E-Book, Deutsch, Band 3, 352 Seiten
Reihe: Welcome Point
Crownover The Point - Unbändige Begierde
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95649-956-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bad-Boy-Romance
E-Book, Deutsch, Band 3, 352 Seiten
Reihe: Welcome Point
ISBN: 978-3-95649-956-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Titus King weiß, dass in The Point kein Platz für Helden ist. Dennoch will der Detective, seine Stadt vor den Kriminellen beschützen - selbst, wenn er zu diesem Zweck die Grenzen des Gesetzes überschreiten muss. Dafür ist er gezwungen mit der aufregenden Reeve Black zusammenzuarbeiten. Einer Frau mit dunkler Vergangenheit. Schnell wird der Kampf um das unbarmherzige Viertel persönlich, denn Titus und Reeve kommen sich immer näher ...
'Jay Crownover weiß, wie man originelle Charakter erschafft und Liebesgeschichte, die komplex und einzigartig sind - nicht zu vergessen, die Extraportion Erotik.'
Romantic Times Book Reviews
Jay Crownover ist eigentlich rothaarig, hat ihre natürliche Haarfarbe aber seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie ist ein großer Fan von Tattoos. Seit ihrer Collegezeit arbeitet sie in Bars, was ihr spannende Einblicke in die Beziehungen zwischen Männern und Frauen verschafft hat. Für sie geht nichts über eine gute Story mit interessanten Charakteren, die den Leser berühren.
Weitere Infos & Material
Prolog
Am Anfang vom Ende.
Tropf, tropf …
Platsch, platsch …
Ratter, ratter …
Schepper, schepper …
Zisch, zisch …
Knall, knall …
„SCHEISSE …“
Ächz …
Ich versuchte meinen Kopf zu heben, nachdem das Metallrohr zum zweiten Mal gegen den hinteren Teil desselben gekracht war, aber das wollte mir nicht so recht gelingen. In meinen Ohren rauschte es, über jeden Quadratzentimeter meines Gesichts lief das Blut und tropfte platschend auf den kalten Betonboden unter meinen Stiefeln. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, wie tief die Pfütze schon war oder wie weit sie sich ausgebreitet hatte. Jedenfalls war es eine Menge Blut. Zu viel Blut. Alles meins. Ich konnte meine Augen nicht länger offen halten. Daher konnte ich auch die Männer nicht mehr sehen, die sich um mich geschart hatten und abwechselnd auf mich einschlugen, mit Fäusten und allem, was sonst noch greifbar war, während ich an die offene Rohrleitung über meinem Kopf gekettet war. Ich rüttelte an den Handschellen – es waren dieselben, die ich jeden Tag benutzte, um diese Stadt einigermaßen unter Kontrolle zu halten –, aber mir war klar, dass ich in nächster Zukunft eher nicht freikommen würde.
Beim unheilvoll scharrenden Geräusch eines Metallrohrs, das über den Boden geschleift wurde, als einer meiner Angreifer näher kam, entwich mir zischend der klägliche Rest von Atem, der nach dem letzten Schlag noch in mir verblieben war. Die simple Tätigkeit des Luftholens fühlte sich an, als ob meine Eingeweide sich nach außen stülpten, und ich kniff die Lider so fest wie möglich zusammen, damit diese brutalen Arschlöcher nicht mitkriegten, wie effizient sie mir mit ihren Fäusten und Eisenstangen den Garaus machten. Mein Körper gab unter den qualvollen Attacken allmählich nach, aber meinen Willen und meine Entschlossenheit, auf keinen Fall Typen wie sie die Oberhand gewinnen zu lassen, würden sie niemals brechen. Ich würde in diesem Drecksloch sterben, durch die Hände dieser Mörder und Schurken. Aber egal, wie heftig sie mich misshandelten, und egal, wie gnadenlos sie gegen meine äußere Hülle vorgingen: Meinem Mut und meiner inneren Mission, die Welt vor Leuten wie diesen zu beschützen, konnten sie nichts anhaben. Ich würde niemals einknicken, mich niemals unterwerfen – und niemals einen Kerl wie Conner Roark gewinnen lassen.
