Reichertz Die Macht der Worte und der Medien
3. Auflage 2010
ISBN: 978-3-531-92020-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 333 Seiten, Web PDF
Reihe: Medien • Kultur • Kommunikation
ISBN: 978-3-531-92020-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Das Fernsehen als Akteur.- Die Realität der Massenmedien.- Institutionalisierung als Voraussetzung einer Kultur der Performativität.- Kinder brauchen (auch) die ‚Power Rangers‘.- „…denn sie wissen nicht, was sie tun“. Von James Dean zu Alexander Klaws.- „Ich könnte schreien vor Glück“ oder: Formen des Glücks in den Massenmedien.- Becker und Häkkinen beim Golfen. Das Altenbild in der Mercedeswerbung.- Der Mediensport Olympia – ein globales Integrationsritual?.- Netzkommunikation – Rahmen und Bedingungen.- ‚Navigieren‘ oder ‚Surfen‘ oder: Das Ende der Bedrohung.- Browsen im Internet oder: Der Einfall trifft nur den vorbereiteten Geist.- Vertrauen in der Internet-gestützten Unternehmenskommunikation.- Medienkommunikation als Teil der Berufsarbeit.- Zur neuen Logik der (sozial-)wissenschaftlichen Mediennutzung.- Abschied vom Glauben an die Allmacht der Rationalität? oder: Der Unternehmensberater als Charismatiker.- Spaß für Millionen. Harald Schmidt und Co. als moderne Hofnarren?.- Die Macht des Wortes.- Verstehen ist nicht das Problem – oder: Über die Macht der Worte.- Einladung zum Gruppentanz.
(S. 185-186)
Anthony Giddens
3.1 Tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel: die Globalisierung
Geschichtliche Entwicklungsprozesse fließen nicht im gleichen Zeittakt voran. Manchmal verläuft die Entwicklung langsam und stetig, so dass leicht der Eindruck entstehen kann, nichts bewege sich, das stets Gleiche wiederhole sich nur, und wenn, ereigne sich die Veränderung lediglich unter der Oberfläche. Dann gibt es aber auch Zeiten, in denen sich Entwicklungen rasant und teilweise auch sprunghaft vollziehen: Für jeden ist der tiefgreifende Wandel erkennbar und auch spürbar. Solche Zeiten, in denen mancher glaubt, er sehe den Mantel der Geschichte wehen, nennt ein bekannter deutscher Historiker, nämlich Koselleck, Sattelzeit (Koselleck 1973).
In Sattelzeiten kommt es oft zu Abrissen und Verwerfungen, aber zugleich eröffnen sich neue Verbindungen und neue Freiheiten. Jede Sattelzeit bringt beides mit sich: neue Risiken, aber auch neue Chancen. Symptomatisch für Sattelzeiten ist das Bestreben der in ihr lebenden Menschen, sich auf das Geschehen um sie herum einen (neuen) Reim zu machen oder präziser: Sie versuchen mit Hilfe neuer Selbstbeschreibungen das Neuartige in den Griff zu bekommen. Politiker, Wirtschaftsführer und sogar die Wissenschaftler sind sich fast weltweit einig darüber, dass wir uns seit etwa zwei Jahrzehnten in einer Sattelzeit befinden.
Die Signatur dieser Sattelzeit lautet: ‚Globalisierung‘. ‚Globalisierung‘ meint dabei vor allem die Entschränkung des physikalischen, politischen, sozialen und auch des ökonomischen Raumes (vgl. auch Beck 1997). Für einige bedeutet ,Globalisierung‘ fortschreitender wirtschaftlicher Wohlstand – (endlich) auch für die Länder der Dritten Welt. Für andere ist sie ein ‚Dschagannath-Wagen‘,69 der alle die überrollt und vernichtet, die nicht rechtzeitig aufspringen (auch wenn man nicht weiß, wohin der Wagen rollen wird – vgl. Giddens 1995) und für dritte ein Machtdiskurs zum Zweck der Unterdrückung und weiteren Ausbeutung (Bourdieu 1998).
Die Globalisierung ist ohne die Erfindung des neuartigen Speicher- und Übertragungsmedium ‚Computer‘ nur schwer vorstellbar. Gewiss hat der digitale Rechner nicht die Globalisierung verursacht, aber er hat sie wesentlich mitgetragen, und ohne ihn hätte der Prozess der Entgrenzung des Raumes nicht so schnelle Fahrt aufnehmen können.




