Medienkombination, Deutsch, 264 Seiten, Paperback, Format (B × H): 170 mm x 240 mm, Gewicht: 520 g
Medienkombination, Deutsch, 264 Seiten, Paperback, Format (B × H): 170 mm x 240 mm, Gewicht: 520 g
ISBN: 978-3-921897-02-7
Verlag: Stottern & Selbsthilfe
Das Fach- und Lehrbuch zur Symptommodifikation: Grundlagen und Anwendung des Nicht-Vermeidungsansatzes, dessen Ziel es ist, das Stottern zu bearbeiten, zu verändern und damit zu verringern.
In seinem Buch beschreibt Charles Van Riper die vier Abschnitte seiner Therapie: Identifikation, Desensibilisierung, Modifikation und Stabilisierung. Dabei zeigt er therapeutische Techniken und Prinzipien, die helfen, ein normales Sprechen frei von Sprechängsten zu entwickeln.
Das Fach- und Lehrbuch zur Symptommodifikation ist ein Standardwerk für alle Fachleute, aber auch eine Pflichtlektüre für alle Anhänger von Van Ripers Therapieansatz.
Neben einer neuen Aufmachung enthält die aktuelle 7. Auflage jetzt ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein zusätzliches Vorwort des Übersetzers Andreas Starke. Inhaltlich ist der Text unverändert.
Der
Lernleitfaden für
Die Behandlung des Stotterns
von Charles Van Riper
von Darrell Dodge
ist diesem Buch kostenlos beigelegt.
ISBN 9783921897874
Zielgruppe
Jugendliche und erwachsene Stotternde; Logopäden; Sprachtherapeuten
Weitere Infos & Material
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Der Therapieplan 3
Grundlagen unserer Therapie 3
Stottertherapie als Verlernen und Neulernen 6
Servotherapie 10
Psychotherapie 11
Literatur 19
Motivation 21
Motive des Stotterns 21
Motivationsschwierigkeiten in der Therapie 26
Die Darstellung der Kompetenz und des
Engagements des Therapeuten 29
Feinziele und Motivation 34
Verstärkung 36
Literatur 44
Identifikation 47
Gründe, die Therapie so zu beginnen 47
Die Hierarchie der Identifikationstherapie 50
Identifikation der elementaren Verhaltensformen 59
Identifikation der Reaktionen nach dem Stottern 66
Literatur 66
Desensibilisierung: Abbau negativer Emotionen 69
Die Rolle des Therapeuten 71
Wie desensibilisiert wird: Das Erkennen
der negativen Emotionen 72
Gegenkonditionierung 82
Systematische Desensibilisierung durch Entspannung 86
Pseudostottern in der Desensibilisierung 88
Adaption 93
Nichtverstärkung 96
Negative Suggestion und Reizüberflutung 97
Reaktionsverhütung 98
Adaption mit negativer Suggestion 99
Adaption ohne Stress 100
Die Ausschaltung anderer Quellen der Angst 103
Beruhigung 103
Die angstreduzierte Wirkung der
Modifizierung des Stotterns 106
Literatur 104
Modifikation 107
Variation 108
Modifikation: Der Erwerb einer flüssigen
Form des Stotterns 117
Nachbesserung 125
Modifikation des Stotterns, während es auftritt 135
Literatur 151
Stabilisierung 155
Notwendigkeit einer Stabilisierungsphase 156
Aktivitäten in der Stabilisierungsphase 159
Beendigung der Therapie 175
Literatur 176
Die Behandlung des beginnenden Stotterns: Vorbeugung 179
Übersicht über die Literatur 179
Unser Behandlungsverfahren
für den beginnenden Stotterer 207
Literatur 230
Die Behandlung des jungen chronischen Stotterers 235
Unterschiede zwischen
Erwachsenen- und Kindertherapie 235
Identifikation 241
Desensibilisierung 244
Verminderung der Frustration 248
Modifikation 252
Stabilisierung 256
Therapie der Umgebung 256
Literatur 260
Schlussbemerkungen 262
Vorwort zur 7. Auflage
Dieses Vorwort schreibe ich jetzt, 30 Jahre nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung des zweiten Teils des Buches „Treatment of Stuttering“ (Die Behand-lung des Stotterns) von Charles Van Riper. Es hat mich sehr überrascht zu erfahren, dass dieses Buch in den 30 Jahren 10.000-mal verkauft worden ist. Das trifft auf die Originalfassung in den USA nicht zu. Da ist das Buch schon lange vergriffen und steht nur noch in Form von gebrauchten Exemplaren zur Verfügung.
