Müller | Was scheinbar passiert | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

Müller Was scheinbar passiert


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-6255-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

ISBN: 978-3-7583-6255-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Botschaft in diesem Buch ist einfach. Sie ist der scheinbare Hinweis darauf, dass es keine Botschaft gibt. Diese natürliche Realität ist ausnahmslos das, was scheinbar passiert. Diese Zeilen zu lesen, ist diese natürliche Realität. Diese Zeilen zu lesen, ist nichts anderes als es selbst. Niemand ist und war getrennt von der natürlichen Realität und könnte einen Weg zurück dahin finden. Andreas beleuchtet in seinen Talks die Irrealität des Suchers und dessen Dilemma, Einheit niemals finden zu können, da alles bereits 'eins' ist.

Andreas wurde 1979 in Ludwigsburg geboren. Nach einigen Jahren spiritueller Suche begegnete er 2009 Tony Parsons. Seit 2011 hält Andreas Talks und Intensives auf der ganzen Welt.
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Autoren/Hrsg.


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Bin ich „Ich-bin”?


Es ist eine Annahme der scheinbaren Person, dass sie einfach „nur sein“ müsste und dass sie damit von der Suche erlöst würde. „Einfach sein“ ist bereits.

Da ist niemand, der das müsste oder könnte. Es ist keine Antwort, die am Ende der Suche wartet. Du bist doch schon so, wie du bist. Was wäre noch zu tun?

Es gibt keine Veränderung, die Erfüllung mit sich bringt. Es schon Ganzheit. Zeitlos, raumlos, scheinbar fließend, ohne Richtung. Von dieser außerordentlichen Normalität mag Ramana gesprochen haben. Es ist nichts Heiliges dabei.

Ja, es ist mühelos. Aber nicht, weil es ein Zustand ist, der ganz entspannt zu halten wäre. Es ist nicht mühelos, weil die Erkenntnis so einfach ist. Mühelosigkeit ist die natürliche Realität. Alles ist mühelos es selbst. Es gibt keinen Pfad der Verwirklichung. Es gibt kein reales „Aha“.

*

Ja, für das Gefühl von „Ich-bin“ fühlt es sich so an als sei da etwas. Dass ich etwas erfahre, scheint der Beweis zu sein. Ich spüre, dass ich bin, dann muss es auch so sein. Ich erfahre mich, also gibt es mich auch. Und genau diese Selbst-Erfahrung verfügt über keinerlei Realität. Befreiung ist das Wegschmelzen dieses scheinbaren Existenzgefühls. Es ist keine Erkenntnis. Es ist keine Erfahrung. Es gibt kein Selbst, das sich erfährt. Kein Gewahrsein, das sich seiner selbst gewahr ist. Diese Illusion kann auftauchen, und innerhalb dieser Illusion fühlt es sich real an. Verpufft die Illusion, bleibt nichts übrig, das sich selbst erfährt. Dann gibt es keine Seins-Erfahrung. Es stellt sich heraus, dass es sie nie wirklich gegeben hat.

Es hilft nicht. Und es gibt kein Du, das Hilfe bräuchte. Es gibt weder die Person noch deren Unfrieden. Es gibt nichts zu finden. Die getrennte Realität, in der etwas verloren sein könnte, existiert nicht.

Die scheinbare Person kann es nur als Konzept verstehen. Aber wenn ich sage, dass da niemand ist, ist das kein Konzept, sondern sehr konkret!

Ja. Der Eindruck, dass etwas existiert – in der Person ebenso wie generell –, gründet auf der scheinbaren Existenz-Erfahrung. Diese Erfahrung kann persönlich und unpersönlich wirken, neutral und ewig. Sie findet aber immer hier und jetzt statt. „Hier und jetzt“ ist eine Zeit-und-Raum-Erfahrung. Und genau das ist persönliches Erleben. Daran ist nichts falsch. Und doch kommt aus dieser feinen und unschuldig wirkenden Anwesenheit die ganze Illusion einer Person mit ihrer persönlichen Geschichte – sowie die Illusion einer riesigen Existenz da draußen. Nicht, dass sie jemals wirklich passieren und verantwortlich handeln würde – aber im Erleben scheint es so zu sein.

Das scheinbare Ende. Denn nichts hat jemals wirklich existiert. Es ist das Ende der Illusion von Existenz.

*

Es ist unmöglich zu verstehen. Die scheinbare Person kann sich ihre eigene Nicht-Existenz nicht vorstellen. Sie kann sich selbst nicht weg-erleben.

