißung auf Vorfrühling. Das Pflaster war feucht, die Menschen auf den Straßen machten, dass sie nach Hause kamen. Oder sonstwohin.

Eva stellte den Wagen in der Tiefgarage ab, packte ihre Sachen und stieg die vielen Stufen zum dritten Stock hinauf. Bei jedem Schritt konnte sie spüren, wie ihre Füße sich mehr und mehr in flüssiges Blei verwandelten. Vor dem letzten Absatz widerstand sie dem Impuls, sich wie ein Kind ins dunkle Treppenhaus zu kauern und zu warten, bis irgendjemand sie hereinholen würde.

Als sie ihre Türe aufschloss und nichts als Leere sie empfing, wusste sie auf einmal wieder sehr genau, warum sie so überstürzt ins Tantra-Seminar aufgebrochen war: Tom war ausgezogen, und die Wohnung sah aus wie eine Wunde. An den Wänden waren blinde Bildstellen in bräunlich verschmierte Ränder ausgeblutet, sein Mantel hing nicht mehr schief am Kleiderständer, und der vertraute Geruch nach Pfeifentabak in allen Räumen, ein ewiger Streitpunkt zwischen ihnen, war einer merkwürdig indifferenten Mischung gewichen, die ihr abgestanden entgegenschlug.

Der Mann, mit dem sie mehr als fünf Jahre Herz und Bett geteilt hatte, war überaus sorgfältig bei seinem Auszug vorgegangen. Geradezu generalstabsmäßig. Was umso verwunderlicher war, als er sich vom ersten Tag ihrer Liebe an immer wieder lauthals auf seine durch und durch unpraktische Veranlagung berufen hatte.

Jetzt aber erinnerte nichts mehr an den Tom mit den zwei linken Händen, der ständig seine Schlüssel verlegte, rührenderweise niemals die Handschuhe finden konnte und grundsätzlich beim Einkaufen zwei von drei Dingen vergaß.

Als erstes war der gemeinsam erstandene Computer verschwunden. Dann die riesige Fächerpalme aus dem Wohnzimmer, der Glastisch und die Kommode, die Eva eigenhändig zum letzten Geburtstag für ihn abgebeizt und anschließend muschelgrau lackiert hatte. Wenig später hatte Tom damit begonnen, alle Bücher und Platten penibel in ihren Ursprungszustand auseinanderzudividieren und die Zeitschriftenstöße in der Kammer zu sichten, eine heroische Tat, die zuvor nicht einmal Evas monatelanges Nörgeln zustande gebracht hatte.

In der Woche darauf zerlegte er pfeifend seine Uralt-Regale aus früher Studienzeit und stapelte die Bretter geschickt auf dem Flur. Bis spätabends verpackte er Küchenzeug in Kisten und Körben, mit einer fröhlichen Hingabe, die sie würgen machte. Alles um sie herum geriet unter die Räder seiner widerlichen, selbstgerechten Akribie, mit der er nach und nach ihr gemeinsames Leben in Stücke zerhackte. Selbst den fleckigen weißen Teppich im Gästezimmer, ein Geschenk seiner Mutter, über das sie sich damals beide lustig gemacht hatten, vergaß er nicht.

Ihre letzte und einzige Rettung in jenen grauen Tagen war Lillis und Philipps Dachwohnung gewesen. Dorthin hatte sich Eva verkrochen und eine bange Ewigkeit gewartet, bis es endlich vorüber war und nichts mehr von seinen zahllosen Hemden, Hosen, Socken und dem übrigen Krimskrams zurückgeblieben sein konnte.

Nicht einmal das Bett hatte Tom ihr gelassen. Als sie zwei Tage nach seinem Abgang zitternd die Türe zum Schlafzimmer geöffnet hatte, fand sie zwischen Staubflocken eine flachgelegene Kindermatratze vor. Die langstielige Rose im Einmachglas daneben war sofort ein Opfer ihrer wütenden Tritte geworden, ebenso wie sein Abschiedsbrief, den er glaubte, ihr zu alledem zumuten zu müssen.

