Marx Die drei ??? Das Auge des Drachen (drei Fragezeichen)
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-440-14196-0
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 127 Seiten
Reihe: Die drei ???
ISBN: 978-3-440-14196-0
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein markerschütternder Hilfeschrei hallt durch den Wald. Als Justus, Peter und Bob sich alarmiert auf die Suche machen, finden sie ein kleines Mädchen, das zitternd in den Himmel zeigt: " Es war ein Drache! Ein Drache hat mich angegriffen!" Kurze Zeit später schwebt tatsächlich ein seltsames Tier hoch oben in den Wolken. Eine optische Täuschung? Oder gibt es doch Dinge zwischen Himmel und Erde, die rational nicht erklärbar sind? Die drei Detektive aus Rocky Beach müssen bei ihren Ermittlungen zu diesem Fall sehr genau hinsehen und machen die Erfahrung, dass man selbst den eigenen Augen nicht immer trauen kann…
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Luftangriff
Es war ein warmer, sonniger Tag. Justus Jonas marschierte mit geschultertem Rucksack und Wanderstab in der Hand durch den schattigen Wald. Neben ihm floss ein kleiner Bach. Justus lauschte dem Plätschern des Wassers und beantwortete gut gelaunt die Fragen des Interviewers. »Wie ich hörte, haben Sie sogar ein richtiges Detektivbüro, Ihre so genannte Zentrale.« »Das stimmt. Ein überaus modern eingerichtetes Hightechbüro mit gediegener Innen- und Außenarchitektur, die neue Maßstäbe setzt. Außerdem liegt unser Firmensitz in einem Gebiet von Rocky Beach, das sich durch eine aufregende und perfekt auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Infrastruktur auszeichnet.« Sein Gegenüber räusperte sich. »Tatsächlich? Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie in einem uralten, halb vergammelten Campinganhänger auf dem Schrottplatz Ihres Onkels hausen.« »Das sagte ich doch«, gab Justus ungerührt zurück. Der Interviewer nickte wissend. »Wieso nennen Sie und Ihre Kollegen sich ›die drei ???‹?« »Das ist ganz einfach: Das Fragezeichen ist ein Symbol für alles Unbekannte. Für Fragen, die nach einer Antwort verlangen, für Rätsel, die gelöst werden wollen, für Geheimnisse und Mysterien. Da wir als Detektive versucht sind, diese Mysterien zu lüften, erschien mir das Fragezeichen als Firmensymbol äußerst geeignet.« »Und Sie haben in Ihren jungen Jahren tatsächlich schon ein paar Fälle gelöst?« »Eine Menge sogar«, brüstete sich Justus. »Und einer war geheimnisvoller als der andere.« »Wenn Sie sich und Ihre Kollegen charakterisieren sollten, besonders in Bezug auf Ihre Arbeit, wie sähe das dann aus? Hat jeder von Ihnen besondere Fähigkeiten und Aufgabenbereiche?« »Ich bin dankbar, dass Sie das fragen. Wir arbeiten immer als Team. Daher glauben viele Leute, jeder von uns hätte den gleichen Stellenwert innerhalb des Trios. Das ist natürlich nicht so. Tatsächlich bin ich es, der die meiste Arbeit macht. Ich bin der Einzige, dessen Intellekt den vielen schwierigen Aufgaben, denen wir in der Vergangenheit gegenüberstanden, gewachsen war. Meine Kollegen, nun ja, wissen Sie … Bob Andrews ist ja ein netter Kerl und durchaus nicht unintelligent, aber am besten eignet er sich doch immer noch für Handlangerarbeiten. Sie wissen schon, die zeitraubende Recherche erledigen, der ganze Bürokram, Besorgungen machen und so weiter. Und was Peter Shaw angeht, tja, wenn ich recht darüber nachdenke, weiß ich selbst nicht so genau, warum er eigentlich dabei ist.