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E-Book, Deutsch, Band 771, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Hoff Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 771

Die späte Heirat
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8633-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die späte Heirat

E-Book, Deutsch, Band 771, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7517-8633-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die unscheinbare achtundzwanzigjährige Gerda hat sich damit abgefunden, für alle das späte Mädchen zu sein. Niemand glaubt mehr daran, dass sie noch einmal ihr Glück finden wird. So hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, sich aufopferungsvoll um ihre beiden Stiefgeschwister und ihre kränkliche Stiefmutter zu kümmern. Ihre bildhübsche jüngere Stiefschwester Irene arbeitet als Mannequin in einem exquisiten Modesalon und kann sich vor Verehrern kaum retten. Insgeheim sehnt auch Gerda sich nach Liebe. Als sie eines Tages den Neffen einer Bekannten kennenlernt und dieser nun häufiger ins Haus kommt, weiß sie, wie der Mann beschaffen sein müsste, dem sie ihr Herz schenken würde. Natürlich rechnet Gerda sich nicht die geringsten Chancen aus. Dennoch bleibt ein brennender Schmerz zurück, als die schöne Irene ihr den jungen Mann vor der Nase wegschnappt ...

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Die späte Heirat

Liebe geht eigene Wege

Die unscheinbare achtundzwanzigjährige Gerda hat sich damit abgefunden, für alle das späte Mädchen zu sein. Niemand glaubt mehr daran, dass sie noch einmal ihr Glück finden wird. So hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, sich aufopferungsvoll um ihre beiden Stiefgeschwister und ihre kränkliche Stiefmutter zu kümmern. Ihre bildhübsche jüngere Stiefschwester Irene arbeitet als Mannequin in einem exquisiten Modesalon und kann sich vor Verehrern kaum retten. Insgeheim sehnt auch Gerda sich nach Liebe. Als sie eines Tages den Neffen einer Bekannten kennenlernt und dieser nun häufiger ins Haus kommt, weiß sie, wie der Mann beschaffen sein müsste, dem sie ihr Herz schenken würde. Natürlich rechnet Gerda sich nicht die geringsten Chancen aus. Dennoch bleibt ein brennender Schmerz zurück, als die schöne Irene ihr den jungen Mann vor der Nase wegschnappt ...

Um das Haus fuhr ein scharfer Nordwestwind. Er trieb das letzte vertrocknete Laub vor sich her und kündigte den nahen Winter an.

Gerda Hagen stand am Fenster und blickte gedankenverloren in den Garten hinaus.

Ihre schlanke Rechte glitt über ihr Haar. Es lag glatt zurückgekämmt um den Kopf, war stumpf und glanzlos, wie das Haar eines Menschen, der kaum besondere Sorgfalt auf seine Pflege verwendete. Gerda trug es der Einfachheit halber zu einem Dutt im Nacken zusammengebunden.

Warum auch sollte sie sich besonders pflegen? Es fiel ja doch niemandem auf, ob ihr Äußeres verändert war oder nicht. In Kürze würde sie achtundzwanzig Jahre alt, und das war, nach Ansicht ihrer Schwester Irene, ein biblisches Alter.

»Mit achtundzwanzig war ich schon fünf Jahre verheiratet«, hatte vor einigen Tagen die Stiefmutter seufzend bemerkt. Ihre steifen, gichtigen Hände waren dabei über die leichte, warme Wolldecke geglitten, die auf ihren Knien lag.

»Für eine Achtundzwanzigjährige siehst du noch einigermaßen manierlich aus, Gerda! Es gibt Frauen, die bekommen dann schon die ersten grauen Haare und Gesichtsfalten.«

Irene hatte ihre Halbschwester bei den Worten genau gemustert, als wolle sie jede kleine Falte zählen. Sie hatte in ihrer Unschuld gar nicht bemerkt, wie viel Mühe Gerda aufbieten musste, um dieser stummen Musterung standzuhalten.

