Pörtner | Köbi der Held | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 189 Seiten

Reihe: Köbi Krimi

Pörtner Köbi der Held

Der erste Köbi Krimi
3. Auflage 2014
ISBN: 978-3-906247-00-7
Verlag: Edition Aisatore
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

Der erste Köbi Krimi

E-Book, Deutsch, Band 1, 189 Seiten

Reihe: Köbi Krimi

ISBN: 978-3-906247-00-7
Verlag: Edition Aisatore
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz



In seiner Heimatstadt Zürich hält sich der sympathische Taugenichts Köbi Robert mit Gelegenheitsjobs über Wasser - bis er eines Tages seinen alten Schulfreund Lucien Huwyler wiedertrifft. Der reiche Architekt beauftragt Köbi, seine verschwundene Halbschwester Malaika zu finden. Mit einem fürstlichen Vorschuss ausgerstattet, macht sich der unerfahrene Köbi auf die Suche und gerät dabei in die geheimnisvollen und gefährlichen Machenschaften der Zürcher Unterwelt. ------ * * * * * 'Pörtners Köbi ist nicht nur ein genauer, sondern auch ein unerbittlicher Beobachter und Kommentator. Mit Ironie, die manchmal bis zu Spott und regelrechten Bösartigkeiten reicht, verteilt er Hiebe auf bürgerliches Spießertum und ehrgeiziges Arbeitsethos. Beim Lesen stellt sich denn so mancher Wiedererkennungseffekt ein, was zu zahlreichen Lachern führt.' --- Neue Zürcher Zeitung * * * * * 'Stephan Pörtner legt mit Köbi der Held einen Krim vor, der witzige und ernüchternde Einblicke in den Zürcher Underground bietet. Un einen erfrischend dilettantischen Detektiv.' --- Taglbatt der Stadt Zürich * * * * * 'Mit diesem Krimi ist Pörtner eine unterhaltsame Darstelllung der Zürcher Subkultur gelungen. Auch für Nicht-Zürcher sind die abgedrehten Charaktere von Köbi der Held eine virtuelle Reise wert.' --- Neue Mittellland Zeitung

