E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: Pocket Power
Brunner Die Kunst des Fragens
5. Auflage 2016
ISBN: 978-3-446-45065-3
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: Pocket Power
ISBN: 978-3-446-45065-3
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
- Gezielte Gesprächsführung durch Fragen
- Fragen für bestimmte Situationen, z. B. um Kreativität oder den Teamgeist zu fördern
- Knappe, anschauliche Darstellung; viele Grafiken, Beispiele, Übungen und Tipps
- Zum Download: Quizfragen mit Lösungen
Welche Fragen können wann und wie eingesetzt werden? Welchen Effekt erzielen sie beim Gesprächspartner? Welche Fragetypen gibt es? Und welche Fragen sollten eher vermieden werden? Wichtige Antworten rund um den gezielten Einsatz von Fragen erhalten Sie in diesem praktischen Ratgeber!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;4
2;1?Fragen und Schlüsselkompetenzen;6
3;2?Fragen und Zuhören;11
4;3 Fragen als Werkzeug ;16
4.1;3.1?Grundformen;17
4.2;3.2?Der Fragetrichter;28
5;4 Frageprinzipien;33
5.1;4.1?Allgemeine Prinzipien;33
5.2;4.2?Spezielle Frageprinzipien;37
6;5 Wie Sie sonst noch fragen können – Ein Fragenlexikon von A bis Z;40
7;6 Wie Sie eher nicht fragen sollten;63
8;7 Fragen für Führungskräfte;72
8.1;7.1?Fragen, die Kreativität fördern;73
8.2;7.2?Fragen für Meetings;80
8.3;7.3?Fragen an Teams;84
8.4;7.4?Fragen, die helfen, Probleme zu analysieren und zu lösen;87
9;8 Fragen für lernende Gruppen ;96
9.1;8.1?„Würden Sie bitte den Kurs übernehmen?“;97
9.2;8.2?Teilnehmer aktivieren;98
10;9 Fragen, die Sie sich selbst einmal stellen können;107
11;10 Zu guter Letzt;117
12;11 Anhang: Quizfragen;118
13;12 Literatur;119
4 | Frageprinzipien |
Wissen Sie Fragen zu meinen Antworten?
Henry Kissinger
Welche andere Möglichkeit gibt es, Fragen einzuteilen? Hierbei ist es hilfreich, sich an Prinzipien zu orientieren. Prinzipien sind wie Gefäße, deren Inhalte austauschbar sind.
Die folgenden Frageprinzipien stammen aus der systemischen Paar- und Familientherapie (Simon 2015: 270 ff.). Im Mittelpunkt steht dort meist eine Störung (Symptom, Erkrankung), ein Problem, ein Konflikt oder eine Krise. Diese Prinzipien sind jedoch auch auf andere Systeme übertragbar, z.B. Interview oder beruflicher Kontext.
4.1 | Allgemeine Prinzipien |
4.1.1 | Unterschiede erfragen |
Ein Problem wird deutlich, wenn man es mit dem Idealzustand vergleicht:
-
Woran ist der beschriebene Zustand zu erkennen, an welchem Merkmal?
-
Welches Merkmal fehlt im Vergleich zum Idealzustand?
-
Welches Merkmal macht den Idealzustand aus?
-
Worin besteht der Unterschied?
4.1.2 | Beschreiben statt Bewerten |
Sinnvoll ist es, Verhalten und Phänomene möglichst neutral zu beschreiben. Erklärungen, Deutungen und Interpretationen sind zunächst zu vermeiden:
-
Ko¨nnen Sie beschreiben, wie sich die Person X verhalten hat?
-
Was haben Sie gesehen oer gehört?
4.1.3 | Eigenschaften „verflu¨ssigen“ |
Eine große Gefahr besteht darin, Personen auf „Charaktereigenschaften“ festzunageln. Sinnvoller ist es, Verhaltensmuster zu beschreiben, die in der Regel auch vera¨nderbar sind.
-
X: „Du bist ein ,Softie‘!“
Zu X: „Welches Verhalten fu¨hrt dazu, dass Sie X ‚Softie‘ nennen?“
-
Y: „Du bist launisch!“
Zu Y: „Wie verhält sich Y, wenn Sie ihn als ‚launisch‘ beschreiben?“
Sinnvoll ist es auch, den Kontext zu beleuchten, in dem das Verhalten vorkommt:
-
In welcher Situation kommt es vor?
-
Wer ist dabei? Wer reagiert wie?
-
Was geschieht davor? Was danach?
-
Wie ist die zeitliche Abfolge?
