E-Book, Deutsch, Band 02, 512 Seiten
Reihe: Pure Corruption
Winters Pure Corruption – Mit dir ins Licht
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7363-0307-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 02, 512 Seiten
Reihe: Pure Corruption
ISBN: 978-3-7363-0307-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ist sie seine Rettung oder sein Verderben?
Endlich sind Cleos Erinnerungen zurückgekehrt - da droht ihr Glück erneut zu zerbrechen: Brutal wird sie den starken Armen des Pure-Corruption-Anführers Arthur 'Kill' Killian entrissen und steht dem Mann gegenüber, der vor Jahren ihr Leben zerstörte. Doch so schnell gibt sie ihre neu gewonnene Freiheit nicht auf. Und auch Kill wird alles tun, um sie zu beschützen - selbst wenn das bedeutet, das Blut seiner eigenen Familie zu vergießen ...
'Pepper Winters erzählt eine Geschichte voller Liebe, Stärke und Bedauern in einer Welt voller Gefahren.' GOODREADS
Pepper Winters ist eine neuseeländische New-York-Times- und USA-Today-Bestseller-Autorin. Sie hat viele Gesichter: Autorin, Leserin und manchmal auch Ehefrau. Sie liebt dunkle Liebesgeschichten, je gequälter der Held, desto besser für sie. Sie liebt es zu reisen und hat kürzlich einen Vertrag bei Grand Central unterschrieben. Ihre Bücher erscheinen in vielen verschiedenen Sprachen.
Weitere Infos & Material
1
Cleo
Er ist ein Fiesling.
Seit seine Stimme tiefer geworden ist, ist er gemein und aufbrausend. Mom hat gesagt, dass er an einem Punkt seines Lebens ist, wo er sich verlieren muss, um sich zu finden. Ich habe keine Ahnung, was sie damit meint. Ich vermisse einfach nur meinen besten Freund.
Cleo, Tagebucheintrag,
neun Jahre alt
Amnesie.
Fluch oder Segen?
Erinnerung.
Helfende Hand oder Hindernis?
Die Dinge, die ich vergessen und an die ich mich wieder erinnert hatte, waren gleichermaßen Freund und Feind, Trost und Schmerz. Beständige Gefährten, die seit Jahren um mich stritten. Die Amnesie hatte mein erstes Leben gegen ein neues eingetauscht – mit neuen Eltern, einer neuen Schwester, einem neuen Zuhause. Aber dann hatte mich der Junge mit den grünen Augen zurückgebracht – mir den Weg zu meiner alten Welt gezeigt, zu einem Schicksal, das ich vergessen hatte.
Acht Jahre lang hatte ich mich gequält und befürchtet, geliebte Menschen zurückgelassen zu haben. Ich hatte mich dafür gehasst, so selbstsüchtig zu sein – zu wissen, dass mein Gehirn sie in einem Akt der Selbsterhaltung herausgeschnitten hatte. Ich hatte mich immer gefragt, was ich tun würde, wenn ich mich endlich an alles erinnerte … falls ich mich jemals erinnern würde.
Nun musste ich mich nicht mehr fragen.
Selbst nach den Konsequenzen, einem mysteriösen Brief gefolgt zu sein – der Schlangengrube der Lügen, der Verwirrung durch vermischte Vergangenheiten, der groben Art, wie Killian mich behandelt hatte –, ich würde alles wieder genauso machen.
Diese Strapazen waren ein angemessener Lohn für meine Erinnerungen. Ich war wieder vollständig … jedenfalls beinahe. Ich war auf dem richtigen Weg, mein Leben wieder zusammenzusetzen und endlich alles zu verstehen.
Doch als ich mich in dem frisch gestrichenen Raum umsah, in dem ich gefangen gehalten wurde, wünschte ich mir, stärker und klüger zu sein. Ich war nicht gelähmt vor Angst, was aus mir werden würde, aber ich verspürte Reue, weil ich diese Vergeltung nicht hatte kommen sehen, weil ich nicht bereit gewesen war.
