Heisey | Einfach super | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Heisey Einfach super


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-455-01559-1
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-455-01559-1
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Jeder Satz, den Monica Heisey schreibt, ist ein Geschenk.«  Dolly Alderton  Sunday-Times-Bestseller Maggie ist achtundzwanzig und war genau sechshundertacht Tage mit Jon verheiratet, als ihr erstes Scheidungsjahr beginnt. Während die Deko der Verlobungsparty noch die Wohnung schmückt, ist Jon schon ausgezogen. Maggie ist plötzlich wieder allein. Gern wäre sie eine dieser eleganten Geschiedenen, die ihre Freiheit genießen. Aber Maggie fühlt sich wie ein Kleinkind, das Stöckelschuhe anprobiert. Bedeutet Scheidung Scheitern oder eine neue Chance? Selbstzweifel oder ein Push für den Selbstwert? Trennungstherapie oder Online-Dating? Maggie sucht Rat: bei ihrer Doktormutter Merris, bei ihrer Freundin Amy und in ihrer Chatgruppe (natürlich!). Sie versucht wieder zu daten und stellt sich bei alldem die ganz großen Fragen des Lebens.

Monica Heisey wurde in Kanada geboren und lebt in London. Sie ist Journalistin und Autorin. Sie hat an den Serien Schitt's Creek und Workin' Moms mitgearbeitet, außerdem wirkte sie an der Verfilmung von Dolly Aldertons Everything I Know About Love mit. Sie schreibt für The New York Times, The Guardian, The New Yorker, The Cut, Lenny Letter u. v. m. Einfach super ist ihr Debütroman.
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Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Widmung
Motto
I
Google-Suchanfragen, 10. Juni
II
E-Mails
III
Gespräche mit wohlmeinenden, geliebten Menschen, abgebrochen genau in dem Moment, wenn sie von Kintsugi anfangen
IV
E-Mails
V
Ein Tagtraum
VI
Unbeantwortete Textnachrichten, 6. bis 16. August
VII
Ausgewählte Chats auf Tinder, 20. August
VIII
Google-Suchanfragen, 30. August
IX
Ein Tagtraum
X
E-Mails
Auslagen und Gebühren, 10.8.–10.9.2018
XI
Gründe, warum ich geweint habe, 12. bis 23. November
XII
Ausgewählte Ratschläge aus Amys Freundeskreis, in aufsteigender Reihenfolge nach Relevanz sortiert
XIII
Der Streit (Kurzfassung)
XIV
Google-Suchanfragen, 16. Februar
XV
Emilys und Patricks großer Tag
XVI
Ein Tagtraum
XVII
Google-Suchanfragen, 4. April
XVIII
Emotional verheerende Aussagen meiner Therapeutin, dahingesagt, als wäre es nichts
XIX
Therapieübung: Selbsterkenntnis
XX
Geburtstagswünsche, die ich lieber nicht bekommen hätte
XXI
XXII
Ein Epilog
Danksagung
Biographien
Impressum


Meine Ehe ist gescheitert, weil ich herzlos war. Oder weil ich im Bett aß. Weil er elektronische Musik und anspruchsvolle Filme über Männer in der Wildnis mochte und ich nicht. Oder weil ich verunsichert war und deshalb Kontrolltendenzen entwickelte. Weil Rotwein mich überkritisch werden lässt, genauso wie Hunger, Stress und Weißwein. Weil ich auf Partys an ihm hing wie eine Klette. Weil er jeden Tag Gras rauchen wollte und ich seine Ansicht nicht teilte, es wäre »eigentlich dasselbe« wie meine zwei Becher Kaffee am Morgen. Weil wir uns zu jung kennengelernt hatten (wie sollte unser Zusammenleben Vorstellungen entsprechen, die wir als knapp Zwanzigjährige mit unglaublich straffen Körpern entwickelt hatten?). Oder vielleicht, weil wir es 2011 drei Monate lang mit einer offenen Beziehung versucht hatten (war okay, aber auch nicht toll). Oder weil er scharfe Sauce auf jedes Essen kippte, ohne es vorher zu probieren, selbst wenn ich Stunden damit zugebracht hatte, ein Rezept mit perfekt ausbalancierten Aromen nachzukochen, das ich erst lesen durfte, nachdem ich den langatmigen und detailreichen Urlaubsbericht irgendeiner Frau durchgescrollt hatte. Oder weil er einmal unseren Jahrestag vergessen hatte. Weil ich mich nicht um die Wäsche gekümmert habe, nie. Weil seine griechische Großfamilie mich nicht einmal dann als vollwertiges Mitglied akzeptierte, als ich das Lieblingsgedicht seiner Yiayia auswendig gelernt und auf ihrem Geburtstag vorgetragen hatte. Oder weil er einmal ins Bad kam und mich beim Kacken überraschte. Weil wir 2015 bei neun Hochzeiten eingeladen waren und deshalb dachten, so eine Party wäre eine tolle Sache, auf der einem die Leute gratulieren, als habe man eine Meisterleistung vollbracht, und einem noch dreitausend Dollar schenken. Oder weil wir nach Paris geflogen sind und uns dort, statt uns neu zu verlieben oder wenigstens mal in den Arm zu nehmen, nur gestritten haben. Weil ich irgendwann aufhörte, mir unsere gemeinsamen Kinder vorzustellen. Weil er nie damit angefangen hatte. Weil ich manchmal unsicher und kleinlich war, oder weil er auf veganer Ernährung bestand und, sobald ich im Bett war, heimlich Pizza bestellte. Weil wir zu Ende geschaut und danach nicht mit angefangen hatten. Weil ich kurz nach unserer ersten Begegnung einen anderen geküsst hatte und manchmal immer noch an ihn denken musste. Wegen seiner völlig unnötigen Streitlust und seiner leicht überheblichen Art. Oder weil ich ein Feigling war und mein erklärtes Jobziel , den Staat »bewusst zu demontieren«. Weil ich mich über die Formulierung lustig machte und ihn fragte, wie seine aktuelle Werbekampagne für Burger King mit dem Sozialismus vereinbar sei. Weil er mich eine Fotze nannte und ich mich manchmal wie eine benahm. So oder so, es war vorbei.

