E-Book, Deutsch, Band 89, 220 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
Parker / Schwarz Dorian Hunter 89 - Tick tock
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95572-089-6
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 89, 220 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
ISBN: 978-3-95572-089-6
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Fronten sind nun eindeutig geklärt: Auf der einen Seite stehen Hunter und Irene, die der Existenz aller Dämonen ein für alle Mal ein Ende setzen wollen. Auf der anderen setzen Asmodi und seine neue Schiedsrichterin Salamanda Setis alles daran, die Uhrmacherin mit ihren Lebensuhren aufzuhalten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 3
Salamanda Setis warf dem Eidesstab einen ungnädigen Blick zu. Dass sie hier festsaß, in diesem öden Schiedsrichterbüro, während draußen das Wiener Aprilwetter Graupelkörner über den Asphalt jagte, verdankte sie allein ihm. Der Eidesstab hatte sie erneut an dieses Amt gefesselt. Als hätte sie ihm nicht schon lange genug gedient! Mehr als irgendjemand sonst … »Warum hast du das getan?«, knurrte sie. »Warum ausgerechnet ich?« Natürlich erhielt sie keine Antwort. Sie hatte auch keine erwartet. Der Eidesstab besaß eine Menge Fähigkeiten, die in der Schwarzen Familie gleichermaßen geschätzt wie gefürchtet waren, aber Sprechen gehörte nicht dazu. Dennoch spürte Salamanda die enorme magische Kraft, die von dem Feuerschädel ausging. Seit dem Totentanzritual in Meroe zierten seltsame Muster aus weißem Staub das Holz des Stabes. Die Ereignisse im Sudan hatten die Fronten zwischen ihr und Dorian Hunter verhärtet. Ihre Zusammenarbeit war immer schon ein fragiles Arrangement gewesen, sie hatten einander nie wirklich vertraut. Zu Recht, wie sie beide aus Erfahrung wussten. Trotzdem hatte es eine ganze Weile gut funktioniert. Tja, vorbei. Die Rabisu biss sich auf die Lippen. Abgehakt. Dass sie sämtliche Dorfbewohner Meroes nach dem fehlgeschlagenen Ritual umgebracht hatte, würde der Dämonenkiller ihr nie verzeihen. Andererseits hatten sie sich zuvor schon auf Leben und Tod bekämpft. »Was soll’s also.« Salamanda schnippte den Kugelschreiber vom Schreibtisch, der noch die Initialen von Coco Zamis trug. Überall fanden sich Überbleibsel aus der Zeit, als Coco hier Streitigkeiten geschlichtet hatte. Allzu lange lag das ja noch nicht zurück. Ebenso wenig wie die Gerichtsverhandlung, bei der Salamanda die Hexe gegen Asmodis Anklage raffiniert und erfolgreich verteidigt hatte. Ein gefährliches Spiel, auf das ich mich da eingelassen habe ... Und was hatte ihr das Ganze eingebracht? Den verhassten Schiedsrichterposten, den sie nun zum zweiten Mal innehatte. Dabei war sie einst so froh gewesen, die lästige Bürde endlich los zu sein. Außerdem ärgerte sich Salamanda darüber, dass Coco ausgerechnet in Dorians Londoner Jugendstilvilla Unterschlupf gefunden hatte. Ihr selbst hatte man den Zutritt in der Baring Road stets verwehrt; selbst zu der Zeit, als sie noch Teil des Teams gewesen war. Leider war dann eines Tages Irene aufgetaucht. Dorians angebliche Tochter. Seitdem stand die Rabisu an erster Stelle auf der Abschussliste. Die verfluchte Uhrmacherin. Erneut kochte Wut in Salamanda hoch. Sie grub die krallenartigen Fingernägel so fest in die Tischplatte, dass sie hässliche