E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Hauptmann Lebenslang mein Ehemann?
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-492-99465-1
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-492-99465-1
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gaby Hauptmann, 1957 in Trossingen geboren, lebt seit vielen Jahren in Allensbach am Bodensee, den sie in ihren zwei neuen Bestsellern endlich auch ihren Lesern vorstellt: »Hoffnung auf eine glückliche Zukunft« und »Traum von einem besseren Leben« erzählen die Familien-Saga um die Frauen des traditionsreichen Gasthofs »Hirschen«. Gaby Hauptmann arbeitete als Journalistin, bevor sie mit dem Schreiben begann. 1995 erschrieb sich mit ihrem ersten Bestseller »Suche impotenten Mann fürs Leben« ein Millionenpublikum und veröffentlichte seither zahlreiche weitere Erfolge, u.a. »Nur ein toter Mann ist ein guter Mann«, »Fünf-Sterne-Kerle inklusive« oder »Unsere allerbeste Zeit«. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt worden. Heute zählt Gaby Hauptmann zu den erfolgreichsten und beliebtesten Unterhaltungsautorinnen Deutschlands.
Autoren/Hrsg.
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Sanne
Das Gespräch mit meiner Tochter hat mich bestärkt. Ich setze mich abends gleich an den PC und gehe es an. Auf der Agentur-Seite für Granny-Au-pairs steht: Benutzername, E-Mail-Adresse … und dann schlägt mein Herz heftiger:
Granny
Familie sucht Granny-Au-pair
Suche Gesellschafterin
Suche Housesitterin.
Genial, denke ich.
Mensch! Was es alles gibt? Und vor allem: Was es alles gibt, von dem ich nichts weiß!
Soll ich für Alex gleich mal eine Gesellschafterin suchen, während ich als Granny unterwegs bin?
Der Gedanke bringt mich zum Lachen. Nein, sicher nicht. Er muss sich schon selbst helfen. Und bestimmt wird er sich zu helfen wissen.
Ich gebe meine Daten ein.
Es ist ein Gefühl, als würde ich etwas wahnsinnig Abenteuerliches tun. Als würde ich mich für die Besteigung des Himalaja anmelden. Oder zum Tiefschneefahren in Kanada. Oder Wildwasserrafting im Grand Canyon. Irgendetwas, das mein derzeitiges Vorstellungsvermögen übersteigt. Und eine echte Herausforderung ist. Und mir gleichermaßen Freude und Angst einflößt.
In diesem Moment höre ich die Haustüre zugehen.
Alex ist da, früher, als ich es in den letzten Monaten von ihm gewöhnt war.
Euphorisch laufe ich ihm entgegen und küsse ihn auf die Nasenspitze.
»Hoppla«, sagt er. »Das passt ja dann gerade zu dem …«, und er zieht einen Blumenstrauß hervor, den er hinter seinem Rücken versteckt hat. Rote Rosen, Baccara, meine Lieblingsblumen.
Oje, denke ich und ziehe mich innerlich sofort zurück. Und ich glaube, dass mein Mund offen stehen geblieben ist.
»Möchtest du mich heiraten?«, fragt er und deutet einen Kniefall an.
»Ich …«, stammele ich. Im Moment weiß ich wirklich nicht, wie ich reagieren soll. Vom ersten Gefühl her: schroff. Ich will nicht. Natürlich nicht. Ich will ihn und seine ganze Amanda-Geschichte hinter mir lassen. Auf und davon, das will ich.
Auf der anderen Seite will ich ihn nicht verletzen.
Ha! Ich will ihn nicht verletzen! Bin ich noch ganz bei Trost? Was hat er denn getan?? Mich etwa nicht verletzt?
Trotzdem. Ich kann nicht aus meiner Haut. Ich bin einfach ein Mensch, der keinem anderen wehtun kann. Nicht mal meinem eigenen Mann.
»Wie lieb von dir …«, stammele ich.
»Ja, gut«, er zieht zwei Tickets hervor, »unsere zweite Hochzeitsreise habe ich auch schon in der Tasche …« Über den Witz muss er lachen. »Wir nehmen beide Urlaub und fangen noch einmal von vorn an. Australien. Da wolltest du doch immer hin! Drei Wochen Rundreise. Mit allem Pipapo!«
In meinem Hirn jagt ein Gedanke den nächsten. Seit Jahren versuche ich ihn zu mehr Urlaub zu bewegen. Angeblich war das nie möglich. Wer nach oben will, kann nicht einfach für drei Wochen in den Urlaub gehen, das war die Devise. Jetzt auf einmal doch?
