Reissmann / Hinzmann | Das Erbe des Bösen - oder: Die Farbe des Himmels | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 267 Seiten

Reihe: Ein Fall für Thea Engel

Reissmann / Hinzmann Das Erbe des Bösen - oder: Die Farbe des Himmels

Kriminalroman: Ein Fall für Thea Engel 1 | Für Fans von Susanne Mischke
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96148-109-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman: Ein Fall für Thea Engel 1 | Für Fans von Susanne Mischke

E-Book, Deutsch, Band 1, 267 Seiten

Reihe: Ein Fall für Thea Engel

ISBN: 978-3-96148-109-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Tatwaffe: ein gläserner Briefbeschwerer. Das Opfer: ein vermögender Textilfabrikant. Das Motiv: vermutlich klassisch - hatte die Ehefrau des Ermordeten ein Interesse daran, ihn aus dem Weg zu räumen? Der Fall scheint Thea Engel von der Mordkommission Stuttgart sehr eindeutig. Doch dann geschieht ein weiterer Mord, der alle Thesen untergräbt. Gemeinsam mit ihrem Ermittlungspartner Michael Messmer deckt die Kommissarin nach und nach ein Geflecht aus Lügen und Intrigen auf, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Und auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte hat Thea Engel plötzlich zu kämpfen: Als Waise aufgewachsen, stellte sich immer die Frage nach den eigenen Wurzeln. Aber was, wenn die Antwort gleichzeitig eine schreckliche Wahrheit beinhaltet? Psychologisch raffiniert und authentisch aus dem Polizeialltag erzählt: Der Auftakt zur Krimireihe um die Stuttgarter Kommissarin Thea Engel, die zwischen perfiden Verbrechen und den Schatten ihrer Vergangenheit gefangen ist. Für Fans von Daniel Holbe und Susanne Mischke. Dieser Krimi ist bereits unter dem Titel »Die Farbe des Himmels« erschienen.

Britt Reißmann, geboren 1963 in Naumburg/Saale, war Intarsienschneiderin und Sängerin, bevor sie für die Mordkommission Stuttgart zu arbeiten begann. Seitdem veröffentlichte sie zahlreiche Krimis, die u. a. mit dem Delia-Literaturpreis ausgezeichnet wurden. Die Autorin im Internet: www.brittreissmann.de www.instagram.com/reissmannbritt Britt Reißmann veröffentlichte bei dotbooks ihre Krimireihen um KOMMISSARIN VERENA SANDER sowie um KOMMISSARIN THEA ENGEL, den ersten Band dieser Reihe schrieb sie gemeinsam mit Silvija Hinzmann. Auch bei dotbooks erscheinen ihre Reihe um KOMMISSARIN MEIKE MASUR, die auch als Printausgabe und im Hörbuch von Saga Egmont erhältlich ist.
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Kapitel Eins


Als der Alarmapparat klingelte, war Thea Engel allein im Geschäftszimmer. Sie erwartete ein Fax mit den Personalien eines Studenten, der sich am Abend zuvor aus Liebeskummer von dem sechsundfünfzig Meter hohen Bahnhofsturm gestürzt hatte. Selbstmorde waren keine Straftat, und Thea fragte sich manchmal, warum sie eigentlich von ihrem Dezernat bearbeitet wurden. Zugegeben, Stuttgart war laut Statistik die sicherste deutsche Großstadt, und tatsächlich passierte hier nur alle paar Monate ein Mord. Körperverletzungsdelikte und jede Menge unklare Todesfälle, die sich letztlich meist doch als natürliche Tode herausstellten, waren das tägliche Brot der Stuttgarter Mordkommission.

Thea nahm ab. »Engel, Dezernat 1.1.«

»Henning, Funkleitzentrale, guten Morgen.«

»Ich bin nicht sicher, ob der Morgen gut wird, wenn ich einen von euch am Telefon habe. Was gibt's denn?« Thea angelte nach Notizblock und Stift.

»Eine Frau Baric hat eben angerufen. Wenn ich sie richtig verstanden hab, meldete sie eine ›tote Person in Wohnung‹, in Sonnenberg, Orplidstraße 15, Wolf Hauser. Möglicherweise ihr Arbeitgeber. Die Frau war völlig hysterisch, und ihr Deutsch war ungefähr so gut verständlich wie ein Brief vom Finanzamt. Es klang nicht nach natürlichem Tod, aber das werdet ihr schon herausfinden.«

»Danke, wir sind unterwegs.« Thea griff nach dem Personalienblatt, das gerade aus dem Faxgerät kroch. »Du musst leider warten«, murmelte sie, schob es in die Ablage und lief den Flur hinunter.

