Lenze | Fachwerkhäuser restaurieren - sanieren - modernisieren | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 265 Seiten

Lenze Fachwerkhäuser restaurieren - sanieren - modernisieren

Materialien und Verfahren für eine dauerhafte Instandsetzung
10. erweiterte Aufl 2016
ISBN: 978-3-8167-9602-2
Verlag: Fraunhofer IRB Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Materialien und Verfahren für eine dauerhafte Instandsetzung

E-Book, Deutsch, 265 Seiten

ISBN: 978-3-8167-9602-2
Verlag: Fraunhofer IRB Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Viele Fachwerkbauten, die Jahrhunderte hindurch Wind und Wetter standgehalten haben, wurden oft erst durch Modernisierungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen zum Sanierungsfall. Sind historische Fachwerkhäuser und moderner Wohnkomfort überhaupt vereinbar? Wie lassen sich heutige Anforderungen verwirklichen, ohne die historische Bausubstanz zu schädigen?
Wolfgang Lenze erläutert die konstruktiven und bauphysikalischen Besonderheiten eines Fachwerkhauses, nennt die häufigsten Fehler bei der Wartung und Renovierung und gibt konkrete Anleitungen für eine dauerhafte Instandsetzung auf historischer Grundlage. Dabei werden präzise Vorgehensweisen, Konstruktionsmerkmale, Materialien und Rezepturen genannt, die sich an traditionellen Handwerkstechniken orientieren und zugleich Erfahrungen mit neu entwickelten Produkten, z.B. im Dämmstoffbereich, beim Lehmbau, bei Fenster- oder Anstrichsystemen, berücksichtigen. Sämtliche Lösungsvorschläge sind praxiserprobt und gewährleisten eine dauerhafte Bestandsicherung.
Die detaillierte Darstellung geeigneter Materialien und Verfahren für den Fachwerkbau machen dieses Buch zu einem umfassenden Leitfaden für Architekten, Hausbesitzer und Handwerker. Wo Selbsthilfe möglich ist, werden auch dem Laien konkrete und leicht nachvollziehbare Arbeitshilfen gegeben.
Die zehnte Auflage ist um den Beitrag »Verdeckte Schäden erkennen« ergänzt.
Lenze Fachwerkhäuser restaurieren - sanieren - modernisieren jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Impressum;5
2;Vorwort;6
3;Inhalt;8
4;Einführung;14
4.1;Was ist ein Fachwerkhaus?;14
4.2;Zur Geschichte des Fachwerkhauses;15
4.3;Verloren gegangenes Wissen und Nachschulung;16
4.4;Das typische Fachwerkhaus;17
4.5;Schäden und Ursachen;19
4.6;Verdeckte Schäden erkennen;22
4.6.1;Deutliche Anzeichen für Schäden;23
5;1Die Kellersanierung;28
5.1;Die Bauweise des Kellers;28
5.2;Eindringende Feuchtigkeit;29
5.2.1;Die Kellerwände;29
5.2.2;Der Kellerfußboden;30
5.3;Welcher Qualitätsstandard soll bei der Kellersanierung erreicht werden?;31
5.4;Höchster Standard (Wohnraumqualität);31
5.5;Hoher Standard (Hobbyraumqualität);31
5.5.1;Sanierung des Kellerfußbodens;32
5.5.2;Sanierung der Kellerwände;33
5.5.3;Vertikalabdichtung der Kelleraußenwände;36
5.5.4;Behandlung der Kellerinnenwandseiten;37
5.5.5;Innenwandanstrich des Kellers;38
5.6;Normaler Standard (Lagerraum-Qualität);38
5.7;Niedriger Standard (Abstellraumqualität);39
5.7.1;Verbesserung des Kellerfußbodens;40
5.8;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;41
5.8.1;Verputzen der Wandinnenflächen mit dichten Putzen;41
5.8.2;Dichte Innenwandanstriche;41
6;2Der Fußbodenaufbau;42
6.1;Erneuerung des Fußbodenaufbaus;42
6.1.1;Dokumentieren und Konservieren;42
6.1.2;Erneuerung des Untergrunds;46
6.1.3;Wärmedämmung und Estrich;47
6.2;Einbau der Oberbodenbeläge;48
6.2.1;Einbau historischer Bodenbeläge;48
6.3;Der Anschluss von Bodenaufbau und Innenwandfundament;51
6.4;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;52
6.4.1;Schwelle unter OKFF (Fäulnisgefahr);53
6.4.2;Aushub tiefer als UK Fundament (Grundbruchgefahr);53
6.4.3;Alter Sockel über OKFF (Feuchtegefahr);53
