E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lamb Die Nacht vor der Hochzeit
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7527-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7527-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Panik erfasst die schöne Gabriella in der Nacht vor ihrer Hochzeit. Sie kann Stephen einfach nicht heiraten! Deshalb packt sie ihre Sachen und fährt an den Comer See - ihr Verlobter folgt ihr dorthin. Seine Augen funkeln vor Wut! Aber spricht aus ihnen nicht noch etwas anderes? Kann Stephen ihr noch einmal verzeihen und ihrer Liebe eine neue Chance geben?
Die britische Autorin Charlotte Lamb begeisterte zahlreiche Fans, ihr richtiger Name war Sheila Holland. Ebenfalls veröffentlichte sie Romane unter den Pseudonymen Sheila Coates, Sheila Lancaster, Victoria Woolf, Laura Hardy sowie unter ihrem richtigen Namen. Insgesamt schrieb sie über 160 Romane, und zwar hauptsächlich Romances, romantische Thriller sowie historische Romane. Weltweit wurden über 200 Millionen Bücher von Charlotte Lamb verkauft. Nachdem Charlotte Lamb mit 16 Jahren die Klosterschule verließ, begann sie bei der Bank of England zu arbeiten. Ihre Mittagspausen verbrachte sie in der großen Bibliothek der Bank, sie las alles und bildete sich weiter. Als sie bei der BBC als Sekretärin arbeitete, lernte sie ihren späteren Mann Richard Holland kennen, er war politischer Berichterstatter. Durch ihren Mann kam sie zum Schreiben. Da sie gern Liebesromane las, schlug er ihr zu Beginn der 1970er Jahre vor, doch selbst einen Liebesroman zu schreiben. Umgeben von drei lebhaften Kindern schrieb Charlotte Lamb ihren ersten kurzen Roman innerhalb von drei Tagen. Obwohl sie bald fünf Kinder hatte, verfasste sie weitere Manuskripte, im Jahr 1973 schließlich konnte sie ihren Liebesroman an den Verlag Mills & Boon verkaufen.
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2. KAPITEL
Gabriella konnte diese Fahrt von ungefähr siebenhundert Meilen nicht an einem Tag schaffen. Sie fuhr, bis sie restlos erschöpft war, und nahm sich dann in einem Autobahnhotel ein Zimmer für die Nacht. Da war sie schon ein gutes Stück hinter Lyon.
Nach einem leichten Abendessen im Hotelrestaurant ging sie zu Bett. Das Hotelzimmer war spärlich möbliert, aber es war sauber und besaß ein eigenes Bad, und Gabriella war so müde, dass sie sogar auf dem Fußboden eingeschlafen wäre.
Dennoch schreckte sie mehrmals aus Albträumen hoch. Das Einzige, woran sie sich dann erinnerte, war Stephens Gesicht. Als sie das letzte Mal aufwachte, war es schon halb sechs. Kurz entschlossen duschte sie, zog sich an und ging ins Restaurant, um zu frühstücken. Nach einigen Tassen schwarzen Kaffees, einem Glas Orangensaft und einem Croissant mit Marmelade fühlte sie sich stark genug, die Reise fortzusetzen. Sie bezahlte das Hotelzimmer mit ihrer Kreditkarte, denn von hier würde es einige Zeit brauchen, bis die Abbuchung in England erfolgte. Dann setzte sie sich wieder in ihr Auto und fuhr weiter in Richtung Süden in einen strahlenden, sonnigen Morgen.
Je weiter südlich sie gelangte, desto wärmer wurde es. Die Landschaft veränderte sich rasch, wechselte von den Laubwäldern und grünen Feldern im Herzen Frankreichs zu den typischen Zypressen, Olivenhainen und den würzig duftenden Sträuchern der Provence. Schließlich führte die Autobahn in einem Bogen auf die Côte d’Azur zu. Der Himmel strahlte jetzt in tiefem Blau, hier und da erhaschte Gabriella zur Rechten schon einen Blick auf das Meer, das in der Sonne funkelte. Sie fuhr durch die grünen Ausläufer der Meeralpen, vorbei an weiß getünchten Villen mit roten Ziegeldächern, die die Hänge bis hinunter zur Küste bedeckten.
Es war ein so malerischer Anblick, dass Gabriella fast versucht war, ein, zwei Nächte zu bleiben. Sie war schon wieder lange unterwegs und hätte sich am liebsten irgendwo verkrochen, um sich auszuweinen, aber sie zwang sich, weiterzufahren. Am späten Nachmittag überquerte sie bei Menton die Grenze nach Italien und bog wieder nach Norden ab, weg von der italienischen Riviera, in Richtung Mailand und der italienischen Seen.