Ein paar Türen weiter stürzte sie in das Zimmer des Dezernatsleiters Rudolf Joost, der eben sein Zigarillo ausdrückte und die letzte Rauchwolke in die Luft blies. Thea musste unwillkürlich an die kleine Dampflok denken, die im Höhenpark auf dem Killesberg Scharen von Besuchern durch die Anlagen fuhr.

»Ein Toter in Sonnenberg, wahrscheinlich ein nichtnatürlicher Tod«, stieß sie hervor.

Joost griff zum Telefon und wählte eine Nummer. »Micha, kannst du mit Thea zu einer Leiche fahren? Sie erzählt dir alles Weitere.«

Er legte auf. »Und ab mit euch.«

Thea hastete zu ihrem Büro, um ihren Rucksack zu holen. Aus dem Spiegel an der Innenseite der Schranktür blickte sie ihr erhitztes Gesicht an. Wie ich schon wieder aussehe, dachte sie, fuhr sich durch die dichte rote Mähne und band sie in aller Eile zu einem Pferdeschwanz.

»Es ist in der Orplidstraße«, rief sie, als sie die Tür ihres Kollegen Michael Messmer erreichte.

»Das weiß ich schon. Die Buschtrommeln funktionieren mal wieder prächtig.« Messmer steckte sein Handy ein, schloss das Büro ab und lief den Flur hinunter.

»Buschtrommeln? Ich benutze meistens das Telefon.« Thea hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten. Er war schlank und durchtrainiert und überragte sie um mindestens zwanzig Zentimeter.

Messmer grinste sie wortlos von der Seite an und lief noch schneller.

»Wieso rennst du so? Dem Toten hilft diese Hetze auch nicht mehr«, keuchte sie.

»Ihm nicht, aber dir. Das hält fit.« Messmer hielt ihr galant die Tür zum Treppenhaus auf.

Thea schwieg irritiert. Woher kam plötzlich diese kleine, züngelnde Flamme in ihrem Bauch? Der Kerl war für diesen Job eindeutig zu attraktiv. Seine braunen Augen standen in reizvollem Kontrast zu dem dunkelblonden, für die derzeitige Mode etwas zu langem Haar. Michael Messmer verfehlte seine Wirkung auf Frauen nicht, und Thea argwöhnte, dass er das auch wusste.

»Weißt du, wer dieser Wolf Hauser ist, ich meine, war? Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor«, fragte Thea, als sie auf die Pragkreuzung zurollten.

»Wenn mich nicht alles täuscht, ist es dieser Kleiderfabrikant. Merkle & Hauser, kennst du doch sicher.« Messmer bog auf die Heilbronner Straße ab und stieg aufs Gas. Er hatte kein Blaulicht aufs Autodach geklemmt, kümmerte sich aber trotzdem nicht um , die Geschwindigkeitsbegrenzung. »Die machen so Schickimicki-Klamotten, ohne die chemische Reinigungen nicht überleben können«, fuhr er fort. »In meinem Schrank findest du so was nicht. Aber Ulrike fährt mächtig drauf ab.«

Ulrike war Messmers Exfrau, und der Ton, in dem er von ihr sprach, sagte mehr über seine Ehe als das umfangreiche Scheidungsurteil, das Thea mal auf seinem Schreibtisch gesehen hatte. Messmers Trennung von Ulrike lag kaum ein halbes Jahr zurück und hatte ihn Nerven und eine Stange Geld gekostet.

Sie passierten den Hauptbahnhof, jagten durch den Wagenburgtunnel und schossen die Weinsteige in Richtung Degerloch hinauf. Die schlanke Nadel des Fernsehturms kam näher und verschwand dann hinter den Baumkronen.

»Wenigstens sind in der Urlaubszeit die Straßen frei. Die meisten Leute lümmeln wahrscheinlich gerade faul am Strand oder kraxeln die Berge hoch«, sagte Thea.

»Leider auch unsere Kollegen. Hoffentlich kommt jetzt keine Soko auf uns zu. Wir sind total unterbesetzt.« Messmer setzte seine Sonnenbrille auf und konzentrierte sich auf die Straße.

Thea sah auf die Uhr. Es war kurz vor elf. Die Hitze flimmerte über dem Asphalt, und feiner Dunst hing über der Innenstadt unten im Talkessel. Das Thermometer am Armaturenbrett zeigte neunundzwanzig Grad Außentemperatur an. Es war der heißeste August, den Thea bisher erlebt hatte.

Am Albplatz bog Messmer nach rechts ab und verlangsamte die Fahrt. »Wenn ich dir einen Tipp geben darf ...«, begann er und schob die Sonnenbrille nach oben.

Thea sah ihn überrascht an. Tipps brauchte sie so nötig wie unbezahlte Überstunden. Teamarbeit und Fachwissen fand sie viel angebrachter.