Das stimmt. Befreiung ist nicht der Abschluss eines persönlichen Prozesses. Sie ist das Ende des Erlebens von Anwesenheit. Abwesenheit aber kann nicht mehr erlebt werden. Es ist das Ende der Person. Befreiung gleicht dem Tod.

Das Ende kommt immer überraschend. „Oh, das war es?!“ Es ist nicht vorstellbar. In der persönlichen Erfahrung können Dinge sich ändern, verschwinden, sich auflösen. Es kann sein, dass der Partner verschwindet. Dass verlässliche Wahrheiten sich als Illusionen entpuppen. Aber dass der Erlebende selbst wegfällt, ist nicht erwartbar. Als Idee mag das möglich sein. Wie es wirklich ist, ist unvorstellbar.

Das wirst du auch nicht.

*

Wenn ich sage, dass es niemanden gibt, ist das ein Bericht von niemandem, keine Behauptung aus einer Gewahrseins-Erfahrung. Der Satz „Es gibt niemanden“ beschreibt nicht das Gegenteil von „Es gibt mich“. Beide – Anwesenheit und Abwesenheit – sind illusionär.

Es gibt keine Illusion.

Es gibt niemanden, der in einer Illusion lebt.

*

Und?

Weil all die Weisheiten, Einsichten, nutzlos sind. Die Hoffnung ist, dass das Wissen etwas bringt. Dass es dich weiterbringt auf deinem Weg. Aber alles Wissen ist leer. Die Realität, in der Wissen stattfinden könnte, ist nicht real.

„Nichtwissen“ ist kein Zustand, in den jemand gelangen kann. Es ist die natürliche Realität. Wissen dagegen ist illusionär. Und ich meine damit nicht nur das intellektuelle Wissen. Der Illusion von Wissen liegt die Illusion zugrunde, in einer real erfahrbaren Welt zu leben.

Dahinter steckt die Hoffnung, dass du im Wissen ankommen kannst. Dass es eine Wahrheit gibt. Eine Wahrheit in der eigenen Geschichte – oder eine große allgemeingültige Wahrheit. Und dass mit dem Finden dieser Wahrheit die Sehnsucht erfüllt wird.

Nach der Wahrheit zu suchen, ist ein Symptom von Trennung.

Dafür kann nichts unternommen werden. Dass überhaupt jemand getrennt ist, ist schon eine Illusion. Zu dieser Illusion gehört die Hoffnung, dass mein Leben, meine Erfahrungen, meine Anwesenheit irgendwie von Nutzen sind. Für die Welt, für andere oder wenigstens für mich. Sind sie nicht. Das scheinbare Ich möchte seine Existenz nutzen, um ein erfülltes Ich zu werden. Wird es nicht. Alles ist bereits vollkommen. Vollkommenheit kann nicht erarbeitet, erlangt, erlebt werden. Vollkommenheit ist die natürliche Realität.

Nein. Das kann das Ich unmöglich finden.

*

Es ist eine Idee. Dafür bräuchte es zunächst mal ein Selbst, das sich liebt. Aber Liebe ist die natürliche Realität. Sie muss nicht erreicht werden.

Das ist okay. Die Person versucht, ihre Erfahrung von Trennung zu überwinden mit einer Erfahrung von Liebe. Sie möchte voll und ganz geliebt sein und voll und ganz lieben können. So beginnt sie, daran zu arbeiten. Die Hoffnung ist, irgendwann fraglos in Liebe zu leben und aus Liebe zu handeln. Aber es bleibt bei der fortwährenden Arbeit an diesem nie erreichten Ziel. Die Person sucht etwas, das es nicht gibt: die persönliche Erfahrung unpersönlicher Liebe.

Die Bücherregale sind voll von Büchern, die den Weg dahin weisen wollen. Das Bedürfnis, geliebt zu werden und sich selbst zu lieben, übersteigt alles andere. Dahinter steckt der Wunsch nach Befreiung. Es ist die Suche nach einem Zustand, in dem alles gut ist. Die Suche ist vergeblich. Sie geht von einer Trennung aus, die es nicht gibt. Du bist bereits Liebe. Es ist nichts, das du erreichen müsstest – allerdings auch nichts, das du als Erfahrung genießen kannst.

Ich habe es nicht geschafft.

Ich habe es nicht geschafft, mich bedingungslos und dauerhaft zu lieben. Als die Ich-Illusion zusammenbrach, war das auch nicht mehr nötig. Ich muss nicht wissen, dass ich jemand Liebenswertes bin. Die Erfahrung, überhaupt jemand zu sein, ist illusionär.

Es hat...



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