Söring | Wiederhole schweigend ein Wort | Buch | 978-3-579-06999-9 | sack.de

Buch, Deutsch, 351 Seiten, GB, Format (B × H): 145 mm x 220 mm, Gewicht: 572 g

Söring

Wiederhole schweigend ein Wort

Wege zur inneren Freiheit
Erscheinungsjahr 2009
ISBN: 978-3-579-06999-9
Verlag: Guetersloher Verlagshaus

Wege zur inneren Freiheit

Buch, Deutsch, 351 Seiten, GB, Format (B × H): 145 mm x 220 mm, Gewicht: 572 g

ISBN: 978-3-579-06999-9
Verlag: Guetersloher Verlagshaus


Eine Einführung in die Praxis der christlichen Meditation

- Ein theologisch fundierter Abriss der christlichen Mystik
- Eine Anleitung zur kontemplativen Meditation

Seit über 22 Jahren sitzt Jens Söring in den USA hinter Gittern, verurteilt wegen Doppelmordes zu lebenslänglicher Haft. Im rauen Gefängnisalltag hat er einen intensiven spirituellen Weg eingeschlagen, der ihm hilft, in den zum Teil unmenschlichen Verhältnissen zu überleben.
Wie er seinen Weg zum Glauben an Gott fand, beschreibt der Autor eindringlich in seinem neuen Buch. Neben einem theologisch fundierten Abriss der christlichen Mystik bietet Söring eine glänzende Einführung in die Praxis der christlichen Meditation, dessen Zentrum das 'Gebet der Sammlung' ist: das eigene Selbst loslassen und sich Gott in der Stille öffnen.

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ICH BIN EIN GEFANGENER - und da Sie dem Impuls folgten, dieses Buch in die Hand zu nehmen und sich anzusehen, sind vielleicht auch Sie in irgendeiner Weise gefangen. Vielleicht mussten Sie Ihren Beruf aufgeben, weil Sie in der Pflicht stehen, jemanden aus Ihrer Familie im Alter zu pflegen. Vielleicht sind Sie von einem Unfall oder Verbrechen emotional und physisch angeschlagen. Oder Ihr Ehepartner ist verstorben und hat Sie mit haushohen Schulden allein zurückgelassen. Oder es sind Ihnen sonst irgendwelche Fesseln angelegt worden, die Ihre Freiheit einschränken.
Mein Gefängnis gibt es buchstäblich, nicht nur metaphorisch. Es ist das Brunswick Correctional Center in Lawrenceville im US-Bundesstaat Virginia. Im Januar 2001 lehnte das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten meinen letzten Berufungsantrag ab, meine einzige noch verbliebene Hoffnung auf Gerechtigkeit und Freiheit. Ihr Gefängnis mag weniger augenscheinlich sein als das meine, aber wirklich ist es genauso. Und sogar falls Sie im Unterschied zu mir einige Hoffnung auf Entlassung und damit eine bessere Zukunft haben sollten, bleibt uns jedenfalls derzeit eines gemeinsam: diese Mauern, die uns einschließen, diese Gitterstäbe, die uns umgeben.
Mit diesem Buch möchte ich Sie auf eine Möglichkeit aufmerksam machen, Ihre Fesseln loszuwerden. Sie kennen sie vielleicht schon. Es ist die Möglichkeit, die Christus aufzeigte: Er war bereit, ein Gefangener zu werden, ließ sich freiwillig zur Hinrichtung führen und überwand dadurch die Welt. Wer seinem Ruf "Folge mir nach!" gehorcht, dem eröffnet sich die Möglichkeit, dass ihm ausgerechnet das, was ihn jetzt fesselt, zu einer größeren Freiheit verhilft.
In meinem letzten Satz ist das Wort "Möglichkeit" von entscheidender Bedeutung. Ich musste im Lauf von siebzehn Jahren in elf verschiedenen Strafanstalten mit ansehen, wie der Schmerz viel öfter in die Verzweiflung als in die Hoffnung führte. Was mich selbst vor dem Bitterwerden bewahrt hat, ist eine spezifisch christliche Methode des Betens und Lebens. Jesus hat sie praktiziert, und nach ihm taten das genauso zweitausend Jahre hindurch unzählige Mönche, Nonnen und Menschen in der Welt. Weil das Ziel dieser Methode die Befreiung ist, scheint es mir passend, sie als den "Weg des Gefangenen" zu bezeichnen.
Christus gab uns eine Wanderkarte für diesen Weg in die Hand, als er sagte: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Matthäus 16,24).1 Ich habe eine Möglichkeit gefunden, wie man tatsächlich von sich selbst leer und für Gott offen werden kann: durch das "Gebet der Sammlung" - eine Möglichkeit, zu seinem Kreuz, seinen Fesseln und seinen Gefängnissen Ja zu sagen: das ist die kontemplativ-aktive Übung der "Praxis der Sammlung". Wenn beides zusammenwirkt, kann es den Menschen tatsächlich befreien. Das tut es nicht, indem es seine Fesseln sprengt, sondern indem es sein Ich zum Schmelzen bringt, das sich gefesselt fühlt. Wenn die Handgelenke vergehen, fallen die Handschellen zu Boden und man ist frei.
Das Gebet der Sammlung
Das Gebet der Sammlung ist eine moderne Spielart der alten Übung des kontemplativen Gebets. In den ersten 16 Jahrhunderten der Geschichte des Christentums hielten viele Menschen den kontemplativen Weg für die ursprünglichste und reinste Möglichkeit, den Fußspuren Christi nachzufolgen. Aber im Lauf der Lehrstreitigkeiten, die auf die Reformation folgten, wurde dieses Erbe zunächst unterdrückt und später schlicht vergessen. Erst in den 70er-Jahren, als fernöstliche Meditationsmethoden immer beliebter wurden, bewegte dies in den USA einige Trappistenmönche der St. Josephs-Abtei in Spencer, Massachusetts, wieder auf mittelalterliche Klassiker wie Die Wolke des Nichtwissens zurückzugreifen. Was sie daraus neu lernten, gossen sie in die verblüffend einfache Form einer Praxis, die sie als "Centering Prayer" bezeichneten, wörtlich also: "zentrierendes", "in die Mitte sammelndes Gebet". In Deutschland wurde es unter dem Begriff "Gebet der Sammlung" bekannt. Die Patres Thomas Keating, William Meninger und Basil Pennington gaben hierauf Exerzitien, hielten Vorträge und schrieben eine Reihe hilfreicher Bücher darüber. Schließlich entstand sogar ein landesweites Netzwerk, "Contemplative Outreach, Ltd.", das Kurse organisiert und regelmäßig Rundbriefe mit Anregungen, Terminen und einem Leserforum verschickt. Die unerlässliche Kurzdarstellung "Method of Centering Prayer" von Pater Thomas Keating bringe ich im Anhang im vollen Wortlaut.
Für alle, die das Gebet der Sammlung noch überhaupt nicht kennen, lässt sich die ganze Methode mit vier Wörtern beschreiben: Wiederhole schweigend ein Wort. Alles andere ist Kommentar dazu - hilfreich, anregend, aber dennoch eben nur noch Kommentar. Womöglich sind Sie jedoch skeptisch, ob Ihnen ein Gefängnisinsasse überhaupt eine saubere Darstellung der kontemplativen Spiritualität liefern könne. Ich kann Ihnen dazu nur Pater Keating selbst zitieren, der mir geschrieben hat:

(Der Weg des Gefangenen) ist nicht ganz das, was wir beim Centering Prayer lehren, aber für mich ist das in Ordnung, denn was Sie lehren, könnte Menschen, die noch nicht über ein gewisses Maß an Vorbereitung verfügen, wenn sie zum ersten Mal in das Centering Prayer eingeführt werden, zu einem besseren Einstieg verhelfen. Ich persönlich bin froh, wenn Menschen wie Sie, die über beträchtliche Erfahrung verfügen, zur Übung des Centering Prayer, wie wir sie vorstellen, bestimmte neue Nuancen beitragen.

Was dieses Buch von anderen Einführungen in das Gebet der Sammlung unterscheidet, sind sein Zugang und sein Kontext. Von Antonius in Ägypten bis zu Thomas Keating in Spencer übten die christlichen Kontemplativen das schweigende innere Gebet im Rahmen abgeschirmter Ordensgemeinschaften, hielten sich also von den Zerstreuungen durch weltliche Probleme und Schicksalsschläge fern. Ich dagegen begann meinen Weg ins Gebet der Sammlung im strengeren der beiden Hochsicherheitsgefängnisse von Virginia, wo mir Mörder nachstellten, um mich zu vergewaltigen, und die Wächter fast jeden zweiten Tag Schüsse abgaben. So kann ich aus ureigener Erfahrung etwas bezeugen, was die Mönche und Nonnen in ihren Klöstern und Gemeinschaften in dieser Form nicht erlebt haben dürften: dass das kontemplative Gebet tatsächlich "den Frieden Gottes" bringt, "der alles Verstehen übersteigt" (Philipper 4,7), sogar in meinem Fall, und wenige Stunden, nachdem man mich mit einer Gummikugel angeschossen hatte.

Die Praxis des Gebets der Sammlung
In vielen Büchern über das Gebet der Sammlung wird erläutert, wie man sein Alltagsleben mit dem Geist der Kontemplation durchdringen kann. Es werden zum Beispiel Übungen vorgeschlagen wie:


Jens Söring, geboren 1966 in Bangkok, ist seit 1986 wegen eines Doppelmordes in Virginia (USA) inhaftiert. Angeblich soll er die Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom getötet haben. Jens Söring beteuert bis zum heutigen Tag seine Unschuld.



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