Belitz | Gegen den Sturm | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Belitz Gegen den Sturm

2 Romane in einem Band
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-522-62162-5
Verlag: Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

2 Romane in einem Band

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

ISBN: 978-3-522-62162-5
Verlag: Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Doppelter Lesespaß für Pferdefans ab 12 Jahren.Sturmsommer: Die Pferde-Trekking-Tour sollte eine lockere Zeit mit seinen Freunden werden, doch dann ziehen dunkle Gewitterwolken auf. Tom erfährt, dass es der letzte Sommer von Meteor sein soll. Der betagte braune Wallach ist der beste Freund von Toms Schimmel Damos – und das Pflegepferd von Tanja, die Tom eigentlich gar nicht leiden kann und die ihn trotzdem irgendwie magisch anzieht ...Freihändig: In der Reithalle kann Josh alles hinter sich lassen – hier kann ihm keiner was! Freihändig auf dem galoppierenden Pferd zu stehen, ist Freiheit pur. Aber sein Vater und sein großer Bruder halten leider überhaupt nichts davon, dass Josh voltigiert. Als ein Orkan über die Stadt fegt, sind Stall und Pferde in großer Gefahr und auch bei Josh zu Hause eskaliert die Situation ...2 außergewöhnliche Pferderomane in einem Band.
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Der CD-Spieler summt leise, bis er die richtige Stelle gefunden hat, während ich mich seufzend zurücklehne – und jetzt rein ins Operngejodle.

»So klopft mein lie-he-be-vo-ho-lles Heherz!« Pling.

»So klopft mein lie-he-be-vo-ho-lles Heeeeerz …« Hui, der quetscht aber ganz schön beim Singen. Dem muss ja der Kopf platzen. Was war das jetzt noch mal? Erster Aufzug … fünfter Auftritt; die Arie von Belmonte an Konstanze. Seine Geliebte. Stimmt das? Ja, es stimmt.

Trotzdem. Diesen dämlichen Musiktest zu Mozarts »Entführung aus dem Serail« verhaue ich bestimmt. Erstens habe ich viel zu wenig gelernt, zweitens kann ich für so anstrengende Arien mein Herz nicht erwärmen und drittens mag mich unser Musiklehrer nicht.

Mama meint, das würde ich mir einbilden. Ihrer Meinung nach bilde ich mir ziemlich viel ein. Aber es ist so. Der mag mich nicht.

»… ist das ihr Lispeln? War das ihr Seufzen? Es wird mir so bange, es glüht mir die Wange …« Was für eine Sprache! Redet man so, wenn man verliebt ist? Hier dreht sich alles um diese Konstanze, in der Zauberflöte gibt’s sogar gleich zwei Pärchen. Scheint ja ziemlich aufregend zu sein, wenn man verliebt ist. Ich meine, es muss einem schon sehr zusetzen, wenn man so redet wie der hier.

Ich weiß nicht, wie das ist, verknallt zu sein. Ich war’s ja noch nie. Vielleicht hab ich das mal behauptet, ja. Aber ich kann nichts Besonderes an den Mädchen bei uns in der Klasse finden. Okay, viele sehen gut aus, keine Frage. Aber das juckt mich nicht weiter und die Wange glüht schon gar nicht. Würde ich das überhaupt merken, wenn ich verliebt wäre?

Toni kriegt einen knallroten Kopf, wenn manche Mädchen an ihm vorbeigehen. Und Marc und Anja grinsen sich immer so komisch an. Es heißt ja, die sind zusammen. Gestern hab ich gesehen, wie Marc kurz ihre Hand genommen hat. Und ich hatte dabei ein merkwürdiges Gefühl im Magen. Ich mag beide sehr, aber in diesem Moment war ich überflüssig. Das hab ich genau gespürt. Dabei kenne ich Anja schon seit der Grundschule.

Jetzt kann ich mich sowieso nicht mehr auf diese Oper konzentrieren. Mir tut das Gesinge in den Ohren weh und das Stillsitzen macht mich ganz zappelig. Ach, es hat keinen Zweck. Ich schalte den CD-Spieler wieder aus. Es reicht. Henri, unserem Hund, scheint das Gedudel auch nicht zu gefallen. Er hat eben immer wieder leise gefiept und den Kopf zwischen die Sofakissen gedrückt.