Eva, mein Liebes, bitte verzeih mir, wenn Du kannst! Kannst mir glauben, Dir wehzutun, war das Allerletzte, was ich im Sinn hatte! Aber gibt es eben den kosmischen Gong, und genau der hat mich erwischt. Können wir Freunde bleiben? Nicht gleich, aber vielleicht später? Bitte nicht böse werden, wenn Du das liest! Erst einmal setzen und wirken lassen – und dann noch einmal darüber nachdenken, ja?

Vor allem: Das Allerbeste für Dein neues Leben! Ich bin sicher, du findest sehr bald schon den Mann, der Dich wirklich verdient hat.

Tom

P.S. Hab Dir einen Wodka in den Kühlschrank gestellt. Alte Trappererfahrung: Wirkt wahre Wunder an dunkelgrauen Tagen!

Die Flasche, selbstredend Lieblingsmarke seiner Mutter und daher mit Sicherheit aus ihren unerschöpflichen Beständen, fiel Eva wieder ein, als sie jetzt den Eisschrank öffnete. Leer gähnte er ihr entgegen, bis auf ein paar Zitronen und etwas Undefinierbares, was einmal Gemüse gewesen sein musste. Sonst gab es nur noch alte Sardinenbüchsen, drei traurige Eier, sowie eine angegammelte Packung Schwarzbrot. Ihre jämmerlichen Vorratsreste, bevor sie Hals über Kopf zu dem Seminar aufgebrochen war.

Eiswürfel zumindest waren in ausreichender Menge vorhanden. Sie nahm eine Handvoll, goss reichlich Wodka in ein Wasserglas und trank noch im Stehen in kleinen, regelmäßigen Schlucken. Eva schüttelte sich. Es schmeckte nach nichts, allenfalls leicht seifig. Wenigstens machte der ungewohnt starke Alkohol ihren Bauch warm und brachte den schwarzen Alp zum Verstummen, der dort seit Wochen an ihr fraß.

Sie trug Glas und Flasche ins Wohnzimmer, zu dem kleinen Podest, das schon immer ihr Lieblingsplatz gewesen war. Im Erker, unter den beiden hohen Fenstern, die auf die Straße gingen, wickelte sie sich in zwei Decken, schloss ihre Augen und trank entschlossen weiter. Sie ging nicht ans Telefon, obwohl es zweimal klingelte. Eva ließ die Maschine antworten. Zumindest das war unverändert geblieben. Toms Stimme leierte noch immer nasal und arrogant ihren gemeinsamen Text herunter.

Sie konnte auf alle Nachrichten für Eva Baum und Thomas Wolfgang Leidolf nach dem Piepston verzichten. Sie würde niemanden zurückrufen, weder heute noch an den folgenden Tagen. Die Kollegin aus dem Verlag, die ein bestimmtes Dia nicht finden konnte, hatte Pech gehabt. Ebenso wie ihr alter Freund Georg, der auf einmal scharf darauf zu sein schien, Trennungs-News durchzuhecheln.

Sie war nicht da. Es gab sie praktisch gar nicht mehr. Sie blinzelte der Flasche zu, die sich schon merklich geleert hatte.

Keine Kerzen, nicht einmal Musik. Im letzten Augenblick hatte Tom auch den CD-Player eingepackt.

Wenn sie erst einmal den ganzen Wodka intus hatte – vielleicht würde sie sich ganz von selbst auflösen?

Irgendwann musste sie eingeschlafen sein. Das Erwachen war schlimm. Ihr Körper fühlte sich hart und steif an, sie hatte Durst, einen pelzigen Gaumen, und hinter ihren Schläfen pochte wütender Kopfschmerz. Es war noch dunkel draußen, eine jener nebeligen Spätwinternächte, die scheinbar niemals zu Ende gehen. Den Rücken an die Heizung gepresst, starrte Eva blindlings auf die Straße hinaus.