Leider wissen wir nicht, wer die vielen Käufer sind. Ich vermute, dass es Kolleginnen (also Logopädinnen) sind und Menschen, die eine Stottertherapie machen wollen oder gerade machen. Dazu kommen natürlich vor allem, vermute ich, Personen, die sich im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung mit dem Thema Stottern beschäftigen.
Van Riper selbst war mit dem Werk nicht glücklich. Er war vor allem als Autor des Einführungslehrbuchs in die Logopädie „Speech Correction: Pinciples and Methods“, das er in acht Auflagen jeweils vollständig überarbeitet und ergänzt hat, über mehrere Jahrzehnte jedem Berufsangehörigen zumindest mit Namen bekannt. Und er hat dennoch bedauert, dass sein Therapiekonzept von so wenigen Kollegen vollumfänglich verstanden worden ist und dass dieses Buch nicht genug daran geändert hat. Van Riper hat einen Grund dafür darin gesehen, dass die Darstellung breit ist in dem Sinne, dass sie zu umfangreich und zu detailliert ist. „Wenn man solch ein Buch schreibt, ist natürlich die Versuchung groß, alles darin unterzu-bringen, was man zum Thema weiß, und dann wird es umfangreich und vielleicht auch abschreckend und verwirrend“, hat er mir einmal sinngemäß gesagt. Es könne der Anschein entstehen, als sei Stottern eine komplizierte Störung, was wohl immer noch richtig ist, und als sei die Therapie kompliziert, was nicht stimmt, wenn man sich eine gelungene Therapie im Nachhinein anschaut. Er hat sich immer gewünscht, dass es eine handliche Kurzfassung gäbe, aus der jeder Therapeut schnell die wirklich wichtigen Leitlinien einer guten Stottertherapie erkennen und für seinen aktuellen Patienten anpassen kann.
Die kontinuierliche Rezeption des Buches zumindest in der deutschen Version lässt mich vermuten, dass die große Ausführlichkeit und die vielen Details aus einzelnen Therapien immerhin den Vorteil haben, dass hier ein Standardwerk, ein „Klassiker“, vorliegt, das es dem Leser erlaubt, ein breites Bild von der Störung zu entwickeln und sogar als Ideenquelle dienen kann, wenn einem bei einem Patienten in einer der Van Riper’schen Therapiephasen nichts mehr einfällt.
In diesen 30 Jahren habe ich mit einem Therapieprogramm, das ich aus dem in die-sem Buch vorgeschlagenen Vorgehen entwickelt habe, dem „Van-Riper-Programm als intensiver Intervalltherapie für Gruppen von stotternden Jugendlichen und Er-wachsenen“ (Kurzbezeichnung „VierMalFünf“), in rund 70 Gruppen mit rund 700 Patienten seit 1987 einen großen Erfahrungsschatz gesammelt.