6.4.4;Betonplatte auf Sand (Kapillarität bleibt erhalten);54
7;3Der Fundamentsockel;56
7.1;Feuchtesanierung des Fundaments in Verbindung mit dem Schwellbalken;56
7.1.1;1. Problem: Fundamente sind nicht frostfrei;56
7.1.2;2. Problem: Fundamente sind mürbe und brüchig;60
7.1.3;3. Problem: Wasser saugende Fundamente;61
7.2;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;64
7.2.1;Die Oberkante des Sockels ist uneben;65
7.2.2;Die Schwelle wird eingeputzt;65
7.2.3;Die Schwelle liegt mittig auf dem Sockel;66
7.2.4;Die Schwelle liegt tiefer als OK-Gelände;67
8;4Die Fachwerkkonstruktion;68
8.1;Das Holz – Material und Funktion;71
8.1.1;Eigenschaften und Eignung;71
8.1.2;Die Holzfeuchte;71
8.1.3;Die Fachwerkbalken;71
8.1.4;Die Funktion der Fachwerkbalken;73
8.1.5;Balkentypen und ihre Aufgabe;74
8.2;Die Auftragsvergabe;76
8.2.1;Auswahl des richtigen Zimmereibetriebs;76
8.2.2;Beurteilung des Kosten- und Arbeitsaufwands;76
8.3;Holzverbindungen für die Sanierung;77
8.3.1;Riegelaustausch mit dem »falschen« Zapfen;78
8.3.2;Riegelaustausch mit dem »Jagdzapfen«;78
8.3.3;Die offene Riegel-Brüstung;78
8.3.4;Die Längsaufblattung von Schwelle und Rähm;83
8.3.5;Die Anschluss- und die Ecküberblattung von Schwelle und Rähm;86
8.3.6;Die Verlängerung von Ständer und Pfosten;86
8.4;Reparaturvorschläge für begrenzte Maßnahmen;91
8.4.1;Der Zapfenanschluss am Ständer ist offen, die Riegelverbindung ist lose;92
8.4.2;Die Ständervorderseite weist mehrere tief gehende Faulstellen auf;92
8.4.3;Ein Ständerunterteil mit dem darunter liegenden Schwellenbereich ist angefault;92
8.4.4;Übergroße Holznagellöcher;94
8.4.5;Die Ständerfüße und die gesamte Schwelle einer Wand sind schadhaft;95
8.5;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;99
8.5.1;Mörtel als Holzersatz;99
8.5.2;Versiegeln von Ritzen und Fugen;101
8.5.3;Brettvorsätze vor verfaulten Balken;101
8.5.4;Aufspleißen des Holzes;101
8.5.5;Überstehende Querhölzer;102
8.5.6;Stumpfstöße und Montagewinkel;102
9;5Die Ausfachungen;104
9.1;Geeignete Materialien;104
9.1.1;Lehm;106
9.1.2;Ziegel;107
9.1.3;Naturstein;109
9.1.4;Stakung mit Lehmbewurf;110
9.2;Einbau der Ausfachungen;112
9.2.1;Ausbau mit Leichtlehmsteinen;113
9.2.2;Ausbau mit Vollziegelsteinen;114
9.2.3;Ausbau mit Natursteinen;115
9.2.4;Ausbau mit Stakung;116
9.3;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;116
9.3.1;Gitter- und Lochsteine;117
9.3.2;Platten mit Klebemörtel;117
9.3.3;Harte Klinker;117
9.3.4;Zementhaltige Ausfüllungen;117
9.3.5;Volldämmstoffe im Gefach;117
9.3.6;Außenüberstand der Ausfachung;118
10;6Die Wärmedämmung;120
10.1;Die Außendämmung;121
10.2;Die Innendämmung;122
10.2.1;Die Leichtlehmdämmung;125
10.2.2;Die CELLCO-Dämmung;126
10.2.3;Die Tektalan-Dämmung;129
10.2.4;Dämmen mit Faserdämmplatten;132
10.2.5;Dämmung mit Strohleichtlehmsteinen;134
10.2.6;Die Wandheizung;137
10.2.7;Allgemeine Hinweise zu den beschriebenen Dämmmethoden;139
10.3;Die Dämmung der Dachbodendecke;140
10.4;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;142
10.4.1;Trockenes Füllgut, Gipskarton und Dampfsperre;142
10.4.2;Dämmwolle, Gipskarton und Dampfsperre;142
10.4.3;Hintermauerung mit Dämmung und Luftschicht;142
10.4.4;Hintermauerung mit Füllgut;143
11;7Die Verputzarbeiten;146
11.1;Zusammensetzung und Zubereitung des Putzes;147
11.1.1;Putzmaterialien;147
11.1.2;Bindemittel;148
11.1.3;Zuschlagstoffe;150
11.2;Der Außenputz;150
11.2.1;Gefache aus Leichtlehmsteinen oder mit Stakung;151
11.2.2;Ziegel- und Natursteine;153
11.2.3;Verputzen balkenbündiger Ausfachungen;154
11.2.4;Auftragen eines Rappputzes (Schlämmputzes);155
11.2.5;Im Randbereich abgeschrägter Putz;156
11.3;Der Innenputz;156
11.3.1;Das Verputzen der Außenwandinnenseiten;157
11.3.2;Verputzen reiner Innenwände;159
11.4;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;160
