Orloff | Lore-Roman 46 - Liebesroman | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 46, 64 Seiten

Reihe: Lore-Roman

Orloff Lore-Roman 46 - Liebesroman

Wenn Liebe sich bewähren muss
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7597-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wenn Liebe sich bewähren muss

E-Book, Deutsch, Band 46, 64 Seiten

Reihe: Lore-Roman

ISBN: 978-3-7325-7597-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn Liebe sich bewähren muss
Bewegender Roman um ein bedrohtes Glück
Von Wera Orloff

Natalie Grootheer lebt mit ihrem Freund Axel in einem winzigen Studentenzimmer. Die Enge und die ständige Geldnot machen sie immer unzufriedener. Als sich auch noch ungeplant ein Kind ankündigt, ist Natalie todunglücklich und hadert mit ihrem Schicksal.
Da tut sich ihr nach der Geburt des Kindes eine Möglichkeit auf, halbtags zu arbeiten und der Armut wenigstens stundenweise zu entfliehen. Sie lebt richtig auf, solange sie im Haus von Herrn Möllendorf ist, und sie vergisst, dass irgendwo in der Stadt ein Kind liegt und ein Mann auf sie wartet ...

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Wenn Liebe sich bewähren muss

Bewegender Roman um ein bedrohtes Glück

Von Wera Orloff

Natalie Grootheer lebt mit ihrem Freund Axel in einem winzigen Studentenzimmer. Die Enge und die ständige Geldnot machen sie immer unzufriedener. Als sich auch noch ungeplant ein Kind ankündigt, ist Natalie todunglücklich und hadert mit ihrem Schicksal.

Da tut sich ihr nach der Geburt des Kindes eine Möglichkeit auf, halbtags zu arbeiten und der Armut wenigstens stundenweise zu entfliehen. Sie lebt richtig auf, solange sie im Haus von Herrn Möllendorf ist, und sie vergisst, dass irgendwo in der Stadt ein Kind liegt und ein Mann auf sie wartet …

Sie trafen sich auf der Treppe, zwei nette, junge Mädchen, schlicht gekleidet, wie alle Bewohner dieses Mietshauses.

»Hallo!«, grüßte Sigrid Schomberg und lächelte geistesabwesend.

»Hallo!«, gab Natalie Grootheer ebenso geistesabwesend zurück. Beide trugen Aktentaschen, und beide waren auf dem Weg zur Universität.

Vor der Tür blieb Sigrid unschlüssig stehen. Nach links ging es zur Universität, ihr gewohnter Morgenweg.

»Ziemlich kalt heute«, stellte Natalie fest und zog die Schultern fröstelnd hoch. »Scheint einen frühen Winter zu geben.«

»Hoffentlich nicht. Ein Winter ist so teuer. Ich muss noch etwas besorgen. Wir sehen uns vielleicht nachher. Tschüss.« Sigrid Schomberg wandte sich nach rechts.

Natalie blieb stehen und schaute ihr nach, bis sie hinter der nächsten Ecke verschwunden war, dann erst setzte sie sich gleichfalls in Bewegung – und ging auch nach rechts.

Zehn Minuten später stand sie vor der Tür eines Reihenhauses. Links neben der Tür war ein Emailleschild angebracht: Dr. med. Leipold, praktischer Arzt.

Die Haustür war nur angelehnt, das Wartezimmer, durch ein Schild an der Tür draußen gekennzeichnet, lag gleich links am Flur. Stimmengewirr verriet Natalie, dass sie auf keinen Fall, wie sie gehofft hatte, die Erste sein würde.

Dann eben nicht, dachte sie, als sie die Tür öffnete. Es waren fast alles Frauen, die auf den unbequem aussehenden Stühlen saßen, einige mit einer Zeitschrift in der Hand, die meisten aber in ein Gespräch verwickelt.