Da ich ja meine logopädische Ausbildung durch ein Studium der Sprech- und Sprachpathologie erhalten habe, ausgerechnet an der Universität, an der Van Riper bis kurz vorher gelehrt hatte, sieht es auf den ersten Blick so aus, als sei ich 1982 als Van-Riper-Adept nach Deutschland zurückgekehrt. Dem war nicht so. Während meines USA-Aufenthaltes habe ich versucht, alles im Bereich der Stottertherapie zu erfahren und kennenzulernen, was auch nur den geringsten Nutzen zu bringen versprach, was z.B. von (damaligen) Koryphäen Einer Boberg, Bruce Ryan, Joseph Sheehan, Courtney Stromsta und Ronald Webster vertreten wurde. Mein Konzept war das eines Kalten Büfetts, nämlich dass ich zusammen mit den Patienten erörtern wollte, welches das für sie beste Verfahren wäre, und dieses dann mit ihnen durchführen würde. Die Patienten wollten das aber gar nicht. Sie wollten keine Therapiekonzepte mit mir diskutieren, sondern von mir wissen, was ich ihnen empfehle würde. Das sollte ich dann mit ihnen machen. Inzwischen zeigt es sich, dass das Stellen folgender Frage auch bezüglich anderer Gesundheitsprobleme, oder überhaupt anderer Probleme im Allgemeinen, eine gute Faustregel ist: Man frage die Fachperson: „Wenn Sie an meiner Stelle wären, was würden Sie denn machen?“ Nicht: „Was raten Sie mir?“, sondern: „Was würden Sie machen?“
Nun habe ich vor 30 Jahren dieses Buch übersetzt. Ich glaube, dass es überhaupt keine andere Art gibt, ein Buch gründlicher zu lesen und zu verstehen, als es zu übersetzen. Am Ende habe ich keinen Grund mehr sehen können, warum ich mich nicht diesem von Van Riper vorgeschlagenen Vorgehen anschließen und dies auch nach außen hin erkennbar machen sollte. Der Paradigmenwechsel („Nicht stottern“ ersetzen durch „Besser stottern“) gefiel mir, das Phasenkonzept erschien mir logisch und die Vielfalt der beschriebenen Therapieaktivitäten lies mir genug Raum. Dabei hat Van Riper selbst mich sozusagen von allen Verpflichtungen des Schülerverhältnisses entbunden, indem er mir schrieb: „Und fühle Dich nicht an mich gebunden. Forsche und entwickle, zweifle und bezweifle Deine Zweifel. Ich wollte nie jemandes Schüler sein und habe es stets abgelehnt, selbst Schüler zu haben.“ Ich fand es nicht schwer, diesem Rat zu folgen. Das Van-Riper-Konzept lässt so viele Möglichkeiten der Abwandlung und Ergänzung zu, dass der Anpassung an die individuellen Anforderungen des jeweiligen Patienten keine Grenzen gesetzt sind. Aber ich habe auch keine Notwendigkeit gesehen, einzelne Aspekte in den Vordergrund zu rücken und das Ergebnis mit meinem Namen zu verbinden.
Nun wird in unseren Zeiten die Forderung nach der sog. Evidenz-Basiertheit immer drängender. Alles, was man am Patienten macht, soll durch quantitative Untersu-chungen gestützt werden. Nur dieses Vorgehen wird akzeptiert und in entsprechen-den Leitlinien gefordert. Bei der Auswahl zwischen zwei Therapieverfahren soll das bevorzugt werden, das besser untersucht ist. Besser untersucht ist gleichbedeutend mit höherem Signifikanzniveau, d.h. geringerer Irrtumswahrscheinlichkeit bei der Messung der Therapieeffekte. Eine geringe Irrtumswahrscheinlichkeit lässt sich re-gelmäßig bei sonst gleichen Verhältnissen durch große Stichproben erreichen. Diese wiederum bedeuten, dass man möglichst viele Fälle in die Auswertung einbezieht, das heißt von der Unterschiedlichkeit der Einzelfälle absieht und alles, was vom Mittelwert abweicht, als zufällig betrachtet. Die Frage, die durch dieses Auswahlkriterium behandelt wird, ist also: Wenn ich nichts über den Fall und nichts über die Wirksamkeit eines Therapieverfahrens bei diesem Fall vermute, welches von zwei verfügbaren Therapieverfahren soll ich wählen? Die Antwort ist klar: Das, dessen Wirksamkeit am besten dokumentiert ist. Das ist unter der Voraussetzung vernünftig, dass einem die Effektstärke gleichgültig ist, und es einem nur darauf ankommt, wie sicher der, ggf. auch sehr kleine, Effekt gesichert ist. Für das alternative Therapieverfahren, das vielleicht besser auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist und im Hinblick auf die wirklich wichtigen Variablen eine viel größere Effektstärke besitzt, stehen aufgrund der geringeren Fallzahlen nur schlechtere Schätzungen für die Irrtumswahrscheinlichkeit zur Verfügung. Es kann aus diesem Grunde nicht ge-wählt werden.