12;8Der Dachstuhl;162
12.1;Die Dachstuhlkonstruktionen;163
12.1.1;Der Kehlbalkendachstuhl;163
12.1.2;Der Pfettendachstuhl;165
12.2;Die Dachstuhlsanierung;167
12.2.1;Schaden am Verbindungsknoten im Fußbereich;169
12.2.2;Schäden an den Dachdeckenbalken eines Kehlbalkendachstuhls;170
12.2.3;Verrottete oder abgeschnittene Balkenköpfe der Dachdeckenbalken;171
12.2.4;Sparren sind stark durchgebogen und in Teilbereichen nicht mehr tragfähig;172
12.3;Die Giebelverbretterung;173
12.4;Der Windfang;176
12.5;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;178
12.5.1;Entfernen der Balkenköpfe;178
12.5.2;Durchtrennen der Dachdeckenbalken;178
12.5.3;Dachundichtigkeiten im Traufbereich;178
12.5.4;Fehlender ›konstruktiver Holzschutz‹ am Windfang;179
13;9Der Dachausbau;180
13.1;Die technische Durchführung;181
13.1.1;Die Baugenehmigung;181
13.1.2;Der Brandschutz;182
13.1.3;Der statische Nachweis;182
13.1.4;Die Lichtöffnungen;183
13.1.5;Der Treppenaufstieg;183
13.1.6;Ausbaulösungen;183
13.1.6.1;Das Leichtbauverfahren;184
13.1.6.2;Das Lehmbauverfahren;186
13.1.6.3;Das Dämmverfahren in zwei Schritten;188
13.1.7;Die Schalldämmung;189
13.1.8;Die Hausinstallationen;191
13.1.9;Der Einbau von Nassräumen;191
13.2;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;194
13.2.1;Dampfsperre statt Dampfbremse;194
13.2.2;Beschädigung der Dampfbremsfolien;194
13.2.3;Unvollständig aufgefüllte Wärmedämmung zwischen den Sparren;194
13.2.4;Zu große Fensterflächen und Gauben;194
13.2.5;Verzicht auf die Feuchtigkeitssperre des Rohfußbodens in Nassräumen;194
14;10Die Fenster;196
14.1;Historischer Rückblick;196
14.2;Die Verbindung zwischen Gestern und Heute;198
14.3;Die Elemente des historischen Fensters;200
14.4;Hinweise zur Fensterausschreibung;200
14.5;Einbauvarianten;202
14.6;Die Fenstermaterialien;205
14.7;Die Fenstersysteme;207
14.8;Das historische Einfachfenster aufarbeiten;208
14.8.1;Reparaturmaßnahmen-Katalog;208
14.8.2;Erläuterungen zum Reparaturmaßnahmen-Katalog;210
14.9;Das Verbundfenster;214
14.10;Das Einfachfenster mit Isolierverglasung;214
14.11;Das Kastenfenster;221
14.12;Das Stockrahmenfenster;224
14.13;Die Verkleidung der äußeren Fensterlaibung;228
14.14;Fenster-Tür-Element für die Deelentoröffnung;230
14.14.1;Grundsätzliches;233
14.15;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;234
14.15.1;Unpassende Maßnahmen;234
14.15.2;Schädigende Maßnahmen;236
15;11Maler- und Anstricharbeiten;238
15.1;Die Anstrichmaterialien;238
15.2;Produktsysteme, Eigenschaften und die Verarbeitung geeigneter Materialien;241
15.2.1;Mineralfarben (Silikatfarben);241
15.2.2;Silikonharz-Fassaden- und Wandfarben;242
15.2.3;Kasein-Wandfarben;242
15.2.4;Leimfarben;244
15.3;Anwendungshinweise;245
15.3.1;Mineralfarben;245
15.3.2;Silikonharzfarben;245
15.3.3;Kaseinfarbe;245
15.3.4;Leimfarbe;246
15.3.5;Anstrich von Fachwerkbalken;246
15.4;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;247
16;12Fliesenbeläge auf Lehmputzuntergrund;250
16.1;Historischer Rückblick;250
16.2;Die Fliesenprodukte;252
16.3;Verlegen der Wandfliesen auf Lehmputzuntergrund;252
16.3.1;Erforderliche Arbeitsschritte;252
16.4;Was Sie unbedingt vermeiden sollten;253
16.4.1;Nicht alle Wandflächen verfliesen;253
16.4.2;Nicht mit Zementmörtel auf Lehmuntergrund;253
16.4.3;Fliesen nicht direkt auf Holzuntergrund verlegen;253
17;13Das Haus steht unter Denkmalschutz;256
17.1;Denkmalschutz gemäß dem Denkmalschutzgesetz (DSchG);256
17.1.1;Die »Untere Denkmalbehörde (UD)«;257
17.1.2;Die »Obere Denkmalbehörde (OD)«;257
17.1.3;Die »Oberste Denkmalbehörde«;258
17.1.4;»Der Landeskonservator« oder auch »Das Landesdenkmalamt«;258
17.2;Schlussbemerkung;258
18;Nachwort;260
19;Anhang;262
19.1;Adressen, die weiterhelfen;262
19.2;Weiterführende Literatur;265