Ich geh lieber zu Damos. Nach draußen in die Sonne. Damos ist ein sechsjähriger Schimmelwallach, mit Araberblut und schokobraunen Flecken auf dem Hintern. Stolz bin ich auf den. Ich war noch nie auf etwas so stolz wie auf Damos. Mein Pferd. Hab ihn vor ein paar Monaten bekommen, weil meine Eltern mich kaum mehr aus dem Stall gekriegt haben. Ich lungerte nur noch an seiner Box herum und wartete darauf, ihn reiten zu können. Dann kam Papa im Stall vorbei und unterhielt sich sehr lange mit meinem Reitlehrer. Ich durfte nicht dabei sein, drückte mich aber die ganze Zeit in den benachbarten Boxen herum und hörte Worte wie »Talent« und »Zukunft« und »wertvoll«. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich oder Damos meinten.

Aber eines Morgens, nachdem wir abends lange über Damos und das Reiten gesprochen hatten, lag das Foto von ihm auf meinem Frühstücksteller. Mama hat mit Silberstift »Ich gehöre jetzt dir« darauf geschrieben. »Damit wir wenigstens wissen, wo du bist, wenn du wieder rumstromerst«, sagte Papa. Da glühte mir allerdings die Wange und mein Herz machte gleich mehrere Sprünge. Obwohl ich geahnt hatte, dass sie das tun würden, war es die größte Überraschung meines Lebens. Eigentlich freu ich mich immer noch, wenn ich darüber nachdenke. Das ist eine Freude, die nie aufhört, und manchmal fühlt sie sich sogar ein bisschen schwer an.

Mein Papa ist Arzt und er ist während seiner Studentenzeit geritten, viel sogar. Jetzt: kaum mehr Zeit. Im Grunde ist er schuld daran, dass ich so pferdenärrisch wurde. Er hat mich immer mitgenommen zu Turnieren und in den Stall, früher. Das war aufregender als alles andere. Vor allem das Springreiten. Ich hab meinen Kopf auf die Bande gestützt und mir die Augen ausgeschaut, und mit sieben durfte ich dann endlich selbst Reitstunden nehmen. Auf einem kleinen wilden Pony. Luzifer hieß es und hat sich auch so benommen.

Nachdem ich das erste Mal auf einem Pferd gesessen hatte, wusste ich genau: Das ist viel besser, als sich auf zwei Beinen fortzubewegen. Sobald ich mich da raufgeschwungen habe, sieht die Welt ganz anders aus. Aufregender und irgendwie freier. Klar hat mir am Anfang der Hintern wehgetan. Und das, was mir mein Reitlehrer Markus so an den Kopf geworfen hat, war auch nicht immer nett. Das ist es heute oft noch nicht. Aber nach den Reitstunden hab ich immer das Gefühl, dass alles möglich ist. Erst recht, seitdem ich Damos habe.

Nur meine Klassenkameraden haben ein bisschen seltsam auf Damos reagiert. Zumindest die Jungs. Toni kann auch nichts mit ihm anfangen. Leider. Ich hab ihn immer wieder mit zum Stall geschleppt, aber er steht dann da rum wie eine Vogelscheuche und traut sich nicht, mit anzupacken. Und schon gar nicht, sich auf ein Pferd zu setzen. Ich glaube sogar, er hat Angst vor Damos.

Die Mädchen fanden es eher toll, dass ich reite und sogar ein eigenes Pferd habe. Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass Damos mir gehört, wollten sie furchtbar viel darüber wissen und plötzlich in den Pausen Zeit mit mir verbringen. Nur Tanja ist still danebengestanden und hat sich abgewendet. Ihr Gesicht war rot und verschlossen gewesen. Ihre Freundin Barbara blieb schweigend neben ihr, linste nur ab und zu prüfend zu mir herüber. Ich wollte ja gar nicht, dass sich die Mädels so um mich scharten. Es hat ein paar Tage gedauert, bis alles wieder normal war und ich meine Pausen wie vorher mit Toni, Marc und Anja verbringen konnte.

Aber dass Tanja so gar nichts dazu gesagt hat, fand ich auch blöd. Na, egal. Ich kann sie ohnehin nicht leiden. Sie lacht fast nie und sieht alles immer so ernst und verbissen.