»Jetzt auf einmal?«, frage ich, und ich glaube, mein Misstrauen steht mir ins Gesicht geschrieben.
»Lass uns doch erst mal reingehen«, sagt er. Stimmt. Wir stehen immer noch auf dem Flur.
»Und dann?«, frage ich.
»Dann trinken wir ein Gläschen Champagner, und ich zeige dir unsere Reiseroute.«
»Wir haben keinen Champagner.« Den Zusatz: Ich heiße schließlich nicht Amanda, verkneife ich mir.
»Ich werde schon eine Flasche auftreiben.«
Ganz der alte, ganz der Mann von Welt, denke ich. Zurück in seiner Versorgerrolle, zurück in der Welt, in der er alles beherrscht und vermag. Sogar Champagner auftreiben, wenn keiner da ist.
»Gut«, sage ich und überlege, wann der Zeitpunkt perfekt für meine eigene Ansage wäre. Ich habe allerdings noch nichts in der Hinterhand. Es gibt noch keine Familie, kein Reiseziel, keine Zusage, kein Vertrag, kein gar nichts. Ich kann nichts gegen seine konkreten Pläne anführen.
Ich gehe in unser Wohnzimmer und lasse mich in den Sessel fallen. In genau den, der seit Kurzem seine Rückkehr dokumentiert. Das fällt mir erst auf, als ich schon sitze. Eigentlich wäre ich gern wieder aufgestanden, aber er kniet schon vor mir und hält mir die Blumen hin.
»Willst du sie nicht nehmen?«
»Sie müssen ins Wasser«, weiche ich aus.
Er legt mir den Strauß in den Schoß und geht hinaus. Ich höre ihn an der eingebauten Schrankwand unter der Treppe hantieren, dann seine Schritte in der Küche. Wenig später ist er mit einer wassergefüllten Vase wieder da.
Immerhin weiß er, wo unsere Vasen stehen, denke ich. Das hätte ich bis vor fünf Minuten nicht gedacht.
Er stellt die Vase auf den Couchtisch, pflückt die Rosen aus meinem Schoß und steckt sie in das gläserne Gefäß, nicht ohne sie noch ein bisschen in Form zu zupfen.
Ich betrachte ihn. Er ist auf den ersten Blick kein schöner, aber doch ein ansehnlicher Mann. Groß, schlank, gepflegt. Seine dunkelbraunen Haare bekommen hellere Strähnen, aber er hat noch volles Haar, was ihn jünger macht. Es gibt eigentlich nichts Auffälliges an ihm. Auch sein Gesicht ist harmonisch geschnitten. Ein Mann, dem man gern ins Gesicht sieht, weil das Größenverhältnis von Mund, Nase und Augen stimmt, aber gleichzeitig auch ein Gesicht, das man schnell vergessen kann. Es ist so ebenmäßig, dass es schon fast wieder langweilig ist.
Jetzt lächelt er mich an.
»Ich bin gleich zurück!«
Seine Zähne sind auch ebenmäßig. Von einem natürlichen Weiß. Es gibt weder Ecken noch Kanten an ihm.
Bei mir ist das anders. Mein Kopf beispielsweise ist sogar größer als seiner. Das stört mich auf Fotos, wenn wir nebeneinanderstehen. Um mich zu trösten, schieb ich das immer auf meine Haare, die ich mir vor Jahren zu einem Bob habe schneiden lassen und die manchmal arg wild von meinem Kopf abstehen. Anscheinend mögen meine Haare den Bob nicht. Ich schon, aber so richtig gut sieht es tatsächlich nur aus, wenn ich gerade vom Friseur komme. Ich vertraue aber drauf, dass ich es eines Tages mit Föhn und Rundbürste schon schaffen werde.