Die Frage, welches Therapieverfahren anzuwenden ist, sollte aber nicht lauten, zu welchem Verfahren es die statistisch sichereren Auswertungen gibt, sondern welches Verfahren für den gegebenen Patienten die besseren Ergebnisse zu liefern verspricht. Dabei müssten auch ziemlich unsichere Erwartungswerte aus vergleichbaren Fällen, auch wenn dieses nur wenige sind, den Ausschlag geben können, insbesondere dann, wenn die erwartete Effektstärke bedeutend höher ist.
Die Aufgabe, ein weiteres Vorwort für dieses Buch zu schreiben, gibt mir nun Gele-genheit, die Evidenzproblematik mit der Aussicht auf weite Verbreitung (weitere 10.000 Exemplare in weiteren 30 Jahren) hier anzusprechen. Das passt auch sehr gut, denn die o.g. „breite Darstellung“ in diesem Buch bewirkt, dass hier viele Hinweise für alle möglichen Teilaspekte des Stotterproblems zu finden sind, die in einer stringenten Darstellung eines Standardverfahrens gar nicht angesprochen werden könnten. Insofern war die Van Ripers Entscheidung, ein nichtstringentes Buch zu schreiben, wohl doch eine sehr weise.
Ich stelle fest, dass in meinen Gruppentherapien etwas stattfindet, das man als „Ein-zeltherapien in der Gruppe“ bezeichnen könnte. Schon beim Zusammenstellen einer Gruppe mit 10 bis 12 Teilnehmern wird erkennbar, dass die Sprechstörung Stottern eigentlich nur der gemeinsame Anlass ist, nicht aber der wirkliche Therapiegegenstand. Van Riper hat sich einmal zu der Frage geäußert, ob seine Therapie nicht eigentlich eine verkleidete Psychotherapie ist, die nur in der Gestalt einer Sprechtherapie daherkommt. Das heißt, dass die Ausgangslage der Teilnehmer ebenso tatsächlich so unterschiedlich ist wie in einer Psychotherapie. Damit endet aber auch die Übereinstimmung, da Stottern nach der aktuellen Meinung (die Van Riper und ich teilen) ja keine primär psychische Störung ist. Die Varianz der Fälle, d.h. der individuellen Stotterproblematik, aber erklärt, warum es für diese Art der Stottertherapie, die diese Varianz berücksichtigt, so wenige statistisch gesicherte Wirksamkeitsnachweise gibt. Diese verlangen große Mengen von ähnlichen d.h. vergleichbaren Fällen und können nur für simple, einheitliche Therapieformen geführt werden, wenn diese Varianz ignoriert wird.
Die Vielfalt der Interventionsmöglichkeiten und die innere Logik des Phasenmodells ermöglichen es, eine genau auf den einzelnen Patienten und seine Variante des Stotterproblems zugeschnittene Therapie durchzuführen. Ich hoffe, dass dieses Ziel mit Hilfe dieses Buches von vielen Patienten und vielen Therapeuten erreicht wird.
Andreas Starke