An dem einen Tag, als mich die Mädels wegen Damos ausgefragt haben und Tanja nur stumm danebenstand, kam Barbara später noch alleine zu mir rüber. Es war eine merkwürdige Situation, weil Tanja ein paar Meter weiter mit abgewandtem Kopf an der Wand lehnte und wartete. Es sah fast so aus, als hätte sie ihre Freundin zu mir geschickt. Das war mir richtig unangenehm und ich wäre am liebsten einfach weggelaufen. Mir ging das sowieso auf den Keks, dass dauernd irgendwelche Mädchen um mich herumlungerten. Doch Barbara wollte gar kein Foto von Damos sehen wie die anderen Mädchen – oder fragen, ob sie mich mal im Stall besuchen kann. »Ihr scheint ja echt reich zu sein«, sagte sie nur und schaute mich dabei prüfend an. »Sind deine Eltern Bonzen, oder was?«

Ich zuckte nur mit den Schultern und ließ sie stehen. Beim Weggehen hab ich gehört, dass die beiden tuschelten. Was sollte denn die Frage? Und so ein Pferd frisst ganz schön viel Zeit. Einfach ist das jedenfalls nicht. Ich muss mich dauernd um Damos kümmern, eigentlich täglich. Das kann richtig anstrengend sein, vor allem im Winter, wenn sogar das Wasser in der Tränke eine dicke Eisschicht hat und ich vor lauter Kälte meine Hände und Füße nicht mehr spüre. Auch wenn ich es jedes Mal kaum erwarten kann, ihn zu sehen. Ganz egal, wie das Wetter ist.

Ich weiß nicht, worauf Barbara hinauswollte. Aber Papa lässt auch immer wieder durchklingen, dass wir froh sein sollen, wie gut es uns geht. Hätten ja alles: Haus, Auto, Urlaub, Pferd.

Ich finde den Mercedes hässlich.

»Mama?«

»Ja?«

Mama sitzt in der Küche und bemalt Tücher. Dabei darf sie die Tücher nicht mehr im Haus aufhängen. Papa sind es zu viele geworden. Es sei ein Haus und kein Beduinenzelt, hat er gesagt. Aber die Tücher sind schön, wirklich. Mit ganz viel Blau und Grün. Ich muss immer an das Meer denken, wenn ich sie betrachte. Eigentlich erkennt man nichts, und trotzdem – ich mag Mamas Tücher. Sie tauscht jetzt die, die schon hängen, einfach durch neue aus. Papa merkt das manchmal gar nicht.

»Ich fahr schnell noch zu Damos!«, rufe ich ihr zu. Henri schiebt seinen Kopf zwischen meine Beine und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz.

»Hast du auch Musik gelernt?«

Mist.

»Na jaaa … ja.« Ich hab es immerhin versucht, denke ich. »Geht so.« Pause.

»Na, dann geh halt, wenn es unbedingt sein muss. Und nimm den Hund mit.«

Es muss. Was für eine Frage! Natürlich muss es sein. Ich ziehe mich um, schmeiße Jeans und Turnschuhe in die nächstgelegene Ecke und flitze hinunter Richtung Haustür. Henri springt aufgeregt um mich herum und er schafft es nicht ganz, das Freudengebell zu unterdrücken.

Als ich nach unten gehe, überholt er mich und kommt dabei fast ins Schleudern. Henri hat es immer eilig. Auf der halben Treppe bleibe ich kurz stehen. Da hängt nämlich ein großer ovaler Spiegel an der Wand. Ein antiker, wie Mama betont. Es ist irgendwie witzig, wenn man sich auf der Treppe plötzlich selbst begegnet.

Lissi bleibt hier in letzter Zeit immer lange vor dem Spiegel stehen. Wirklich immer. Bei jedem Treppenlaufen. Ich zähle mit. Sie verliert auf der Treppe viel Zeit, seit sie 17 ist und sich in den Chris verliebt hat. Dabei sieht sie ja doch jedes Mal so aus wie am Tag davor. Finde ich.

Ich mag den Chris nicht besonders. Er behandelt mich oft wie ein kleines Kind. Manchmal behandelt er sogar Lissi wie ein kleines Kind. Das mag ich noch viel weniger....


Belitz, Bettina
Bettina Belitz, an einem sonnigen Spätsommertag in Heidelberg zur Welt gekommen, wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt die begeisterte Reiterin umgeben von Pferden und Katzen als freie Autorin in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.



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