« »Ach, tatsächlich.« Sein Gegenüber gab sich keine Mühe, seinen Unmut zu verbergen. »Ja. Die meiste Zeit ist er ein Klotz am Bein. Ständig hegt er Zweifel an allem, was wir tun, er ist eine permanente Bremse, die meine geistige Arbeit behindert. Andererseits eignet er sich manchmal ganz gut, um gefährliche Situationen zu meistern, die einen gewissen körperlichen Einsatz erfordern.« »An Hausfassaden bis zum neunten Stock emporklettern zum Beispiel?« »Zum Beispiel.« »Oder ohne Sauerstoffgerät kilometerweit tauchen, um einen Schatz zu bergen?« »Genau.« »Oder wilde Tiere ablenken, damit Sie sich in Sicherheit bringen können?« »Richtig. Diese Art von Dingen.« »Er ist also sozusagen das Kanonenfutter in Ihrem Trio.« »Wenn Sie so wollen.« Sein Gesprächspartner ließ den abgebrochenen Ast, der ihm als Mikrofon gedient hatte, herumwirbeln und bespritzte Justus mit Wasser aus dem Bach. »Du Blödmann!« Justus brachte sich lachend in Sicherheit. »Wieso bin ich ein Blödmann? Du hast angefangen mit diesem Interview. Kann ich was dafür, wenn du die Wahrheit nicht vertragen kannst?« »Na warte, Justus Jonas«, sagte Peter und beugte sich zum Wasserlauf hinunter, die Hände zu einer Schaufel zusammengelegt. »Jetzt zeig ich dir, wozu das Kanonenfutter sonst noch fähig ist!« Mit voller Wucht spritzte er Justus nass. Der suchte das Weite, doch so schnell gab Peter sich nicht geschlagen. Er langte noch tiefer in den Bach hinein, schöpfte eine Hand voll Schlamm heraus und warf sie nach dem fliehenden Ersten Detektiv. Justus schrie in gespielter Panik, holte Bob ein, der ein Stück vor ihnen gegangen war, und versteckte sich hinter ihm. »Hilf mir, Bob, das Kanonenfutter will sich rächen!« »Das was?« »Wehe, du schützt ihn, Bob!«, rief der mit einem weiteren Schlammklumpen bewaffnete Peter von hinten. »Er hat mich tief in meiner Ehre verletzt! Und dich übrigens auch!« »Ich habe nur«, begann Justus und benutzte Bob als Schutzschild, »die Wahrheit gesagt!« »Jetzt geht’s dir an den Kragen! Bob! Duck dich!«, rief Peter und schleuderte den Schlammball los. Bob duckte sich nicht. Stattdessen drehte er sich zum Zweiten Detektiv um. »Hört doch auf mit diesen albernen –« PLATSCH! »Oh. Oh! Das … das war wirklich keine –« Peters Entschuldigung ging in Justus’ wieherndem Gelächter und Bobs Wutgebrüll unter. »Na. Warte.« Überraschend schnell sprintete Bob los, grub seine Hände tief in den Matsch und warf ihn nach Peter. FLATSCH! »Treffer!«, johlte Justus und kriegte sich vor Lachen kaum ein, als Peter der Schlamm durch die Haare lief. »He, Zweiter, du solltest mal deinen Friseur wechseln.« Bob und Peter nickten sich viel sagend zu. »Oh nein«, sagte Justus und wich zurück. »Oh doch.« »He, ich bin absolut unschuldig! Nur weil du mir rhetorisch nicht gewachsen bist, musst du noch lange nicht –« FLOTSCH! Innerhalb weniger Augenblicke entbrannte eine wilde Schlammschlacht, bei der jeder seine Abreibung bekam. Nach zwei Minuten sahen alle drei aus, als hätten sie sich drei Wochen lang durch das Amazonasdelta gekämpft. »Stopp!«, rief Justus keuchend. »Ich nehme alles zurück und gebe mich geschlagen!« »Ich auch!«, sagte Bob. »Obwohl ich gar nichts gemacht habe.