Hornung / Schulze | Raffles als Richter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Hornung / Schulze Raffles als Richter

Kriminalroman
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-386-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-386-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie kennen Sherlock Holmes? Natürlich! Sie kennen auch Arsène Lupin? Glückwunsch! Aber kennen Sie A. J. Raffles, den berüchtigten Gentleman-Gangster? 1900 schuf Ernest William Hornung (übrigens ein Schwager des Sherlock-Holmes-Autors Arthur Conan Doyle) einen der interessantesten Köpfe der englischen Kriminalliteratur und gleichzeitig einen frühen Antihelden. A. J. Raffles hat in Oxford studiert, hat exzellente Manieren, ist ein Mann von Welt und lebt das Leben eines reichen Dandys. Er ist der Partylöwe unter den Schönen und Reichen und nutzt deren Festivitäten, um seine Beute auszukundschaften. Erleben Sie seine spannenden und äußerst unterhaltsamen Abenteuer erstmalig als E-Book. Null Papier Verlag

Ernest William Hornung (07.06.1866-22.03.1921) war ein englischer Schriftsteller. Er war der Schwager von Arthur Conan Doyle. Inspiriert von Doyles Erfolg, begann er selbst mit dem Schreiben von Krimi-Geschichten. Hornung schuf ein Gegenstück zu Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes: den smarten A. J. Raffles, der heimlich als Einbrecher und Dieb unterwegs ist.
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Erstes Kapitel. Ein Begrüßungsschmaus


Raffles war aus dem Umkreis von London verschwunden, und selbst ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo er sich aufhielt, bis ich ein Telegramm von ihm bekam, in dem er mich bat, ihn am nächsten Abend um sieben Uhr einunddreißig am Bahnhof Charing Cross abzuholen. Das war am Dienstag vor dem großen Universitäts-Kricketmatch und volle vierzehn Tage nach seinem rätselhaften Verschwinden. Die Depesche kam aus Karlsbad, dem unglaublichsten Ort der Welt für einen so gesunden Menschen wie Raffles, und es konnte wohl nur einen Grund geben, der ein solches Bild physischer Kraft und Gesundheit an diesen bösen Platz geführt hatte. Zu meinem Entsetzen aber entstieg am Mittwoch Abend dem Zug anstatt des kraftvollen, gesundheitstrotzenden Mannes, den ich zu sehen erwartet hatte, eine einer Leiche ähnliche Karikatur.

»Sprich keinen Ton, mein lieber Bunny, bis ich einige Bissen Roastbeef zu mir genommen habe«, sagte er mit matter, tonloser Stimme, die völlig im Einklang mit seinen hohlen Wangen stand. »Nein, jetzt mag ich mich nicht mehr mit dem Gepäck aufhalten; das besorgst du als guter alter Kamerad wohl morgen früh für mich, nicht, Bunny?«

»Natürlich, wann du willst«, sagte ich und schob meinen Arm durch den seinen. »Wo wollen wir nun dinieren? Bei Kellner? Neapolo? Im Carlton oder im Klub?«

Raffles schüttelte den Kopf.

»Ein Diner herunteressen mag ich nicht«, sagte er, »ich weiß schon, was ich möchte.«

So führte er mich aus dem Bahnhof in die Stadt hinein. Behaglich schlendernd schritten wir durch die Straßen; einmal blieb er stehen, um über Trafalgar Square hinweg in die Sonne zu starren. Wohlig atmete er den Teergeruch des sonnenwarmen Holzpflasters ein, der für seine Nase einen ebenso lieblichen Duft enthielt, wie der Lärm des Straßenverkehrs seinen Ohren Musik bedeutete. Wir kamen dann an einen der politischen Paläste, die sich herablassend in der Liste der Klubs mit aufzählen lassen. Zu meinem Erstaunen trat Raffles ein, als sei die ganze prächtige Marmorhalle sein eigen; sicher schritt er gerade hindurch auf den Grillroom zu, wo Köche mit weißen Mützen auf silbernen Rosten zischende Speisen bereiteten. Er fragte mich nicht, was wir essen wollten; das hatte er sich wohl bereits im Zuge überlegt. Er wählte das Filetsteak selbst aus, bestand darauf, die Nieren zu sehen, und fügte noch ein paar Worte über die Bratkartoffeln hinzu, wie auch über das »«, das als Nachspeise folgen sollte. Alles dies sah dem normalen Raffles, der bei Tisch sonst nicht schwer zu befriedigen war, ebensowenig ähnlich wie der tiefe Seufzer, mit dem er sich mir gegenüber in den Sessel fallen ließ, um dann die Arme auf dem Tisch zu kreuzen.