4.1.4 | Opfer- und Ta¨ter-Rolle |
Aus systemischer Sicht bedingen sich Verhaltensweisen gegenseitig. Das eigene Handeln beeinflusst das der Anderen, und umgekehrt. Starre Rollenzuschreibungen ? wie Ta¨ter und Opfer ? werden dadurch hinterfragt:
-
Frage an A: Wie ko¨nnten Sie erreichen, dass B genau das tut, woru¨ber Sie sich jetzt beklagen?
Antwort von A: Ich mu¨sste folgendes tun: ...
-
Frage an B: Wenn Sie wollten, dass A genau das tut, woru¨ber Sie sich jetzt beschweren, wie ko¨nnten Sie das erreichen?
Antwort von B: Ich mu¨sste mich so verhalten: ...
4.1.5 | Eine zeitliche Dimension einfu¨hren |
Der systemische Ansatz zielt darauf, Verhalten zu vera¨ndern. Starre Zuschreibungen („Das ist halt so“) werden gelockert, indem man eine zeitliche Perspektive einfu¨hrt.
-
Wann hat die Situation X begonnen?
-
Wann wird es schlimmer, wann wird es besser?
-
Wie lange wird es nach Ihrer Einscha¨tzung noch dauern?
4.1.6 | Werte kla¨ren |
Werte sind die Basis eines Teams und das Fundament einer Organisation. Fragen, die Grundsätze und Werte betreffen, sind daher hilfreich fu¨r das Klima in Teams und Organisationen (Hemel 2007: 57). Mo¨gliche Werte sind die Autonomie des Individuums, das Wohl der anderen und die Unternehmensethik.
-
Welcher Wert ist Ihnen am wichtigsten?
-
Wenn es Konflikte zwischen den Werten ga¨be, wer wu¨rde sich fu¨r was entscheiden?
-
Welcher Wert ist es, der das Team X am meisten von Team Y unterscheidet?
4.1.7 | Mythen, Geschichten und Theorien entdecken |
Seit Urzeiten erza¨hlen sich Menschen Mythen und Geschichten. Auf diese Weise erhalten sich Erfahrungen und Erinnerungen. Und sie ermöglichen Einblick in die Biographie einer Person, in den Werdegang eines Teams oder einer Organisation.
-
Welche Geschichten werden im Team erza¨hlt?
-
Welche Geschichten gibt es u¨ber die Vergangenheit und Gegenwart? Welche Perspektiven zur Zukunft?
-
Wie sind aktuelle Rituale zu erkla¨ren, wenn man sie im Licht der Firmengeschichte betrachtet?
4.2 | Spezielle Frageprinzipien |
4.2.1 | Subsysteme und Koalitionen analysieren |
Prinzipien, die Beziehungen in Gruppen erzeugen, werden durchleuchtet:
-
Welche Allianzen gibt es derzeit? Wer macht was mit wem, wie und wann?
-
Welche Spielregeln gelten in den einzelnen Bu¨ndnissen und Allianzen?
-
Wie durchla¨ssig sind deren Grenzen?
-
Wie besta¨ndig sind die Koalitionen?
-
Welche Anzeichen gibt es fu¨r einen Wechsel?
4.2.2 | Rangfolgen bilden |
Das Verhalten der Anderen wird in eine Skala eingeordnet:
-
Wer wu¨rde als Erster ..., wer als Letzter ...?
-
Wer ka¨me an erster, zweiter, ... hinterster Stelle?
4.2.3 | Differenzieren |
Fragen nach Unterschieden, die sowohl qualitativ als auch quantitativ sein ko¨nnen:
-
Ist es eher so ? oder eher so?
-
Mehr oder weniger; ha¨ufiger oder seltener; besser oder schlechter?
Die Frage nach einer Skala gibt ein differenzierteres Bild (s. a. Kapitel 5, Skalierende Fragen):
-
Wie zufrieden sind Sie mit dem Arbeitsplatz ? von 0 (minimal) bis 10 (maximal)? Welche Ziffer wu¨rden Sie wa¨hlen?
-
Wie ist das momentane Klima im Team (Schulnoten von 1 bis 6), welche Note wu¨rden Sie jetzt geben? Welche ha¨tten Sie zu Beginn des Projekts gegeben? Welche Note wu¨rden Sie sich wu¨nschen/ sollte erreicht werden?
4.2.4 | Übereinstimmungen ? Differenzen klären |
Wo gibt es U¨bereinstimmungen und wo Differenzen:
-
Wer teilt diese Sichtweise, wer stimmt mit wem u¨berein?
-
Wer sieht es genau umgekehrt?
-
Wer steht dazwischen, wer ist unentschieden?
4.2.5 | Status quo und seine Vorteile |
Aus systemischer Sicht hat der Status quo eine bestimmte, sinnvolle Funktion, auch wenn er bema¨ngelt und kritisiert wird:
-
Was ist an der jetzigen Situation gut, so, wie sie...