Kratzer hinterließen. Denk nach, beschwor sie sich. Es wird Zeit, Irenes Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Die Ereignisse im Sudan waren kein Zufall gewesen. Zweifellos hatte Bastet ihre Schritte gezielt nach Meroe gelenkt. Sie hatte Salamanda auf die machtvolle Magie des Totentanzes aufmerksam gemacht – und wahrscheinlich verdankte sie es auch der katzenäugigen Göttin, dass sie zuvor den Eidesstab zurückerlangt hatte. Denn ohne das Artefakt wäre Salamanda kein Eingreifen möglich gewesen. Die Rabisu besaß keine eigenen magischen Kräfte und erfüllte somit die Voraussetzungen nicht, den Totentanz zu übernehmen. Der Eidesstab allerdings schon. Nur wusste Salamanda noch immer nicht, wie sie dessen neu erlangte magische Kraft gegen die Uhrmacherin einsetzen konnte. Was sollte sie jetzt konkret damit anfangen? Wie konnte sie Irene mit dem Staub schaden oder das Miststück am besten gleich ganz ausschalten? »Ja, wie?«, herrschte Salamanda den Eidesstab an. Durch die Staubzeichnungen wirkte er verändert. Inwieweit er das tatsächlich war, wusste sie nicht. Sie war keine Hexe, ihre Kenntnisse von Magie waren eher dürftig. »Mir fehlt eine Gebrauchsanweisung, verdammt.« Frustriert vor sich hin murmelnd, tastete sie den ehemaligen Feuerschädel ab. Sie rief sich das Ritual in Meroe in Erinnerung – die Gesänge, das Trommeln. Der heilige Platz zwischen den Felsen, wo die Menschen sich in Trance getanzt und den Staub aufgewirbelt hatten. Nichts lieferte einen Hinweis darauf, wie sie dieselbe magische Kraft in einem Wiener Büro entfesseln konnte. Geschweige denn, wie sie diese gezielt anwenden konnte. Salamanda wollte schließlich nicht diejenige sein, gegen die der Totentanz sich richtete. Was passierte, wenn der Staub toste, hatte sie eindrucksvoll miterlebt: Menschen, die innerhalb von Sekunden alterten, verschrumpelten wie Dörrpflaumen und tot zusammenbrachen. Höchst gern würde sie Irene dasselbe Schicksal erleiden lassen. Aber der Eidesstab gab sein magisches Geheimnis nicht preis. Genervt umkreiste Salamanda den Schreibtisch. Setzte sich wieder, stützte den Kopf in die Hände. Es war nicht zum Aushalten! Sie kam mit ihren Überlegungen einfach nicht weiter. Irgendwann sah sie die Nutzlosigkeit ihrer Bemühungen ein. Allein würde sie das Problem nicht lösen. Sie brauchte Hilfe. Oder einen guten Rat. Von jemandem, der sich besser mit Magie auskannte. Begabte Hexer hatte sie Zeit ihres Lebens zwar einige kennengelernt, aber spontan schien ihr keiner davon ausreichend vertrauenswürdig. Sollte sie es trotzdem wagen? Noch während Salamanda zögerte, ob sie einen alten Freund in Dubai kontaktieren sollte, dem sie am ehesten zutraute, sich mit Wüstenmagie auszukennen, meldete sich überraschend Asmodi bei ihr – und nahm ihr kurzerhand die Entscheidung ab. »Ich hatte erwartet, von dir zu hören, Schiedsrichterin«, sagte er. »Gibt es keine Neuigkeiten, die für mich von Interesse sind? Oder hast du etwas zu verheimlichen?« »Selbstverständlich nicht«, versicherte Salamanda. Wie immer, wenn Asmodi so unvermittelt auftauchte, spürte sie ein nervöses Flackern im Bauch. Mit dem Oberhaupt der Schwarzen Familie war nicht zu spaßen. Zwar kannte sie Asmodi seit Ewigkeiten und wusste durchaus, wie sie mit ihm umgehen musste, aber jeder direkte Kontakt mit ihm war und blieb eine Gratwanderung. Vor allem wenn er so ungehalten wirkte wie heute. »Du hättest dich nicht extra herbemühen müssen«, sagte sie. »Ein Anruf hätte genügt. Oder selbstverständlich wäre ich auch zu dir gekommen. Bald schon.