Beaton | Die Griechen | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 605 Seiten

Beaton Die Griechen

Eine Globalgeschichte
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-15-962120-3
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Globalgeschichte

E-Book, Deutsch, 605 Seiten

ISBN: 978-3-15-962120-3
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Geschichte der Griechen von der Antike bis Heute Die Art und Weise, wie wir denken. Wie wir lernen. Wie wir regiert werden. Unsere Künste. All das hat seinen Ursprung vor mehr als 3000 Jahren am südöstlichen Rand Europas. Bis heute beruft die gesamte westliche Welt sich immer wieder auf Geistesgrößen wie Sokrates, Pythagoras, Sappho und Homer. Roderick Beaton legt auf eindrucksvolle Weise dar, welche Kontinuitäten die antike Welt um Athen und Sparta mit dem mittelalterlichen Byzanz, der griechischen Kultur im Osmanischen Reich und nicht zuletzt dem modernen Griechenland des 21. Jahrhunderts verbinden. Bis heute haben die späte Gründung des griechischen Staates und die damit verbundenen Identitätskonflikte Auswirkungen auf Europa. Doch auch Ideen der alten Griechen - wie das Alphabet und etliche wissenschaftliche Errungenschaften - haben wir uns über die Jahrhunderte hinweg immer wieder neu anverwandelt. Eine epochenübergreifende Meistererzählung und ein lehrreiches Lesevergnügen.

Roderick Beaton, geb. 1951, ist em. Professor für moderne griechische und byzantinische Geschichte, Sprache und Literatur am King's College London. Er ist Mitglied der British Academy und wurde 2019 zum Kommandeur des griechischen Ordens der Ehre ernannt.   Ursula Blank-Sangmeister ist Altphilologin und hat für Reclam bereits mehrere Bücher übersetzt.