Solange sie auf der Autobahn fuhr, wo nur wenig Verkehr herrschte, kam sie gut voran. Schwieriger wurde es, als sie auf die schmalen, gewundenen und dicht befahrenen Straßen abbog, die rund um den Lago di Como führten, der wie ein funkelnder blauer Spiegel eingebettet in die zerklüfteten Berge dalag. Zu dem Zeitpunkt war Gabriella schon so erschöpft, dass sie rein mechanisch weiterfuhr und kaum noch etwas von der Gegend wahrnahm. Ich muss anhalten und mir ein Hotel suchen, ehe ich einen Unfall baue, dachte sie dumpf.
Einen Augenblick später fuhr sie an einem Hotelschild vorbei. Ohne zu überlegen, bog sie einfach ab und fuhr durch die alten schmiedeeisernen Tore auf den Hotelparkplatz, gefolgt von einem heftigen Hupkonzert, mit dem die nachfolgenden Fahrer ihr haarsträubendes Abbiegemanöver quittierten.
Es handelte sich offensichtlich um ein altes Grandhotel mit Blick auf den See. Kristalllüster und Marmorböden zeugten vom inzwischen etwas verblassten Glanz früherer Zeiten. Die kleine Parkanlage, die das Hotel umgab, war jedoch gut gepflegt, und seitlich durch die Bäume sah Gabriella das Wasser des Lago di Como schimmern. Sie stellte ihr Auto neben den anderen Wagen, die seitlich der kiesbedeckten Auffahrt parkten, ab und ging erst einmal ohne Gepäck hundemüde zum Empfang, um sich nach einem Zimmer zu erkundigen.
Der Angestellte an der Rezeption schaute höflich auf und ließ seinen Blick abschätzig über ihren schlichten Baumwollsweater und die alten Jeans schweifen. Sofort wurde seine Miene merklich kühler.
„Si, Signorina?“ Offenbar hatte er sogar bemerkt, dass sie keinen Ehering trug.
Ohne eine Sekunde zu zögern, antwortete sie in fließendem Italienisch. Sie hatte die Sprache ihrer Mutter nicht vergessen! Gabriella erklärte dem Hotelangestellten, sie sei auf der Durchreise, suche für ein oder zwei Nächte ein Zimmer und ihr Gepäck sei draußen im Wagen.
Sichtlich skeptisch legte er ihr die Preisliste des Hotels vor, vielleicht in der Erwartung, dass die recht hohen Preise sie abschrecken würden. Doch Gabriella nickte nach einem flüchtigen Blick auf die Liste. Es war ihr egal, wie viel ein Zimmer kosten würde. Sie musste unbedingt etwas schlafen und war glücklicherweise noch nicht knapp bei Kasse.
„Haben Sie ein Zimmer mit Blick auf den See?“
„Ein Einzelzimmer?“
„Ja, bitte.“
„Wie wollen Sie zahlen, Signorina?“, fragte der Angestellte vorsichtig.
„Bar und im Voraus.“ Gabriella zog ihre Brieftasche hervor und legte den Betrag, den das Zimmer für eine Nacht kosten würde, auf die glänzende Mahagonitheke der Rezeption.
Der Angestellte blickte nachdenklich auf das Geld. „Sie haben keine Kreditkarte?“
„Natürlich.“ Gabriella nahm sie heraus und reichte sie dem Angestellten, der die Angaben auf der Karte aufmerksam studierte. „Aber ich möchte das Zimmer für diese Nacht gern bar bezahlen. Sollte ich mich entschließen, länger zu bleiben, werde ich größere Summen vermutlich mit meiner Kreditkarte bezahlen. Ist das ein Problem?“
Er schüttelte bedächtig den Kopf, gab ihr die Kreditkarte zurück und reichte ihr die übliche Anmeldekarte, die alle Gäste ausfüllen mussten. Dann bat er sie, ihren Pass sehen zu dürfen, und machte ein noch verblüffteres Gesicht, als sie ihm ihren italienischen reichte.
