Wüst | Augenscheinlich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 316 Seiten

Reihe: Kommissar Frank Lederer ermittelt.

Wüst Augenscheinlich


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-4115-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 316 Seiten

Reihe: Kommissar Frank Lederer ermittelt.

ISBN: 978-3-8192-4115-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kommissar Frank Lederer und sein Partner Mohamed Ceylan sind einem trickreichen Serienmörder auf der Spur, der die Ruhrmetropole Essen in Atem hält. Der Täter verstümmelt seine Opfer, indem er ihnen die Augen ausschält. Dadurch stürzen längst vergessen geglaubte Ängste auf Frank ein. Liegt der Schlüssel in seiner Vergangenheit?

Rainer Wüst wurde 1965 in Schorndorf geboren und zog kurz darauf mit seinen Eltern ins Ruhrgebiet, wo er seitdem lebt. Mit zwanzig erlernte er den Beruf des Schriftsetzers. Im Bottroper Marktbrunnen wurde er nach bestandener Ausbildung gegautscht. Jahrzehntelang arbeitete er in seinem Beruf und verfeinerte sein Können in Verlagen, Werbeagenturen, Litho-Anstalten und Druckereien. Dabei genoss er den respektvollen, liebevollen Umgang mit selbstgestalteten Büchern sehr. Seit 2018 ist er selbstständiger Mediengestalter (www.prinzo.de). Seinen größten sportlichen Erfolg erlangte er 2003 mit seinem ersten von fünf Marathons. Daraufhin machte er den Trainerschein und eine Ausbildung zum Massagetherapeuten. Seit 2007 bringt ihn die Freude an Büchern dazu, auch selbst Geschichten zu Papier zu bringen. Im Laufe der Zeit entstanden so mehrere Kurzgeschichten. Außerdem hatte er für zwei Anthologien die Herausgeberschaft. 2022 erlangte die Anthologie »Das geheime Sanatorium«, die Rainer Wüst zusammen mit Nadine Muriel herausgab, den dritten Platz beim Vincent-Preis. Außerdem wurde seine Kurzgeschichte »Pelzibub« zur PAN-Story des Monats Februar 2023 gekürt. Seit Februar 2025 erscheint unter seinem Pseudonym Armando Sinister die Horror- und Gruselreihe »Sinisters Dark World«. Der Regionalkrimi »Augenscheinlich« ist der Beginn einer Krimireihe mit dem eigenwilligen Essener Kommissar Frank Lederer. Wer Rainer Wüst im Netz sucht, findet ihn unter anderem bei Facebook (https://www.facebook.com/rainer.wust) oder auf Patreon (https://www.patreon.com/c/RainerWuest).
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Kapitel 1


Montag, 18. Juli 2022, 10.00 Uhr

»Hey Frank. Schön, dass du wieder da bist. Wir haben dich im Präsidium sehnlichst erwartet.«

Frank stand in der Eingangstür zu Emils Büro. Alles sah noch genauso aus wie vor ein paar Monaten. Knaut-schige alte Sessel, ein paar Drehstühle und ein leicht zerknirscht wirkender Chef.

Zuletzt hatte Frank zusammen mit Marco im Büro von Emil Walter, dem Behördenleiter, gesessen. Da besprachen sie den Fall Helge Swanson. Ein Informant hatte einen Tipp gegeben, wo sich der Bankräuber Swanson aufhielt. Einen Scheiß-Tipp, den Marco nicht überlebt hatte.

Frank setzte sich Emil gegenüber, dessen Hemd ebenso viele Falten und feuchte Stellen hatte wie sein Gesicht. Die Hitze war unerträglich an diesem Julitag.

»Frank, wir beide kennen uns jetzt schon sehr lange. Mehr als Fünfzehn Jahre. Daher frage ich dich als Freund und Vorgesetzter: Geht es dir wirklich wieder gut?«

Frank verzog das Gesicht. Traute Emil ihm nichts mehr zu? Natürlich war er fit, topfit.

Emils Augen waren leicht zusammengekniffen und seine Lippen bildeten eine gerade Linie.

»Ich weiß: Laut deinem ärztlichen Bericht sind deine Rippen verheilt und auch die Schwellung im Kopf ist abgeklungen. Aber …« Emil räusperte sich. »Ich mache mir trotzdem Sorgen um dich. Körperlich scheinst du ja wieder auf der Höhe zu sein. Doch wie hast du den Tod von Marco weggesteckt? Wir vermissen ihn alle, aber du standest ihm viel näher.«

Musste Emil ausgerechnet dieses Thema ansprechen? Es war schlimm genug, dass diese Albtraumbilder Frank nachts heimsuchten. Der Kirmesplatz, das Auftauchen von Helge Swanson, der Schusswechsel. Wäre Frank nur dageblieben, statt dem Flüchtigen hinterherzufah-ren. Vielleicht würde Marco heute noch leben. - Wusste Emil wirklich, was in Frank vorging? Hatte sein Kopf ein Fenster, das jeder öffnen konnte?