Ich spuckte einen Mundvoll Blut aus, der metallische Geschmack legte sich auf jede wunde Stelle meiner Schleimhäute. Es gelang mir, den Hals zumindest so weit zu drehen, dass ich in die undurchdringlichen schwarzen Augen schauen konnte, die mich anstarrten. In diesem dunklen Blick lag kein Funken Freude darüber, dass er mich endlich da hatte, wo er mich haben wollte. Keine Spur von Befriedigung. Statt irgendeiner menschlichen Regung gab es nur eine totale Leere, wie in einem bodenlosen Hohlraum. Ich hatte exakt denselben Gesichtsausdruck schon einmal gesehen. Der Vater meines kleinen Bruders hatte ihn jahrelang tagein, tagaus zur Schau getragen, während er unsere Stadt in eine stinkende Kloake aus Gesetzlosigkeit, Ausschweifung und Gewalt verwandelt hatte. Diese Stadt war der schlimmste Ort, den man sich aussuchen konnte, um so was wie Recht und Ordnung herzustellen, und trotzdem tat ich genau das – und zwar so selbstverständlich, wie ich atmete. Sie war ein zerfallendes Ghetto, beherrscht von gefährlichen Männern und harten Frauen, aber das hier war mein Revier, und seine Bewohner waren meine gefährlichen Männer und harten Frauen, die es zu beschützen galt. Viele von ihnen waren meine Familie und hatten einen festen Platz in meinem Herzen. Für sie zu kämpfen war nicht einfach nur mein Job, es war meine Berufung. Es bestimmte, wer ich war. The Point hatte keinen Raum für Helden, aber ich war so nah dran, einer zu sein, wie es an diesem Ort überhaupt möglich war. Auch wenn ich mir momentan nicht sonderlich heldenhaft vorkam, gefesselt und verprügelt und in der Gewissheit, dass das hier mein Ende war.
Ich blinzelte ihn durch das Blut an, das mein Gesicht bedeckte, verzog meine geschwollenen Lippen zu etwas, das zumindest an ein gruseliges Grinsen erinnern sollte, und sagte rundheraus: „Fick dich. Du kriegst mich nicht klein. Eher bringst du mich um.“
Diese harschen Worte wurden vom letzten Rest Sauerstoff transportiert, der in und aus meiner offensichtlich verletzten Lunge pfiff, und dann verging mir Hören und Sehen, als die nächste Runde Schläge startete. Inzwischen hatte irgendjemand einen Baseballschläger aufgetrieben, der so heftig mit der Außenseite meines Knies kollidierte, dass ich stöhnend zusammensackte. Das Einzige, was mich noch aufrecht hielt, während diese Typen mich in Stücke rissen, waren meine geschwollenen, wunden Handgelenke in den Handschellen, die über mir an das Rohr gekettet waren.
Durch einen blutigen Nebel glaubte ich zu sehen, wie Roark den Kopf schüttelte, und als er jetzt sprach, kratzte der melodische irische Akzent, der seine Sätze färbte, über meine ramponierte, blutende Haut wie eine Million Glasscherben. Der Mann war ein Mörder, ein Lügner, ein krimineller Tsunami ohne Reue und ohne Bedauern. Er sollte keine Stimme haben, die nach sanften grünen Hügeln und unbeschwerten Volksliedern klang. Vielmehr sollte er eigentlich Hörner und einen Schwanz haben, und jedes Wort, das ihm über die Lippen kam, sollte nach Rauch und Schwefel riechen. Keiner, den ich kannte, kam dem leibhaftigen Teufel so nahe wie Conner Roark, und das hieß einiges. Immerhin verdiente ich meinen Lebensunterhalt damit, Dämonen und andere gefallene Wesen zu jagen, die meine Stadt, meine Straßen und meine persönliche Version der Hölle als ihr Zuhause betrachteten. Ich hatte mich in meiner Eigenschaft als Mordermittler in einer der gefährlichsten, korruptesten Städte der Welt mit mehr als genug niederträchtigen Drahtziehern angelegt. Dieser Ort war so böse, so finster, so versunken in Verbrechen und Gewalt, dass er nicht mal einen Namen hatte. Wir nannten ihn einfach The Point. Er war der Endpunkt, der Bruchpunkt, der Punkt ohne Wiederkehr … The Point war schlicht und ergreifend ein Platz, an dem nur die Starken überlebten und alle anderen dem Untergang geweiht waren.