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Vorwort
Griechisch ist eine von nur drei heute auf der Welt gesprochenen und geschriebenen Sprachen, die eine mehr als 3000 Jahre zurückreichende kontinuierliche schriftliche Tradition aufweisen können. Die beiden anderen sind Chinesisch und Hebräisch. Bei den kollektiven Helden und Heldinnen der in diesem Buch erzählten Geschichte handelt es sich um all die Menschen, die die griechische Sprache in den langen Jahrhunderten, in denen ihre Entwicklung schriftlich dokumentiert ist, gesprochen und geschrieben haben. In dieser Zeit wurde das Griechische zunächst für bürokratische Aufzeichnungen verwendet und diente anschließend dazu, die Heldenepen, die Ilias und die Odyssee Homers, für die Nachwelt zu bewahren, Werke, die seitdem von jeder Generation mit ehrfürchtigem Staunen gelesen wurden. Als erste Sprache der Welt verfügte es über ein vollständiges alphabetisches Schriftsystem. Auf Griechisch wurden die Grundlagen der modernen Philosophie und Naturwissenschaft gelegt, und später sollten die Apostel des Christentums die neue Religion durch das auf Griechisch verfasste Neue Testament weiterverbreiten. Noch immer wird in orthodoxen Kirchen überall auf der Erde der griechische Originaltext der Evangelien laut verlesen. Wie jede menschliche Sprache entwickelte sich auch das Griechische im Laufe der Zeit immer weiter fort; in seiner gegenwärtigen Form ist es die offizielle Sprache der Hellenischen Republik und eine der beiden Amtssprachen der Republik Zypern. Mit den Griechen des Buchtitels und der nachfolgenden Seiten sind die Sprecher der griechischen Sprache gemeint. Die Geschichte dieser Menschen ist, wie sich herausstellen wird, eine Geschichte über Identität – oder vielmehr über Identitäten, im Plural. Sie sind, seit wir sie durch ihre frühesten Schriften kennengelernt haben, Experten darin gewesen, Fragen zu stellen und sich selbst zu befragen. Ihre jeweiligen Antworten sind in den Jahrhunderten sehr unterschiedlich ausgefallen, je nach den kulturellen Veränderungen und den sich wandelnden historischen Umständen. Im Laufe der Geschichte haben die Griechen ganz unterschiedliche gesellschaftliche und politische Systeme geschaffen. Sie haben zwar stets denselben südöstlichen Zipfel Europas und des östlichen Mittelmeerraumes bewohnt, sich aber zu verschiedenen Zeiten auch an zahlreichen anderen Orten niedergelassen. Immer wieder haben sie sich als einfallsreich erwiesen, wenn es galt, sich neu zu erfinden. Sie haben gegen unterschiedliche Feinde gekämpft, mit unterschiedlichen Partnern überall auf der Welt Handel getrieben, unterschiedliche Götter verehrt und sich selbst sogar unterschiedliche Namen gegeben. Wir bezeichnen sie heute als ›Griechen‹ und ihr Land als ›Griechenland‹, weil die antiken Römer als Erste einem lokalen Stamm Griechisch sprechender Menschen begegneten, die sie auf Latein Graeci nannten. Im Altertum waren diese Menschen in ihrer eigenen Sprache als ›Hellenen‹ bekannt und ihr Land als ›Hellas‹, so wie sie seit dem frühen 19. Jahrhundert auch jetzt wieder heißen. Doch gelegentlich bezeichnete man sie auch als Achaiwoi (Achaier), Romaioi oder Romioi (Aussprache: Romyí), wörtlich ›Römer‹. Dieses Buch behandelt die Frage, was wir aus dem Erfahrungsschatz derer, die während 3500 Jahren diese Sprache geschrieben und gesprochen haben, darüber lernen können, wie Identitäten im Laufe der Zeit geformt, aufrechterhalten und modifiziert oder neu erfunden werden. Wir alle stützen uns auf Vorstellungen der Vergangenheit, um in der Gegenwart unsere eigene Identität zu bestimmen. In einer Welt, die durch den Zusammenprall von sich gegenseitig ausschließenden, monolithischen Identitäten immer stärker bedroht ist, sollten wir alles daransetzen, besser informiert, als wir es häufig sind, über die Art und Weise nachzudenken, wie in einer sich verändernden Umwelt solche Identitäten geschaffen und auch angepasst werden. Die Geschichte der Griechen, die auf ihren eigenen Worten beruht und sich bis zur frühesten Epoche der historischen Aufzeichnungen zurückverfolgen lässt, erhellt, dass es sich dabei um einen Prozess und weniger um eine – vermeintlich stets festgelegte und vorgegebene – homogene Identität handelt. Die folgende Geschichte wird sich von allem, was Sie jemals über die Griechen oder Griechenland gelesen haben, deutlich unterscheiden. Zum einen ist sie nicht die Geschichte eines bestimmten Ortes. In der