»Sperr deine Augen und Ohren auf und lass die Leute zuerst reden, reden, reden. Du musst nur alles aufschreiben. Sortieren können wir es später. Klaro?«

»Ein ganz toller Tipp, danke. Aber ich hab meine Ausbildung schon hinter mir, falls dir das entfallen ist.« Sie sah an ihm vorbei. Arroganter Kerl! Das hatte ihr noch gefehlt, dass er ihr bei jedem Schritt die Welt erklärte. »Du musst hier abbiegen«, erinnerte sie ihn nicht ohne Genugtuung.

Messmer bremste scharf und bog in die Orplidstraße ein.

Vor einem schmiedeeisernen Tor stand ein Streifenwagen. Messmer brachte den schwarzen Mercedes zum Stehen und stieg aus. Ohne auf Thea zu warten, ging er auf die zwei Polizisten zu, die vor der Absperrung warteten.

Thea verfluchte in Gedanken die Hose, die inzwischen an ihren Oberschenkeln klebte. Das T-Shirt war auch schon verschwitzt. Sie knallte die Wagentür zu und holte zwei weiße Schutzanzüge aus dem Kofferraum. Schon bei dem Gedanken, so ein Ding anziehen zu müssen, grauste ihr.

»Vermutlich wurde der Mann erschlagen. Er hat eine große Platzwunde am Kopf. Die Putzfrau hat ihn im Arbeitszimmer gefunden. Sie hockt da drüben, der daneben ist der Gärtner von schräg gegenüber«, hörte Thea den Schutzpolizisten sagen, als sie zum Streifenwagen kam. Resigniert starrte sie auf die Overalls in ihrer Hand. Sie kam also nicht drum herum.

Thea folgte Messmer zu der korpulenten Frau in grellbunter Kittelschürze, die unter einem Kastanienbaum saß. Der Gärtner, ein Inder oder Pakistani, nahm hektisch einen letzten Zug aus der Zigarette, die schon bis auf den Filter abgebrannt war. Aus den Taschen seines grünen Overalls hingen Arbeitshandschuhe heraus.

»Messmer, Kripo Stuttgart. Das ist meine Kollegin Engel. Haben Sie angerufen?«

Die Frau nickte und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. »Ja, ich Sie habe gerufen. Bosiljka Baric isch meine Name. Das alles isch schrecklich, so schrecklich. Wer macht so was?«

»Das kriegen wir schon raus. Kommen Sie, zeigen Sie uns, wo Sie den Toten gefunden haben.«

»Oben, in seine Zimmer.« Frau Baric schniefte und setzte ihre Körpermassen in Bewegung. Sie gingen auf die moderne Villa zu, deren weiße Fassade durch die Äste der Obstbäume schimmerte.

Messmer winkte dem Streifenpolizisten, der gestenreich versuchte, mit dem jungen Gärtner ins Gespräch zu kommen. »Habt ihr schon die Spurensicherung angerufen?«

Er nickte.

»Befragt auch mal die Gaffer da drüben und schickt sie dann nach Hause.« Er wies auf eine Menschentraube, die sich vor dem Grundstück drängte.

Bosiljka Baric zog einen Schlüssel aus der Schürzentasche und drückte die Glastür der Villa auf. Messmer warf einen prüfenden Blick auf das Schloss.

»Ist Ihnen an der Tür etwas Ungewöhnliches aufgefallen, als Sie kamen? War irgendetwas anders als sonst?«

»Nein, alles normal. Die Tür war zugezoge. Herr Hauser schließen nie ab, wenn er isch zu Hause. Und Alarmanlage war ausgeschaltet. Ich hab eine Schlüssel für diese komische Ding, nur einmal ich hab vergesse ausmachen und ... oh Gott, oh Gott ...«

Nicht übel, dachte Thea, als sie den mit hellem Marmor ausgelegten Flur betraten. Die Orientteppiche sahen teuer aus und waren es sicher auch. Sie gingen an einem antiken Tischchen vorbei, auf dem eine angebissene Butterbrezel lag. Auf dem Milchkaffee in der Tasse daneben schwamm eine dünne Haut.

»Meine Frühstück«, sagte Bosiljka verlegen, als sie Theas Blick auffing.

»Sie arbeiten schon lange hier?«, fragte Thea.

»Ja, schon fünf Jahre.« Sie rang nach Luft. »Ich hab geputzt, wie immer, zuerst hier und in der Küche, dann in Wintergarten. Und ganze Zeit liegt der arme Herr Hauser oben in seine Zimmer. Oh meine Gott, meine Gott!.

»Wie oft kommen Sie ins Haus?« Thea holte ihr Notizbuch hervor.

»Montag und Donnerstag, vier Stunde. Ich immer zuerst putze hier unten, und wenn ich fertig, dann ich gehe hoch ...«

»Die Details können Sie uns später bei der Vernehmung erzählen, Frau Baric«, fuhr Messmer dazwischen. »Wissen Sie zufällig, um wie viel Uhr Sie Herrn Hauser gefunden...



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