Also, mehr oder weniger. Er war ausgezogen und hatte eine Spielkonsole, drei Akustikgitarren und (vorläufig) die Katze mitgenommen. Die Vorstellung, dass Jon jetzt in einem dunklen WG-Zimmer saß und Trennungslieder schrieb, erfüllte mich mit ebenso tiefer Verzweiflung wie unglaublicher Erleichterung – Verzweiflung, weil ich ihm diesen Schmerz zugefügt und ihn ins experimentelle Songwriting getrieben hatte, Erleichterung darüber, dass ich mir die Songs nicht anhören musste.

Nicht, dass ich ihm den Impuls verdenken konnte. An dem Morgen, als er ausgezogen war, hatte ich prompt ein Selfie gemacht, denn ich wollte »den Moment festhalten« und bildete mir zudem ein, der entsetzliche Verlust würde eine hochkreative Phase einleiten. Vielleicht würde ich von nun an und für den Rest meines Lebens an jedem bedeutsamen Tag ein Foto von mir schießen und das ganze Konvolut pünktlich zu meinem achtzigsten Geburtstag in einer Ausstellung präsentieren: mein breites Kartoffelgesicht, wie es bei der Verleihung der Doktorwürde lächelt, bei der Beerdigung meiner Mutter weint und nachdenklich die erste von meinem Kind selbst zubereitete Speise kaut, dazu ein paar grenzüberschreitende Nahaufnahmen während des Orgasmus, um für größere Aufmerksamkeit zu sorgen, und so weiter. Aber dann machte ich das Foto, sah meine Tränensäcke und lud sofort FaceTune runter. Im echten Leben fühlten die dunklen Halbkreise sich richtig an. Wenn ich mich im Spiegel sah, dachte ich: Doch auf den Fotos, das wurde mir schnell klar, wollte ich vor allem heiß aussehen.

Jon endgültig aus dem Haus zu haben, war eine Erleichterung, nicht weil ich mich ohne ihn besser oder ruhiger gefühlt hätte, sondern weil die zwei Wochen zwischen »Ich ziehe aus« und »Ich habe einen Transporter gemietet« die längsten und zähesten meines Lebens waren. Wir lebten einen absoluten Widerspruch: An einem Tag schlichen wir auf Zehenspitzen umeinander herum und redeten so befangen miteinander wie zwei neue Kollegen beim Betriebsausflug, am nächsten rutschten wir in die alten Gewohnheiten zurück, küssten uns zum Abschied, aßen vom Teller des anderen oder vögelten. Und immer, wenn uns so ein Ausrutscher passierte (alles war zu einfach, zu vertraut), fragte ich mich, ob wir die ganze Sache nicht einfach abblasen und als mehrmonatige schwierige Phase verbuchen sollten. Aber dann kam er eines Abends mit mehreren Kartons nach Hause, und wir mussten entscheiden, wem welche Platten gehörten und was aus dem Schrottsofa werden sollte, das wir vor nicht mal einem Jahr gekauft hatten. Die Garantie auf das unbequemste Sofa der Welt hatte unsere Ehe überdauert.

