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Ketterl Highland Hearts

Liebe auf den zweiten Blick
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-614-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebe auf den zweiten Blick

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ISBN: 978-3-98778-614-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
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Kopierschutz: 0 - No protection



Entscheide dich: Herz oder Vernunft?
Ein romantischer Liebesroman vor der Kulisse der schottischen Highlands

Um ihre Eltern zu unterstützen, jobbt Studentin Santana in einer Reiseagentur. Niemals hätte sie mit ihrem neuesten Auftrag gerechnet: Tyler „Hawk“ Vaughn, das begehrteste Männermodel Amerikas, soll in den Highlands für eine Werbekampagne fotografiert und währenddessen von Santana betreut werden. Dabei machen ihr nicht nur ihre wichtigtuerische Chefin und die eifersüchtige Produzentin das Leben schwer, sondern auch Hawk selbst, der sich als egozentrisch und arrogant entpuppt. Santana würde am liebsten das Handtuch oder wenigstens irgendetwas nach diesem unverschämten Kerl werfen, denn er raubt ihr den letzten Nerv. Zumindest bis er sich bei einem Dreh in den Highlands von einer anderen Seite zeigt, die ihr Leben gehörig durcheinander wirbelt …

Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Highland Hearts – Liebe auf den zweiten Blick.

Erste Leser:innenstimmen
„Man kann alle Höhen und Tiefen der beiden Protagonisten emotional mitfühlen.“
„Durch den flüssigen Schreibstil konnte ich den Wohlfühlroman nicht aus der Hand legen!“
„Eine zauberhafte Liebesgeschichte mit zwei spannenden Charakteren vor der Kulisse der schottischen Highlands.“ 
„Für mich war diese Lovestory so eine, bei der ich alles um mich herum vergessen konnte.“



Gabriele Ketterl wurde in München geboren, wo sie auch heute wieder mit ihrer Familie lebt. Ihre Fantasie steckt mittlerweile in Kinderbüchern, Kurzgeschichten, Fantasyromanen, Romantic-History-Büchern ... Nach einem Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München hieß es erst einmal: Reisen und Ideen sammeln. Betrachtet man ihren Output, scheint das gut geklappt zu haben.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. Katastrophentage


„Mum, wo ist meine rote Jacke, die Armeejacke?“

„Du willst allen Ernstes mit diesem Karnevalsteil in dein Seminar gehen? Santana!“

Santana schlüpfte in ihre groben, schwarzen Biker Boots und richtete sich ächzend wieder auf. „Mum, das ist eine Vintage-Jacke, sie kommt aus einem Theaterfundus und ich liege damit voll im aktuellen Trend.“

Ihre Mutter rümpfte die Nase. „Will ich wissen, was das für ein Trend ist?“

Santana musterte die kleine, leicht rundliche Frau, die ihr gerade einmal bis zum Kinn reichte, liebevoll. „Einigen wir uns einfach darauf, dass du – wie soll ich sagen – einen Hauch konservativer bist, als ich es bin, okay?“

„Ich könnte dir so hübsche Dinge schneidern, wenn du mich ließest.“

Keine gute Idee. Trägerröcke und Karoblusen lagen ihr nun einmal nicht.

„Danke, Mum, du bist ein Schatz. Aber ich denke, das lassen wir. Im Ernst, ich möchte gerne pünktlich in der Uni sein, wo hast du meine Jacke versteckt?“

Mit spitzen Fingern, so, als fürchtete sie, sich an dem Kleidungsstück zu verbrennen, reichte Erin Kinnear ihrer Tochter die Jacke. „Na gut, schließlich bist du alt genug, um zu wissen, was du tust.“

Aufatmend fuhr Santana in das ausgefallene Teil. „Ja, so ist es.“ Sie drehte ihre langen, kupferroten Haare zu einem dicken Dutt und steckte ihn geschickt fest. „Weißt du, ich finde, mein Stil passt perfekt zu meinem Namen.“

Erins leises Schnauben nahm sie amüsiert zur Kenntnis. Sie war sich bewusst, dass das ihr Killer-Argument war. Sie tat es ungern, aber ab und an musste sie es auffahren. Nachdem ihre Mutter sie vor zweiundzwanzig Jahren partout nach dem Ausnahmemusiker Carlos Santana benennen musste, war das eine willkommene Steilvorlage für Diskussionen, auf die sie keine Lust verspürte und die daher dringend abgekürzt werden sollten. Wobei sie ja noch von Glück reden konnte. Wäre sie ein Junge geworden, hieße sie jetzt Carlos … Carlos Kinnear, ganz toll!