Die Blicke der Wartenden hefteten sich neugierig auf die junge Frau und glitten abschätzend über sie hinweg. So manche Stirn legte sich missbilligend in Falten. Diese Patientin sah gesund aus, das hätte man ihr vielleicht noch verziehen, aber sie sah auch schön aus, und das nahm man ihr ein bisschen übel. Sie war ein etwas herber Typ mit schmalem Gesicht und großen, blauen Augen, goldblondem, langem Haar, das bis über die Schultern hinweg hinabfiel, und an ihrer Figur konnte auch das kritischste Auge nichts auszusetzen finden.

Natalie Grootheer war eine Erscheinung, die alle Ehefrauen eifersüchtig machte. Sie war eine, nach der ihre Männer schauten und von der sie heimlich träumten.

Natalie spürte die Welle der Abneigung, die ihr entgegenschlug, und sie bemühte sich, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen. Sie war es ja gewohnt, dass Frauen sie nicht mochten.

Ihr Blick streifte flüchtig die fremden Gesichter, und dann stutzte sie. Erst jetzt bemerkte sie Sigrid Schomberg, ihre Studienkollegin. Sie hatte ein Lehrbuch in der Hand und las konzentriert. Was um sie herum vor sich ging, störte sie nicht. Der einzige freie Platz war neben ihr, und Natalie blieb nichts anderes übrig, als sich neben Sigrid zu setzen.

»Bereitest du dich auf ein Referat vor?«, fragte sie, als sie saß.

Sigrid hob den Kopf und schaute sie an, und es dauerte Sekunden, bis sie Natalie erkannte. »Ja«, erwiderte sie dann. »Du bist auch hier?«

»Du besitzt eine auffallend rasche Auffassungsgabe«, stellte Natalie fest. »Was fehlt dir?«

Sigrid zuckte die Schultern. »Ich weiß es nicht. Mein Magen ist nicht ganz in Ordnung. Aber was soll ich tun?«

»So, du hast es mit dem Magen …« Es klang fast ein wenig neidisch, wie Natalie es sagte. »Wenn es nichts Schlimmeres ist …«

»Ich wollte eigentlich gar nicht zum Arzt gehen, aber Mathias bestand darauf. Du kennst ihn ja, er ist sehr besorgt.«

»Wenn es sich um dich dreht«, ergänzte Natalie. »Trink weniger Kaffee, dann kommt dein Magen wieder ganz von selbst in Ordnung.«

»Ich bin abends immer so müde.« Auch jetzt lagen bläuliche Schatten unter Sigrids Augen. »Ich komme ja eigentlich erst immer spät zum Arbeiten.«

»Geht du noch immer putzen?«, fragte Natalie mit mäßigem Interesse. Was sie selbst nicht betraf, interessierte sie nur am Rande.

»Ja. Etwas anderes habe ich nicht gefunden, und es wird ja auch nicht direkt schlecht bezahlt. Mir fehlt nur die Zeit, die ich dort verbringe. Ich bin heute erst um zwei Uhr ins Bett gekommen. Nächste Woche muss mein Referat fertig sein, und du kennst Adam doch, wenn man sich nicht genug Mühe gibt, macht er einen vor versammelter Mannschaft fertig.«

»Ja …« Natalie starrte vor sich hin. »Eine Schande, dass wir so wenig Geld haben.«

»Immerhin bekommen wir fast fünfhundert Mark von Vater Staat …«

»Und wenn du davon die Miete abziehst und das, was du sonst noch dringend brauchst, dann bleibt nichts übrig. Die Läden sind voller Delikatessen, und wir essen Bratkartoffeln, jeden Abend Bratkartoffeln. Das habe ich mir geschworen: Wenn ich einmal Geld verdiene, dann esse ich niemals im Leben wieder Bratkartoffeln!«

Ein paar Frauen, die lasen, hoben ärgerlich die Köpfe. Es war nicht üblich, dass man sich hier so laut unterhielt, aber diese jungen Dinger nahmen keine Rücksicht auf andere, sie taten so, als seien sie allein auf der Welt.