Wir hatten es nicht kommen sehen, das beteuerten wir beide. Wir hatten keins dieser großen Probleme, die für gewöhnlich zu einer Trennung führen. Wir hatten ein paar kleinere, klar: Abgesehen davon, dass ich im Bett aß, war meine Stimme nicht für geschlossene Räume gemacht, außerdem hielt ich mich nicht an sein Kühlschrank-Ordnungssystem. Er war launisch und wollte, dass wir beide mit dem Joggen anfingen. Wir waren nicht wirklich unglücklich, eher unzufrieden … bis wir dann plötzlich wahnsinnig unglücklich waren, nicht mehr miteinander lachen konnten, keinen Sex mehr hatten und der eine im Thairestaurant keine Bestellung aufgeben konnte, ohne dass der andere ihm einen Blick zuwarf, als wollte er fragen: Wer war diese fremde Person, für die wir uns mit neunzehn beziehungsweise neunzehneinhalb entschieden hatten? Es war nicht unbedingt so, dass wir uns gegenseitig hassten, dennoch mussten wir uns fragen, ob wir für den Fall, dass der andere ohne Vorwarnung starb – eines natürlichen Todes vielleicht, oder durch einen schrecklichen Unfall, was natürlich nicht schön wäre, es wäre eine Tragödie, aber nur mal angenommen–, ob das Leben dann vielleicht einfacher wäre. Und eines Abends war mir beim Essen die Frage herausgerutscht: »Funktioniert das noch mit uns?« Keiner von uns hatte eine Antwort, und das war anscheinend Antwort genug.

Es hatte fast zehn Jahre lang funktioniert, oder wenigstens schien es so. Jon und ich hatten uns in der Uni kennengelernt und ineinander verliebt. Überraschenderweise erwies sich sein fröhlicher Nihilismus als die perfekte Ergänzung zu meiner grüblerischen Art. Anfangs waren wir nur befreundet (sehr wichtig, das sagen alle) und erlebten ein aufregendes promiskes erstes Jahr, bevor wir dann irgendwann im dritten Semester merkten, dass wir uns nicht nur gut verstanden, sondern auch irre geil aufeinander waren. Wir dockten an Mund und Genitalien an und ließen erst nach dem Studium wieder los. Wir teilten gewisse Vorlieben und brachten einander zum Lachen, und unsere Streitereien verliefen nicht dramatischer als die unserer gleichaltrigen Freunde. Wir unternahmen ein paar kleinere Reisen und stellten einander unseren Eltern vor. Am Ende zogen wir zusammen – wir kannten uns gerade lange genug, und keiner von uns beiden hätte sich eine eigene Wohnung leisten können. Eine Wand strichen wir mit Tafelfarbe. Es gab unpassende Geburtstagsgeschenke, kleinliche Eifersüchteleien und den einen oder anderen minder schweren Betrug, meistens aber Behaglichkeit und müheloses Einverständnis. Und nachdem wir sechs Jahre lang bewusst Zeit zu zweit verbracht, ein Haustier angeschafft und die Zubereitung einer anständigen Carbonara gelernt hatten, gab es für uns anscheinend nichts mehr zu tun. Jon fragte: »Was meinst du, Maggie?«, und ich sagte: »Ja, okay«, und dann heirateten wir. Weil alle anderen es taten und weil die Tatsache, dass nichts besonders schieflief, sich so anfühlte, als laufe alles genau richtig.

Offiziell verheiratet zu sein, hatte für mich immer etwas Surreales. Wenn ich im Gespräch mit anderen Menschen »mein Mann« sagte und sie die Augenbrauen hochzogen, dachte ich: Ja, genau, wie merkwürdig. Jon hingegen fand es kein bisschen merkwürdig. Nicht, dass er besonders romantisch veranlagt war, aber seine Eltern waren die letzten auf dieser Welt, die immer noch verliebt waren, und so besaß er überdurchschnittlich viel Vertrauen in die Institution Ehe. In seinen Augen war sie das natürliche Resultat einer längerfristigen Liebe. Als wir in unserem italienischen Billighotel in die Flitterwochensuite eincheckten, hatte die gesprächige amerikanische Rezeptionistin gekreischt: »O mein Gott Sie sind ja eine richtige Kinderbraut!« Jon hatte gelacht, ich wurde seltsam verlegen. Das Ganze war irgendwie lächerlich. Kannte ich denn nicht die Statistiken? Glaubte ich wirklich, unsere Ehe würde halten, während so viele andere scheiterten? Vielleicht war mir die Situation auch deswegen so peinlich, weil ich es tatsächlich glaubte. Ich hätte meinem jüngeren Ich am liebsten auf die...


Heisey, Monica
Monica Heisey wurde in Kanada geboren und lebt in London. Sie ist Journalistin und Autorin. Sie hat an den Serien Schitt’s Creek und Workin‘ Moms mitgearbeitet, außerdem wirkte sie an der Verfilmung von Dolly Aldertons Everything I Know About Love mit. Sie schreibt für The New York Times, The Guardian, The New Yorker, The Cut, Lenny Letter u. v. m. Einfach super ist ihr Debütroman.

Monica Heisey wurde in Kanada geboren und lebt in London. Sie ist Journalistin und Autorin. Sie hat an den Serien Schitt's Creek und Workin' Moms mitgearbeitet, außerdem wirkte sie an der Verfilmung von Dolly Aldertons Everything I Know About Love mit. Sie schreibt für The New York Times, The Guardian, The New Yorker, The Cut, Lenny Letter u. v. m. Einfach super ist ihr Debütroman.



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