In Gerdas Leben hatte es bisher keine Liebe gegeben, nichts, was ihr Leben nach Irenes Ansicht hätte lebenswert machen können.

Ja, Gerda hatte noch nicht einmal einen Beruf, der sie, wie manche andere unverheiratete Frau, ausfüllte. Ihre Züge drückten Verlässlichkeit aus. Es wäre ein Durchschnittsgesicht gewesen, ein Gesicht wie viele andere, wenn in ihm nicht zwei große bernsteinfarbene Augen geleuchtet hätten, die von den Wimpern wie ein dunkler Strahlenkranz umgeben waren.

Seit dem Tod des Vaters war Gerda immer für alle da. Besonders für die Mutter, die damals, als der Vater plötzlich gestorben war, gerade in einem Rheumabad geweilt hatte.

Und natürlich auch für Irene, die es in ihrer sprühenden Jugend und Schönheit gewohnt war, nur zu nehmen! Sie brauchte um nichts zu kämpfen. Die Natur hatte sie mit einer wundervollen Figur, mit einem schönen, ebenmäßigen Gesicht und herrlich leuchtendem Blondhaar ausgestattet.

Es kam regelmäßig vor, dass Männer auf der Straße stehen blieben, um ihr bewundernd nachzusehen. Sie brauchte nur einen Wunsch zu äußern, schon wurde er ihr erfüllt.

Und für Horst, der seit drei Jahren studierte, war es auch selbstverständlich, mit seinen Kümmernissen zu Gerda zu kommen.

Gerda wusste für alles Rat. Sie besaß stets noch eine stille Reserve, wenn Horst Schulden gemacht hatte. Seiner Meinung nach war Gerda prima!

»Ein feiner Kamerad, goldrichtig, ein prima Kerl«, nannte er sie, aber selbst er würde niemals in der großen Halbschwester die Frau erblickt haben, ein Mädchen wie beispielsweise Irene – eben nur sieben Jahre älter als diese.

Die drei Familienmitglieder hätten wohl auch zuletzt erraten, dass Gerda wie ein törichtes junges Mädchen träumte.

Der Verstand sagte Gerda natürlich, dass für sie die Zeit der Jungmädchenträume längst vorüber war. Sie wandte sich vom Fenster ab.

»Gerda!«, rief in dem Augenblick jemand. Sie strich nochmals über ihr Haar, eine mechanische Bewegung, die nichts bedeutete. Ihr Körper straffte sich. Er war von einem etwas formlosen Wollkleid umhüllt. Es war nicht sehr kleidsam, aber praktisch. Was nützten die schicksten Kleider, wenn die Nähte platzten, wenn man sich bückte oder kniete?

Und Gerda musste sich bei der Hausarbeit oft hinknien und bücken, denn sie versorgte mit einem jungen Mädchen das gesamte Haus.

Früher, als der Vater noch gelebt hatte, hatte man für den Haushalt eine Köchin und zwei Hausmädchen gehabt. Der Vater hatte als hoher Beamter sehr gut verdient.

Als er gestorben war, hatte seine Witwe nur noch einen Teil seines Gehaltes als Witwenpension bekommen. Seitdem musste man sich einschränken, denn niemals hatte jemand daran gedacht, Rücklagen zu schaffen.

Der Vater war zwar ein sparsamer Mensch gewesen, aber Frau Else kannte das Wort »sparen« in ihrem Wortschatz nicht. Und ihr Mann hatte sie viel zu sehr geliebt, um zu widersprechen, wenn sie einen Wunsch geäußert hatte.

???

Als Gerda die Tür öffnete, verzog sich ihr etwas zu großer, jedoch ausdrucksvoller Mund zu einem Lächeln.

»Mutter«, sagte sie freundlich. Sie wusste, dass Frau Else bei diesem Wind besonders unter Schmerzen litt.

Die Frau hatte noch immer ein hübsches Gesicht, das von einer aparten Frisur umrahmt wurde. So schlecht sie sich oft nur bewegen konnte, aber zum Friseur schleppte sie sich regelmäßig.

