Textor | Bildung im Kindergarten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 116 Seiten

Textor Bildung im Kindergarten

Zur Förderung kognitiver Kompetenzen
2. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8448-4298-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Zur Förderung kognitiver Kompetenzen

E-Book, Deutsch, 116 Seiten

ISBN: 978-3-8448-4298-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit einigen Jahren wird der Bildungsauftrag des Kindergartens intensiv diskutiert. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse aus Hirnforschung und Psychologie, die im ersten Teil des vorliegenden Buches präsentiert werden. Aus ihnen lassen sich Konsequenzen für die vorschulische Bildungsarbeit ableiten. Im zweiten Teil werden drei Formen der frühkindlichen Bildung beschrieben: die Selbstbildung, die Ko-Konstruktion und das Lehren. Dann wird auf die Bedeutung von Beobachtung und Bildungsplanung sowie auf das Freispiel und Charakteristika einer effektiven pädagogischen Praxis eingegangen. Im dritten Teil des Buches wird am Beispiel der Förderung der kognitiven Entwicklung die Umsetzung des Bildungsauftrags des Kindergartens konkretisiert. Es wird beschrieben, wie Erzieherinnen relevante Kompetenzen wie z.B. Sinneswahrnehmung, Sprache, Literacy, Denken, Wissensaneignung und Gedächtnis stärken können. Ferner wird auf die mathematische, die naturwissenschaftliche und die informationstechnische Bildung eingegangen. Im Schlussteil wird die Bedeutung einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung betont, durch die z.B. auch das Gefühlsleben, die Persönlichkeit und das Wertesystem eines Kindes beeinflusst werden.

Dr. Martin R. Textor, Jahrgang 1954, studierte Erziehungswissenschaft, Beratung und Sozialarbeit an den Universitäten Würzburg, Albany (New York) und Kapstadt. Er arbeitete 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Vom November 2006 bis Dezember 2018 leitete er zusammen mit seiner Frau das nicht universitäre Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF) in Würzburg. Martin R. Textor veröffentlichte 23 Monographien, 23 Fachbücher als (Mit-) Herausgeber, mehr als 470 Artikel in Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Zeitschriften und (Hand-) Büchern (ohne graue Literatur), rund 300 Fachartikel im Internet sowie circa 660 Rezensionen. Ferner wirkte er an 485 Veranstaltungen - mit mehr als 24.600 Teilnehmer/innen - als Referent oder Fortbildner mit. Gemeinsam mit Antje Bostelmann gibt Martin R. Textor "Das Kita-Handbuch" heraus (www.kindergartenpaedagogik.de). Ausführliche Informationen über seine Person und seine Veröffentlichungen können auf www.ipzf.de abgerufen werden. Seine Autobiographie ist unter www.martin-textor.de zu finden.
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Bildung im Kindergarten

Aus der Analyse der Bildungsbegriffe berühmter und zumeist längst verstorbener Pädagog/innen (Textor 1999) ergeben sich folgende bedeutsame Aspekte von Bildung:

  • Bildung umfasst sowohl die Entwicklung und Schulung „innerer Kräfte“ (formale Bildung) als auch die Aneignung von Kenntnissen und Erschließung der Welt (materiale Bildung).
  • Bildung beinhaltet sowohl Selbstbildung, einen Prozess der Selbstgestaltung und Eigenaktivität (der sich über das ganze Leben erstrecken kann), als auch einen Prozess der Bildung und Wissensvermittlung durch Dritte (insbesondere durch planmäßigen Unterricht; zumeist auf die ersten zwei oder drei Lebensjahrzehnte beschränkt).
  • Bildung ist sowohl die Übernahme und der Erwerb von Bildungsgütern wie Sprache, Kulturtechniken, (Natur- und Geistes-) Wissenschaft, Technik (einschließlich neuer Informationstechnologien), Musik und Kunst als auch die kritische Auseinandersetzung mit diesen, deren Veränderung und Abwandlung aufgrund eigener Denkprozesse und Handlungen.
  • Bildung dient sowohl der Entfaltung des inneren Menschseins und der eigenen Individualität (Bildung als Selbstzweck) als auch zur gesellschaftlichen Nützlichkeit (was durchaus eine kritische Haltung zur Gesellschaft und die Handlungsbereitschaft zu deren Weiterentwicklung beinhaltet).
  • Bildung umfasst sowohl Allgemein- als auch Berufsbildung und sowohl Schul- bzw. Hochschulbildung als auch betriebliche Ausbildung.
  • Bildung bedeutet sowohl einen Prozess des kognitiven, moralischen, sozialen und emotionalen Lernens als auch das Resultat eigener „Studien“.