„Sie sind Italienerin?“
Seine überraschte Frage verriet ihr, dass ihre Aussprache nicht ganz so gut sein konnte, wie sie gedacht hatte. „Ich bin hier geboren, lebe aber in Großbritannien“, erklärte sie ruhig. „Mein Vater war Brite, meine Mutter Italienerin. Deshalb besitze ich die doppelte Staatsangehörigkeit.“
Der Hotelangestellte gab ihr den Pass zurück und lächelte endlich. „Dann brauche ich ihn nicht zu behalten.“ Er nahm das Geld und reichte Gabriella einen Schlüssel. „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt bei uns, Signorina. Soll ich Ihnen das Gepäck aufs Zimmer bringen lassen?“
„Ja, bitte.“ Gabriella gab ihm ihren Autoschlüssel. „Nur den kleineren, hellen Lederkoffer, bitte.“
Sobald sie auf ihrem Zimmer war, ging sie ins Bad und wusch sich das verschwitzte Gesicht mit klarem, kühlem Wasser. Sie sehnte sich nach einem ausgiebigen Bad, aber das musste warten, bis sie ihren Koffer hatte und sich umziehen konnte.
Es dauerte nicht lange, bis der Page ihren Koffer brachte. Sie gab ihm ein großzügiges Trinkgeld und bat ihn, ihr im Restaurant einen Tisch fürs Abendessen zu reservieren. Er zog sich mit einem breiten, freundlichen Lächeln und einer galanten Verbeugung zurück.
Gabriella gönnte sich als Erstes ein langes, entspannendes Bad. Dann zog sie ein luftiges weißes Batistkleid mit einem mit Ajourstickerei verzierten Oberteil an und streckte sich seufzend auf dem Bett aus.
Sie konnte sich nicht erinnern, je zuvor so müde gewesen zu sein. Eigentlich wollte sie nur noch schlafen, aber sie musste unbedingt Paolo anrufen.
Es war viele Monate her, seit sie ihn zuletzt gesprochen hatte. Sie waren beide keine eifrigen Briefeschreiber, und ihre Freundschaft war noch nie davon abhängig gewesen, wie häufig sie voneinander hörten. Oftmals vergingen mehrere Jahre, ehe sie sich wiedersahen, und dann war es jedes Mal so, als wären sie nie getrennt gewesen.
Paolo hatte sie immer alles sagen können. Mit ihm würde sie ganz offen über das sprechen können, was sie innerlich zerriss und warum sie die Heirat hatte absagen müssen, denn er würde es verstehen. Paolo war der einzige Mensch, dem sie je von der Vergangenheit erzählt hatte.
Als Gabriella klein gewesen war, hatte Paolo im Haus nebenan gewohnt. Vier Jahre älter als sie, war er ein untersetzter, dunkelhaariger, schweigsamer Junge gewesen, der unentwegt malte, zeichnete oder Tonfiguren formte. Die beiden Kinder hatten sich angefreundet, weil ihre Mütter Freundinnen gewesen waren und weil sie beide mit ihren eigenen Klassenkameraden nicht besonders gut zurechtkamen.
Scheu und eher ängstlich hatte Gabriella Paolos schweigsame Art als ermutigend empfunden. Er war feinfühlig und intelligent und ganz anders als die übrigen Jungen in seiner Klasse. Die hatten sich über seine Liebe zur Kunst lustig gemacht, hatten ihn deswegen gehänselt und ihn verachtet, weil er weder Fußball spielen noch sich prügeln wollte. Paolo hatte sich so weit wie möglich von ihnen ferngehalten. Er hatte schon als Junge ein sicheres Gespür dafür besessen, was er wollte, und gewusst, dass ihn seine Ziele weit weg von Brindisi führen würden.
Nach dem Tod von Gabriellas Mutter war ihr trauernder Vater mit seiner Tochter nach England zurückgekehrt, um in der Nähe seiner eigenen Mutter zu leben. Jack Brooks war selbst ein schwerkranker Mann gewesen, der seine Frau nur um drei Jahre überlebte, und in dieser Zeit hatte es seine angegriffene Gesundheit ihm meist nicht erlaubt, viel von seinem einzigen Kind zu sehen.
Gabriella war in einem Internat untergebracht worden, hatte die Sommerferien jedoch bei Ben Brooks, dem Bruder ihres Vaters und seiner Familie verbracht. Das waren ein paar sehr glückliche, unbeschwerte Jahre gewesen, bis plötzlich alles erneut zerbrach. Manchmal hatte sie das Gefühl gehabt, dass sich jedes Mal, wenn sie anfing, richtig glücklich zu sein, das Schicksal missgünstig einmischte und irgendetwas geschah, das ihr Glück zerstörte.
Der plötzliche Tod ihres Onkels veranlasste seine Frau,...