»Ja, Marco fehlt mir, aber …«, Frank stockte, »… ich komme gut klar.«

Emil schaute Frank noch ein paar Sekunden durchdringend an, dann lehnte er sich zurück.

»Ich weiß, das Thema vertiefst du sowieso mit Hieronymus. Er hat bestätigt, dass du psychisch stabil bist. Und du wirst die Therapie bei ihm fortsetzen. Das ist eine nicht verhandelbare Anweisung.«

Frank nickte. Er musste sich geschlagen geben. Dass dieser Psycho-Doc Hieronymus Egelmeier in seinem Hirn herumfuhrwerkte, war ihm zwar ein Gräuel. Beim Gedanken an ihn stellten sich seine Nackenhaare auf. Aber er musste zugeben, Hieronymus hatte ihm schon sehr geholfen. Weniger schlaflose Nächte, und auch die Angst, wieder Blackouts zu erleben, war fort. Nur das Bild seines toten Partners Marco tauchte immer wieder auf. Es hinterließ jedes Mal einen trockenen Mund und einen Knoten im Magen.

Emils Augenbrauen zogen sich fast zu einer Mono-braue zusammen, die Augen formten sich zu Schlitzen und sein Körper war angespannt. Einen Moment lang saß Emil so da, bis sich seine starre Körperhaltung auflöste und er sich zu Frank vorbeugte.

»Nichtsdestotrotz habe ich mir Gedanken gemacht, ob es vielleicht besser ist, wenn du erst mal stundenweise …«

»Warte bitte. Ich bin dir sehr dankbar für dein Vertrauen und will definitiv VOLLZEIT arbeiten. Lass mich beweisen, dass ich wieder ganz der Alte bin.«

Frank war sich selbst nicht sicher, ob er das kommende Pensum schaffen würde. Aber er wollte es. Unbedingt. Auf keinen Fall durfte er wieder in diesen unerträglichen Sog aus Tristesse und Gleichgültigkeit geraten. Die lahmen Nachmittags-Soaps, nur durch Rauchen, Essen, Trinken und exzessives Wandanstarren unterbrochen. Er hatte sich unbrauchbar gefühlt. Wie ein Leprakranker, den man vom Rest der Gesellschaft abgesondert und auf eine einsame Insel verbannt hatte. Er war doch kein Psy-chofall, der auf die Ersatzbank gehörte! Halbtagsstellen waren für Polizeibeamte, die lieber in Frührente gingen.

Emil legte seine Handflächen auf den Schreibtisch und lehnte sich zurück. Seine Gesichtszüge wurden sanfter.

»Okay, aber wenn es dir nicht gut geht, dann kommst du zu mir. Verstanden?«

Frank deutete ein Nicken an.

»Jetzt möchte ich dir noch deinen neuen Kollegen Kommissar Ceylan vorstellen.«

Ein neuer Partner? Musste das sein? Womöglich so einen Frischling, den Frank noch an die Hand nehmen musste! Der konnte doch unmöglich Marco ersetzen.

Emil drückte drei Zahlen auf seinem Telefon.

»Herr Ceylan, Emil Walter hier. Kommen Sie bitte zu mir ins Büro.«

Nachdem Emil aufgelegt hatte, grinste er wie ein Ho-nigkuchenpferd.

»Kommissar Ceylan ist ein fähiger Mann. Er ist vor zwei Monaten zu uns gekommen.«

»Aha. Und wie lange ist er schon bei der Mordkommission?«

»Er hat sieben Jahre in Dortmund gearbeitet. Der passt zu dir. Ganz bestimmt.«

Emils Ernst? Frank war schon gut fünfundzwanzig Jahre bei der Polizei, achtzehn davon in der Mordkommission. Sieben Jahre. Pah. Das war noch die Windelzeit.

Es klopfte an Emils Bürotür und ein schwarz gekleideter, smarter Yuppie-Typ trat ein. Kurzgeschorenes dunkles Haar, moderne Brille, orientalischer Teint. Sah aus wie ein gut gestylter ‚Man in Black‘.