Und dann finde ich auch, dass mein Oberkörper im Vergleich zu meinen Beinen zu lang ist. Warum hat mein Körper das im Wachstum verwechselt? Bei einer Frau gehören die Beine lang, nicht der Oberkörper. Bis zu meinem 19. Geburtstag hoffte ich, dass sich das auswachsen würde, aber dann gab ich die Hoffnung auf. Außerdem finde ich, dass mein Becken zu weiblich ist. Heutzutage haben Frauen männliche Becken. Schmal, nicht ausladend. Was wollte mir das Schicksal sagen? Zehn Kinder, wie meine Urgroßmutter? Ich bekam nur eines. So ein »gebärfreudiges« Becken war also von vornherein eine völlige Fehlplanung von Mutter Natur gewesen.
Dafür habe ich straffes Gewebe. Ich tu noch nicht einmal was dafür, es ist einfach da. Vielleicht, weil ich besser gepolstert bin als andere. Zumindest sieht es so aus. In Wahrheit habe ich weder Übergewicht noch Untergewicht, sagt mein Arzt. Er meint, ich sei genau richtig.
Na, ich weiß nicht. Wahrscheinlich hat er auch so ein schmales Reh als Frau und möchte den weiblichen Elchen einfach nur Mut machen.
Aber, und das weiß ich, ich habe ein hübsches Gesicht.
In das hat sich Alex damals sofort verliebt. Sagt er wenigstens.
Ich habe mich zwar nicht sofort in ihn verliebt, als wir uns auf dem Campus kennengelernt haben, aber er legte mir seine Liebe so überschwänglich zu Füßen, dass es mich plötzlich auch überkam. Ich kann mir das heute selbst nicht mehr erklären. Seine Liebe reichte einfach für zwei. Plötzlich liebte ich ihn auch.
Den Moment weiß ich noch genau.
Er hatte mich abends nach Hause begleitet, und als er an der Haustüre umdrehte und wegging, hatte ich auf einen Schlag ein unbändiges Verlustgefühl. Ich wollte ihn nicht gehen lassen.
Auf mein Rufen hin kam er sofort zurück – und das war unsere erste Nacht in dem kleinen Zimmer meiner Studenten-WG. Kurz darauf zogen wir zusammen.
Wir waren 23 und voller Pläne. Er wollte in einer Bank Karriere machen, ich als Steuerberaterin. Wir hatten beide eine Schwäche für Zahlen und viel Fantasie. Wir wollten nie spießig werden, wir wollten alles zusammen machen, wir wollten völlig gleichberechtigt sein. Wir wollten uns immer lieben.
Mit 25 kam Elena.
Das war so früh nicht geplant gewesen, jetzt musste die Strategie geändert werden. Unsere Eltern drängten auf Hochzeit. Wir nicht.
Dann lockte Alexanders Vater mit einem Bausparvertrag, der bald fällig werden würde. Eine kleine Wohnung als Hochzeitsgeschenk.
Wir wollten uns nicht erpressen lassen.
»Sieh doch mal …«, sagte meine Mutter. »Mit Kind! Wenn er dich sitzen lässt?«
»Heutzutage …«, wollte ich kontern.
»Wenn du heiratest, bist du abgesichert. Dann kann er nicht so einfach davonlaufen.«
»Mama! In welcher Welt lebst du?«
In der wahren, erklärte sie mir. Mich hielt sie für eine Traumtänzerin.
Wir heirateten.
Aus Liebe, wie wir betonten. Nicht weil unsere Eltern Druck machten.
Unter einer Ehe hatte ich mir immer was Besonderes vorgestellt: Jetzt bist du verheiratet, jetzt bist du irgendwie erwachsen. Die Partnerschaft ist anders, du fühlst dich anders, verantwortungsbewusster, als Teil eines Ganzen.
Nichts davon ist eingetreten. Ich fühlte mich wie vorher, nur dass ich plötzlich mit einem Baby angebunden war – und Alex nicht. Er musste ja studieren und nebenher jobben, um uns eine Zukunft aufzubauen.
Und ich saß da und fragte mich, wo denn nun eigentlich meine Zukunft war?
Meine eigene Zukunft, mein spezielles Ich?
Wo war ich geblieben?
Irgendwie fühlte ich mich nicht mehr existent. Ich war eine von vielen. Eine, die mit dem Staubsauger durch die Wohnung raste, Windeln im Sonderangebot kaufte, Wäsche wusch, bügelte,...