Es reicht! Konzentriere dich. Das ist jetzt nicht der richtige Moment, um in der Vergangenheit zu verharren.
Ich zwang mich, meine Sorgen beiseitezuschieben. Jetzt musste ich härter und stärker kämpfen als jemals zuvor.
Ich hatte bereits eine Gefangenschaft ertragen: die meines eigenen Verstands, ohne Mauern oder Schlösser, dafür in endloser Finsternis und Unwissenheit. Nun war mein Gedächtnis zum ersten Mal seit Jahren intakt, aber ich saß in einem neuen Gefängnis.
Ich bin nicht durch Fesseln oder Ketten gebunden, aber gefangen bin ich dennoch.
Ich seufzte und glättete Arthurs schwarzes T-Shirt, das ich trug. Zuvor hatte die weiche Baumwolle für mich Sicherheit und Behaglichkeit symbolisiert – die perfekte Kleidung, um neben meinem schlafenden Geliebten zu liegen. Doch nun bedeutete sie Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit.
In diesen Raum eingeschlossen, aus Arthurs Armen gerissen, war ich verloren und einsam, vor allem aber kochte ich vor Wut. Alles, was ich jemals besessen hatte, würde ich gegen die Stärke eintauschen, meine Entführer zu vernichten. Ich würde ihre brutale Tyrannei beenden und ihnen nicht nur ein Verbrechen heimzahlen, sondern zwei. Sie hatten mein Haus niedergebrannt. Sie hatten meine Eltern ermordet. Sie hatten versucht, auch mich zu töten. Und vor allem hatten sie den Jungen aus meiner Vergangenheit zerstört. Es gab so vieles, wofür sie bezahlen mussten.
Und ich war wild entschlossen, die Waage der Gerechtigkeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Die Wahrheit ist verabscheuungswürdig.
Mein Blick fiel auf den gefälschten Polizeibericht, den mir Rubix Killian zu lesen gegeben hatte. Hatte er wirklich geglaubt, dass ich ihm seine Lügen abkaufen würde?
Er hatte mir einen Gefallen getan. Seine Lügen hatten meine Erinnerungen befreit. Ich konnte jetzt alles sehen. Nichts war mehr verborgen.
Ich war nie ein Opfer gewesen. Selbst als kleines Mädchen hatte ich gekämpft und gespuckt; ich hatte das wilde Temperament geerbt, das man Rothaarigen nachsagte. Selbst als ich tief in der Amnesie versunken war, hatte ich mein Vertrauen in meine Beharrlichkeit gesetzt, meinen Instinkten vertraut und war meinem Herzen gefolgt.
Jetzt schrien meine Instinkte eine Botschaft, die ich nie zuvor gehört hatte.
Es wird niemals aufhören.
Außer du sorgst dafür.
Die Vergangenheit würde mich niemals loslassen, wenn ich mich nicht um die Männer kümmerte, die mich weiter als ihre Marionette missbrauchten.
Sie müssen sterben.
Sie durften nicht länger leben, weil sie niemals Ruhe geben würden. Und Männern, die niemals zufrieden waren, konnte man nicht trauen. Arthur »Kill« Killian, meine Jugendliebe, meine grünäugige Waage, wollte diese Männer tot sehen.
Acht lange Jahre hatte er Pläne geschmiedet, um Rache zu nehmen für das, was sie ihm genommen hatten.
Er will ihr Blut.
Und ich will es auch.
Mein Name war Cleo Price. Ich hatte so viele Namen. Sarah Jones war in dem Moment gestorben, in dem ich mich bereitwillig auf diese verrückte Odyssee begeben hatte – so wie Cleo in der Nacht gestorben war, als sie aus einem brennenden Gebäude gekrochen war. Das FBI hatte mich beschützen wollen, bis der wahre Schuldige gefunden war. Doch jetzt war Cleo wiederauferstanden, und ich erinnerte mich nicht nur an meine Kindheit – stämmige Männer, Zigaretten und Kämpfe, die auf dem Rücken von Harleys und Choppern ausgetragen worden waren –, sondern auch an den Kitt, der unsere Kommunen zusammengehalten hatte: Rache.