»Gerda, gib mir eine Tablette, und spiel mir noch etwas auf dem Flügel vor«, bat die Kranke.

»Gewiss, Mutter.« Gerda nickte. Sie hätte sich lieber für ein halbes Stündchen hingelegt, denn ihr Rücken schmerzte. Sie war müde und sehnte sich nach Entspannung. Aber sie hatte einen festen Willen, eine vom Vater ererbte Pflichtauffassung.

Also schlug sie den Flügel auf. Sie wirkte vor dem Instrument viel zu plump, man traute ihr nicht zu, dass ihr Spiel ein reiner Kunstgenuss war.

Sie spielte auch niemals vor Fremden. Dazu war sie zu schüchtern, sosehr sie im Lebenskampf auch ihren Mann stand.

Gerda war der ruhende Pol in der kleinen Familie, die sich seit dem Tod des Vaters nur auf sie stützte.

Schnell und spielerisch glitten Gerdas Finger über die Tasten. Sie hatte einen ungewöhnlich weichen Anschlag, den man bei ihr niemals vermutet hätte. Ihre Finger hatten eine klassisch schöne, schlanke Form. Aber niemandem fiel das auf, weil die Nägel meist abgebrochen waren, die Haut rissig und rot war.

Nun schloss Gerda die Augen. Sie spielte und träumte. Sonst hatte sie wenig Zeit, ihren Träumen nachzuhängen. Außerdem beflügelte die Melodie, die sie dem Instrument entlockte, ihre Fantasie.

Auch Frau Else regten die weichen Klänge zum Nachdenken an. Etwas, das ihr eigentlich gar nicht lag. Sie nahm das Leben vielmehr, wie es kam.

Durch eine Verbindungstür zum Nebenzimmer konnte sie Gerda am Flügel sitzen sehen.

Gegen Abend kam Irene heim. Sie trug einen weichen, wolligen Flauschmantel mit einem dazu passenden entzückenden Hütchen, hochhackige Schuhe, von denen sie zwar behauptete, großartig in ihnen gehen zu können, die sie jedoch meist schon im Flur auszog.

Irene brachte, wie immer, Neuigkeiten mit. Zuerst einmal kämmte sie sich wie an jedem Tag vor dem Spiegel im Flur und zupfte an ihrem wunderschönen Kleid herum, das wie eine zweite Haut auf ihrem Körper saß. Sie konnte sich nicht gut in dem Kleid bewegen, aber das brauchte sie ja auch nicht.

Ein Starmannequin des besten Salons am Platze musste nur schön sein. Irene verdiente mit ihrer Schönheit ein recht gutes Gehalt.

Einst hatte Gerda geglaubt, wenigstens einen Teil davon zur Haushaltsführung zu bekommen, bis ihr von Irene wie von der Mutter erklärt worden war, dass diese Erwartung natürlich unsinnig sei.

Ein Mannequin musste schließlich immer erstklassig gekleidet sein. Und gute Garderobe kostete viel Geld. Wie viel ein Kleid tatsächlich kosten konnte, begriff Gerda erst, als Irene einige Male Kleider mitgebracht hatte, die sie nach Feierabend zu guten Kunden tragen und nochmals vorführen musste.

???

Horst kam einige Tage früher heim, als er erwartet worden war. Er glich mehr dem Vater als Frau Else, besaß dessen große, stattliche Figur. Gerda hatte sich schon immer mit ihm sehr gut verstanden. Ihre Zuneigung zu ihm war größer als die zu Irene, weil Horst ein tief veranlagter Mensch war.

Er wollte einmal Arzt werden. Das war seit seinen Bubenjahren sein sehnlichster Wunsch. Allerdings steckte auch, von Frau Else her, eine gute Portion Lebenshunger in ihm, der ihm oft genug zu schaffen machte und ihn mitunter daran hinderte, so intensiv zu studieren, wie es notwendig war.

Gleich bei der Begrüßung fiel Gerda auf, wie...



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