»Darf ich vorstellen? Kommissar Mohamed Ceylan. Herr Ceylan, das ist Kommissar Lederer, von dem ich Ihnen erzählt habe. Sie werden ab sofort zusammen ermitteln.«

Mohamed war etwa Mitte dreißig. Er grinste Frank vergnügt an.

»Hallo Herr Kommissar Lederer, ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit. Ich habe schon viel von dir gehört.«

Nee, nee. Förmlichkeit und duzen. Das konnte er gleich vergessen. Sie waren doch hier nicht beim Beamtenball. Das war ja wie mit Zahnschmerzen lachen zu müssen. So einen Schwachsinn hätte Marco nie von sich gegeben.

»Ich hoffe, nur Gutes. Aber lass uns beim Du bleiben. Ich bin Frank.«

»Okay, Frank. Ich bin der Mo.«

Mohamed hielt Frank eine Ghettofaust entgegen. Jetzt spielte der auch noch den Gangster-Rapper. Was soll’s, dachte Frank und drückte seine eigene Faust gegen die von Mo. Dieser offenbarte daraufhin ein Lächeln, das so breit war, dass es sein Gesicht zu spalten schien.

Emil ruckelte auf seinem Stuhl hin und her. Ein Zeichen, dass er wieder in den Fokus genommen werden wollte.

»So, ihr beiden. Schön, dass ihr euch versteht.«

Es folgten ein paar Floskeln, dass Emil sich auf die großen Erfolge von Mo und Frank freue. Dann verabschiedete er sich von dem neu zusammengefügten Er-mittlerduo. Frank hörte kaum hin. Mohamed Ceylan? Hmm. Ob der Marco das Wasser reichen konnte? Auf jeden Fall war es gut, wieder hier zu sein, wieder zu ermitteln. Raus aus dem todlangweiligen Trott zu Hause.

»Momentan bearbeite ich gerade einen Mordfall mit zwei möglichen Tatverdächtigen«, erklärte Mo auf dem Weg zum Büro. »Vor fünf Tagen wurde eine Leiche in einer Wohnung entdeckt. Die Ermordete heißt Anna Ma-tuschek. Sie wurde mit einem Halstuch stranguliert. Die Forensiker fanden daran von zwei Personen Fasern und Hautschuppen: von Boris Matuschek, dem Ehemann, und von Wladimir Skoslowski, einem Versicherungsvertreter, ihrem Geliebten.«

Frank blieb abrupt stehen. »Moment mal. Woher weißt du, dass Wladimir ihr Lover ist?«

»Wir fanden auf dem Handy von Anna Nachrichten, die sie und Wladimir ausgetauscht hatten. Und die waren nicht unbedingt jugendfrei. Dazu Bilder … Hoffentlich bekomme ich die wieder aus dem Kopf, wenn ich nachher mit dem Mann rede.«

Mo gestikulierte mit seinen Händen, als würde er etwas auf eine Tafel schreiben.

»Verdächtigst du ihn?«

»Nein.«

Frank stöhnte innerlich auf. Musste er Mo jetzt alles aus der Nase ziehen? Eine solche Zusammenfassung hätte es bei Marco nie gegeben. Der wäre zwar auch flachsig gewesen, hätte aber die wichtigen Punkte gleich gebracht.

»Wieso nicht?«

»Warum sollte Wladimir seine Geliebte umbringen? Für ihn hätte es höchstens Sinn gemacht, Boris aus dem Weg zu schaffen, um mit Anna ein neues Leben zu beginnen. Nein, der Ehemann ist momentan unser Hauptver-dächtiger. Er hat gleich mehrere Motive: Eifersucht und Geld. Er könnte herausgefunden haben, dass Anna einen Geliebten hat, oder auf die Lebensversicherung scharf sein. Wir haben eine Versicherungspolice gefunden. Ganz frisch ausgestellt. Vor knapp drei Wochen. Der jeweilige Begünstigte ist der Ehepartner. Es geht dabei um dreihunderttausend Euro.«

Okay. Soweit zu den Motiven. Frank war jetzt richtig angefixt. Endlich keine lahmen Kreuzworträtsel mehr, sondern echte Probleme, denen er sich widmen konnte. Er setzte sich wieder in Bewegung, sodass Mo wie ein Sekretär hinter ihm herlaufen musste.

»Hast du sonst noch was für mich, Mo?«

Mo grinste und hob eine Augenbraue. »Lass mich einfach zu Ende reden, dann hast du alle Infos. Es gibt eine Zeugin.« Er machte eine geheimnisvolle Pause.

»Und?«, knurrte Frank.

Für solche Spielchen hatte er keine Zeit. Er...



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