»Ich wusste gar nicht, dass du hier Mitglied bist«, sagte ich, weil diese Entdeckung mich wirklich in Aufregung versetzte, aber auch weil dieses Thema mir unverfänglicher erschien als die Frage nach seiner letzten geheimnisvollen Fahrt.

»Es gibt noch so manches, was du von mir nicht weißt, Bunny«, gab er müde zurück. »Wusstest du zum Beispiel, dass ich in Karlsbad war?«

»Nein.«

»Und doch entsinnst du dich wohl des letzten Abends, an dem wir zusammen saßen?«

»Du meinst den Abend, als wir im Savoy zu Nacht aßen?«

»Das ist kaum drei Wochen her.«

»Mir scheinen es ebenso viele Monate.«

»Und mir Jahre!« rief Raffles. »Du erinnerst dich doch gewiss noch des famosen Stammvaters am nächsten Tisch mit der Nase wie ein Pumpenschwengel und der Gattin mit dem herrlichen Smaragdhalsband?«

»Das sollte ich meinen!« erwiderte ich. »Du redest von dem großen Dan Levy, genannt Shylock. Du hast mir ja selbst alles über ihn erzählt, A. J.«

»So? Dann fällt dir vielleicht auch wieder ein, dass die Shylocks am anderen Tage nach Karlsbad reisten. Der Alte feierte seine letzte Orgie vor der alljährlichen Kur, und alle Anwesenden mussten davon erfahren. Ach, Bunny, jetzt fühle ich wirklich etwas wie Mitleid mit dem alten Knaben.«

»Was aber in aller Welt bewog dich, auch dahin zu fahren?«

»Das fragst du? Weißt du nicht mehr, dass du die Smaragden unter dem Tisch liegen sahst, nachdem sie aufgestanden waren, und wie ich mich vergaß und ihnen nachlief mit dem schönsten Kollier, das ich seit den Tagen der Lady Melrose in meinen Händen gehalten habe?«

Ich schüttelte den Kopf, halb als Antwort auf seine Frage, halb in Gedanken an eine recht verkehrte Handlung, die mir noch immer den Sinn bedrückte. Jetzt war ich freilich auf etwas noch weit Unsinnigeres vorbereitet.

»Du hattest nur zu recht«, fuhr Raffles fort; meine damaligen Vorwürfe lagen ihm wohl im Sinn. »Ich war zu dumm und benahm mich wie ein taktloser Idiot, denn jeder halbwegs vernünftige Mensch musste sehen, dass ein so schweres Kollier nicht herunterfallen konnte, ohne dass die Trägerin es bemerkt hätte.«

»Meinst du denn, dass sie es absichtlich fallen ließ?« rief ich mit plötzlich erwachtem Interesse, denn ich fing an, die Fortsetzung seiner Geschichte zu erraten.

»Ja«, sagte Raffles. »Die gute Alte tat es mit Vorbedacht, als sie sich nach irgendetwas bückte; und zwar damit es gestohlen und ihre Reise nach Karlsbad dadurch verschoben würde, denn ihr Mann zwingt sie alljährlich, dort die Kur mit ihm zu gebrauchen.«

Ich sagte darauf, ich hätte immer das Gefühl gehabt, dass wir das unverkennbar bestimmte Schicksal der Smaragden nicht erfüllt hätten, und es war beinahe rührend, wie Raffles nun mit mir gegen sich selbst Partei nahm.

»In demselben Augenblick, als ich die Steine ergriff und das fette Schwein fluchen hörte, sah ich meinen Irrtum ein«, sagte er. »Er sagte ihr sofort ins Gesicht sie habe den Schmuck mit Absicht fallen lassen, und traf damit den Nagel auf den Kopf; da es diesmal ihr armer Kopf war, sah ich meinen unwürdigen Eifer gleich im rechten Licht, Bunny. Es bedurfte nicht erst deiner Vorwürfe, um mir klar zu machen, was für ein blöder Tor ich gewesen war. Das Halsband war eigentlich dein, und meine Pflicht war es, dir auf irgendeine Weise die Steine zu verschaffen. Ich folgte daher den unrechtmäßigen Besitzern nach Karlsbad, sobald es die Klugheit gestattete.«

»Großartig«, rief ich, erfreut, Raffles nicht im entferntesten so abgespannt zu finden, wie er äußerlich den Anschein erweckte. »Aber dass du mich nicht mitgenommen hast, A. J., das werde ich dir so leicht nicht vergessen.«

»Mein lieber Bunny, du hättest es dort nicht ausgehalten«, sagte Raffles feierlich, »die Kur hätte dich umgebracht; sieh nur, wie ich aussehe.«

»Du willst mir doch nicht weismachen, du habest dort die Kur gebraucht?« spottete ich.

»Aber selbstverständlich, Bunny. Ich habe gewissenhaft alles...



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