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1 Das Paar Boxhandschuhe, das mir am besten gefiel, war natürlich das teuerste. Es kostete doppelt soviel, wie ich eigentlich budgetiert hatte. Ich streifte durch die Sportabteilung des Warenhauses Jelmoli. Mein Trainer hatte angedeutet, dass ich bald wieder gut genug sein würde, um Sparring zu boxen. Außerdem hatte ich ein Geschenk verdient, weil ich so brav trainierte und Fortschritte machte. Etwas weniger euphorisch prüfte ich bei den billigeren Handschuhen Verarbeitung und Tragkomfort und ließ die ästhetischen Gesichtspunkte außer acht. Ein schwarzes Paar, nicht schön, aber zweckmäßig, wahrscheinlich das Vorjahresmodell, fand Gnade vor meinem Portemonnaie. Ich legte es weit hinten ins Gestell, damit es mir niemand wegschnappen konnte. Erst einmal wollte ich mich umschauen, was es denn sonst im Fitnessbereich gab, was diese Saison hochgejubelt, als brandneu verkauft und mit entsprechender Ausrüstung zum Geschäft gemacht wurde: Softhockey, Rollerblades und Hockey auf Rollerblades. Dazu kamen ein paar neue Varianten des Hallenturnens, die nur in knallbunter Kleidung, die penetrant alle sonst schamhaft versteckten Körperteile betonte, auszuüben waren. Für einen gut geformten Körper hatte man immerhin hart gearbeitet. Er symbolisierte Leistungswillen, Jugendlichkeit und modernen Lebensstil und war ein Statussymbol wie ein schnittiges Auto. Bei den Frauen diente er als eine Art Aussteuer. Straffe Schenkel, nicht Barchentleintücher machten heute die gute Partie aus. Wenn ich richtig gelesen hatte, rangierte das Fitnesscenter als Aufreißrevier noch vor der Disco, dort war es wahrscheinlich zu laut. Ich meinerseits, krummbeinig und schmal, trainierte noch immer in der guten blauen Turnhose und einem zu großen, weißen Unterleibchen. Dieses Tenue war heutzutage gar nicht leicht aufzutreiben. Bei den unzähligen Turnschuharten wühlte ich nach Aktionen, meine Laufschuhe waren schon uralt, und so ganz war ich gegen die Versprechen der Industrie nicht gefeit. Auch ich hoffte, neue Schuhe würden von alleine rennen. Aber in meiner Größe gab es verbilligt nur hohe Luftkissenschuhe, die ebenso aus der Mode wie unbrauchbar waren, oder Trekkingschuhe und Snowboardstiefel. Ich ging zurück zu den Laufschuhen, von denen ich das eine oder andere frisch riechende Exemplar fachmännisch verbog, ohne zu wissen, was ich dadurch in Erfahrung bringen konnte. Da bemerkte ich, dass ich von der Seite her angesehen wurde. Wahrscheinlich war der Warenhausdetektiv auf mich aufmerksam geworden. Ich fingerte alles an, ohne etwas zu kaufen. Einen Moment lang hatte ich tatsächlich nach Möglichkeiten gesucht, die teuren Boxhandschuhe abzuzügeln, darum fühlte ich mich ertappt und sah zur Seite. Ein Mann in meinem Alter stand etwa fünf Meter entfernt, schaute mich an und lächelte. Es war kein Detektiv, es war Lucien Huwyler. «Hey», sagte ich. «Lucien!» «Also doch.» Mit einem leicht gequälten Grinsen, als hätte ich ihn beim Ladendiebstahl erwischt, kam er auf mich zu. «Köbi, Köbi Robert.» Lucien und ich hatten zusammen die Schulbank gedrückt, vor ungefähr hundert Jahren. Trotzdem war er auf den ersten Blick wiederzuerkennen, selbst von mir, der ein hundsmiserables Personengedächtnis hatte. Er wirkte immer noch wie ein Gymnasiast auf mich, aber vielleicht kam das daher, dass ich ihn nicht anders kannte. «Das ist ja eine Ewigkeit her, dass ich dich gesehen habe.» Er trat auf mich zu und hielt mir die Hand hin. Ich nahm seine Hand, obwohl ich das schon in der Schule eine blöde Einrichtung gefunden hatte und es auch heute noch so empfand. Wenn es nicht sein musste, fasste ich keine Menschen an, schon gar nicht mitten auf der Straße oder im Warenhaus. Leute, die allen ständig die Hand gaben, waren meist Deppen. Und wer gibt schon Deppen die Hand? Ich tat es trotzdem und schaute den Mann an. Er hatte immer noch ein Jungengesicht, obwohl die Jahre nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen waren. Noch immer hatte er dieselbe Kurzhaarfrisur, und wie damals trug er saubere Jeans, Timberlands, ein kurzärmliges, gemustertes Hemd. Alles sehr sauber und unauffällig, von guter Qualität und sicher nicht billig. Es sah aus, als würden ihm die Kleider von jemandem ausgewählt, gewaschen und gebügelt. Früher war es die Mutter gewesen, heute würde es wohl die Ehefrau sein, wir waren immerhin in jenem Alter, in dem nur noch Versager und Schwule unverheiratet waren. Und sogar die schafften es zunehmend, dies zu ändern. «Was machst du denn hier?», fragte er, während er mich musterte. Da er mich von früher kannte, musste er tatsächlich erstaunt sein, mich in der Sportabteilung anzutreffen. Ich war im Turnen die größte Pfeife der ganzen Schule gewesen. «Ach nichts, ich schaue mich um.» Das mit dem Boxen wollte ich nicht erklären, die Leute meinten immer, wer boxe, sei stark