Ob er jetzt schläfrig in ihrem Messingbett lag, seinen Schwanz gegen den Hintern der anderen Frau gepresst, die Dreh- und Angelpunkt seines neuen Lebens war?

Für einen Augenblick sah Eva wie in einem Blitzlichtgewitter Tom und die andere in leidenschaftlicher Umarmung vor sich und glaubte sogar, ihr lautes Stöhnen zu hören. Ihre Hände zitterten; sie fühlte sich einsam wie nie zuvor. Verletzt musste sie an die letzten Male denken, wo Tom und sie es miteinander getrieben hatten.

Es war noch nicht einmal lange her und, zu ihrer eigenen Überraschung, jedes Mal von ihr ausgegangen. Zuerst auf dem Wohnzimmerteppich, das andere Mal in der Badewanne, und wie zum endgültigen Abschied, im ungemachten Bett. Die nahende Trennung hatte eine plötzliche Härte in ihr Zusammensein gebracht, die neu für beide war. Sie hatten nicht »miteinander geschlafen«. Sie hatten beileibe auch keine »Liebe gemacht«. Es waren heftige, schnelle Zusammenstöße gewesen, voller versteckter Gewalt, rauschhaft, geil, fast, als wären zwei Fremde aneinandergeraten, die als einzige Sprache nur ihre Körper besaßen.

Zwei Tage und drei Nächte dauerte der lähmende Zustand, der nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Kater besaß. Die meiste Zeit rührte sich Eva nicht aus dem provisorischen Bett, das sie sich aus Kissen und Polstern im Erker bereitet hatte. Wenn sie aus ihrem Dösen erwachte, weinte sie leise vor sich hin oder stierte zur Zimmerdecke, wo noch heute blasse Spuren der Muscheldose zu sehen waren, die vor Jahren bei ihrem Einweihungsfest unversehens explodiert war.

Sie wusch sich nicht, putzte sich nur auf ihren gelegentlichen Abstechern ins Bad ab und zu die Zähne. Dort konstatierte sie im Spiegel beinahe wollüstig ihren eigenen Verfall. Das Haar matt und filzig, die Augen verhangen, die Haut fleckig. Falls Tom sie noch einmal wiedersehen sollte, würde er sie vermutlich nicht einmal mehr erkennen.

Eva streckte ihrem Spiegelbild angewidert die Zunge heraus. Spielte auch schon keine Rolle mehr. Alles kam ihr unendlich belanglos vor, so als ob es sie gar nicht beträfe. Es gab nicht den geringsten Grund, das muffige Sweatshirt zu wechseln oder sich auch nur die Mühe zu machen, eine Suppe zu kochen. Sie kroch zurück in ihr Bett und zog sich das Plumeau über den Kopf.

Am Abend des dritten Tages überkam sie eine seltsame Unruhe. Längst schon war das Liegen auf dem harten Untergrund nur noch lästig.

Als das Telefon wieder einmal zu läuten begann, schrak sie hoch, hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und ärgerlicher Abwehr, schaltete die Stehlampe ein und den Anrufbeantworter aus. Es klingelte endlos lange. Dann, nach einer längeren Pause, wieder und immer weiter. Geradezu penetrant.

Schließlich verlor sie die Geduld.

»Ja?«, raunzte sie in den Hörer.

»Ich bin’s!«, erklang...


Riebe, Brigitte
Brigitte Riebe, geboren 1953, bekannt als Autorin historischer Romane, hat unter dem Pseudonym Nina Geiger Frauenromane mit Esprit, Witz und Tiefgang verfasst, die zeigen, dass die alte Geschichte zwischen Frauen und Männern noch lange nicht auserzählt ist … Sie lebt mit ihrem Mann in München.



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