Prüfend musterte sie sich im Flurspiegel. Ja, doch, so gefiel sie sich. Das Kleidungsstück, das Erin so unheimlich war, stand ihr sehr gut. Die rote Armeejacke harmonierte perfekt mit ihren hellblauen Augen, der knallengen, schwarzen Jeans und den Boots. Sie griff nach ihrer antiken Arzttasche, einer Errungenschaft vom letzten Flohmarkt, drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und öffnete die Haustür.

„Mum, ich bin um halb drei wieder zuhause. Soll ich auf dem Heimweg einkaufen?“

„Ja, vielleicht ein paar gängigere Kleidungsstücke?“

„Ich hab dich auch lieb, Mylady!“

Heute zog sich das Seminar wieder ganz besonders. So sehr sie die Geschichte ihrer Heimat liebte, so sehr verabscheute sie das endlose Auflisten von Jahreszahlen. Gelangweilt setzte sie Ziffer um Ziffer unter die nicht enden wollende Liste in ihrem Heft. Es half alles nichts, wenn sie ihren Traum wahr machen und historische Touren für Touristen anbieten wollte, dann musste sie auch das hier über sich ergehen lassen. Santana liebte Geschichte wirklich, vor allem die Geschichte ihres Landes, die sie immer sehr stolz machte. Das Lernen von Jahreszahlen aber war ihr ein Graus. Schade, denn ohne vernünftiges Grundwissen ging es nun einmal nicht.

Bannockburn, 23. und 24. Juni 1314.

Santanas Gedanken drifteten unweigerlich ab. Vor ihrem inneren Auge erschien ein riesiges Schlachtfeld. Zwei Armeen prallten aufeinander, Kampfgeschrei erklang, Schlachtrösser trugen stolze, mutige Ritter herbei. Schwerter wurden gezogen und Feinde erzitterten.

Nicht ganz so dramatisch, aber interessant und unterhaltsam sollten ihre Touren werden. Mit Statisten, nachgespielten Szenen der schottischen Geschichte, ein wenig Drama, gutem Essen und viel Schottland.

„Santana, bitte komm mit mir. Hörst du nicht? Du musst mitkommen.“

Der Wechsel von 1314 ins Jahr 2019 war nicht leicht zu vollziehen, trotzdem gelang es ihr, wenn auch leidlich. Ann, die dienstälteste Sekretärin der Fakultät, stand neben ihr und rüttelte sie leicht an der Schulter.

Verwirrt blickte sie zuerst Ann, dann ihren Professor an, der seinen Vortrag unterbrochen hatte und dessen Blick ebenso mitleidig auf ihr ruhte wie der von achtzehn Kommilitonen. Endlich fand sie ihre Sprache wieder.

„Verzeihung, ich war ein paar Jahrhunderte weit weg. Was ist denn los? Ihr habt alle so einen seltsamen Blick drauf.“

Ann legte mitfühlend ihren Arm um Santanas Schultern. „Meine Liebe, dein Vater hatte einen schweren Unfall, komm, du musst in die Klinik fahren.“

Wie sie es geschafft hatte, in den richtigen Bus zu steigen, würde wohl auf immer ein Geheimnis bleiben. Was genau passiert war, wusste Ann zwar nicht, aber zumindest, dass ihr Dad ins Western General in der Crewe Road gebracht worden war. Sie war jetzt auf dem Weg dorthin und hatte Angst, große Angst. Mason Kinnear war, seit Santana sich erinnern konnte, nicht einmal krank gewesen, und nun ein Unfall auf der Baustelle? Wie zum Henker konnte so etwas geschehen? Es gab doch Sicherheitsvorkehrungen. Sich das Hirn zu zermartern brachte allerdings wenig und daher konzentrierte sie sich darauf, wieder ruhiger zu werden. Sie konnte sich gut vorstellen, wie erschrocken und aufgeregt ihre Mutter sein musste. Eine von ihnen sollte folglich einen klaren Kopf bewahren, und aus langer Erfahrung wusste sie, dass das wohl sie sein würde.

Die beiden Damen an der Information des Krankenhauses wussten bereits Bescheid. „Mason Kinnear? Ihr Vater ist noch im OP, bitte gehen Sie nach oben, wir können derzeit noch nichts sagen. Ihre Mutter ist auch vor ein paar Minuten angekommen.“ Sie wiesen ihr den Weg und Santana beeilte sich, die ihr genannte Station zu finden. In einem langgezogenen, von hellen Lampen in weißes Licht getauchten Flur erblickte sie die zusammengesunkene Gestalt ihrer Mutter auf einem weißen Kunststoffstuhl.