Rache an denjenigen, die unsere Familien bedrohten. Schnelle Bestrafung für jeden Verräter. In unserer Welt spielten die Regeln der Gesellschaft keine Rolle. Wir folgten unseren eigenen Gesetzen, ohne Nachsicht oder Gnade.
Und diese Männer verdienten die Höchststrafe.
Nach dem, was sie mir und Arthur angetan haben.
Nun war die Rache nicht mehr nur Arthurs Kreuz, das er zu tragen hatte – zumindest nicht allein.
Ich erinnere mich daran, was sie ihm angetan haben.
Ich sah nicht länger nur Dunkelheit, wenn ich mich zu erinnern versuchte. Ich sah alles, was in dieser schicksalhaften Nacht geschehen war, und es lag an mir, ihn von seinem Selbsthass zu retten.
Arthur Killian hatte meine Eltern getötet.
Er hatte den Abzug gedrückt und damit ihr Leben beendet.
Aber die Sache ist so viel komplizierter.
Gleichzeitig war es vollkommen einfach. Er war unschuldig, und ich würde dafür sorgen, dass die Schuldigen bezahlten. Ich würde sichergehen, dass ihre Bosheit für immer vernichtet wurde.
Ich setzte mich im Bett auf und wandte meine Gedanken aktuellen Angelegenheiten zu.
Wie viele Stunden waren vergangen, seit ich Arthur blutend und bewusstlos hatte zurücklassen müssen?
War er noch am Leben?
Würde er mich retten?
Wenn er dazu in der Lage ist, wird er kommen. Daran zweifelte ich keinen Augenblick. Aber ich konnte unmöglich untätig herumsitzen und darauf warten. Nur für den Fall, dass er nicht kam. So darfst du nicht denken.
Ich stieg vom Bett, ließ die mit Gänseblümchen bedruckte Bettwäsche zurück, die der meiner Kindheit so sehr glich, und suchte das kleine Zimmer nach Fluchtmöglichkeiten ab.
Das hatte ich bereits getan, als ich hier angekommen war.
Wie lange war das her?
Und wie zuvor war die Tür immer noch verschlossen. Das Fenster immer noch vergittert und versiegelt. Die Scheibe von außen schwarz angemalt, um das Sonnenlicht auszusperren und jeden Hinweis auf die Tageszeit zu verschleiern.
Das einzige Licht war die Nachttischlampe, die gerade hell genug brannte, um den Polizeibericht zu lesen, der Arthur für ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte, ins Gefängnis geschickt hatte.
Na ja, er hat es begangen …
Ich drehte mich seufzend im Kreis. Das Zimmer war eine Gruft.
Ich wünschte, ich wäre nicht so dumm gewesen. Meine Leichtsinnigkeit hatte mich hergebracht. Ich hatte mich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lassen.
Ich war hier, hilflos ausgeliefert, während Arthur blutete und allein, vielleicht sogar schon tot war.
Hör auf, so zu denken.
Ich atmete tief durch und bereitete mich auf den nächsten Schritt vor.
Gibt es Waffen?
Mein Blick wanderte über das nutzlose Bett und die leere Kommode.
Keine Waffen.
Jenseits des schwarz angestrichenen Fensters schnurrten Motorgeräusche und riefen Erinnerungen daran wach, vom Grollen der Motorräder und Männerstimmen in den Schlaf gewiegt worden zu sein.
Der Gedanke ließ mein Herz schneller schlagen.
Ich bin Zuhause.
Ich biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. Ich war nicht daheim. Es handelte sich zwar um das Gelände, auf dem sich die verbrannten Überreste meines Heims befanden, aber es war nicht mein Zuhause. Nicht mehr. Nicht nach...