« »So?« Seine glatte weiße Gesichtsfläche ließ keine Regung erkennen. Lediglich der aggressive Tonfall und die Art, wie er dastand, verrieten die Bedrohung. »Ja. Ich wollte nur noch etwas kläre...« Er schnitt ihr das Wort ab. »Und ich wollte mich lieber persönlich davon überzeugen, was du hier so treibst.« Sie straffte die Schultern. »Ich versuche, ein wichtiges Rätsel zu lösen.« »Gehört das zu deinen Aufgaben als Schiedsrichterin?« »Nun ja, gewissermaßen …« »Schluss mit den Ausflüchten.« Er kam näher, den Finger anklagend auf sie gerichtet. »Ich bin hier, um mich nach deinen Fortschritten zu erkundigen. Du erinnerst dich? Du wolltest dich um die Uhrmacherin kümmern.« »Tja, hm…« Salamanda wusste nicht, wo sie beginnen sollte. »Pass auf«, zischte Asmodi. »Du hast meine Geduld bei der Gerichtsverhandlung gegen Coco Zamis genug strapaziert. Noch einmal lasse ich dir das nicht durchgehen. Ich rate dir dringend davon ab, weitere Spielchen mit mir zu treiben.« Mit wenigen Worten brachte sie ihn auf den neuesten Stand: Dass Bastet sie nach Meroe geführt hatte, von wo sie den Totentanz mitgebracht hatte. Die Details der Ereignisse im Sudan, soweit sie ihre Auseinandersetzung mit Dorian betrafen, verschwieg sie lieber. Alles musste der Fürst der Finsternis nicht wissen. Wie erwartet reagierte Asmodi bereits auf die pure Erwähnung des Dämonenkillers mit Missbilligung. »Was hatte Hunter dort zu suchen?« »Vermutlich ist er mir gefolgt. Aber das spielt keine Rolle, denn er konnte ja rein gar nichts ausrichten.« Salamanda lächelte betont gleichgültig. »Ich bin diejenige, die erfolgreich war.« »In der Tat«, knurrte Asmodi und wandte sich fasziniert dem Eidesstab zu. »Der Totentanz steckt also in diesen seltsamen Linien?« »Ja. Hast du davon schon einmal gehört?« »Von einer Wolke aus machtvollem magischem Staub? Nein.« Asmodi konnte den Blick nicht von den Mustern auf dem Holz losreißen. Salamanda seufzte. »Leider habe ich keine Ahnung, wie man die gewaltige Kraft wieder aktivieren kann, die der Stab während des Rituals aufgenommen hat.« »Dann müssen wir es herausfinden.« Als Asmodi die Hand nach dem Eidesstab ausstreckte, glaubte Salamanda ein abwehrendes Knistern zu hören. Oder hatte sie sich getäuscht? »Ich bin sicher, dass man den Totentanz gegen Irene einsetzen kann«, sagte sie. »Die Macht muss sich verwenden lassen, um die Uhrmacherin auszuschalten. Das scheint mir jedenfalls die einzig logische Erklärung, warum Bastet mich dorthin geführt hat.« »Mag sein.« Asmodi fuhr fort, den Eidesstab zu inspizieren, ohne ihn anzufassen. Wieder glaubte Salamanda ein feines Knistern zu hören. Doch die verschlungenen weißen Linien gaben auch dem Anführer der Schwarzen Familie ihr Geheimnis nicht preis. »Wahrscheinlich ist es sinnvoll, wenn du mir den Eidesstab für eine Weile überlässt«, meinte Asmodi schließlich. »Ich werde ihn mitnehmen. Dann kann ich ihn in Ruhe untersuchen und herausfinden, wie man die Magie benutzt.« »Das halte ich für keine gute Idee.« Die Worte entschlüpften Salamandas Lippen, ehe sie es verhindern konnte. Asmodi etwas zu verweigern, das er haben wollte, war unklug....