antiken Welt war ›Griechenland‹ oder ›Hellas‹ immer nur ein ziemlich ungenauer geographischer Begriff. Bis zum Jahr 1821, als die griechischen Untertanen des Osmanischen Reiches die Revolutionsflagge hissten und ihre Unabhängigkeit erklärten, gab es niemals eine politische Entität dieses Namens. Die uns heute bekannten Grenzen des griechischen Staates stammen zumeist erst aus dem Jahr 1913. Wenn man die Geschichte auf diese engen geographischen Grenzen beschränkte, würde man genau die Dimension der griechischen Historie auslassen, die dieses Buch herausstellen will, nämlich ihre Globalität. Sie ist auch nicht die Geschichte einer einzelnen ›griechischen Kultur‹. Wenn wir nicht gerade eine Urlaubsreise buchen oder geschäftlich unterwegs sind, werden den meisten von uns beim Gedanken an die Griechen wahrscheinlich die künstlerischen und wissenschaftlichen Errungenschaften etlicher Stadtstaaten, die vor 2500 Jahren von Athen und Sparta angeführt wurden, in den Sinn kommen. Die Geschichte dieser Kultur, von uns noch immer als ›klassisch‹ bezeichnet, wurde schon häufig erzählt. Und dies zu Recht – denn sie war tatsächlich der Ursprung von zahlreichen Künsten, Wissenschaften, politischen und rechtlichen Vorstellungen, die wir in der entwickelten Welt von heute kennen. Auf diesen Seiten werde ich oft darauf zurückkommen, wie dieser Prozess konkret vor sich ging, und bisweilen auch die Mechanismen untersuchen, durch die sich diese Errungenschaften so weit von ihrem Ausgangspunkt aus verbreiten konnten. Im Augenblick brauchen wir uns nur daran zu erinnern, wie viele Wörter in den heutigen globalisierten Sprachen, insbesondere in der wissenschaftlichen Terminologie, aus dem Griechischen stammen und sich auf Dinge beziehen, die die Griechen als Erste erschaffen oder definiert haben: ›Demokratie‹, ›Politik‹, ›Philosophie‹, ›Drama‹, ebenso wie ›Krise‹ und ›Epidemie‹, um nur ein paar wenige zu nennen. Sehr viel mehr Wörter, die griechische Wurzeln haben, wurden allerdings in der Moderne geprägt, um Erfindungen zu bezeichnen, die den antiken Menschen unbekannt waren: etwa ›Telefon‹, ›Technologie‹ oder ›Photon‹. Ein weiteres Beispiel ist ›Pandemie‹ – ein echt antikes griechisches Wort, das aber heutzutage in zahlreichen Sprachen eine völlig neue Bedeutung erlangt hat. Aber bei der Geschichte der Griechen geht es um noch weit mehr. Anstatt mich auf eine einzelne Kultur, so wichtig sie für den Rest der Welt auch sein mag, zu konzentrieren, werde ich in diesem Buch eine ganze Reihe von miteinander verbundenen Kulturen in den Blick nehmen. Lange vor der klassischen Epoche gab es die griechischsprachige Kultur, die wir heute als ›mykenisch‹ bezeichnen. Die Mykener waren bronzezeitliche Krieger. Sie waren allerdings auch Händler, die sehr viel Gold anhäuften und Festungen erbauten, die nach Ansicht späterer Generationen nur das Werk von Riesen sein konnten. Vor etwa 3300 Jahren fand ihre Welt ein plötzliches Ende. Niemand kennt die genauen Gründe. Doch die moderne Theorie des Systemkollapses, die entwickelt wurde, um das Verschwinden dieser und anderer Weltkulturen zu erklären, wird uns im Zusammenhang mit dem Aufstieg und Untergang späterer Kulturen, in denen griechischsprachige Menschen eine wichtige Rolle spielten, immer wieder begegnen. Die klassische Kultur begann erst viele Jahrhunderte nach dem Untergang der mykenischen. Jene Welt rivalisierender Stadtstaaten fand ebenfalls ein Ende, als diese Staaten unter die Herrschaft der mächtigen, Griechisch sprechenden Könige von Mazedonien gerieten. Der berühmteste ihrer Könige, in der Geschichte als Alexander der Große bekannt, eroberte den gesamten Nahen Osten und stieß bis an die Grenzen des heutigen Indiens vor. Mit dieser Eroberung begann eine neue Ära, die wir als die ›hellenistische‹ bezeichnen; damals wurde Griechisch zum ersten Mal zu einer Weltsprache, ganz ähnlich wie heute aus der Sicht vieler das Englische. Später, als Rom immer mächtiger wurde, sollten die Griechen ihrerseits unterworfen werden. Griechisch sprechende Menschen, die im Römischen Imperium lebten, schufen nun ihre eigene Kultur, die sich von der sogenannten römischen deutlich unterschied. Tatsächlich war in der gesamten Osthälfte dieses Reiches, die sich von der Adria im Westen bis zum Euphrat im Osten und tief in den Süden bis nach Assuan in Ägypten erstreckte, die Verkehrssprache gar nicht Latein, sondern...



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