und gefährlich. Ich war von beidem weit entfernt. «Ich auch, ich wollte mir ein paar Tennisschuhe kaufen, so ein Zufall.» Mit dem Kopf deutete er zu dem Schuhgestell hinüber, in dem die weißen Modelle standen, die ich keines Blickes gewürdigt hatte. Mir fiel ein, dass er schon früher Tennis gespielt hatte, als es noch ziemlich exklusiv war. Ich hielt Tennis eindeutig für einen Deppensport, damals wie heute. «Hast du Zeit, gehen wir einen Kaffee trinken?», fragte er. «Aber gerne», antwortete ich. Wir liessen die Sportartikel Sportartikel sein und nahmen die Rolltreppe hinauf ins Restaurant. «Schön, dich zu sehen», sagte ich und meinte es wirklich. Wir waren gute Freunde gewesen, so mit zwölf, dreizehn Jahren. In der Lebensphase, in der man ungefähr dreißigmal pro Tag zwischen Erwachsen-, Jugendlich- und Kindsein hin und her geworfen wird und sich entsprechend schwertut mit seiner Umwelt. Die Idioten, die keine Ahnung hatten, das waren die anderen, in erster Linie die Eltern, die Lehrer und dergleichen uneinsichtige Lebenserschwerer. Lucien und ich, wir hatten uns prächtig verstanden. «Ich wollte mich immer mal bei dir melden.» Das hatte ich tatsächlich gewollt, mehr aber auch nicht. Unsere Wege hatten sich vor vielen Jahren getrennt. Zuerst so halbwegs, als er eine Klasse wiederholen musste, dann ganz, als ich die Schule verlassen und von den geregelten Bahnen Abschied genommen hatte. Wir verloren uns aus den Augen, aber Streit hatten wir nie gehabt. «Das wollte ich auch schon lange.» Er lächelte bei diesem Gedanken, der schon so alt sein musste, dass es fast gelogen war. «Aber du weißt ja, wie das so geht.» Natürlich wusste ich das, ich wusste ja praktisch alles, was es zu wissen gab auf dieser Welt. Außer wie man ein geregeltes Leben führte, Erfüllung fand und zu Geld kam. Aber vielleicht wollte ich das ja gar nicht wissen. Wir schoben uns durch die Leute und fanden einen Tisch. «Mein Gott, Köbi, wie lange ist das her?» Lucien setzte sich auf die Bank, seine Grieder-Plastiktüte legte er vorsichtig neben sich. Noch mehr Hemden wahrscheinlich. «Mehr als fünfzehn Jahre.» «Eine lange Zeit», sagte er nachdenklich und schaute mich erwartungsvoll an. «Und was ist aus dir geworden, was machst du so im Leben?» Die unvermeidliche Frage. In diesem Land ist das immer die dritte Frage. Wie heißt du? Wie geht es dir? Was machst du? Die letzte war die entscheidende Frage. Machen hieß dabei immer arbeiten. Mein Gott, in der Schule war ich einer der Besten gewesen, Lucien hatte oft bei mir abgeschrieben. Sollte ich ihm erzählen, dass ich bei einem Freund, der eine kleine Baubude besaß, den Handlanger machte? Dass ich nie länger als sechs Monate eine feste Anstellung hatte? Dass ich mich hier und dort herumgetrieben hatte, unter anderem ein halbes Jahr in unfreiwilliger Vollpension in Spanien? Dass ich bis heute keinen Beruf gelernt hatte und mir das Aufgehen im Beruf so fremd war wie Suaheli und Sanskrit zusammen? Meinen derzeitigen Job hatte ich angenommen, weil Bruno ein guter Freund war und weil ich mir von der körperlichen Arbeit einen Zuwachs an Fitness und Lebensfreude versprochen hatte. Es war aber nur halbwegs so. Meist hatte ich Rückenschmerzen vom Pickeln, Schaufeln und Schleppen. Der Job auf dem Bau war nicht so toll, wenn ich das Geld nicht nötig gehabt hätte, wäre ich wohl schnell wieder weg gewesen. Ich war ein notorischer Faulpelz und nicht einmal unglücklich dabei. Mein unrühmlicher Job als Hoteldetektiv kam mir in den Sinn, den ich im Winter ausgeübt hatte, und darum sagte ich: «So dies und das, Nachforschungen, Auskünfte, Objekt- und Personenschutz und solche Sachen, kannst du dir ja vorstellen.» Das war immer eine gute Anmerkung, wenn man etwas erzählte, was man nicht erklären konnte. Wer wollte so fantasielos sein, sich so klare Dinge nicht vorstellen zu können? Immerhin boomte die Sicherheitsbranche, sodass mein vermeintlicher Job ganz plausibel tönte. «Das klingt aber spannend.» Lucien nickte nachdenklich, und ich benutzte die Gelegenheit, um ihn nach seiner Tätigkeit zu fragen. «Ich bin Architekt», sagte er. «Ich habe mich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Es läuft nicht schlecht, obwohl die Situation nicht einfach ist heutzutage.» Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass die Architekten die Ersten sein würden, die im Falle einer gelungenen Revolution an die Wand gestellt würden. Das hatte mir sehr gefallen. Unterdessen war ich natürlich toleranter geworden und hatte gelernt, dass nicht der Beruf den Menschen zum Arschloch machte. Die meisten kamen schon so auf die Welt. Ich fragte nicht weiter, da ich mich nicht einmal verbal gerne mit Arbeit beschäftigte, und brachte das Gespräch auf andere Themen. «Und sonst, wie steht es, bist du verheiratet?» In den meisten Fällen löste...



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