Einführung


Was ist ein Fachwerkhaus?


Für Fachwerkhäuser hatte ich schon immer eine Vorliebe. An ihnen ist nichts genormt, gerade oder übertrieben exakt. In ihnen steckt das Wissen, die Erfahrung und die Handwerkskunst der Zimmerleute von mehr als 1?000 Jahren. Fachwerkhäuser sind sozusagen die Individualisten unter den Häusern. Sie sind elastisch und äußerst widerstandsfähig. Sie können Jahrhunderte überdauern.

Eine Fachwerkkonstruktion ist ein äußerst stabiles, langlebiges und konsequent errichtetes Holzständerwerk, welches im Wesentlichen durch reine Holzverbindungen zusammengehalten wird. Die Wandfelder (Gefache) sind mit weichen Materialien ausgefüllt, die dem elastischen Holzgefüge angepasst, wetterbeständig, winddicht und hoch atmungsaktiv sind. In der Regel handelt es sich bei den Baumaterialien um organische Stoffe oder um solche organischen Ursprungs. Ein Fachwerkhaus ist also ein wirkliches Ökohaus.

Fachwerkhäuser wurden in nahezu grenzenloser Zahl erbaut, seit mehr als 1?000 Jahren. Die ältesten, die heute noch erhalten sind, stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Zu den Bauten, die als Fachwerkkonstruktionen errichtet wurden, gehören

  • Burgen und Schlösser,
  • Rathäuser und prunkvolle, vielgeschossige Patrizierhäuser,
  • große, prächtige Schulzenhöfe und einfache Pachthöfe,
  • Scheunen, Remisen und Werkstätten,
  • Handwerker-, Tagelöhner- und Ackerbürgerhäuser,
  • Kirchen, Klöster und viele mehr.

Die Fachwerkkonstruktion war für jeden Haustyp geeignet. Sie war solide und langlebig. Fähige Handwerker und die notwendigen Baumaterialien gab es in unseren Regionen überall.