Bildung im Kindergarten umfasst viele dieser Aspekte: In Bildungsprozessen erlernen Kleinkinder die Sprache und entwickeln immer mehr Verständnis für deren Begriffe, Symbole, Bedeutungen und Kategorien – eine differenzierte Sprache fördert ein differenziertes Verstehen. In Bildungsprozessen werden ihre körperlichen und geistigen Anlagen geweckt, Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgebildet. In Bildungsprozessen werden sie in Gesellschaft, Arbeitswelt und Wirtschaftsleben, Kunst und Kultur, Religion und Ethik, Sitten und Bräuche eingeführt – sie werden von den Erzieher/innen und anderen Menschen gebildet. In Bildungsprozessen setzen sie sich mit neuen Erfahrungen, Beobachtungen und Erkenntnissen auseinander, erkennen Zusammenhänge, nehmen kritisch Stellung und ziehen Folgerungen für ihr Handeln. Durch Eigenaktivität und Selbsttätigkeit, aus eigener Motivation heraus, erkunden und erschließen sie ihre Welt, nehmen Kontakt zu anderen Menschen auf und lernen von ihnen – sie bilden sich selbst. In Bildungsprozessen entwickeln sich ihre einzigartige Persönlichkeit, ihr Charakter, ihre Identität, ihre Individualität.

Im Folgenden werden mit Selbstbildung, ko-konstruktiver Bildung und lehrenden Aktivitäten der Erzieher/innen drei Formen der frühkindlichen Bildung unterschieden, die oft unterschiedlich gewichtet werden. In diesem Kapitel werden sie aber als gleichwertig behandelt.


Dank Hirnforschung, Lern- und Entwicklungspsychologie werden Babys, Kleinst- und Kleinkinder heute als „kleine Forscher“ wahrgenommen, die neugierig ihre Umgebung erkunden, selbsttätig Erfahrungen sammeln, neue Kompetenzen entwickeln und sich immer mehr Wissen aneignen. Diese eigenständige Aneignung der Welt wird als „Selbstbildung“ bezeichnet. Das Kind lernt, sich immer besser in seiner materiellen, sozialen und kulturellen Umwelt zu orientieren und sich in ihr handelnd zu behaupten.

Erzieher/innen können die Selbstbildung der ihnen anvertrauten Kinder fördern, indem sie ihnen möglichst viele Erfahrungsbereiche eröffnen und sie selbst bestimmen lassen, welche sie nutzen wollen. Schäfer (2009) schreibt: „Ein Kind will von seinen ErzieherInnen, dass sie ihm eine Umgebung bieten, in der es sich vielfältig bewegen kann, Anregung für seine Sinne, seine Fantasie sowie seine Lust am Forschen und Gestalten findet. Es will nicht als defizitäres Wesen wahrgenommen werden, sondern als kleiner Mensch, der immer schon Erfahrungen mitbringt, mit deren Hilfe er einen Einstieg in Problemlösungen findet. Ein Kind will die Zeit haben, Dinge auf seine Weise zu tun und zu Ende zu bringen“.

Erzieher/innen können ein offenes Bildungsangebot schaffen, indem sie z.B. verschiedene Lernbereiche in ihrem Gruppenraum (und in Nebenräumen) ausweisen, dort immer wieder neues, die Neugier, Fantasie, Wissbegierde und Begeisterungsfähigkeit der Kinder entfachendes Material auslegen und viel Zeit für das Freispiel einplanen. Dann kann jedes Kind den es besonders interessierenden Bereich aussuchen und die dortigen Lernmöglichkeiten nutzen. Es wählt eine Aktivität aus und lernt dabei, wie beispielsweise bestimmte Dinge beschaffen sind, welchen Zweck sie haben und wie man sie verwendet.

Mit einem offenen Bildungsangebot wird auch der in nahezu allen Kindertageseinrichtungen üblichen Altersmischung entsprochen. Verschieden alte Kinder haben höchst unterschiedliche Lernbedürfnisse, Bestrebungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Wenn ihnen viel Zeit für die Selbstbildung zugestanden wird – Zeit, in der sie ihren eigenen Interessen und ihrer Neugier folgen können –, dann können sie sich selbst Aktivitäten aussuchen, die sie weder über- noch unterfordern.

