Lieske | Das Image von Journalisten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 297 Seiten, Web PDF

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Lieske Das Image von Journalisten

Eine qualitative Untersuchung
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-90888-5
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Eine qualitative Untersuchung

E-Book, Deutsch, 297 Seiten, Web PDF

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-90888-5
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
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Umfrageergebnisse zum Ansehen bestimmter Berufe, wie sie immer mal wieder von Meinungsforschungsinstituten vorgelegt werden, verweisen eher auf ein relativ schlechtes Image von Journalisten. Auf Skalen, die zur - mittlung des Ansehens verschiedener Berufe in Umfragen eingesetzt w- den, landen Journalisten meist ziemlich weit unten – ganz in der Nähe von Politikern. In den letzten Jahren scheint das Ansehen von Journalisten sich sogar noch weiter verschlechtert zu haben. Andererseits rangiert der Jour- listenberuf hoch, wenn es um die Berufswünsche junger Menschen geht. Obendrein genießen manche Journalisten Prominentenstatus und erfreuen sich erheblicher Popularität; sie sind gefragte Redner, erhalten Fanpost und werden um Autogramme gebeten. Solche Beobachtungen verweisen, wenn nicht auf ein Paradox, so doch wenigstens auf eine gewisse Ambivalenz im öffentlichen Image von Jour- listen. Diese ebenso wie die Frage nach den Ursachen wären nur für Jour- listen interessant und vielleicht auch betrüblich, wenn dem Bild, das sich das Publikum von ihnen macht, nicht auch Wirkungsrelevanz im Massenk- munikationsprozess zugewiesen würde. Darauf verwies früh schon Gerhard Maletzke in seinem Feldschema der Massenkommunikation (1963), ähnlich wenig später Henk Prakke in seinem Ansatz der funktionalen Publizistik (1968). In den achtziger Jahren haben Werner Früh und Klaus Schönbach mit dem dynamisch-transaktionalen Ansatz dem Journalistenimage wied- um diese Rolle zugewiesen: Ebenso wie das Bild, das sich Journalisten von ihrem Publikum machen, gilt das Bild, das sich das Publikum von Journal- ten macht, als Einflussvariable im Wirkungsprozess.

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Das Image von Journalisten im Massenkommunikationsprozess.- Methodisches Vorgehen.- Ergebnisse: Einzelfallanalysen.- Übergreifende Interpretation: Gemeinsamkeiten in den Vorstellungen und Einstellungen der Befragten zu Journalisten und zum Journalismussystem.- Fazit: Das Image von Journalisten aus der Sicht des Rezipienten.



Die Entwicklung des Images von Journalisten aus der Sicht des Rezipienten hängt von mindestens drei Faktoren ab: 1.) von der Art der Quellen, die Rezipienten Informationen über Journalisten liefern, 2.) von der Stärke ihres Einflusses sowie 3.) von ihrer inhaltlichen Qualität.

2.4.1 Art der Informationsquellen

Auf Basis des dynamisch-transaktionalen Ansatzes leitet Engesser (2003, S. 21-25) drei Interaktionsebenen zwischen Rezipient und Kommunikator ab, die den Kommunikationspartnern Informationen über den jeweils anderen liefern: die direkte, indirekte und imaginäre Interaktionsebene. Folgt man diesem Schema, so bezieht der Rezipient Informationen über Journalisten auf direktem Wege durch persönliche Kontakte zu diesem Berufsstand, die sich beispielsweise aus Freundschaften, Verwandtschaftsverhältnissen oder losen Bekanntschaften ergeben können. Solche Begegnungen zählen nicht zur Massenkommunikation im eigentlichen Sinne. Manchmal sind Rezipienten aber auch als Zuschauer oder Hörer bei Aufzeichnungen von Sendungen in Hörfunk- oder Fernsehstudios anwesend oder begegnen Journalisten bei öffentlichen Veranstaltungen, die von Medieninstitutionen organisiert werden.

Solche direkten Erfahrungen des Rezipienten mit Journalisten kann man auch als Primärerfahrungen bezeichnen. Auf indirektem Wege (Sekundärerfahrungen) erhalten Rezipienten Informationen über Journalisten durch Mediendarstellungen (Journalisten im beruflichen Kontext, Berichte über Journalisten), personale Darstellungen (Autobiografien, Biografien), fiktionale Darstellungen (Fernsehserien, Filme, Literatur) sowie durch Kontakte zu journalistischen Produkten (Zeitungsartikel, Radio- oder Fernsehbeiträge), die sie bewerten und von denen sie auf den Journalisten als Produzenten der Aussage schließen (vgl. Engesser, 2003, S. 24-25).

Nun sind die Wege, auf denen der Rezipient Informationen über Journalisten sammelt, mit den genannten Möglichkeiten noch nicht erschöpft. Vielmehr wird er auch in persönlichen Kontakten zu anderen Medienkonsumenten seinen Wissensschatz über Journalisten erweitern und dabei erfahren, wie beispielsweise Verwandte, Freunde oder Arbeitskollegen über diesen Berufsstand denken. Diese Personen beziehen wiederum auf direktem oder indirektem Weg Informationen über Journalisten und werden so ihr eigenes Bild vom journalistischen Berufsstand entwickeln. Der Rezipient wird also seine Erfahrungen mit und Einstellungen zu Journalisten in direkten Kontakten auch an andere Individuen weitergeben und dabei gleichzeitig Einsichten in die Vorstellungen und Einstellungen seiner Gesprächspartner erhalten.

Somit lassen sich diese Austauschbeziehungen ebenfalls als Interaktionen bezeichnen, die allerdings innerhalb des Rezipientenkreises ablaufen. Die Informationen, die dabei ausgetauscht werden, fließen entsprechend dem Kommunikationscharakter auf direktem Wege und gelten somit als Primärerfahrungen. Da sie sich aber auf die imaginäre Interaktionsebene zwischen Rezipient und Medienakteur beziehen, kommen sie streng genommen Sekundärerfahrungen mit Journalisten gleich. Schließlich handelt es sich um einen Meinungsaustausch zwischen Medienkonsumenten über ihre subjektiv geprägten Vorstellungen von Journalisten, aus denen wiederum bestimmte Einstellungen und Gefühle bezüglich des journalistischen Berufsstands resultieren. Dabei erhält der Einzelne Informationen über Journalisten zwar nicht medienvermittelt, aber dennoch „gefiltert, nämlich durch die subjektive Sicht seines Gegenübers. Abbildung 2 verdeutlicht den erläuterten Zusammenhang.

2.4.2 Einflussstärke der Informationsquellen

Engesser stellt fest, dass sich die Stärke des Einflusses der verschiedenen Quellen, die das Bild der Kommunikationspartner vom jeweils anderen prägen, nicht genau beziffern lässt (vgl. Engesser, 2003, S. 25). Man kann aber davon ausgehen, dass sich das Journalistenbild beim Rezipienten desto umfangreicher und klarer ausnehmen wird, je besser er mit Journalisten vertraut ist und ihre Arbeitsweise kennt. Und dies hängt wiederum davon ab, auf welchen Wegen er Informationen über Journalisten erhält und wie umfangreich sie ausfallen.


Dr. Sandra Lieske promovierte bei Prof. Dr. Christina Holtz-Bacha am Institut für Publizistik der Universität Mainz. Sie ist als PR-Beraterin bei Pleon in Frankfurt am Main tätig.



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