„Mum, was um Himmels willen ist denn geschehen?“

Erst nach einer ganzen Weile gelang es Erin, sich so weit zu fassen, dass sie ihr verständlich antworten konnte.

Ihr Vater war auf dem Dachstuhl eines Hauses herumgeklettert, dessen morsche Balken ausgetauscht werden mussten, danach sollte das Haus neu eingedeckt werden. Nun war das für einen Zimmermann Routine, noch dazu für einen so erfahrenen wie ihren Vater. Alle Handwerker verließen sich auf ein Gutachten, das bescheinigte, dass die Hauptbalken massiv und nicht vom Verfall in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Im Nachhinein stellte sich nun heraus, dass das Gutachten eine reine Gefälligkeit gegenüber dem Hausherrn gewesen war, um Geld zu sparen. Wie die Feuerwehr bei der ersten Inaugenscheinnahme feststellen konnte, war das komplette Dach dermaßen marode, dass alles wegmusste. Mason war, in gutem Glauben an die Aussagen des Sachverständigen und des Hausherrn, auf die als unbedenklich gekennzeichneten Balken gestiegen und mehrere Meter tief in das Dachgeschoss gestürzt.

Noch während ihre Mutter Santana stockend das erzählte, was die Retter ihr berichtet hatten, traf der Chef ihres Vaters ein. Clark Newton war sichtlich schockiert.

„Es ist fürchterlich. So etwas darf einfach nicht passieren. Unser Zeitplan war – wie so oft – viel zu eng gesteckt. Mason war immer vorsichtig, wenn wir nicht dermaßen unter Druck gewesen wären, hätte er sicher den Dachstuhl sorgfältiger untersucht.“ Clark hieb die Faust gegen die Wand und suchte sichtlich erregt nach Worten. „Wer denkt denn auch, dass dieser gewissenlose Vollidiot von Sachverständigem hier ein gekauftes Gutachten abgibt? Auf so etwas verlässt man sich doch, verdammt noch mal.“

Santana lag etwas ganz anderes auf dem Herzen. „Wie geht es Dad denn überhaupt? Wie schlimm ist er verletzt? Was sagen die Ärzte?“

Erin räusperte sich. „Seine Hüfte ist mehrmals gebrochen. Er kann seine Beine bewegen, das ist ein gutes Zeichen. Der rechte Arm ist am Ellbogen gebrochen, da er wohl versucht hat, sich abzufangen. Laut dem Röntgenfacharzt, dem Chirurgen und den Orthopäden muss das alles erst einmal ruhiggestellt werden, damit es richtig wieder zusammenwächst. Danach geht es sofort in die Reha und es dauert noch Wochen, ehe er wieder vernünftig laufen kann. Dazu kommt noch eine schwere Gehirnerschütterung.“

Das klang zwar besorgniserregend, war aber nichts, mit dem man nicht fertig werden konnte.

„Nur noch einmal zum besseren Verständnis: Es besteht keine Lebensgefahr?“

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Sie waren sich nicht sicher, ob er innere Verletzungen hat, als sie ihn hergebracht haben. Das hat sich aber Gott sei Dank nicht bestätigt.“

Santana atmete auf. Der Stein, der ihr vom Herzen fiel, musste gigantische Ausmaße gehabt haben, denn sie konnte endlich wieder tief Luft holen.

Auch Clark schien erleichtert, der dunkle Schatten auf seinem Gesicht wollte aber nicht verschwinden. Santana kannte Clark, seit sie ein kleines Mädchen gewesen war. Dass mit ihm etwas nicht stimmte, hätte allerdings jeder aufmerksame Beobachter bemerkt.

„Clark, kommst du mit? Ich möchte Mum und mir was zu trinken besorgen.“

Er willigte sofort ein und folgte ihr in den am anderen Ende des Flures liegenden Aufenthaltsraum der Notfallchirurgie. Santana warf fünfzig Cent in den Kaffeeautomaten und drückte auf Milchkaffee. Während der Automat das Gewünschte ausspuckte, wandte sie sich dem unruhigen Mann zu.

„Clark, ich kenne dich lange genug, um zu wissen, dass etwas im Argen liegt. Weihst du mich bitte ein, vor allem, wenn’s um meinen Dad geht?“

Clark ließ sich auf einen der an der Wand stehenden Stühle fallen und fuhr sich mit der Rechten durch den grauen...



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