Im Norden Deutschlands wurde vornehmlich Eiche verwendet, in anderen Regionen dagegen seit dem späten Mittelalter häufig auch Nadelholz, dann jedoch mit größeren Balkenquerschnitten. In diesen Fachwerkkonstruktionen wurden Riegelverbindungen mit kurzen Zapfen oft nur gesteckt und nicht durch Holznägel gesichert. Diese Konstruktionen sind durch aufwändige Strebenverbände so versteift, dass auf die Riegelanschlüsse keine Zugkräfte einwirken. Dadurch konnte dort auf Holznagelung verzichtet werden (Abb. 1). Obwohl ich mich in diesem Buch auf Eiche als Fachwerk-Baumaterial beschränke, treffen meine Anregungen bei Nadelholzkonstruktionen in gleicher Weise zu.

Zur Geschichte des Fachwerkhauses


Das Fachwerkhaus hat eine lange Geschichte, die in Deutschland und fast allen anderen Ländern des nördlichen Europas vermutlich bis ins 5. und 6. Jh. n. Chr. zurückgeht. Kleine Pfahl- und Pfostenhäuser mit Weidengeflecht und Lehmbewurf waren seine Vorgänger.

Die Entwicklung schritt schnell voran. Bereits im frühen Mittelalter entstanden mehrgeschossige Fachwerkbauten. Neben den massiven Bruchsteinburgen der Bischöfe, Fürsten und Ritter war das Fachwerkhaus die übliche und am weitesten verbreitete Hausform.

Zu seiner höchsten Blüte gelangte der Fachwerkbau im 13. Jh. Sie währte bis ins 16. Jh. hinein. Überall entstanden kunstvoll verzierte Patrizierhäuser mit profilierten und mit feinem Schnitzwerk überzogenen Balken, mit wunderbaren Flecht- und Schmuckfachwerken. Häuser, die mitunter 7 bis 8 Stockwerke hoch waren. Eine Blütezeit erlebten auch der Handel und das Handwerk. Es war die Zeit der Hanse. Damals wurde auch mit dem Bau der großen Kathedralen begonnen, wie z.B. mit dem Kölner Dom.

Foto: Manfred Christ

Abb. 1: Die Fachwerkfassaden prachtvoller Bürgerhäuser prägen auch heute noch das Stadtbild vieler historischer Innenstädte.

Mit Beginn des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1618, war diese Epoche endgültig vorbei. Nach diesem Krieg, in den fast ganz Nordeuropa verwickelt war, begann eine zögerliche Aufbauphase. Die Fachwerkkonstruktionen wurden einfacher und sachlicher. Man baute mit geringeren Balkenquerschnitten. Die Ständer, Pfosten und Riegel lagen weiter auseinander, Verzierungen gab es nur wenige. Man musste sparen, vor allem beim Bauholz.

Im 18. und 19. Jh. wurden die Balkenquerschnitte weiter reduziert. Die Konstruktionen blieben dennoch stabil und dauerhaft. Die meisten der bis heute erhaltenen Fachwerkbauten stammen aus dieser Zeit. Erst zum Ende des 19. Jh. und mit dem beginnenden 20. Jh. wurde auch in Norddeutschland neben der Eiche, dem eigentlichen Fachwerk-Baumaterial, Nadelholz mit sehr geringen Balkenquerschnitten verwendet. Zuerst nur für die Innenwände, bald aber auch für die Außenwände.

Die Zeit der Fachwerkkonstruktionen war um 1925 im Großen und Ganzen zu Ende. Eiche war zu teuer, die späten Nadelholzkonstruktionen nicht dauerhaft genug. Andere Bauweisen wurden bevorzugt. Sie waren preiswerter, stabiler und boten mehr Wohnqualität.

Die Kunst der Zimmerleute, eine hochwertige Fachwerkkonstruktion zu entwerfen und zu errichten, ging nach und nach verloren. Nicht zuletzt auch wegen der zunehmenden Flut von immer neuen Bauvorschriften, in denen für das Fachwerkhaus kein Platz mehr war.

Verloren gegangenes Wissen und Nachschulung


Die alte Tradition des Zimmererhandwerks, das seine Konstruktionen ausschließlich mit reinen Holzverbindungen fertigte, geriet mit den letzten alten Zimmerleuten in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jh. endgültig in Vergessenheit. In den 70er- und 80er-Jahren erkannte man diesen Verlust.

Auf Anregung der Landesdenkmalämter, aber auch aufgrund von Eigeninitiative organisierten Fachinstitute, Handwerksverbände und Akademien Schulungen für Ingenieure, Architekten, Meister, Handwerker und interessierte Laien.

