Geißler / Gerrets / Kelly | Amani –  Auf den Spuren einer kolonialen Forschungsstation in Tansania | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 37, 168 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 265 mm

Reihe: Postcolonial Studies

Geißler / Gerrets / Kelly Amani – Auf den Spuren einer kolonialen Forschungsstation in Tansania


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8394-4959-2
Verlag: transcript
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

E-Book, Deutsch, Band 37, 168 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 265 mm

Reihe: Postcolonial Studies

ISBN: 978-3-8394-4959-2
Verlag: transcript
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Im 21. Jahrhundert liegen die viele Erwartungen der Moderne – nicht nur in Afrika – hinter uns, vielerorts sichtbar als materielle Überreste und Ruinen moderner Landschaft, Architektur und Infrastruktur. Solche Spuren ›vergangener Zukünfte‹ verweisen auf ganz unterschiedliche politisch-ökonomische und gesellschaftliche Visionen: Kolonisation und Modernisierung, Unabhängigkeit und Nationalstaat, Entwicklungshilfe und Neoliberalismus. Amani als verlassener moderner Wissenschaftsort gibt privilegierten Zugang zu diesen Zeitschichten, und lädt ein zum Nachdenken darüber, wie man mit den Ruinen vergangener Aufbrüche weiter lebt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch handelt von der materiellen Gegenwart der Vergangenheit in Überresten, von der Schichtung und Faltung solcher Ablagerungen, und davon, wie Historiker und Sozialanthropologen, Bewohner und Benutzer solcher Überreste, konkret in Kontakt mit der Vergangenheit treten. Solche Berührungen sind oft unwillkürlich, überraschend, exzessiv und bruchstückhaft. Bloße historische Interpretation oder chronologische Ordnung beschneiden diesen Reichtum der Spur, die stattdessen einlädt zur Vertiefung in den ›Ort des Findens‹ (Benjamin) selbst, und seinen affektiven und ästhetischen Konnotationen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die gegenwärtige Diskussion um das Erbe des Kolonialismus in Deutschland und anderswo zeigt, vielleicht mehr als frühere Iterationen kritischer Kolonialgeschichte in den 1970ern und 80ern, besonderes Interesse an Materialität – auch im Hinblick auf Museen, koloniale Sammlungsbestände und Restitution – sowie am Nachleben der Vergangenheit in Gegenständen und Monumenten, Landschaften oder Gebäuden. Ein geduldigerer und zugleich offener, auch spielerischer Umgang mit solchen Spuren, welcher Bedeutungszuweisung vermeidet und Ambivalenz erträgt, wäre ein nützlicher Beitrag zu dieser Diskussion.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit denen, die Spuren an sich interessieren – seien es Spuren des Faschismus oder Spuren fortschrittlicher Aufbrüche, in Hamburg oder in Ostafrika – und die in der Tradition von Proust und Benjamin der unwillkürlichen Erinnerung den Vorrang geben über Interpretation und Rekonstruktion, und Ästhetik und Affekt neben politischer Ökonomie berücksichtigen, wenn sie Reste des Vergangenen in der Gegenwart berühren. Aber auch mit denen, die gegenwärtig versuchen, das (deutsche) koloniale Erbe aufs Neue sichtbar zu machen, und daraus Verantwortlichkeiten politischer, moralischer, ästhetischer und diskursiver Art abzuleiten, auch weil wir meinen, dass bestimmte Vereinfachungen dieses politische Anliegen, das wir teilen, nicht befördern.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Spuren vergangener Zukünfte – etwa die einer kolonialen Forschungsstation – führen uns durch die Vergangenheit sowohl zu fortdauernden Gewaltverhältnissen, als auch zu unerfüllten Hoffnungen.

Geißler / Gerrets / Kelly Amani – Auf den Spuren einer kolonialen Forschungsstation in Tansania jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Gerrets, Rene
Rene Gerrets ist Assistant Professor am Institut für Anthropologie der Universität Amsterdam. Er untersuchte, unterstützt vom Wellcome Trust, 'Fake-Talk', Vertrauen und Misstrauen in Bezug auf Medikamente in Ostafrika, Südafrika und Indien und beschäftigte sich mit zeitgenössischen Erinnerungen und Hinterlassenschaften der landwirtschaftlichen und biomedizinischen Forschung aus der Deutschen Kolonialzeit im Norden Tansanias.

Geißler, P. Wenzel
P. Wenzel Geißler, geb. 1965, lehrt Sozialanthropologie an der Universität Oslo. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medizinethnologie und Ethnographie vor allem in Afrika sowie die Wechselwirkungen von Zeitlichkeit und Materialität in ethnographischer Feldforschung.

Mangesho, Peter
Peter Ernest Mangesho ist medizinischer Anthropologe und Soziologe sowie Principal Research Scientist am National Institute for Medical Research in Tansania. Er forscht zu Zoonosen und Antibiotikaresistenz in Afrika. Darüber hinaus interessiert er sich für Gesundheit in Entwicklungsländern (Malaria, HIV/AIDS), klinische Versuchsteilnahme, Medizingeschichte, Gesundheitssysteme sowie für Policy.

Kelly, Ann H.
Ann H. Kelly ist Senior Lecturer in Anthropology of Global Health am Kings College in London. Sie beschäftigt sich mit soziomateriellen Praktiken, Politik und Vergangenheit von Global Health Forschung sowie Innovation in Afrika. Zur Global Health arbeitet sie mit besonderem Augenmerk auf Moskitoforschung und -kontrolle.

P. Wenzel Geißler, geb. 1965, lehrt Sozialanthropologie an der Universität Oslo. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medizinethnologie und Ethnographie vor allem in Afrika sowie die Wechselwirkungen von Zeitlichkeit und Materialität in ethnographischer Feldforschung.
Rene Gerrets ist Assistant Professor am Institut für Anthropologie der Universität Amsterdam. Er untersuchte, unterstützt vom Wellcome Trust, 'Fake-Talk', Vertrauen und Misstrauen in Bezug auf Medikamente in Ostafrika, Südafrika und Indien und beschäftigte sich mit zeitgenössischen Erinnerungen und Hinterlassenschaften der landwirtschaftlichen und biomedizinischen Forschung aus der Deutschen Kolonialzeit im Norden Tansanias.
Ann H. Kelly ist Senior Lecturer in Anthropology of Global Health am Kings College in London. Sie beschäftigt sich mit soziomateriellen Praktiken, Politik und Vergangenheit von Global Health Forschung sowie Innovation in Afrika. Zur Global Health arbeitet sie mit besonderem Augenmerk auf Moskitoforschung und -kontrolle.
Peter Ernest Mangesho ist medizinischer Anthropologe und Soziologe sowie Principal Research Scientist am National Institute for Medical Research in Tansania. Er forscht zu Zoonosen und Antibiotikaresistenz in Afrika. Darüber hinaus interessiert er sich für Gesundheit in Entwicklungsländern (Malaria, HIV/AIDS), klinische Versuchsteilnahme, Medizingeschichte, Gesundheitssysteme sowie für Policy.



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