Kinder können von der Freispielzeit aber nur dann profitieren, wenn sie bei selbstbildenden Aktivitäten weitgehend ungestört sind, sodass sie sich auf ihre jeweilige Beschäftigung konzentrieren und sie beharrlich fortentwickeln können. Deshalb ist es sinnvoll, zusammen mit den Kindern die Regel aufzustellen, dass man in dem zu Beginn der Freispielzeit gewählten Lernbereich bis zum Ende derselben bleiben muss. Auch ist darauf zu achten, dass nicht zu viele Kinder denselben Lernbereich wählen und dass zwei Bereiche nicht zu eng beieinander liegen, damit die dort spielenden Kinder einander nicht ablenken (deshalb sollten Lernbereiche möglichst auch in Nebenräumen und auf dem Flur ausgewiesen werden).

Kinder profitieren mehr von der Freispielzeit, wenn sie zuvor planen, was sie machen, ausprobieren, herausfinden... möchten – welches Ziel sie also verfolgen wollen. Planen ist ein kognitiver Prozess, bei dem sich die Kinder ihrer Interessen, Fragen und Probleme bewusst werden, sich selbst Ziele setzen, eines davon auswählen und sich fragen, wie sie es erreichen können (d.h., in welchen Lernbereich sie gehen müssen, was sie an Material benötigen, wie sie vorgehen wollen, wie lange dies dauern mag, ob sie eventuell Hilfe benötigen usw.). Kleinkinder sind dazu natürlich nur begrenzt fähig – aber sie können diese Fähigkeit entwickeln, wenn Erzieher/innen vor der Freispielzeit entsprechende Fragen im Stuhlkreis stellen oder wenn sie nach deren Beginn zu einem Lernbereich gehen und dort einzelne Kinder fragen, was sie vorhaben.

Genauso wichtig wie die Planung ist auch die Auswertung der jeweiligen Aktivität. So können Erzieher/innen gegen Ende der Freispielzeit die Kinder aufsuchen, mit denen sie bereits über deren Ziele gesprochen haben oder die sich lange mit einer bestimmten Aktivität befasst haben und sie fragen, wie diese verlaufen ist, ob die Ziele erreicht wurden, was für Probleme aufgetreten sind und was die Kinder gelernt bzw. welche neuen Fertigkeiten sie sich angeeignet haben.

Auf diese Weise entsteht ein Zyklus mit den Phasen Planen – Agieren (mit das Handeln begleitenden Lernprozessen) – Auswerten (eventuell gefolgt von erneutem Planen). Dieser Zyklus kann natürlich nicht jeden Tag mit allen Kindern durchlaufen werden, aber die Erzieher/innen können sich jeden Tag auf zwei, drei Kinder konzentrieren.

Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Selbstbildungsprozesse ist, dass sich Kleinkinder in der Gruppe sicher und geborgen fühlen. Dann werden sie mutig auf andere Menschen zugehen und weltoffen ihre Umgebung erkunden. Diese Voraussetzung ist laut der Bindungstheorie vor allem dann gegeben, wenn Kleinkinder an ihre Eltern und Erzieher/innen sicher gebunden sind.

Derartig enge, durch Vertrauen und Zuneigung gekennzeichnete Beziehungen entstehen in Kindertageseinrichtungen leichter, wenn neu aufgenommene Kinder „schonend“ eingewöhnt werden, wenn ihr Bedürfnis nach einer Bezugsperson befriedigt wird und wenn die Gruppen relativ klein sind bzw. der Personalschlüssel so niedrig ist, dass die Fachkräfte intensiv mit einzelnen Kindern interagieren können.

Andere Voraussetzungen sind beispielsweise, dass

  • die Erzieher/innen Vertrauen in die Fähigkeit von Kindern haben, sich selbst zu bilden.
  • nicht nur die von den Kindern „mitgebrachten“ Interessen berücksichtigt, sondern auch neue geweckt werden und die Neugier der Kinder stimuliert wird.
  • die Aktivitäten für die Kinder einen subjektiven Sinn haben – und Spaß machen.
  • die jeweiligen Anforderungen die Fähigkeiten des Kindes leicht übersteigen, sodass es eine Herausforderung spürt und motiviert ist.
  • das Kind dieselbe Aktivität mehrfach wiederholen kann, denn dies gibt Sicherheit und...



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