»Dafür verdienen wir später mal ganz gut. Hätten wir Eltern, die uns unterstützen können …«

Natalie verstand Sigrids Haltung nicht. Sie neigte zur Unzufriedenheit, stellte Ansprüche an das Leben, auch wenn sie wusste, dass sich diese Ansprüche nicht erfüllen konnten und würden. Sigrid dagegen, nahm die Dinge, wie sie waren und versuchte, das Beste daraus zu machen. Auf Natalie wirkte diese vernünftige Haltung manchmal direkt aufreizend.

»Was fehlt dir?«, fragte Sigrid nun teilnahmsvoll.

Natalie zuckte die Schultern. »Weiß ich nicht. Ich fühle mich zum Kotzen.«

Die ältere Frau, die an ihrer rechten Seite saß, schüttelte entsetzt den Kopf. Eine Ausdrucksweise hatten diese jungen Mädchen heute, empörend! Sie schämte sich direkt für dieses langhaarige junge Ding in den verwaschenen Blue jeans.

»Vielleicht liegt es an der Jahreszeit«, meinte Sigrid. »Wenn es auf den Winter zugeht, fühle ich mich auch immer ziemlich abgeschlafft. Und ausgerechnet das Wintersemester ist so lang. Aber wir haben es ja bald geschafft, Natalie.«

»Gott sei Dank! Dieses elende Leben hängt mir zum Halse heraus.«

»Wie geht es Axel?«

Zum ersten Mal lächelte Natalie, als sie den Kopf zu Sigrid drehte.

»Er paukt wie ein Besessener. Und darüber vergisst er sogar manchmal mich. Ein Glück, dass wir zusammen wohnen, ich wüsste nicht, wie ich sonst rumkommen sollte. Er bekommt ja nicht viel von seinen Eltern dazu, aber ab und zu schickt ihm seine Mutter doch mal etwas. Und vor allem teilen wir uns die Miete, und zu zweit wirtschaftet man einfach billiger als allein.«

Die füllige Frau an ihrer Seite rückte ihren Stuhl demonstrativ ein Stück zur Seite. So eine also war das! Sie hatte es sich ja fast gedacht. Lebte mit einem Mann zusammen, ohne mit ihm verheiratet zu sein, und sie schämte sich nicht einmal dafür, im Gegenteil, sie sprach davon, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Und mit solchen Geschöpfen musste man nun in einem Zimmer zusammen sein.

Natalie registrierte das Verhalten ihrer Nachbarin nicht.

»Manchmal steht mir alles bis obenhin«, bekannte sie. »Da studiert man nun Jahr für Jahr, hungert sich durch, gönnt sich nichts, und andere, die so vernünftig waren, sich einen Beruf zu suchen, leben herrlich und in Freuden. Eine Klassenkameradin von mir ist gleich nach dem Abitur ins Büro gegangen. Sie bekommt jetzt ein Bombengehalt, hat eine hübsche Wohnung, einen Wagen, zwar gebraucht, aber immerhin, kann sich schöne Urlaubsreisen erlauben, und wir …«

»Mir macht das Studieren einfach Spaß.«

»Mir würde es auch Spaß machen, hätte ich mehr Geld. Du wohnst wenigstens allein, aber zu zweit in einem Zimmer ist einfach zu eng!«

Die Sprechstundenhilfe kam herein und lächelte freundlich unverbindlich.

»Ich fange jetzt an zu spritzen. Wer kommt zuerst?«

Es stellte sich heraus, dass die meisten Patienten nur gekommen waren, um sich eine Spritze geben zu lassen. Eine Viertelstunde später waren außer Sigrid und Natalie nur noch zwei Frauen im Warteraum.

»Ich drücke dir die Daumen«, sagte Natalie, als Sigrid im Sprechzimmer des Arztes verschwand.

Sie...



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