« »Na schön«, gab sich Peter zufrieden, der als Einziger noch nicht außer Puste war. Er betrachtete seine Freunde: Justus klebte ein riesiger Matschkloß im Haar, während Bobs Augen unheimlich weiß aus einer schwarz-braunen Masse hervorleuchteten. »Ihr seht aus, als hättet ihr ein ausgiebiges Bad in … na ja, lassen wir das. Auf jeden Fall echt übel.« »Das trägt man jetzt so«, behauptete Bob. Fünf Minuten später saßen sie auf einer sonnigen Wiese abseits des Waldweges und versuchten, ihre Gesichter mit Grasbüscheln zu reinigen. »Du bist echt bescheuert, Peter«, sagte Justus. »Wir sehen aus wie die letzten Schweine.« »So eine Schlammmaske ist gut für die Haut.« »Und fürs Haar auch, nehme ich an?« »Klar. Und fürs T-Shirt.« »Gebt es auf, Kollegen«, riet Bob. »Da hilft nur eine Dusche zu Hause. Hoffen wir einfach, dass wir niemandem bei unserem Picknick begegnen. Sonst kriegen wir noch eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.« »Ich sehe hier nur ein einziges öffentliches Ärgernis«, sagte Peter und blickte zu Justus. Doch der Erste Detektiv ließ sich nicht mehr provozieren. Seine Aufmerksamkeit galt den prall gefüllten Rucksäcken. »Picknick! Fast hätte ich den Grund für unseren Ausflug vergessen, Bob!« »Du? Niemals!« »Womit fangen wir an? Mit dem berühmten Andrews’schen Kartoffelsalat, den Frikadellen von Mr Shaw oder Tante Mathildas Kirschkuchen?« »Mit gar nichts!«, sagte Peter. »Wir wollten doch eigentlich noch ein Stückchen wandern, oder?« »Unmöglich«, sagte Justus entschieden. »Diese Schlammschlacht hat mich völlig entkräftet. Ohne eine Stärkung kann ich mich keinen Meter weiterbewegen.« Schon bald hatten sie alle Rucksäcke ausgepackt und machten sich über das Meer aus Fressalien und Getränken her. Insgeheim glaubte niemand daran, dass sie noch weiterwandern würden. »Herrlich«, seufzte Peter und ließ die letzten Krümel Kokosmakronen in seinen Mund rollen. »Endlich mal nichts tun und nur den Bauch in die Sonne halten!« Er ließ sich ins weiche Gras zurückfallen und schloss die Augen. »Wer hätte gedacht, dass ich das noch mal mit euch zusammen erlebe: einen ganz normalen Sommertag nach der Schule, ein Picknick im Grünen, keine Aufregung, kein Stress, kein neuer Fall, der mir die letzten Nerven raubt, niemand, der uns verfolgt, niemand, den wir verfolgen müssen, keine verschwundenen Schätze, Geistererscheinungen, Angriffe aus dem Hinterhalt, keine finsteren Machenschaften, keine ominösen Auftraggeber, keine Intrigen, Komplotte und Verschwörungen, nichts, wovon man nachts nicht schlafen kann, keine gruseligen Häuser mit finsteren Kellern und noch finstereren Geheimnissen. Ganz einfach Ruhe und Frieden und Sonne und Kirschkuchen. Wunderbar.« Ein Schrei hallte durch den Wald und riss Peter aus seinen Träumen. Er fuhr hoch. »Was war das?« »Da schreit ein Kind!« »Hiiilfeee!« Der Schrei war markerschütternd schrill. Dann ein helles Krächzen und Kreischen: »Keeaah!« Die drei Detektive sprangen auf. »Es kam von dort!«, rief Bob und rannte auf den Rand der Wiese zu, die von dichten Büschen begrenzt wurde. Er hechtete durch das Gestrüpp und lief dem Schreien nach durch ein kleines Waldstück, das auf eine Lichtung führte. Dort stand ein etwa sechsjähriges Mädchen. Es hielt seine Hände vor das Gesicht und starrte wimmernd in den Himmel. Bob folgte ihrem...