Das Metallrohr prallte schmerzhaft gegen meine ohnehin schon kaputten Rippen, und mir wurde schwarz vor Augen.
Obwohl ich darum kämpfte, jede Reaktion, die sie mir entrangen, auf ein Minimum zu reduzieren, entfuhr mir ein Stöhnen.
„Und all das wegen eines Mädchens und wegen einer Stadt, die dir dein Blut und dein Opfer niemals vergelten wird. Ehrlich gesagt hatte ich angenommen, dass du eine größere Herausforderung darstellen würdest, mein lieber Detective King. Aber sie hat dich weich gemacht. Sie hat dich schwach werden lassen. Alle Männer dieser Stadt lassen sich von ihren zuckenden Schwänzen ablenken und vergessen dabei, dass wir uns mitten im Krieg befinden. Keine Frau ist es wert, für sie zu sterben.“
Ich hustete und spuckte noch mehr Blut. Danach ließ ich meinen Kopf nach vorn fallen und stieß ein keuchendes, pfeifendes Lachen aus. „Du kannst mich töten. Du kannst diese gottverdammte Stadt niederbrennen. Du kannst jedem, der es wagt, diesen Ort sein Zuhause zu nennen, das Leben zur Hölle machen. Doch selbst wenn du alles in Schutt und Asche legst, kriegst du nicht das, was du willst … eine Frau, die es wert ist, für sie zu sterben. Denn sie wird dich vorher umbringen.“
Mit zusammengebissenen Zähnen umklammerte ich die Kettenglieder der Handschellen, um mich so weit aufzurichten, dass ich meinem Kidnapper in die Augen schauen konnte, während ich ihm die nackte, brutale Wahrheit ins Gesicht schleuderte, die ihm, wie ich wusste, den Rest seiner Beherrschung rauben würde.
Ich erzählte ihm von dem Mädchen, das jetzt mein Mädchen war; ich wies ihn darauf hin, dass diese Frau die Welt, die Roark gerade zu zerstören versuchte, um ihn herum einreißen und ihn unter den Trümmern begraben würde, wenn sie herausfand, dass ich tot war. Ganz nebenbei brachte ich noch einige gezielte Sticheleien unter, die keinen Zweifel daran ließen, dass ich wusste, was er vorhatte und was seine wahre Motivation war, selbst wenn seine Beweggründe allen anderen chaotisch und vage vorkamen.
Ein Muskel in seiner Wange zuckte, und Roark kam ein paar Schritte näher dorthin, wo ich schlaff in den Ketten hing und langsam innerlich und äußerliche verblutete. Er blieb stehen, als seine Schuhe meine blutüberströmten Stiefelspitzen berührten. Ich spürte einen seiner Finger unter meinem Kinn. Er hob meinen Kopf, bis wir einander in die Augen sahen. Die Dunkelheit und der Wahnsinn in seinem Blick waren mir nur allzu vertraut. Sowohl der Irrsinn als auch die skrupellose Missachtung von Menschenleben lagen Roark quasi im Blut. Mit verkorksten Genen führte eben kein Weg daran vorbei.
„Dein Mädchen?“ Seine Stimme klang hart und wütend, und mir war klar, dass ich einen Nerv getroffen hatte.
Ich stieß ein Lachen aus, das eher an ein letztes Röcheln erinnerte, und empfand einen flüchtigen Moment lang Befriedigung, als ein Spritzer meines Bluts direkt in seinem Gesicht landete. Wir waren fast gleich groß, und wenn ich nicht schlaff und zerschlagen vor ihm gebaumelt hätte, wären wir auf Augenhöhe gewesen. Ich war etwa zwanzig Kilo schwerer als er und konnte genauso schmutzig kämpfen wie alle anderen hier. Aber mein unüberwindbarer Nachteil – und der Grund, dass Männer wie er bei Typen wie mir immer die Oberhand behalten würden – war die Tatsache, dass ich ein Herz besaß. Ich machte mir etwas aus meinen Mitmenschen. Egal, wie oft diese Stadt mir in die...