Das verschüttete Wissen von den alten Handwerkstechniken, über Verfahren und Materialien für den richtigen Umgang mit dem historischen Kulturerbe sollte wieder belebt werden. Denn welcher Architekt oder Ingenieur wusste, wie ein Fachwerkhaus sach- und fachgerecht zu sanieren und zu modernisieren war? Welcher Zimmermann kannte noch die alten Holzverbindungen? Welcher Maurer konnte noch einen Bogen, geschweige denn ein Kreuzgewölbe mauern? Welcher Stuckateur konnte noch Schablonen fertigen, Stuckprofile ziehen und anbringen? Welcher Maler konnte noch Deckenornamente und Wandfriese anfertigen, vergolden und Schriften malen? Welcher Steinmetz konnte noch eine einfache Vierung einpassen oder gar eine Kreuzblume anfertigen? So wurden also interessierte Fachleute zum Denkmalpfleger oder zum Restaurator im Handwerk weitergebildet.

Langsam kam etwas in Bewegung, denn die dramatische Zunahme der Schäden an den historischen Bauten verlangte dringend nach geeigneten Sanierungsmethoden. Die für die Ausbildung eigentlich zuständigen Institutionen wie Berufsschulen, Ausbildungsbetriebe und Lehrbauhöfe, aber auch Ingenieurschulen und Universitäten, konnten die Wissenslücken nicht mehr füllen. Seit Mitte der 80er-Jahre ist aber auch hier ein Wandel eingetreten. Es werden, wenn auch noch zögerlich, Lehrgänge, Seminare und Ausbildungslehrgänge für die praktische Denkmalpflege und zur Nachschulung der Handwerker angeboten.

Heute kann der Eigentümer eines historischen Fachwerkhauses wieder Fachleute und Handwerker finden, die wissen, worum es geht, wie man es machen darf und wie nicht. Es ist aber immer noch mühsam und leider oft auch ein Glücksspiel, die richtigen Partner für die Sanierung seines Hauses zu bekommen. Mit der Zeit wird sich diese Situation jedoch verbessern, denn man hat das Problem erkannt und arbeitet an einer Lösung.

Das typische Fachwerkhaus


In diesem Buch beziehe ich mich auf ein westfälisches Fachwerk-Bauernhaus aus dem späten 18. Jh., wie es in dieser oder ähnlicher Form heute recht oft anzutreffen ist mit allen Veränderungen und Spuren, die im Laufe von rund 250 Jahren hinzugekommen sind.

Foto: Gerda Jucho, Archiv Almuth Platte, Hamm

Abb. 2: Westfälischen Fachwerk-Bauernhaus

Abb. 3: Bestandteile eines typischen westfälischen Fachwerkhauses

Ganz bewusst habe ich ein Bauernhaus als Beispiel gewählt, weil infolge der gravierenden Veränderungen in der Landwirtschaft Häuser dieser Art mehr und mehr völlig umgenutzt und umgebaut werden. Wohn- oder auch Büronutzung erstreckt sich oft über das gesamte Haus mit dem ehemaligen Wirtschaftstrakt, mit Deele und Stallungen.

Meine Lösungsvorschläge beziehen also diesen besonderen Problembereich mit ein, ohne damit höherwertige Fachwerkhäuser auszuschließen. Ganz im Gegenteil, ich bemühe mich um Allgemeingültigkeit. So treffen meine Vorschläge zur Feuchtesanierung, zur Wiederherstellung der Fachwerkkonstruktion, zum Erneuern der Ausfachungen, zum Einbau einer Wärmedämmung, zur Erneuerung der Hausinstallationen, zum Dachausbau und zu anderen Themen in gleicher Weise auf alle Fachwerkbauten zu.

Schäden und Ursachen


Obwohl das Fachwerkhaus im Grunde sehr stabil und langlebig ist, weist es häufig ganz erhebliche Schäden auf.

  • Das Holz ist angefault, Balkenteile fehlen.
  • Verbindungen sind locker oder nicht mehr vorhanden.
  • Gefache sind lose oder fallen ganz heraus.
  • Wände sind schief und haben sich gesetzt.
  • Decken hängen nach außen.
  • Fenster und Türen klemmen
  • und vieles andere mehr.

Wie kann es dazu kommen? Wo liegen die Ursachen? Eigenartigerweise trifft...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.